Archiv für den Monat März 2010

Ende [working title]

[0] Es ist wird klarer Tag, denkst du dir, du siehst wie die Schatten sich in die Gassen zurückziehen und sich die Sonnenstrahlen stetig in der Stadt ausbreiten. Große Teile der Hauptstraßen sind bereits überflutet, doch der Tag bleibt still und jetzt wo du sehen kannst, was dich umgibt, wünscht du dir wieder die Nacht herbei. Die letzten Stunden, in denen du keinen Schlaf gefunden hast, bist du durch die Stadt geschlendert, hast Orte besucht, die dich an die letzten Jahre erinnert haben, hast die Dunkelheit genossen und die Auswirkungen des Unglücks ignorierst. Ab und zu bist du über einige Körper gestolpert, doch der damit verbundene Schrecken ist schon lange erloschen, das dunkle Herz dieser Stadt ist dein letzter Freund geworden. Die Zeit der Finsternis ist die schönste, da du die Augen nicht verschließen musst, du brauchst deinen Blick nicht von den herumliegenden Menschen abwenden und das Bewusstsein der Einsamkeit nicht völlig ignorieren. Zu denken, in der Nacht sei man nicht alleine, ist ein Segen, gefährlich, das weißt du, da die Angst andere Menschen zu treffen größer werden kann, als diese tot auf den Straßen liegen zu sehen.

Manchmal wachst du auf, da der Schein eines entfernten Feuers (oder ist es ganz in der Nähe?) dich erschreckt, ein blasser Schein am Himmel der aus einem unauffindbaren Winkel dieser Stadt dringt, und du sagst dir, dass dieses Feuer zufällig entstanden ist, ein Feuer von unbekannten Ursprung und dass du diesem Feuer folgen musst, weißt aber, dass du dich mit jeder Straßenecke davon entfernst, weil. Weil überall Menschen sein könnten, und dieses Feuer sie anziehen könnte, sofern es nicht sogar von ihnen ausgeht. Und so wartest du angespannt die letzten Stunden Dunkelheit in einer Gasse, einem verlassenen Haus, einer abgelegenen Tankstelle oder in einer ehemaligen Schule, Gebäude, an denen die Fenster noch ganz sind, die Türen verschlossen und du der letzte sein wirst, der dort gewaltsam einbrechen wird.

Du meidest Häuser, deren Eingänge von innen aufgebrochen wurden und suchst Gegenden ab, die du früher umgangen hättest. Am Tag zu schlafen hast du schon lange aufgegeben, da das gleißende Licht der Sonne die wach hält, die brennende Stille und das unverfälschte Bewusstsein sich nicht abschalten lässt.

Überall liegen Leichen und du willst deinen Blick abwenden. In den Supermärkten liegen sie, vor verfaulten Obst und Fleisch und du watest durch Körper, damit du die Konserven erreichst. Bohnen, eingelegtes Fleisch, Bratensaft, Abscheulichkeiten deren Ablaufdatum in weiter Ferne liegen, und du fragst dich, ob du sie vorher alle verbrauchen wirst, oder ob sie irgendwann ebenso verfaulen, wie das ehemals frische Gemüse, dessen Gestank bis zu deinem Regal dringt. So oder so. Deine Tage sind gezählt, Arschloch, steht auf einer Dose geschmackloser Pfirsiche, die du in dich hinein würgst und deren ekelhaften Geschmack du mit einem tiefen Zug Jack Daniels runter spülst. Betrunken rennst du durch den Markt und zertrümmerst ein paar Flaschen teuren Alkohol, da sowieso alles gleich schmeckt, alles gleich riecht und jeder Tag ist das selbe, nur das die Angst wird immer größer, bis du auch Nachts keine Ruhe mehr hast und du dich nur noch mehr betrinkst, und der Schrecken immer größer wird und die Hoffnung, dass diese Hölle ein Ende hat stetig schwindet.

So oder so. Du bist alleine und deine Tage sind gezählt, Arschloch.

ein/blick