In the Eye of the Beholder: THE NEON DEMON

Bevor der Vorhang gelüftet wird, meldet sich der Regisseur persönlich zu Wort: „I make experiences, not movies“. Oh Mann. Das fängt ja schon mal gut an. Experiences, was soll das schon bedeuten. Etwas, das ebenso  Michael Bay leicht über seine Filme behaupten könnte, sind die Explosionsstürme eines Transformers Filmes wohl eher ein inkohärenter Augenschmaus als eine vollständige Filmproduktion. Und wenn man es genau nimmt, sollte jeder Film eine Erfahrung sein, eine Horizonterweiterung im besten Fall, eine Fahrt in ungewisse Wasser, aus denen man eventuell verändert auftaucht, wenn auch nicht immer, wie erwartet.

NEONDEMON

Bei Nicolas Winding-Refns Filmen erging es mir zum größten Teil seines (mir bekannten) Oevre zumindest so, dass ich nach den jeweiligen Sichtungen etwas neues „erfahren“ hatte: PUSHER ließ mich fassungslos zurück, die Fortsetzung beinahe erschüttert. DRIVE ist ein Film den ich sowohl inhaltlich, wahrscheinlich aber formal noch mehr liebe. Und auch wenn ich dem Wikinger-Psychodrama VALHALA RISING nichts abgewinnen kann (im Sinne: er gefällt mir einfach nicht!) kann ich die hypnotische und verstörende Art der Inszenierung Winding-Refns und allen voran seine Wirkung nicht leugnen: VALHALA RISING ist in meinen Augen der fortschrittlichste Film des Dänen.

Und jetzt THE NEON DEMON, ein Film der das Wort „Avantgarde“ in namensgebenden coloriterten Lettern auf seiner Stirn trägt. Gleich vorab: TND ist ein ein beinahe satirisch-selbstverliebter, grell-leuchtender, overdressed/underfuckedter  und laut dröhnender Schwachsinn. Ein überlanges Musikvideo für eine Electroband mit dem Esprit einer Chanel N°5 Werbung eines David LaChapelle und der fehlenden Subtilität eines späten Bret Easton Ellis. All glitter, however no gold.

Das Suddern über Filme wie THE NEON DEMON ist selbstredend Suddern auf hohem Niveau. Aber wie der Regisseur selbst sprach, Filme sind Erfahrungen und Emotion. Nur eine billige Ausrede um sich von den inhaltlichen Ohnmächten zu distanzieren? Persönliche Emotion sind der Antrieb für – vor allem für die dialogärmeren Filme Winding-Refns. Man wird durch eine Szene nicht mehr geführt sondern hineingeworfen und gezwungen sich einen Reim auf das ganze zu machen. Wie gut das funktioniert, liegt im ausgespucktem Auge des Betrachters.

Und um endlich auf den Punkt zu kommen: in THE NEON DEMON funktioniert es nicht. Beinahe alles ist berechnend, vorhersehbar und zudem nicht einmal wirklich tiefsinnig. Müsste es auch nicht sein nur die angeberische Plattheit, mit der Winding-Refn seine Gewaltspitzen und Traumexzesse inszeniert, fühlt sich viel zu konstruiert an, eine Mischung aus ONLY GOD FORGIVES und DRIVE, nur eben viel, viel lauter, plastischer und melodramatischer. Das passt zwar alles recht gut zu der Thematik des Filmes – die ach so brutale Fashion-Welt – ist aber bei weitem nicht neu, weder in Inszenierung noch im Inhalt. Und am aller wenigsten in Emotion.

Aber das ist vielleicht auch das, vorauf TND hinaus will: glänzende Oberfläche und nichts dahinter. Wow, ein stichhaltiges Argument gegen die Auswüchse der Modewelt, in der Inszenierung alles ist, wichtiger als das eigentliche Produkt. Augen-öffnend ist das bei weitem nicht, lediglich die Frage, wie sehr der Film selbst damit spielt wäre interessant. TND ist schön, aber nicht so schön, wie andere Filme Winding-Refns (sogar ONLY GOD FORGIVES übertrumpft mit seinen Stumpfsinn die Ästhetik des Dämons). Subtil ist der Aufstieg und Untergang der jungen Schönheit eben sowenig wie zimperlich: der Wandel der Hauptfigur ist ruckartig und verläuft ohne Nuancen und wird am Schluss ohnehin zur Nullsumme erklärt, da die Figur anscheinend immer schon wusste, was in ihr steckt (ha!). Die Thematik der niederträchtigen Glamourwelt wurde auch schon öfters – erfolgreicher – unter die Lupe genommen (wird Zeit MULLHOLAND DR. mal wieder zu schauen).

Der Soundtrack – und bei dem Satz des Regisseurs musste ich die Augen diesmal nicht verdrehen – ist laut und sollte auch laut gehört werden. Oh ja, solche Filme funktionieren wirklich am besten im dunklen, lauten Kinosaal; der mal stampfende, mal leise glitzernde Technosound vibriert schön durch die Sessel und die Brust, das Unbehagen liegt in spürbarer Nähe. Aber so gut Cliff Martinez auch sein mag, die Klangwelten aus TND wurden mir in den letzten paar Jahren schon besser dargelegt (u.a. der fantastische Soundtrack von Disasterpeace zu IT FOLLOWS). Zudem – und das bereue ich sicher, wenn sie Hans Zimmer wieder an alles ran lassen – wird’s nach der Zeit auch etwas langweilig mit dem ewigen Carpent’schen Soundtrack. Es hat zwar alles seine Wirkung, aber irgendwann verfliegt auch diese.

Die Ästhetik ist allerdings alles andere als mies. Winding-Refn versteht es immerhin seinen Schwachsinn gut aussehen zu lassen. Blitzlichtgewitter, leere Räume, leuchtende Bilderfluten. Nicht nur hier gab es viel, dass mir am Film an sich sehr gut gefallen hat. Einzelne Szenen werden ohnehin jedem im Gedächtnis bleiben, aber für mich waren es nicht die Hau-Drauf-Gewalteskapaden (die ohnehin viel zu vorhersehbar und mit einer viel zu großen Mühe des Schock-Value inszeniert wurden), sondern die sich wie jagende Tiere fortbewegenden Massen, die um unsere Hauptfigur kreisen: eh klar, der Mann ist das Böse in dieser degradierenden Welt, jede männliche Figur im Film steht für Etwas und selbst die 180° Wende lässt an der Message nicht zweifeln. Doch wie sich Keanu Reeves im Besonderen und seine Kollegen stets um Elle Fanning scharen, sie ihrer Macht berauben und klassifizieren hat die stärkste Emotion bei mir ausgelöst. Irgendwie fühlt man sich nirgends sicher in der Welt des neonfarbenen Dämonen und die auf der Lauer liegenden Männern, die mit Messern in deine Löcher fahren bringen diese Bedrohung mehr als überzeugend zur Geltung. Leider überwiegt der Drang zur Vorschlaghammermethode, so dass auch der müdeste Zuschauer erkennt worum es geht, ein Muster dass sich durch den Film wie ein blutroter Faden zieht. Immer, wenn es genug wäre, wirft Winding-Refn die Style-Over-Substance Maschine an und bombardiert die Zuschauer mit seinen bedeutungsschwangeren Bildern, die nach der x-ten Wiederholung nicht leerer, steriler, uninspirierter und unerotischer wirken könnten.

Und so streifen Berglöwen durch die Großstadt, junge Frauen vergehen sich aneinander, liegen in seichten, von Rosen umrankten Gräbern, während im Nebenzimmer Mädchen massakriert werden und im Vollmond Blutfontänen geboren werden. Vielleicht geht es hier auch viel zu sehr um die Intention des Filmes. Ist er – oder Winding-Refn – sich über seine Plakativität, seine rohe Aneinanderreihung nichtssagender (oder SO VIEL!! aussagender) albtraumhaften Szenen bewusst? Wie sehr inszeniert und feiert sich TND selbst, wievielt davon bleibt eine müde, ausgelutschte Metapher und wie viel davon ist bewusst ohne direkte Lösung gefilmt? Gegen Ende verdichtet sich der Albtraum und die Ebenen verschieben sich erneut: entweder noch blöder und plakativer oder noch abgründiger, böser und hinterlistiger. Wie gesagt, Schönheit liegt im Auge des Betrachters. In THE NEON DEMON ist es wie die Tagline wiedergibt: it’s the only thing.

 

Familienterror: Filmkritik zu „The Visit“ (2015, R: M. Night Shyamalan)

Herbst 2015: Ein neuer Shyamalan Film kommt in die Kinos und niemanden interessiert es. Früher hat sich das Feuilleton einen Haxen ausgefreut, als der neuste M. Night Shyamalan großspurig in alle Multiplexe angelaufen ist, aber dieses „Früher“ liegt in fernen Sphären, als der junge Drehbuchautor und Regisseur noch als nächster Spielberg gefeiert wurde (nein… wirklich). Das hat sich irgendwie aufgehört, aber ich sag einfach: wir sind alle älter geworden. So ist es (wohl auch nach Filmen wie AFTER EARTH, den niemand gesehen hat oder diesen anderen Film, den alle hassen) kein Wunder, dass der Kinostart von THE VISIT klanglos an mir vorbeigegangen ist. Dann halt auf DVD. Immerhin wird Shyamalan nachgesagt, dass er mit THE VISIT zurück zur alten Form gefunden hat. Oder nicht? Was sollen wir noch glauben? Gibt es am Ende wieder einen Twist? Und: wen interessiert es? *suspensful music playing in background*

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THE VISIT sieht zunächst mal sehr nach einem Back-to-Basics Film aus: simple Story (zwei Geschwister besuchen ihre bis dato unbekannten Großeltern und die sind super komisch drauf), Handkamera, Doku-Aufhänger und Kinder (echte Kinder, keine Tweens die Teens spielen) als tragende Protagonisten. Der dokumentarische Stil bringt wenig Überraschungen mit sich: ein paar eingestreute Interviews mit den Figuren, wacklige Aufnahmen, geringer Willen zur Bildkomposition, unlogische Handlungen (wieso lässt in diesen „Dokus“ nie jemand die Kamera liegen, sondern hält trotz allerlei Gefahren stets auf die Action?) und der übliche Mist, den dieses faule Genre so mit sich bringt.

Diesmal haben wir wenigstens eine kleine Ausrede: die 15jährige Becca ist zugleich aufstrebende Filmemacherin und tata! schon fallen die gezwungenen Szenen und altklugen Dialoge in ein etwas adäquates Muster. Komplett stimmig wirkt der Film jedoch nie. Hier tritt das größte Problem des Filmes auf: THE VISIT wirkt in jedem Augenblick unglaublich gekünstelt, überdramatisiert, unglaubwürdig. Die beiden Hauptfiguren verwickeln sich in prätentiöse Dialoge, der Background ihrer Charaktere wirkt wie ein theatralischer Aufhänger, den es mit allen erdenklichen Mittel im letzten Akt zu lösen gilt und die „persönlichen“ Szenen, in denen die Figuren über sich selbst herauswachsen, entspringen keiner glaubhaften Basis, da alles durchkonstruiert wirkt und wahrscheinlich auch mit der gewissen „Liebe zum Detail“ behandelt wurde. Nur leider macht das im Kontext wenig Sinn. Oder anders gesagt: Ich habe selten einen „Dokumentarfilm“ gesehen, der sounauthentisch wirkt wie THE VISIT.

Derweil muss der Film gar nicht authentisch wirken um, ja zu wirken. Die besten Szenen entspringen dem sich kontinuierlich aufbauendem Grusel, der konstruierten Spannung, der Erwartung, dass einem gleich das Grauen (oder eine nackte alte Frau) entgegen springt. Und das tut es in Formen, die ich dem Film teilweise gar nicht zu getraut habe. THE VISIT ist oft wirklich, nein,wirklich creepy. Mehrmals blieben meine Augen aus Schreck weit aufgerissen und an einigen Stellen, wanderten die Hände fassungslos an meinen Kopf… also, der Schock ist in Shymalans Film durchwegs gut gemacht und bleibt trotz einer gewissen Erwartungshaltung überraschend. Vielleicht hat Shyamalan aus seinen letzten (deutlichen) Misserfolgen gelernt, oder zumindest Konsequenz gezogen. Was an THE SIXTH SENSE, UNBREAKABLE und ja, sogar SIGNS (den hatte ich mal auf DVD, Filmfan-Beichte Nr. 265) am besten funktioniert hat, war die Stille vor dem Sturm, das dramatische Moment, in dem sich die aufgestaute Spannung entweder in Entlastung oder in Schreckensmomenten auflöst.

Und ja, der Film hat seine großen – unübersehbaren! – Schwächen, aber er hat auch seine guten, beinahe exzellenten Momente. Bilder, die mir den sogenannten Schauer über den Rücken jagen, wenn ich nur daran zurück denke. Sanfte Gemüter können sich hier die eine oder andere Albtraumvariation abholen. Ich weiß auch gar nicht, ob der Film dabei eine tiefsitzende Angst streift (ganz persönlich), ob die beiden Antagonisten ein Stück zu unberechenbar sind (fantastisch gespielt) oder ob THE VISIT schlicht ein handwerklich solide gemachter Horrorfilm ist (ganz objektiv).

Oft bewirkt der arge Kontrast der Stimmung (und Form!) nicht selten eine falsche Sicherheit, die mit durchaus bewusst eingesetztem Humor unterlegt wird. Nur, damit wir uns ein bisschen zu sicher fühlen. Aber: THE VISIT driftet sehr oft in Langwierigkeit und Lächerlichkeit ab, was hauptsächlich an den merkwürdig distanzierten und blasierten Figuren liegt.

Aufgesetzte und gekünstelte Charaktere sind mir zwar immer noch lieber, als vorgefertigte Schablonen, die gar keine Persönlichkeit (außer der 08/15-Hero, Damsel-in-Distress, etc. Marvel, ich blicke in deine Richtung) besitzen, aber in THE VISIT ist es schon etwas… befremdlich. Was ich damit sagen will: ich mag’s schon, wenn die Hauptfiguren Eigenheiten besitzen, die über filmische Relevanz hinausreichen, aber dann fängt dieses Vorstadt-Bubi mit angeblichen Sauberkeits-Tick (ein Charakterzug, der für die Geschichte dann relevant ist, wenn es das Drehbuch so will) schon wieder an zu rappen und … nein. (Und dann gibt’s da nebensächliche Figuren wie einen Schaffner, der aus heiterem Himmel zum Beatboxen anfängt. Zum Beispiel. Noch mal: Nein, bitte nicht.)

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This fucking guy.

Schließlich bleibt man etwas ratlos zurück. Nein, nein, der Twist (natürlich gibt es einen, aber er spielt ehrlich nicht so eine große Rolle, so just relax, sit back and figure it out) war schon gut aber irgendwie… so stimmungsvoll manche Stellen auch sein mögen, so ungereimter kommt einem schlussendlich der Film vor. Unfertig. Zusammengewürfelt. Inkonsequent. Mag es an der Form liegen, an den Figuren oder an der bedeutungsschwangeren Familiengeschichte, die nun wirklich niemanden interessiert. Eine etwas weniger melodramatische Charakterentwicklung hätte dem Film durchaus gut getan, nicht immer muss eine alles-verändernde-Einsicht geschehen, manchmal reicht auch eine kleine Einsicht.

Irgendwas wirkt an THE VISIT nicht komplett, nicht relevant. Er sticht hervor, weil er durchwegs Einfallsreichtum beweist, gutes Timing und bewusst gesetzte Angstmomente. Außerdem ist er wirklich gut darin, seine eigentliche Intention zu verstecken: alles kommt für den dritten Akt in Frage und ich wäre (und bin) mit jedem noch so haarsträubenden Ausgang zufrieden, sofern er so spannend erzählt wird, wie die anderen guten Teile des Filmes. Und dann kommt er gekünstelt und oft sogar richtig peinlich daher, zeigt Situationen, die konträr zu dem „authentischen Grusel“ stehen, den der Film propagiert, da helfen auch keine selbstreflexiven Bemerkungen seiner ah-so-cleveren Figuren. Darüber kann ich aber durchaus hinwegsehen, irgendwie gehört das zu dem Film auch dazu, aber die Schwachpunkte dieses Werkes werden dadurch nicht unsichtbar.

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Yaaatzeeeeeeeh!

THE VISIT ist eine etwas bizarre schwarze Horrorkomödie, die hauptsächlich durch das Schauspiel seiner zwei vermeintlichen Antagonisten lebt (nein, wirklich, die beiden Großeltern sind großartig, ähem). Aber dann ist er auch wieder langwierig, übertrieben, unrhythmisch und unverarbeitet. Als hätte sich Shyamalan zuviel Gedanken darüber gemacht, damit es so aussieht, als ob er sich keine Gedanken gemacht hätte. Originell und Kopie zugleich. Langweilig und gruselig. Geschliffen/ungeschliffen. Vieles ist an dem Film irgendwie liebenswert, als auch richtig nervig. Ich musste ehrlich lachen, den Kopf schütteln, gebannt abwarten, was als nächstes passiert nur um dann wieder die Augen verdrehen. THE VISIT funktionier wohl am Besten, wenn man sich nichts vom Film erwartet (und sich bitte nicht den Trailer ansieht!).

Oder mit den Worten von Kettcar zu sagen: dieser Wahn ist lächerlich, dumm und zerissen. Das macht weiter nichts, man muss es nur wissen. Und mit meinen eigenen Worten zu schließen: ja, ich glaube, mir hat er gefallen?

„Eat a cock, kid!“ Review zu „COOTIES“ von Jonathan Milott & Cary Murnion

Eine Schule im amerikanischen Irgendwo. Clint (Elijah Wood) hat heute seinen ersten Arbeitstag als Aushilfslehrer und natürlich geht so gut wie alles schief, was nur schief gehen kann: Die Schüler sind respektlos und verschandeln sein Auto, er wird von einem Umweltvernichter-Auto eingeparkt, seine Kollegen respektieren ihn nicht, sein High-School-Schwarm geht mit dem unsensiblen Supertrottel (siehe Umweltvernichter), die Kinder werden von einer merkwürdigen Seuche befallen und beginnen in Windeseile das Lehrpersonal zu zerfleischen und obendrein findet Clints Mutter seinen Roman alles andere als ansprechend… just another fucking day for a teacher.
cooties!
KRITIK:

Yeah, Kinderzombies! Wer wollte nicht schon mal einen Film sehen, wo Volkschulbiestern der Schädel eingeschlagen wird, weil sie mal wieder dem Schuldirektor die Zähne in den Leib geschlagen haben? Wenn dem so ist, dass ist genau der richtige Film für euch! Stark von Erfolgsfilmen à la ZOMBIELAND motiviert, versucht sich SAW &INSIDIOUS Schreiberling Leigh Whannell (in Zusammenarbeit mit Ian Brennan) an einem Funsplatter, der sich eine höllische Freude daraus macht, Zehnjährigen (auf gut wienerisch) „die Goschn“ einzuhauen. Wer damit kein Problem hat (hey, es sind ohnehin nur Zombies), wird hier bestens bedient.
Obwohl COOTIES mächtig Spaß macht kann nicht geleugnet werden, dass der Film wenig Neues zu bieten hat: Die Story ist die übliche Variation der Zombiekomödie, ohne dabei dem übergroßen großen Vorbild Edgar Wrights das Wasser zu reichen, die Effekte sind zwar blutig aber doch zu CGI-lastig (für meinen Geschmack, praktische Effekte, egal wie „billig“ sie ausehen mögen, werden immer gewinnen!) und die Story das 08/15-Untotenapokalypse-Szenario ohne große Überraschungen. Dass die Bestien diesmal Kleinkinder sind ist an sich ja schon witzig, aber auch sie dienen mehr zur Etablierung des Schauplatzes, als eventuelles Konfliktpotential („Kinder töten?! Geht das?“).
Mag der Plot nicht das Gelbe vom verfaultem Hühnerei sein, das Script ist es. Die Dialoge sind flott und voller Selbstironie, schnell fällt einem auf, dass der Film sich bei weitem nicht so ernst nimmt, wie einige Kritiker (aber vielleicht haben amerikanische Rezensenten einfach ein größeres Problem mit Gewalt an Schulen). Der Schlagabtausch zwischen den Figuren (die sich fast allesamt nicht leiden können) ist witzig und rasant, die One-Liner gut getimed und das Blutbad lässt auch nicht lange auf sich warten. Und ja, auch wenn COOTIES viele Lacher durch seine Hau-Drauf-Szenen kassiert, der wahre Spaß liegt in und zwischen den Zeilen und vor allem an der Darbietung seiner spielfreudigen und überaus gut gelaunten Schauspieler.
COOTIES lebt wahrlich von seinem Ensemble und ohne dieses würde auch der feinste Schenkelklopfer untergehen. Letzen Endes sind es die Darsteller, die dem Szenario das nötige Leben einhauchen und überhaupt: mit Elijah Wood, Rainn Wilson, Alison Pill und last but not least Leigh Whannell ist selbst die ausgelutschteste Trope noch einen Blick Wert. So funktioniert auch das etwas selbstverliebte Drehbuch mit seinem Simpson’esken Humor und Filmreferenzen. Ich persönlich steh‘ ja auf sowas, aber es soll ja diese Leute geben, die so-called metajokes nicht lustig finden (tsk tsk tsk). Aber auch ohne Insiderwitze – die Schauspieler sind hervorragend besetzt und ungemein sympatisch, dass wird auch der größte Hobbit-Hasser zugeben müssen.
Allen voran Elijah Wood. Wer liebt ihn eigentlich nicht, den großäugigen Weirdo mit dem unsicheren Gang und den irren Blick. Je mehr ich von Elijah Wood sehe, umso sympathischer wird er mir. Ehrlich, wagt einen Blick in das fantastische Remake von MANIAC. So creepy und fucked up und dennoch empathisch habe ich schon lange keinen Serienkiller mehr gesehen. Oder seine smarte und bemitleidenswerte Darstellung des suizidalen Ryan Newman in der Serie WILFRED, einem abstrußen Monster aus Kifferkomödie und Psychodrama. Auch hier spielt sich Wood quasi selbst: den verunsicherten, sehr sympathischen Looser, der trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch Probleme hat, mit Frauen zu reden, ohne dabei ins stottern zu kommen. Natürlich verlangt die typische Charakterentwicklung solcher Filme die übliche Verwandlung des Spielballs in den Hero-of-the-Week, aber selbst dieses Charakterklischee wirkt glaubhaft und ist in genug Hintergrund eingebettet, dass man es Elijah Wood jeder Sekunde abkauft.
Unterstützt wird Wood von der charismatischen Alison Pill, die eine sanfte Dekonstruktion des zu nervigen manic pixie dream girl mimt, in dem sie mit skurillen Lacher und ungläubigen Kulleraugen durch den blutigen Albtraum stolpert. Rainn Wilson channelt sich quasi selbst und spielt das was er am Besten kann; einenunsympathischen Ignoranten, der mit brachialen Ton jeden einschüchtert und in bester schruteness die stärkste Leinwandpräsenz zeigt. Und das der versteckte Star (und Co-Writer) des Films: Leigh Whannell, der bereist in SAW und INSIDIOUS seine komödiantisches Talent zeigen konnte. Nur ist es diesmal nicht fehl am Platz, sondern überaus willkommen und saukomisch. Whannell ist (in meinen Augen zumindest) überaus charismatisch, besitzt ein feines Gefühl für Timing und hat die besten One-Liner parat. Als sozial verkrüppelter Sexualkundelehrer findet Whannell immer die falschen Worte zur falschen Zeit und ist der Inbegriff des Comic-Relief in einem Film, der ohnehin schon sehr witzig ist.
Alles in allem ist COOTIES durchaus gelungen und funktioniert gut als einenhalbstündiger Partyfilm und/oder Einstige für einen soliden Funsplatter-Filmabend. Wie gesagt, das Gemetzel bewegt sich in einem wenig beeindruckenden Spektrum und ist in keinem Moment mit neuseeländischen Splatter-Meisterwerken vergleichbar. Der Plot kann von der vorhersehbaren Drama-Kurve dann doch nicht ab und die Figuren, so liebevoll und witzig sie auch gezeichnet sein mögen, müssen alle die Stadien der Mainstream-Dramaturgie durchlaufen: unerwiderte Liebe, heldenhaftes Opfer, allseitsbekannte Missverständnisse, bla bla bla… aber wenigstens hält sich der Film nicht all zu lange damit auf. Der Zombie-Survival-Plot lässt am Ende niemanden überrascht zurück, das Finale wirkt beinahe wie eine Verpflichtung die das Genre als Opfer verlangt und nennenswerte Tiefe zeigt der Film auch selten. Und trotzdem – COOTIES ist vor allem wegen seines Ensembles sehenswert, der Film selbst mit einer wundervoll schwarzhumorigen und tongue-in-cheek Stimmung durchwegs unterhaltsam und auch wenn er nie wirklich spannend wird, bleibt er jederzeit witzig. Das reicht allemal.

coooooooootieees!
FAZIT:Fans von ZOMBIELAND und SHAUN OF THE DEAD können hier getrost reinschauen und auch wenn der Film auf der Plot- & Splatterseite keine neuen Einfälle bieten kann (außer, natürlich: Kinderzombies!), ist es die wundervolle und spielfreudige Truppe (angeführt von unserem Lieblingshobbit Elijah Wood) die mit viel Witz und Charisma dem Film sein CGI-blutiges Leben einhaucht. Mit gutem Timing, lässigen One-Linern, schrägen Figuren (Lehrer haben alle einen an der Waffel) und morbidem Humor kann man sich auf einen unterhaltsamen Filmabend freuen und COOTIES für das nehmen, was er ist: bloody fun. In diesem Sinne: „Oh look! Carnage!“

PS: Bei Gelegenheit, werft ein Ohr auf den Soundtrack von KRENG, der ist nämlich auch ziemlich fein.

Open Wide: Review zu KNOCK KNOCK von Eli Roth

STORY:

Keanu Reeves hat das Wochenende für sich allein, während Frau und Kinder sich einen Strandkurzurlaub gönnen. Spätnachts klopfen zwei klatschnasse Stewardessen an seiner Haustür (hence the title) und bitten um Obhut. Da Keanu nun mal nicht so ist, lässt er sie natürlich rein, bemerkt jedoch bald, dass die jungen Frauen weit mehr im Sinn haben, als sich nur abzutrocknen.

Puh, es war echt schwer im letzten Absatz keine blöden Witze einzubauen.

super
KRITIK:

Ein Raunen geht durch den Saal, als nach einer schier endlosen Fülle an Logos und Production Companie-Titles endlich ein Anhaltspunkt die Leinwand füllt: Keanu Reeves. Wer sich am laufenden hält, weiß bereits, was ihn oder sie erwartet, ein großer Teil wird beim Namen des Regisseurs die Sorgenfalten auspacken und ins Gesicht kleben und der Rest des Publikums (sofern er nicht schon zuvor den Saal verlassen hat), weiß es spätestens nach dem Film. Der diesjährige Überraschungsfilm des /slash Filmfestival ist, für all jene, die vergessen haben, welches Review sie gerade lesen, Eli Roths neustes Werk KNOCK KNOCK und – in Anbetracht der bisherigen Qualität der Surprise-Movies – eine herbe Enttäuschung.

Ich würde ja gerne mit einer kreativen Beleidigung für Eli Roth Film eröffnen, aber zu sagen, es handle sich um einen „Eli Roth Film“ sollte reichen. Dennoch, es gibt durchaus Leute, die mit seinen Filmen was anfangen können und auch wenn ich seine Filme alles andere als ansprechend finde, kann ich die morbide Faszination hinter seiner HOSTEL Reihe eh auch nachvollziehen. Jeder hat so seine guilty pleasures, aber …aber! KNOCK KNOCK wird wohl auch seinen Fans nicht goutieren, denn – neben seiner typisch Roth’schen Dummheit – ist er abseits davon untypisch lahm und überraschend zahm. Sorry, Torture-Porn-Fans, anscheinend müsst ihr doch auf den regulären Kinostarts des highly anticipated GREEN INFERNO warten. Da sollen wenigstens die Eingeweide fliegen.

Nach fleischfressenden Bakterien, fleischfressenden Folterern und fleischfressenden, äh, Kannibalen reihen sich nun fleischfressende Nymphen in Eli Roths Œuvre. Sprichwörtlich diesmal, nichts desto trotz kommen die üblichen Schablonen zum Einsatz: Fassadenmenschen, deren sogenannte „Heile Welt“ nur eine Haaresbreite von Chaos und Entmenschlichung entfernt sind, hormongetriebene Protagonisten, die sich all zu schnell von ihren Gelüsten treiben lassen und dabei sowohl zivile als auch logische Konventionen so mir nichts dir nichts links liegen lassen. Diesmal am Pranger: ach-so-gute-und-treue-Ehemänner. Ohne jetztübermäßig viel zu Spoilern: natürlich ergibt sich Keanu seinem geheimen Verlangen, doch, wer hätte es geahnt, hier fängt der Albtraum erst an…

Die meisten Eli Roth Filme verliefen bis jetzt ziemlich gleich. Dumme und unsympathische Inbegriffe des „dummen und unsympathischen Amerikaners“ winden sich durch eine Dreiviertelstunde leerer Dialoghüllen bis die Hölle um sie losbricht, so auch hier: Keanu Reeves präsentiert im Sekundentakt Klischees seines überdurchschnittlich wundervollem Familienleben mit ein paar, ähem, „subtilen“ Seitenhieben auf ein nicht ganz erfülltes Sexleben. Als die zwei sexy Señoritas an seine Haustür klopfen, begibt sich der Film in das Territorium des erotischen Thrillers und unweigerlich drängen sich feuchtfröhliche Vergleiche mit seinem unübersehbaren Vorbild WILD THINGS auf. Doch während WILD THINGS wirklich etwas zu bieten hat – und nein, ich meine nicht Matt Dillons knackigen Hintern, wobei, doch … nicht nur – besteht die „Erotik“ in KNOCK KNOCK hauptsächlich aus einem endlos langatmigen Reise-nach-Jerusalem-Spiel, dass Hauptfigur Avan mit den zwei Sukkuben (ja, wirklich, ich hab nachgeschaut) spielt.

Der Dialog ist grotesk und aufgesetzt, konstruiert und komisch (in jederlei Hinsicht) und dient völlig zum Hinauszögern des ohnehin schon Erwarteten; dass die sexhungrigen Frauen den bis zu diesen Abend doch treuen Gatten letzten Endes doch noch verführen und ihn konsequent bestrafen, kann kaum als Wendung bezeichnet werden. Selbst das Plakat mit seiner käsigen Tagline schreit bereits in diese Richtung: One night, can cost you everything. Mehr kann hier auch nicht verraten werden, weil es nicht wirklich mehr zu verraten gibt.

Hier verliert sich der Film dann vollkommen, da er nicht wirklich weiß, was er eigentlich will. Einerseits speit er pop-psychologische in alle Richtungen, die das Vorgehen seiner Figuren unterzeichnen soll, spielt mit der Heuchelei seiner Figuren und sinniert über die Sexualisierung seiner Figuren – gleichzeitig entzeiht er sich jeder Art von Selbstreflexion, indem er sich in einer ätzenden Lacke zynischem Humor suhlt und konstant sich an dem labt, was er so vorbidlich anprangert. Außerdem: jede Gelegenheit, die der Film hätte eine verstörende Konsequenz oder die zu erwartende Härte an den Tag zu legen, streicht vorbei und mündet meist in einem bissigen Kommentar, der hintergründig wirken will, aber –

Ja, aber was? KNOCK KNOCK fühlt sich an, wie ein Witz der überlang aufgebaut wird und dessen Pointe komplett flach fällt (hey! so wie meine Rezensionen! Something something meta-jokes). Der Film ist weder spannend, noch ausufernd (ein Element, dass ich Roth, so sehr ich ihn auch missbillige, nicht absprechen kann), noch hat er interessante Figuren oder eine wirklich originelle Message (und gegen die filmt er grandios dagegen, aber das ist die typische Demagogie seiner Filme, also, meh). Er beinhaltet lediglich typische Elemente aus anderen erotischen und nicht-erotischen Thrillern, die ihre Thematik stets selbstbewusster und gewissenhafter behandeln als Roth es in seinem Film tut. Dabei borgt er schamlos von WILD THINGS (s.o.) oder HARD CANDY, klatscht hier und da ein paar Brüste ins Bild, dann ein bisschen Blut hier und ein halbgares Ende und fertig. Das war’s. Es ist echt nix besonderes, eher das generische Gegenteil.

Die sogenannte „Erotik“ ist alles andere als ansprechend und wechselt vom „unschuldigen Schulmädchenkostüm“ in das der „verruchten Femme Fatale“ öfters als Keanu Reeves seinen Sessel. Leider – „leider“ – ist der Unterton plump, wenig ansprechend und die verbalen Anbiederungen könnten aus einem Porno stammen. Zudem ist er noch sexistisch, Micahel-Bay-sexistisch und zwar inalle Richtungen, aber das muss in Anbetracht der Umstände wohl nicht mehr erläutert werden. Ach ja, und dann ist da noch die sogenannte „Moral“ des Filmes, die man sogar ignorieren will, wäre sie nicht großen Lettern auf die Leinwand geschrieben: Eli Roth holt dir einen runter, während er dich angrinst und sagt, wie verlogen du nicht bist. Als sogenannter „Filmkritiker“, der sich hier über den Film auslässt, mache ich mich insofern genauso schuldig und benutze quasi die selben Ausreden, wie der gequälte Keanu Reeves:„YOU came out to me! What was I supposed to do? Ok, Eli Roth, you got me there.

Während andere Werke aus dem Stoff ein ansprechendes Katz-&-Maus Spiel machen könnte, gibt sich KNOCK KNOCK nicht einmal die Mühe, mit den Erwartungen und der Empathie der Zuschauer zu spielen oder Sympathien zu verschieben, sondern bleibt in dem strengen Rahmen eines generischen Home-Invasion Thrillers, der sich nicht sonderlich mühe gibt, seinen Opfern und/oder Tätern Tiefe zu verleihen. Letzten Endes war es mir herzlich egal, wer warum eine auf den Deckel bekommt. Und selbst da wurde ich enttäuscht; gut gemacht Eli Roth, endlich will ich, dass dein widerliches Schlachten beginnt, endlich bin ich mal auf deiner Seite und was passiert? Eine fürchterlich editierte Soft-Sexszene und eine Gabel in der Schulter und dazwischen ein bisschen Fernsehfilmgewalt. Ich weiß nicht, aber abgründig sieht für mich anders aus. KNOCK KNOCK ist erstaunlich zahm für – ja, eigentlich für alles. Für die Thematik, für die „Offenheit“ seiner angeblichen Sexualität, für die angedrohte Gewaltphantasie und letztendlich für Eli Roth selbst. Das sich selbst als Anti-Mainstream-feiernde so-called enfant terrible ist hier konventioneller und fader denn je und ja, das macht diesen Film beinahe noch schlechter als seine anderen, mit bewusster Provokation gewürzten Gewaltorgien. Beinahe.

Denn bei aller Blödheit und all den Klischees – und davon gibt es mehr als genug und sie alle aufzuzählen würde den ohnehin schon großen Rahmen sprengen: nehmt einfach alle Klischees, die euch an amerikanischen Slashern stören und streut sie in den Plot von KNOCK KNOCK – Eli Roths Film ist irgendwie auch…komisch. Gutkomisch. Es wäre gemein, dem Film die bekannte „unfreiwillige Komik“ zu unterstellen, denn all der Blödsinn ist durchaus witzig gemeint. Eindeutig witzig. Und ab und zu hat KNOCK KNOCK ehrliche Lacher von mir geerntet. Es hilft natürlich, dass alles rund herum in einem strunzdummen Setting eingebettet ist, aber selbst die bewusste Komik funktioniert – meistens. Einerseits hat man Keanu Reeves selten – um nicht zu sagen, nie? – so gut gelaunt gesehen und sein Over-the-Top-Acting ist schon sehr sympathisch. Ob er nun das spielerische „Familienmonster“ oder den geschlagenen Hysteriker mimt, Reeves hatte eindeutig Spaß an seinem Spiel (immerhin hat er den Film auch produziert, warum auch immer). Nur als hin-und-her-gerissener Spielball seiner sexhungrigen Gäste funktioniert er nicht wirklich, was aber auch an der schwach inszenierten Szenerie liegt. Der Film mündet in einem bescheuertem, vie Facebook geteiltem sozialem Kommentar, der die Kirsche des Klamauks darstellt. In dieser letzten bösen Pointe schimmert Eli Roths allseitsbekannter Menschenhass und Zynismus durch. Hier trifft der Nagel auf den Kopf oder/und so weiter, und ich musste laut auflachen. Aber (ein sehr großes aber )- ein schöner Rahmen macht die „Kunst“ trotz allem nicht kunstvoller. Und die paar Witze diesen Film sicher nicht sehenswert.

FAZIT:

Ein typischer Roth, zumindest im Tonfall: tief sitzende Misanthropie und Einwegmoral, die der Film in seiner zynischen Art ständig und unbewusst dekonstruiert. Was fehlt: überschäumende Gewaltausbrüche. Was bleibt? Ein fader und ziemlich dummer Home-Invasion Thriller mit plumper Sportsender-Erotik und keinen nenneswerten Überraschungen. Und auch wenn Keanu Reeves und eine heftige Prise schwarzer Humor über die Langeweile helfen, zahlt sich dieser konventionelle und klischeebeladener Genrefilm wirklich nicht aus. Zu guter Letzt noch die beste Zeile aus dem Film: „Knock Knock. Who’s there? Cheating Evan. Cheating Evan Who? Cheating Evantually gets you killed!“ Bitte. Jetzt braucht ihr den auch nicht mehr sehen.

Ein dunkles Gefühl, das man nicht loswird: Review-Essay zu „THE BABADOOK“

Die Geschichte beginnt so:

If it’s in a word or in a look
You can’t get rid of the Babadook

A rumbling sound 
then 3 sharp knocks
ba-BA-ba 
dook
dook
DOOK.

mister

2014 ist ein gutes Jahr für Horrorfilme. Das Genre, das gerne für tot erklärt wird erfährt in meinen Augen zumindest eine kleine Renaissance. Alleine am diesjährigen /slash waren gesammelt mehr Filme dabei, bei denen ich mich gegruselt – und ich meine so richtig gegruselt! – habe, als in den letzten fünf Jahren zusammen. Aber vielleicht werde ich auch einfach nur alt und sensibel, habe Frieden mit mir geschlossen und kann mich endlich wieder ganz in solche Filme einlassen. Aber das letzte Mal das mir so wohlig und mulmig die Gänsehaut über die Arme gewandert ist war vor vielen Jahren, als ich das Verbinskis RING Remake im Kino (und dann immer wieder auf DVD, zum Glück waren VHS damals schon out) erblickt hatte. Und dieses Jahr fror mir mein selbstgefälliges Kritikergrinsen gleich ein paar mal ein: da gabs einerseits den unheimlichen IT FOLLOWS (offensichtlich habe ich Angst vor Flüchen – oder vor Sex), andererseits den überraschend guten OCCULUS (wirklich! Das hätte ich von allen Filmen am wenigsten erwartet). Und dann dieser Film.

Es ist spät und sich den Trailer auf YouTube anzuschauen vielleicht nicht unbedingt das Klügste, aber ich hatte die Woche ohnehin nicht vor zu schlafen, außerdem muss man da als Rezensent durch. Also noch einmal. Ba-dook. Dook. DOOK.

Als die alleinerziehende Mutter Amelia eines Tages das etwas obskure Kinderbuch findet, denkt sie sich nicht viel dabei. Prompt wird es ihrem Sohn Samuel vorgelesen, der aber sehr schnell Angst vor dem Mister Babadook bekommt; kein Wunder, ist die titelgebende Hauptfigur des Pop-Up Buches keineswegs ein angenehmer Geselle. Er schleicht sich an und bevor du es weist, hat er dich! Natürlich wirft Amelia das Buch weg, doch der Babadook ist schon längst hier und geht auch nicht mehr fort. Ihr Sohn sieht ihn zuerst, doch glaubt Amelia ihm vorerst nicht. Bis sie aber keine Wahl mehr hat und der Wahrheit ins Auge blicken muss…

Als ich mit einem ehrfürchtigen aber zufriedenen Lächeln aus dem Kinosaal schritt, bemerkte ich sofort den allgemeinen Konsens: lange Gesichter, kein Applaus und kurze Wortfetzen: „Also so super war der jetzt nicht.“ Gut, dachte ich mir, umso besser. Kann ich mal wieder dagegen sein. Aus Prinzip. Und wie jeder vernünftige Mensch, hievte ich mich hinter die Tastatur und suchte im Internet nach Stimmen, die mir recht gaben. Während sich meine Meinung über den satanistischen Geheimbund, der Hollywood fest im Griff hat nur verstärkte, stieß ich nebenbei auch auf ein paar wohlwollende Stimmen zu dem wundervollen BABADOOK. Und gar nicht wenige: 100% faulige Tomaten (Stand: als ich das letzte Mal nachgeschaut hab‘) zum Beispiel gibt es für den Film, der als Kickstarter-Projekt ins Leben gerufen wurde. Und ja, normalerweise soll man dem Hype nicht believen, aber dieses Mal ist dieser durchaus gerechtfertigt.

Vielleicht war das Publikum an meiner Seite etwas enttäuscht über die angesammelte Spannung, die sich nicht in Schockeffekten löst, sondern sich wie ein Tuch über den Film legt. Vielleicht war es auch die zu symbolträchtige Auflösung oder das Finale, dass sich nicht in einem James Wan’schen Geisterwrestling sondern in einer tiefen Erkenntnis äußert. Vielleicht auch, weil der Film erzählt und seine Zuseher nicht von Schreck zu Schreck jagt. Ich unterlag jedoch einer Elektrizität und Spannung, die mich fest umschlossen hatte und ich war von Charakteren gebannt, deren Ehrlichkeit und Schicksal fast zu Tränen gerührt haben. Das mag vielleicht persönliche Gründe haben, ich kann es ehrlich nicht sagen, aber es sind nicht die selben, die mich bei THE INNKEEPERS par exemple angesprochen haben. Nein, in THE BABADOOK fließen keine eigenen Erfahrungen ein, keine Clerks-Generation-Selbsterkennungs-Geistergeschichte und auch keine unbewussten Ängste vor Kinderbüchern oder Urängste vor dem Mann im Schrank, es ist schlicht und einfach die Geschichte dieser einsamen Frau die trotz allen Mutes und Kraft an ihrer Mutterschaft zerbricht. (Da kann man jetzt sicherlich ganz viel hineininterpretieren…)

Ich geb’s ja zu, ich bin ziemlich sexistisch. Ich mag Frauen in Horrorfilmen einfach mehr (da kann man jetzt sicher auch viel hineininterpretieren…) und damit meine ich nicht das übliche Final Girl (nein, das muss wenn schon Sharni Vinson sein), sondern die zerbrochene Figur aus THE OTHERS oder die ehrgeizige Journalistin aus THE RING. Okay, ich mag nicht Frauen in Horrorfilmen, ich mag Mütter in Horrorfilmen (oder Blondinen), aber Amelia, Grace und Rachel haben eines gemeinsam: eine unerbittliche Bestimmheit gegen die Bedrohung zu schreiten, koste es ihr Leben. Ihr Charakter treibt die jeweiligen Filme an, sie sind der Schlüssel warum abseits von Schockeffekten und düsterer Atmosphäre die Geschichten auch funktionieren; nicht weil man sich so gut in sie hinein versetzen kann (oder, das vielleicht auch), sondern weil man ihren Kampf regelrecht spürt. Essie Davies fabelhaftes Schauspiel sieht man nicht nur, man fühlt es. Amelias Verzweiflung und Angst spürt man jede Sekunde in THE BABADOOK, umso stärker und gewaltiger wirken die Momente, in denen sie sich gegen das Monster stellt.

Ach ja, das Monster. Es ist so viel mehr als nur ein Monster, es ist ein Angst, keine die dich verfolgt, sondern die tief in dir drinnen sitzt. You can’t get rid of the Babadook. Der finale Kampf fügt sich wunderbar in den bisherigen, den Amelia hinter sich hat und wirkt beinahe vergebens, als sich die wahre Gestalt des Wesens offenbart. You. Can’t. Ist der Babadook einmal drinnen, geht er nie wieder weg. Die traurige Erkenntnis wird zu einem der schönsten Szenen, die ich je in einem Gruselfilm gesehen habe und hat zwar nicht die selbe Twist-Essenz eines SIXTH SENSE, aber versprüht die selbe törichte Erleichterung. Akzeptanz und Heilung. Und keine Angst, ich verrate nicht zu viel – wenn überhaupt dient das hier nur diesen Film auf einer weiteren Ebene zu erkunden, primär ist und bleibt THE BABADOOK nämlich ein hervorragender Gruselfilm.

Und wie: es knarzt und ächzt in dem Haus, dass sich merkwürdig einsam anfühlt. Die Figuren atmen unter ihren Bettdecken und wir halten ihn an, als der Babadook kommt, die Starre setzt ein und die Finger graben sich in den Kinsessel – ba dook. Dook. DOOK. Dieses Kinderbuch ist wahrscheinlich das unheimlichste Medium seit dem berüchtigtem Ring-Video; White-Noise-Aufnahmen hin, alte Schalplatten her, böse Puppen am Arsch, die Präsentation von „Mister Babadook“ ist verdammt, verdammt, verdaaaaaammt unheimlich und das Buch gibt es leider nirgends zum erwerben, aber mit viel Glück lässt man sich für die Heimkino-Publikation etwas nettes einfallen. Ich würde viel zu viel Geld für dieses Buch ausgeben, dass ich mir dann doch nicht ansehe, weil ich ja auch irgendwann noch schlafen muss.

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THE BABADOOK ist des Übrigen – falls ich es noch nicht genug erwähnt habe – ein wunderschöner Film, in bezaubernden Farben, fabelhafter Bildkomposition (und hier stimmt das Wort Komposition) und grandiosen Design. Jennifer Kent schafft es trotz glasklarer und filmischen Glanzbildern, dem Film einen zerstörten Look und eine tiefe Traurigkeit zur verpassen ohne dabei prätentiös, übermäßig glatt oder unnötig hochstilisiert zu wirken. Dem Drehbuch wird durch das Schauspiel der beiden bezaubernden Akteure Essie Davies und Noah Wiseman (als best fucking kid ever!! Nein, wirklich Wiseman spielt – vor allem für sein Alter – so dermaßen unglaublich gut) das nötige Leben eingehaucht: jede Szene stimmt, jede Stimmung wird perfekt eingefangen und noch die leiseste Mimik der Schauspieler reist einen mit. Man möchte aufstehen und das Mutter-Kind-Gespann umarmen, so lange umarmen bis ihr Schmerz sich in Luft aufgelöst hat, die Tränen getrocknet und die dunkle Nacht vorbei ist.

Vermisst habe ich lediglich eindringlichen Score (wenn ich Hans Zimmers Ring-Thema höre, brauche ich nur die Augen zu schließen um den in rot-leuchtenden Ahornbaum vor meinen Augen zu sehen), der den Film die letzte einmaligen Wiedererkennungswert verpasst. Ebenso wenig definiert Kents Film das Genre neu oder setzte neue Maßstäbe, dafür ist der Film etwas zu sehr in seinen Grenzen verankert. Und trotz seines sich fügenden Endes bleibt eine vage Note des Verdrusses, als ob jemand die Kirsche einer ansonsten formidablen Schwarzwälderkirschtorte vergessen hätte. THE BABADOOK hört leise auf, auf eine stürmische Nacht folgt ein ruhiger, mit tau benetzter Morgen. Und dann endet der Film mit einer aufkeimenden Blüte und einem dunklen Bild. Schlicht und leise glücklich in seiner Einfachheit. Ein schwaches Gefühl regt sich, dass da noch etwas fehlt – und ja, das tut es auch. Denn Amelias Geschichte ist noch nicht vorbei, sie arbeitet im Kopf des Zusehers weiter, dem leider nichts anderes bleibt als zu hoffen. Hoffen, dass das Monster eines Tages verschwindet. Hoffen, dass es nicht auch Samuel heimsuchen wird. Hoffen, dass sich eine liebende Hand anbietet, die mit einem sanften Druck in eine Richtung weist, die da besagt: „Ich helfe dir, es zu besiegen.“

Doch leise, ganz leise fürchten und wissen wir alle: You can’t get rid of the Babadook.

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Und so hört diese Geschichte dann auf.

Dark Doom Honey: Review zu „IT FOLLOWS“

Es gräbt sich tief unter die Haut, ein Gefühl das dich nicht mehr loslässt. Es klopft an der Wand, es schmettert seine Fäuste gegen die Tür, es schlägt durch die Fenster: es verfolgt dich. Du kennst es vielleicht, manchmal kommt es in der Form eines Menschen den du liebst, nur um dich umso stärker zu zerstören oder um dir klar zu machen, dass es kein Entkommen gibt. Du kannst laufen, aber du kannst dich nicht verstecken. Es kommt langsam auf dich zu, sehr langsam, aber es kommt. Wo auch immer du bist, du vergisst nicht: es kommt.

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„Ein ausgesprochen ästhetischer Mindfuck. Streckenweise ernsthaft unheimlich.“, schreibt der filmtipper Harald auf seiner Facebook-Seite und Kollege Gregor legt gleich nach und lobt den Score. Und Recht haben sie: IT FOLLOWS brilliert gleich von Anfang an mit seinen haunting pictures, seinem bizarren und hypnotisierenden Rhythmus und – ja – allen voran mit seiner hervorragenden Musik von Disasterpeace, wodurch die Intensität der Szene immens potenziert wird. Leider werden meine Reviews immer 1000 Wörter lang, an sich könnte man es bei diesem Statement belassen. Der Film ist ein obskurer Mindfuck, yes, und er zieht seine Bahnen tief in das Knochenmark, yes, aber eines musste ich dann doch loswerden: IT FOLLOWS ist streckenweise leider auch ernsthaft langweilig

Die bekannteste Horrorfilm-Trope der Welt (nein, nicht die, dass der Killer immer ein zweites Mal kommt), dient hier als Aufhänger: nur die Jungfrauen überleben Death by Sex, sozusagen. Ist der Fluch, den man sich in IT FOLLOWS einfängt durch Sex übertragbar (ob geschützt oder nicht spielt hier keine Rolle, obwohl es nach dem Film diesbezüglich ein wenig Diskussionsstoff gab).Die notgeilen Jugendlichen sind ja allesamt promiskuitiv, da vermehrt sich der Geistervirus quasi wie von selbst. Eines Tages erwischt es die hübsche Jay (natürlich, in Horrorfilmen sind sie immer hübsch), die nach einem kurzen Liebesabenteuer von ihrem Sexpartner plötzlich entführt wird. Dieser fesselt sie an einen Stuhl um ihr – sonst würde sie es nicht glauben – vorzuführen, gegen welche Kraft sie es nun zu tun hat. Und holy fuck, was nun auf Jay (und uns) zukommt – im wahrsten Sinne des Wortes – ist unbestreitbar grausam, unbarmherzig und unaufhaltsam. Jeder Schritt Entfernung zählt.

Regisseur David Robert Mitchel hat DAS Filmmonster der letzten Jahre auf die Leinwand gezaubert. Und dabei stimmt der Terminus Filmmonster nicht einmal, den Monster haben meist wenigstens ein Gesicht. Das Wesen in IT FOLLOWS lässt sich schwer beschreiben, es drängen sich Vergleiche wie albtraumhaft oder irreal auf, zwar hat das „Monster“ einen Körper, doch keinen festen, erscheint nie in selber Form und es ist vor allem eines: allgegenwärtig. Der eine Schatten zuviel. Das Wissen, das hinter der Tür jemand lauert. Der Grund für das Knirschen des Bodens zur Stunde des Wolfes. IT FOLLOWS ist viel zu gruselig, dass man genauer darüber nachdenken möchte und wer sich diesen Film spätnachts, alleine zu Hause antut hat sie nicht mehr alle. Selten hat mich ein Film NACH der Vorstellung so sehr gegruselt.

Dass liegt auch daran, dass hinter der Idee viel mehr liegt, als hinter der Präsentation. Das /slash-Programm bringt es gut auf den Punkt „IT FOLLOWS ist ein abgründiger Urangstfilm“ und gerade diese Angst macht ihn so stimmungsvoll und bemerkenswert. Leider hält sich die Stimmung nicht durchgehend und das liegt hauptsächlich an den Figuren und dem mageren Drehbuch.

Warum müssen Horrorfilme auch immer im Milieu von irgendwelchen Teenies spielen? Nicht einmal SCREAM 4 schafft es Abseits der hormongetriebenen Zielgruppe zu fischen und der hätte allen Grund dazu zur Abwechslung mal Erwachsene an das Messer zu liefern, ist Sidney mittlerweile keine Studentin mehr. Bei IT FOLLOWS liegen die Gründe auf der Hand, ist das „Monster“ eindeutig eine metaphorische Missbildung des generischen Teenage-Angst Begriffs: IT FOLLOWS sprüht aus jeder Pore die jugendliche Angst vor der körperlichen Zweisamkeit und lässt vor allem nicht mehr los. Leider reicht das nicht um bei den „Opfern“ das selbe Interesse zu wecken, die das „Monster“ bereits geweckt hat.

Die erste Assoziation meiner besseren (und klügeren) Hälfte war augenblicklich die Graphic Novel BLACK HOLE, in welcher den Jugendlichen nach dem Geschlechtsverkehr abnorme Deformationen wachsen und sie sich deswegen gezwungen fühlen, verstoßen und abseits der Zivilisation von nun an ihr Dasein zu fristen. Eine weitere Assoziation bildete sich beim Revue passieren des Filmes: der Film erinnere sehr an Sofia Coppolas THE VIRGIN SUICIDES und auch das stimmt in meinen Augen auf mehreren Ebenen: Coppolas Film ist ebenso ein langatmiger Film mit selbstverliebten Figuren und einer angeblich authentischen Darstellung der jugendlichen Lebensweise. Er ist einer dieser Filme, der lieber Fragen aufwirft, als Antworten zu geben (und das ist okay, ich muss auch zugeben, ich bin weder Fan von Sofia Coppolas Filme – mit der einen Ausnahme – oder der Romanvorlage von Eugenides). IT FOLLOWS verhält sich mit seinen Figuren ebenso: es wird wenig geredet, Blicke werden gewechselt und der Dialog besteht vorwiegend aus dem, was nicht gesagt wird. Und wie gesagt – das ist vollkommen okay, wenn die Figuren so gezeichnet sind, dass es klar ist, was zwischen ihren Nicht-Wörtern schwebt, oder dass es mich zumindest interessiert. Und das tut es nicht.

Die Jugendlichen in David Robert Mitchells (zwei Vornamen-Namen werden ab jetzt immer ausgeschrieben!) Film sind idealisierte Heranwachsende, deren Persönlichkeiten genau so viel Originalität tragen, wie die leicht bekleideten Fleisch-Pakete in Slasherfilmen. Statt den Chearleadern und den Jocks haben wir hier stattdessen die Dostojewski-lesenden einfühlsamen, die-Welt-versteht-uns-nicht-aber-wir-verstehen-die-Welt Dreamboysandgirls, die sich (wie in Gedichten 15jähriger) in ihre Vorstellung eines erwachsenen und reifen Lebens flüchten. Und nein, mich stören Dostojewski-lesende Jugendliche keineswegs und ich finde sie auch keineswegs unglaubwürdig – mich stören nur diese, die das auf ihrem Ariel-BH-iPad tun und ihr Leben in der heilen-Vorstadt-Welt-mit-Kanten durch scheinbar tiefsinnige Zitaten im richtigen Augenblick kommentieren. Who the fucks does that? „Hey, ich hab hier ein Kafka-Zitat, das passt sehr gut zu unserer ausweglosen Situation“ ist das neue, „Wir sollten uns trennen“, zumindest in Indie-Horrorfilmen. IT FOLLOWS trieft von diesen Zweck-Figuren, die nicht zur Stimmung beitragen, sondern mich träge aus dem Film gerissen haben.

Es ist durchaus klar, welches Lebensgefühl David Robert Mitchel einfangen wollte: die Liebe in den Zeiten des Hedonismus, bestehend aus Bier, Sex und lauen Sommernächten und einer Schulpflicht wie in Brezinas Knickerbockerbanden-Büchern. Hier ist das Auto das ultimative Symbol der Freiheit, Freundschaft ist der stille Blicke zwischen zwei wunderhübsch-ängstlichen Menschen und alle Gefühle werden durch zwei Adjektiven mit einem Bindestrich in der Mitte umschrieben (ja, der Autor, weiß, wovon er redet – ihr solltet mal seine Gedichte lesen, die er mit 15 verfasst hat). Das unterstreicht der Film auch sehr schön mit seinen Bildern, seinen beängstigenden Score (da hat jemand von den letzten Fincher Filmen abgeschrieben) und seiner feinen Ästhetik. Die Kamera dreht sich in 360° und alles um dich herum ist eine Bedrohung, alles um dich könnte dich verfolgen, doch das Gefühl erlischt, wenn du in die kalten und nichtssagenden Gesichter des Casts blickst.

Und das Gefühl von Paranoia, schleichender Angst, ständiger Bedrohung und schierer Ausweglosigkeit wird einem plötzlich genommen (klingt wie eine Allegorie fürs Erwachsen werden, Coming-of-Age and stuff, ihr wisst schon, whatever). Und das ist schade, denn das ist genau das Gegenteil, was mir der Film vermitteln will.

Trotzdem. IT FOLLOWS ist schon ziemlich, ziemlich gut und er funktioniert auf einer Eben, die ich bei Horrorfilmen so schmerzhaft vermisse. Mich hat letztendlich der Film an auch ein bisschen an den Poltergeistthriller ENTITY und/oder das fantastische Musikvideo „Fantasy“ von DYE erinnert (nur, halt, ohne das ganze Call of Cthulhu Ende). Irgendwie ist der Reiz der Angst an der aufkeimenden Liebe/Sexualität auch da, ja wirklich. Ich mag Coming-of-Age Geschichte eigentlich sehr gerne und die Angst sitzt bei dem Film auch tief in den Knochen, wäre nicht dieses große ABER: diese faden und typisch idealisierten Figuren, die mich so genervt haben, so sehr, dass der Film seine soghafte Wirkung verloren hat. Zum Glück hat er sie in den Szenen in denen er funktioniert, auch sofort wieder gefunden. IT FOLLOWS ist zwar nicht immer, aber wenn, dann so richtig: ein wahrhaftiges haunting picture.

Being Human: Review zu dem wahnsinnig guten „WHAT WE DO IN THE SHADOWS“

Bloody dishes! Eine Mockumentary schon wieder, ist ja nicht so als würden im Jahr 670.000 (ich hab sie gezählt) verschiedene amerikanische Fake-Dokus zu uns ins Kino gelangen. Okay, gut einige davon mögen wohl eher dem Genre des „Found Footage“ angehören, aber die Grenzen sind da ohnehin fließend. Und das Rezept stets das selbe: [sexy people] besuchen [creepy location] in [random european country] oder Familie trifft auf paranormale Aktivitäten. Derweil hat das Format der Fake-Doku so viel mehr zu bieten – versteht mich nicht falsch, ich mag Found Footage, ja, [rec] numero uno gehört zu einer meiner Lieblings-Adrenalin-Trips, aber das Horrorgenre wirkt insofern oft etwas ausgelaugt. Dass sich Mockumentaries auch viel besser dazu eignen komische Geschichten lakonisch einzufangen, hat die lustigste Serie Amerikas schon vor einigen Jahren bewiesen (ja, es handelt sich um ARRESTED DEVELOPMENT und nein, ihr müsst nicht auf jeden Link klicken, aber tut es trotzdem den AD ist super).

Aber wir sind hier ja nicht im Büro oder Pawnee, nein, sondern in der Dead People Society, Wellington, Neuseeland. Der Witz dieses Filmes besteht nämlich vorwiegend aus der Tatsache (es gibt sie doch!) das Vampire auch nur Menschen sind, sorry, waren. Und die Untoten unterscheiden sich im Verhalten von den Pre-Toten gar nicht mal so sehr.Gut, nun sind Vampirfilme nicht gerade eine Rarität an der Kinoleinwand und Vampirfilmparodien sind zwar nicht übermäßig erfolgreich, aber umso zahlreicher. Hey, wusstet ihr, dass Vampire kein Spiegelbild haben? Daraus lässt sich sicher ein Witz fabrizieren! dachte sich Leslie Nielsen vor ungefähr siebentausend Jahren.

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Worauf ich hinaus will: man weiß, was einen erwartet, es ist vollkommen klar, welcher Blödsinn jetzt abgespielt wird und die Pointe riecht aufdringlicher als abgestandenes Tru Blood. Aber. Dennoch. Trotzdem: WHAT WE DO IN THE SHADOWS ist ein grandios witziger Film, ein Rambo unter den Komödien bei dem wirklich jeder Schuss sitzt und einem das Gesicht vor lachen wegfetzt (mir gehen die Vergleiche aus, nach tagelangen Horrorfilmkinoschauen habe ich nur noch bluttriefende Gewaltfantasien).

Von der ersten Sekunde an ist WHAT WE DO IN THE SHADOWS (ich verliere hier nur einen kurzen, abfälligen Kommentar über den furchtbaren deutschen Titel; was war los? Warum mit der Tradition brechen? War „Tödliche Wohngemeinschaft“ schon vergeben?) ein fabelhaftes und fideles Vergnügen, dass seines gleichen sucht. Das Neuseeland das neue Britannien ist, wenn es um schwarze Horrorkomödien geht, sollte eigentlich nach Peter Jacksons Puppen, Blut, Beuschel & Michael J. Fox Ablegern klar sein. Die Ungläubigen konnten dann vor ein paar Jahren das Schaf-Massaker begutachten und wer noch immer Zweifel hat, der hat wohl HOUSEBOUND und – erraten  – WHAT WE DO IN THE SHADOWS auf dem /slash 2014 verpasst. Wie es der Film schafft gleichzeitig so geschickt, amüsant und locker zu sein bleibt mir ein Rätsel, hauptsächlich, weil ich, immer wenn ich jetzt an Viago und seine Mitbewohner denke, laut zu lachen anfangen und mich von meiner Freundin in ein Krankenhaus bringen lassen muss, da ich ansonsten in ein Lachkoma falle. Alleine das Poster ist schon zuviel.

Poster

Hauptverantwortlich für mein frühzeitiges Dahinscheiden durch Erstickung sind selbstverständlich die wundervollen Schauspielern, denen nichts zu blöd ist, keine Tanz zu grotesk, keine überspitzelte Selbstdarstellung zu peinlich und kein beschämter Blick in die Kamera zu gestellt. Taika Waititi, Jemaine Clement (beide auch als Schreiber und Regisseure hinter der Kamera tätig) & Jonathan Brugh stellen das grandiose Trio infernale dar um die sich eine Schar an bunten und skurilen Figuren sammelt, die jeweils liebevoll und frech gezeichnet werden (angefangen vom 8000 Jahren alten Petyr, der selten einen Schritt vor den Sarg tut, bis hin zu der Werwolfgang, die sich auf ein faires und freundliches Miteinander geeinigt haben: „Werewolves not Swearwolves!“).

Was noch? Ist es das Drehbuch, dass mit seiner Materie nicht nur vertraut sondern diese auch liebevoll darbietet? Alle Tricks des Komödienfaches werden ausgepackt, vom Slapstick bis hin zu banalen Wortwitzen oder dem betretenen Schweigen und den peinlichen Blick zum Kameramann, nachdem ein Charakter was saublödes gesagt hat? Auch. Allen voran ist es wahrscheinlich die Tatsache, dass WHAT WE DO IN THE SHADOWS in einer tiefen Kiste an Möglichkeiten herumwühlt und im Sekundentakt in alle Richtungen feuert. Der Film lässt dabei nichts aus und zieht aus einem schier endlosen Repertoire ohne sich dabei all zu oft wiederholen (und wenn er es tut, dann in einer geschickten Anspielung auf vorige Szenen). Sollte es so etwas wie einen Laugh-per-minute-Zähler geben, dann ist dieser Film hier ganz oben mit dabei.

Obendrein schafft er es dann auch noch echtes Mitgefühl bei dem Zuschauer zu wechseln, natürlich auf eine groteske Art und Weise, aber ich zumindest kann mich nicht daran erinnern, irgendwann einmal Mitleid in einer Folterszene empfunden zu haben. Okay, jetzt höre ich mich an wie Patrick Bateman, ich meine natürlich: Mitleid mit dem Folterer! Ich hatte noch nie Mitleid mit dem Folterer, außer, nun ja, hier – mit Vladislav, der trauriger Mine sein Opfer aufschneidet. Armer Vladislav. 😦

Clements & Waitits (EAGLE VS SHARK) Film braucht sich nicht hinter britischen Komödien à la Wright und schon gar nicht hinter großkotzigen Rogen-Komödien zu verstecken, die lassen die beiden Herrschaften locker hinter sich. Wie gesagt, wie sie das machen, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber ich werde es so schnell und so bald und so oft wie möglich versuchen raus zu finden. Mehr soll auch nicht mehr über diesen Film gesagt werden, außer, dass jedes Gesetz gebrochen werden sollte um diesen Film zu sehen. Diese Kritik sollte eigentlich auch nicht mehr als folgende Worte enthalten: Der Film ist unglaublich lustig und wer hier nicht lacht der hat nie wirklich gelebt.

party in the shadows

(Der Autor möchte noch einmal erwähnen, dass jeder sein Recht auf seine (falschen) Vorlieben für (dummen) Humor hat und dass hier bitte, bitte niemand anfängt Gesetze zu brechen, wie Filme runter zu laden oder Leute wegen Kinokarten zu ermorden. Wenn das auf ihn zurück zuführen ist, muss er dass seiner Freundin erklären und die verbietet ihm darauf hin sicher die Zombie-Videospiele).


WHAT WE DO IN THE SHADOWS, 2014, R: Clement & Waititi

I killed my mother: Review zu „ICH SEH ICH SEH“

Die Mutter kommt nach einer schweren Operation zurück. Das Gesicht der Mutter wurde bis zur Unkenntlichkeit in Bandagen gewickelt. Der Mutter geht es noch nicht gut, sie braucht viel Schlaf und wenig Licht. Die zwei Söhne wirken verstört, ist doch ihre Mutter immer ein tierliebender und fröhlicher Mensch gewesen. Langsam aber sicher stellt sich der Verdacht ein, dass sich unter den Bandagen nicht ihre Mutter verbirgt. Doch wer ist die fremde Frau, die sich durch die kalten Zimmer ihres trauten Heimes bewegt?

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Österreichischer Horror = Ulrich Seidl Figuren mit Michael Haneke Gewalt und der sozialkritischen Moral beider Filmemacher. Punkt. Kritik beendet. Geht und seht euch den Film an, wenn er dann ins Kino (und/oder DVD raus-) kommt. Denn auch wenn man mit den beiden Ausstellungsstücken des Österreichischen Kinos nicht kann (wie, äh, moi), hat ICH SEH ICH SEH mehr zu bieten: der Film kombiniert den üblichen Kammerspielzirkus mit klassischen Horrorelementen und das funktioniert ganz gut.

[austrian cinema is kind of sick]

Großen Erfolg feierte der Film bereits in Toronto und Venedig bei den jeweiligen Festivals – und soweit ich das mitbekommen habe, ist er dort auch sehr gut angekommen. Nun hatte der Film seine Horrorfilmfeuerprobe – war die österreichische Vorpremiere quasi eines der Schmankerl beim /slash Filmfestival 2014 (Überraschungsfilme sind schon was feines).

Das sympathische Filmemacherduo meldete sich nach der Vorstellung, die mit großen Applaus beendet wurde selbstredend zu Wort und machte vor allem eines richtig: keine Überinterpretation ihres Stoffes. Auf die Frage, warum sie sich bei der Besetzung (bzw. beim Schreiben des Drehbuchs) für Zwillingsbrüder entschieden haben, fiel die Antwort wunderbar plump aus: es sieht einfach leinwand aus (Paraphrase, natürlich drückt man sich nicht ganz so gschert aus wie ich).

Nun, zum Film selbst. Dieser hat die Probe durchaus bestanden und wartete auch mit einigen kollektiven Schreckensseufzern auf, die er in durchaus graphischen Darstellungen und stimmungsvollen Bildern heraufbeschwört. Wenn man jedoch mit den üblichen Erwartungen an den Film rangeht, die nun mal bestehen sobald ein sogenannter „Horrorfilm“ die Leinwand betritt, sollte man gewappnet genug sein.

ICH SEH ICH SEH zieht seine primäre Stärke vor allem aus dem psychologischen Metier: das Misstrauen gegenüber seiner eigenen Mutter/seinen eigenen Kindern, die kalte Fassade eines verlassenen Großfamilienheim, unheilvolle Fotografien, Zwillinge (der Klassiker!) und – mein persönlicher Albtraum – das Land. Nichts ist gruseliger als Bauern, die einen skeptisch beobachten oder die heiße Erde, deren Porosität sich mit symbolische Mutmaßungen aufdrängt. Und dann noch die Leere: meilenweite Leere, rurale Sterilität die sich durch neblige Wälder und weiter Wiesen zieht. Nein, das Land ist nicht mein Freund und die Kälte die es –  trotz der gelungen in Szene gesetzten Sommertage (inklusive Grillenzirpen und diesen fetten Strohballen!) – versprüht, gräbt sich langsam unter die Haut.

Langsam und effektiv sind wohl die Adjektive die diesen Film am besten beschreiben. ICH SEH ICH SEH lebt voll und ganz von seinen Bildern, die mit gewohnter Distanz einen unheimlichen Einblick in das gestörte Verhältnis einer zerütteten Familie geben will. Häusliche Gewalt und innere Unruhe, Unsicherheit über eines der sichersten Dinge der Welt (Mutterliebe und ihre Erwiderung) untermauern die stille Fotografie des Kameramann Martin Gschlacht. Ein subtiler Grusel, aber ein haftender. Wenn er dann zu tritt, spürt man ihn in einer schwach erforschten Magengegend.

Zugegeben – „neu“ ist der Film von Fiala & Franz keineswegs. Die Ideen kamen den beiden laut Interview vom nächtelange Filme-Schauen, eine Art Filme zu konsumieren, die ich nur unterstützen und empfehlen kann. Die alten Bekannten des Horrorkinos des letzten Jahrhunderts sind gut vertreten; gruselige Masken und gruselige Kinder (habe ich bereits erwähnt, dass Kinder und insbesondere Zwillinge auf dem Grusel-O-Meter Platz 1 und 2 belegen? Was? Allgemeinwissen? Ach so.), verlassene Häuser, tote Tiere, Kakerlaken(!), wenig Score und wenn dann nur in tiefen Bässen, etc. etc. Den zu Tode geschriebenen Twist riecht man auch schon meilenweit gegen den niederösterreichischen Wind, aber wenigstens wird er einem nicht mit einem überspitzen und selbstverliebten (um nicht zu sagen shyamalan’schen) TATA! präsentiert. Nichts ist blöder als eine Geschenk, dass man schon fünf mal überreicht bekommen hat („Wir wissen doch, wie dir das gefällt!“) stehen hat, überreicht auf einer Überraschungsparty, deren Planung man quasi bezahlen musste.

Aber vielleicht ist das auch alles nur ein Trick. Man gebe dem Zuseher das Gefühl von Sicherheit und Altbekanntem, nur um ihn dann nochmal eine rein zu hauen: Haneke-Style. ICH SEH ICH SEH ist gegen Ende hin ein richtig, richtig schiaches (um es auf good-ol‘-österreichisch zu formulieren) Kammerspiel, dass einem ziemlich sicher in Erinnerung bleibt. So gesehen sind die paar Schönheitsfehler gar nicht mal so schlimm; das aufgesetzte Endbild und die typischen sozialkritischen Elemente (Beten vor dem Jesuskreuz, traditionsbewusste Kinderlieder, „Familie ist doch eigentlich was Schönes!“ – es ist ja beinahe so, als ob der Seidl den Film produziert hätte!!) sind ohnehin nicht der Grund dafür, dass sich der Film bewährt und tief in den Erinnerungen seiner Zuschauer vergräbt.

Letztlich sollte noch die Darbietung der drei Schauspieler genannt werden, deren Spiel trotz beschränkter Ausdrucksmöglichkeiten für den finalen Feinschliff sorgen. Susanne Wuest (die Mutter) spielt fabelhaft bösartig, während die Gebrüder Schwarz (die Zwillinge) ihre Ausstrahlung für sich sprechen lassen. Die Nebenfiguren sind zum Glück rar gesät – Minus gibt es allerdings für eine der blödesten Hope-Spots, Police are Useless, etc. – Trope (zu viele Variationen!) der letzten paar Jahre: immer wieder tauchen unbeteiligte Figuren auf und bemerken beinahe die lauernde Gefahr, nur um dann wieder von dannen zu ziehen: ein vorhersehbares und langweiliges Element. Die Sanitäter in ICH SEH ICH SEH sind nicht nur unnötig, sondern billig und ziehen ihren ähem, „Witz“ aus der alleinigen Typisch-Land-Attitüde. Und ich bin ungefähr soviel Regionalpatriot wie ich Vegetarier bin, dass ich das lustig finden kann.

ICH SEH ICH SEH; Regie: Severin Fiala & Veronika Franz, Österreich 2014

Learning by playing: savingfile #02 – EARTHBOUND

Ich kann rollenbasierende Rollenspiele nicht ausstehen, außer ich bin der Dungeonmaster und die Abenteurer müssen Scheußlichkeiten meiner pervertierten Fantasie besiegen bzw. jene Scheußlichkeiten, die sich die Leute ausgedacht haben, die das Spielleiterbuch geschrieben haben, weil ehrlich! Ich habe echt nicht die Zeit dafür mir Geschichten auszudenken! Man ist nicht für immer arbeitslos außerdem musste ich die letzten paar Wochen EARTHBOUND spielen, weil a) die Welt sonst untergeht (du-duuuh, deswegen musste ich auch) und b) ich einer Theorie nachgehen wollte, die ich vor einiger Zeit auf meiner Lieblingssite für unnecessary trivia gelesen habe. Und dass, obwohl ich rundenbasierende Rollenspiele hasse. Außer die von Nintendo, Pokémon and stuff, man (fucking fanboy shit, demnächst kauf‘ ich mir auch noch den DLC von Mario Kart 8 und die blöden Statuen von Samus and the Gang)! Ich kann nur hoffen, dass sie auch ungeborene Alien Babys in der amiibo-Serie produzieren. Den, hell yeah, EARTHBOUND WAS EIGENTLICH ALS MOTHER 2 IN JAPAN RAUSKAM war uuuur gut!


 Earthbound

1. Kriminalität: Nintendo zwingt mich sie zu bestehlen, wenn ich den Vorgänger EARTHBOUND spielen will: Teil 1 MOTHER oder EARTHBOUND ZERO erschien nie in Europa, d.h. entweder lerne ich Japanisch oder ich spiele den ersten Teil auf einem NES-Emulator. Und ich war so ein guter Junge.

2. Rhythmusgefühl: Wenn ich mich nicht irre, kann man zu diesem Song sehr gut Rumba tanzen. Oder Cha-Cha, aber Cha-Cha kann man zu jedem Scheiß tanzen (mit Ausnahme von Babymetal, hey, hab‘ ich euch schon von Babymetal erzählt?):

3. Brillanz: Diese liegt oft im Verborgenen, doch manchmal schwimmt sie auf einem riesigen Haufen Scheiße daher, wie in diesem Fall YouTube Kommentare (ich weiß, easy target); ein User hat folgerichtig bemerkt, dass die Hotel-Musik (s.o.) doch hoffentlich die Please-Hold-The-Line-Musik der Nintendo-Hotline sein müsste, sofern Nintendo auch nur einen Funken Selbstreflexion besitzt (nein und NEIN!).

4. Sex-Appeal: Wenn er mir mal abhanden kommt, spiele ich einfach dieses Lied. Welches Lied? DAS VERFICKTE HOTEL LIED, MOTHER 2 aka EARTHBOUNDFUCKER! Ich hoffe ihr habt auch alle auf das Video geklickt und euch den smooth-as-fuck Song endlich angehört, ich poste den Scheiß hier nicht zum Spaß (sondern hauptsächlich weil mir die Drogen ausgegangen sind).

5. Apropos Drogen: Auf etwaigen wäre EARTHBOUND sicher noch ein größerer Spaß geworden. Immerhin waren laut JonTron die Entwickler auf LSD, wahrscheinlich.

6. Traumabewältigung: Um das Geld, dass ich in eine Stunde Therapie investieren hätte können, habe ich mir dann doch lieber EARTHBOUND (10€) runtergeladen. Und die verbleibenden 290 investiere ich in Ninteno-Points (get it? Therapie ist TEUER! Puh.) Ness und seine Freunde haben mir zumindest geholfen, öfters ans Telefon zu gehen, wenn meine Eltern anrufen (die Quote beläuft sich auf 70/30).

7. Albträume (mal wieder): Andererseits werde ich das Geld vielleicht doch für Tiefenpsychologie nutzen, immerhin will ich dieses Jahr noch auf den Mond des Todes und letztes Mal wurde ich fiebrig und musste mich übergeben (ernsthaft), hatte furchtbare Albträume (vielleicht) und halluzinogene Nächte (eventuell) als ich MAJORAS MASK gespielt hatte. Komisch geträumt habe ich die letzten Nächte auch, aber eine Verbindung zwischen Nintendo Games und meinen nächtlichen zerebralen Aktivitäten zu ziehen ist wohl etwas gewagt.

8. Zeitraumkontinuum: Oder vielleicht auch nicht, immerhin reist Ness MoFo mit seinem Baseballschläger durch die Zeit und bringt den Zerstörer der Welt dann um, wenn er am schwächsten ist: im Mutterleib (vielleicht). Nach der allgemeinen akzeptierten Theorie (außer von radikalen Nintendo-Fanboys/Pro-Life Aktivisten), befindet man sich am Ende in einer Gebärmutter und macht dem verdächtig nach Fötus aussehendem Endgegner dem gar aus. Das ist nicht nur fucked uuuup, dude, sondern auch irgendwie cool. Mann, kein Wunder, dass diese ganzen Jugendlichen Laute erschießen, nachdem ganzen existenziellen Mist mit dem Nintendo sie bewirft.

Pictured: Unborn Alien Baby.

Pictured: Unborn Alien Baby. Not pictured: Ness and his coat hook.

9. Creepypasta: Man ist schneller in gruseliger Videogame-FanFic/Urban-Legend drin, als man es zugeben möchte. Derzeit zähle ich drei offene Tabs über scary stories, die ich mir noch durchlesen will (Polybius, das Arcade-Game, dass dich wahnsinnig macht!) bevor ich Nintendo die Schuld an meinen Zombie-Träumen gebe. Aber das passiert wohl, wenn man beginnt Abtreibungs-Theorien in Kindervideospielen zu recherchieren. Man möchte übrigens nicht wissen, woher der Designer des Endgegeners seine Inspiration zog.

10. Kafkaesk: Ein Wort, dass ich schon lange kenne aber noch nie richtig benutzt habe. Aber dieses Mal passt es. Wenn ich EARTHBOUND mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es eben dieses, wenn ich das Wort aufschreiben sollte, ohne es vorher zu googeln wie man es buchstabiert, wäre es seltsam; alles in dieser Welt ist seltsam, ein verquertes Spiegelbild unserer Welt, die Aufgaben sind – für ein Spiel – befremdend (borge dir „Overcoming Shyness“ in der Bücherei aus, damit das grüne Maulwurfsvolk lernt, mit dir zu kommunizieren – wenn ich so darüber nachdenke, ist das völlig typisch für Videospiele) und die Umwelt ist einem stets feindlich gesinnt. Und damit meine ich nicht die Abstrakte Kunst oder Wildgewordenen Taxis, die einen von Zeit zu Zeit attackieren, nicht nur…

11. Teenage-Angst: Das Thema Earthbounds, habe ich zumindest irgendwo gelesen. Aber Teenage-Angst ist wie Cha-Cha, passt zu allem. EARTHBOUND ist weniger die Angst vor dem Erwachsen-werden, sondern mehr die davor es auch wirklich zu sein. Warum auch nicht, Erwachsene sind arme Looser, traurige Trottel und stupide Mitläufer. Sie beschimpfen dich entweder, oder regen sich über ihren Job auf (und darüber, dass sie lieber zu Hause wären um EARTHBOUND zu spielen). Der Rest? Depressive Säufer, perfide Prostituierte, schlagende Polizisten. Die einzig netten Leute sind die Hunde.

12. Feindbilder: Die besten, die ich je hatte. Von Annoying Old Man zu New Age Retro Hippie, sie sind alle aggro und ich verpass ihnen einen mit meinem Yo-Yo (kein Peniswitz, wie… wie auch?).

 abstract art

13. Gewalt als Pädagogik: Mit meinem Baseballschläger (definitiv ein Penis-Witz!) und der Pfanne und dem Todeslaser (down to earth, I am) mach‘ ich sie alle alle. Furcht spiegeln sich in ihren Augen, die Monster dieser Welt fliehen beim Anblick meiner Statur (halbstark, aber mit Baseball-Cap!) und langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich eine prä-adoleszente Version von Alex und seiner Gang bin. Moloko Plus gefällig?

13. Selbstzweifel: Irgendwann musste ich in meinem Unterbewussten gegen meinem schlimmsten Albtraum kämpfen. Das ist keine Metapher. Als mir erklärt wurde, dass jeder eine dunkle Seite besitzt und diese eventuell gewinnt, verwandelte sich die quitschfidelegrasgrünfreundliche Umgebung in einen dunklen Sumpf des Unbehagenthere’s an evil and violent side of you. Fuck. Für einen kurzen Moment musste ich davon ausgehen, dass am Ende nicht Giygas sondern ich das absolute Böse bin. Brr. (Außerdem, things I learned while googling stuff: Ness scheint in einer anderen *hustjapanischenhust* Version in diesem Level keine Hosen zu tragen.)

Creepypasta und jetzt auch noch Fanart. Na toll. © marcotto.tumblr.com/

Creepypasta und jetzt auch noch Fanart. Na toll. Das will ich übrigens als Shirt u/o Poster. © marcotto.tumblr.com

 14. Adult-Life: Es kann nicht oft genug erwähnt werden, aber die Erwachsenen in diesem Spiel sind total hinüber. Entweder muss ich sie aus Knebelverträgen frei kaufen oder sie wollen mich davon überzeugen, dass es vollkommen okay ist, mit Ihnen in ihren Keller zu gehen (obwohl wir nicht verwandt sind, als ob das noch einen Unterschied machen würde). Die ganze Welt leidet unter einer enormen Midlife-Crisis, am besten dargestellt anhand der Vaterfigur, die mich ab und zu anruft um mich daran zu erinnern, wie viel Geld ich am Konto habe. Wie im echten Leben. (Außerdem regt er sich über meine Mutter auf, und behauptet sie arbeite zu viel, aber was anderes als vor der Couch stehen und mir Gulash ins Maul stopfen tut die Dame auch nicht).

 

Fazit gelernter Dinger: Erwachsen werde ich in diesem Leben nicht mehr. Und wer sein Lieblingsessen am Anfang „Penis“ nennt, wird sehr viel Spaß haben.

Alliterations-Bonus: Alien Abtreibungen als Altsein-Allegorie akzeptieren (meh.)

 


EARTHBOUND aka MOTHER 2
(SNES / WiiU Virtual Console)

Getaggt mit , , , , ,

Twelve thousand monkeys: Review zu „Dawn of the Planet of the Apes“ (Now with 100% more chim-pun-zees!)

In naher Zukunft: Ein Virus hat uns alle getötet und nur noch ein Bruchteil unserer Spezies lebt vereinzelt in den noch bewohnbaren Stellen des ehemals menschlichen Habitat. Nicht weit entfernt von Former-San-Francisco, in den tiefen Wäldern hingegen entwickelt sich der nächste King (Kong) of Nature. Affen sind klug geworden (siehe Vorgänger – bzw Prequel der Klassiker-Reihe – „Rise“) und haben eine Gesellschaft mit menschlichen Zügen entwickelt. Alles ist dabei: Familie, Klassenkampf, Geschlechterrollen und allen voran, das gefährlichste Werkzeug von allen. Die Sprache. Das lassen die Menschen natürlich nicht auf sich sitzen, waren sie einst die sogenannte Krönung der Schöpfung. Und da Geschichte offensichtlich nicht umschrieben werden kann, führen Handlung und Script bald zum unausweichlichen Kampf zwischen Mensch und Tier.

koba is badass. BADASS!

Einleitende Worte zu diesem Review: ja ja signifikanter popkultureller Einfluss (früher bedeutete es noch etwas, wenn man in den Simpsons vorkam), Tim Burton ist wäh und das Reboot aus 2011 ist echt nicht schlecht (wenn man von der obligatorischen Ethik-Diskussion absieht, die wie eine immenser Zeigefinger über dem ganzen schwebt: „Natur guuuut, Mensch böööse“). Auf den neuen Affen-Film hab‘ ich mich dennoch gefreut. Erstens: Affen! Zweitens: Affen auf Pferden! Drittens: Affen mit Maschinengewehren!

dawn_of_apes_teaser_poster

(Ich lass‘ mich viel zu oft von gut gemachter PR zu Filmen überreden.
However, look at this shiiiiiiit!, sage ich in meiner besten James Franco Impression)

Ja, gut. Eigentlich kann der Film gar nichts mehr falsch machen, bei dieser Prämisse. Dachte ich und – okay, um fair zu bleiben, viel macht der Film ja auch nicht wirklich falsch. Leider macht er auch nicht besonders viel richtig. Die meiste Zeit tut er nämlich gar nichts, sitzt in der Ecke und rezitiert fehlerfrei und humorlos sein Skript. Wenn man ihn dann, anstupst, dass er uns endlich unterhalten soll, wie diese maskierten Äffchen im Zoo, setzt DOTPOTA (oder nennen wir ihn doch einfach lieber „Dawn“) resigniert eine Tanzeinlage aus Explosionen und Gary-Oldman-Perfomances hin, nur um sich nach einer viertel Stunde wieder hinter einem Vorhang generischen Handlungsablauf zu verkriechen. Dafür habe ich jetzt 11 Euro bezahlt? Denk‘ ich mir im Zoo auch immer wieder, wenn die Tiger nix zerfleischen und die Bären nicht für mich tanzen.

Das Plus zuerst: Wenn die Affen anfangen sich ihrer Spezies entsprechend zu benehmen und die Kacke am Werfen ist, geht der Film auch ganz gut ab. Affen im Panzer (hell yeah, dafür hab‘ ich die 11 Euro bezahlt!), Affen auf Pferden, Affen und Wafffen! Affen attackieren Menschen, stets in freundlicher PG-13 Gewalt-Ästhetik, nix besonderes, aber! Gut genug für Unterhaltung. Was die allgemeine Kritikerschaft – von der New York Times bis hin zum „Alles-Oasch“ profil – dem Film abgewinnen konnte, bleibt mir jedoch ein Rätsel. Vielleicht ist es die allgemeine Überraschung, dass der Film letztendlich doch nicht so suckt, wie man es von einem Sommer-Blockbuster erwarten würde. (Die Graustufen bestehend anscheinend „überraschend gut“ und „Transformers“). Aber nur weil ein Film nicht so schlecht ist, wie man meinen würde…

Nun, es ist schon „mutig“ (unter ganz großen Anführungszeichen, Hollywood-Filme sind selten so provokativ und gegen Strich, dass ich sie als ehrlich mutig bezeichnen würde), einen Großteil des Filmes in Zeichensprache ablaufen zu lassen. Wissen die denn nicht, dass wir Kinobesucher es hassen, wenn man uns zum Lesen zwingt?! Pffff. Die menschlichen Charaktere sind dabei absichtlich (?) leer gehalten, dass man sich über die Dialoge zwischen den Affen auch so richtig freut – die Alternative dazu wäre faden Schablonen dabei zuzuhören, wie sie früher-war-alles-nicht-so dies und wir-sind-nicht-alle-so-böse das bequatschen; zwischendurch erscheint die Affenbande und die Schauspieler können ihr what-the-fuck-the-monkeys-are-coming!-Gesicht machen.

Da steckt in den CGI-geglätteten Fressen unserer animalen Counterparts schon mehr Gefühl dahinter. Ja, genau, menschliche Fleischklöpse! Andy „Gollum“ Serkis und seine motion capture Maske aus Spezialeffekten bringt mehr Tiefe und Schauspiel zur Geltung, als ihr alle zusammen! Und wer auch immer die anderen Affen spielt, die machen das auch besser! Menschen, ihr seit überflüssig (ah, ich hab‘ den Film gerade verstanden)! Natürlich spielt da auch das Drehbuch einen wesentlichen Teil, aber die Konflikte zwischen Affen-Leader und Affen-Gefolgschaft sind schon interessanter, erheben sich jedoch nie über die Ebene hinweg, die den Film das Prädikat „bemerkenswert“ oder wenigstens „zitierwürdig“ verleihen würde (okay, das einzige Zitat aus dem ersten Film ist das imposante „NO!“ von Cesar, aber das ist auch une négation extraordinaire!).

Konflikt und Drama in der Affenstube ist nämlich so originell, wie schlechte Vergleiche meinerseits. Der Verräteraffe hätte gleich den Namen „Brutus“ tragen können (apropos Namen, wieso nennen sich diese Wesen immer noch bei ihrem alten Namen, die ihnen ihre ehemaligen Unterdrücker gegeben haben?), die Ansprachen Cesars nicht herzens-besser sein und die schleichende Erkenntnis, dass wir am Ende alle die gleichen Monster sind, nicht aufdringlicher.

It was language killed the beast. Ein paar Fragen hat der Film dann doch aufgeworfen; wann spricht man äffisch, wann in Zeichensprache und wann Mensch? Was sind die Abstufungen? Und sind die Affen nicht bereits auf die Idee gekommen, dass seit dem sie sich beleidigen können, das Leben irgendwie hinterlistiger geworden ist? Da würde sich doch etwas anbieten, doch der Film beschließt lieber, den üblichen Diskurs „Human VS Nature“ einzuschlagen. Der ist sicherer, überfordert niemanden und verstehen tut das auch der letzte Aff‘. Am Ende sind wir alle ein bisschen gewachsen, weist eh, moralisch: ab heute kauf‘ ich keine Produkte mehr, die nicht speziell an Schimpansen getestet wurden. „Dawn“ hat mir gezeigt, wozu diese Biester in der Lage sind!

„Dawn“ macht es mir jedoch auch etwas schwer, mit den eigentlichen Helden mitzufiebern. Selten waren mir die menschlichen Protagonisten wurschter und noch seltener waren mir die eindeutigen Antagonisten sympathischer (und damit meine ich die absichtlich depperten Arschgeigen und nicht die bösen-aber-coolen-Batman-Supervillians): Sowohl Koba (der böse Affe) als auch Gary Oldman (der böse Mensch) haben aus ihrem Standpunkt und aus der Distanz betrachtet recht. Eindeutig. Man verhandelt nicht mit terroristischen Affen und vice versa, aber auch nur aus dem Grund, weil es sich weder mit Mensch noch Tier gut verhandeln lässt. Da haben die metaphorischen schießwütigen Texaner dieses Filmes schon einen Punkt. Und am Ende bricht die Revolution (oder Prevolution, ha ha) aus und Schuld sind die Pazifisten.

Gut, soooo simpel ist es dann auch nicht. Rache war eindeutig ein starker Motivator beider Seiten, aber trotzdem: die Rache gönn‘ ich beiden (dem Affen ein bisschen mehr). Ist auch wesentlich interessanter als Affen-Hebammen und Hippie-Menschen. Das ganze endete damit, dass ich nur noch darauf gewartet habe, dass die Hölle endlich losbricht und mir es ehrlich egal war, wen es zuerst erwischt. Aber bis die Ape-okalypse (hi hi) mal passiert, gibt es einen langen faden Weg zwischen-spezies’scher Diplomatie. Der nächste Teil wird dann aber bitte ein R-Rating tragen, Gorillas zermanschen Menschenköpfe und der ökologische Diskurs ist dann ein für alle Mal hoffentlich beendet! Das gefährlichste Tier sind wir selbst und so weiter. Wir haben’s verstanden.

Irgendwie ist es auch schade. In „Dawn“ steckt eindeutig viel Arbeit und viel Liebe zum Detail. Wie gesagt, der Film ist nicht wirklich schlecht, er ist nur an den wichtigen Stellen ideenlos. Post-Apokalyptisches San-Francisco sieht toll aus, die Cinematographie rund um die Affensiedlung ist mit starken, nassen Farben einprägsam und die CGI ist eine Überdosis an good ol‘ Kinomagie (nur Rafiki war für ich damals realistischer)! Aber rund um die schön geschliffenen Steine, plätschert ein Bach aus Konventionen und leeren Worthülsen. Bis auf die wirklich gelungene Abrundung des zweiten Akts („Affen attackieren die Stadt! Rette sich wer kann!“), verläuft alles bis zum Finale genau so, wie man es sich von Anfang an gedacht hat: was für eine riesige Verschwendung an Potential.

 

EDIT: Ein Freund (Shout out to RifRaf!) meinte, die Musik habe ihn immens genervt. Aber die fand‘ ich okay. Wenn Michael Giacchino komponiert, klingt alles so, als würden die Eisbären aus LOST angreifen.