Super (2010)

Life’s a bitch. Das weiß keiner besser als Frank (THE OFFICE-Sonderling Rainn Wilson). Dem wird nämlich einfach so die Freundin gestohlen, noch dazu von so einem abgewichsten Arschloch namens Jock (eigentlich Jacques aka Kevin Bacon). Doch Trauer, Gott und Hentai zeigen Frank den richtigen Weg – den Pfad der Gerechtigkeit in einer durch und durch verdorbenen Welt und dieser führt unweigerlich zu einer finalen Konsequenz: wer Recht will, muss dieses selbst in die Hand nehmen und wer kann das besser als ein Superheld? Ergo …

Ja, ich weiß KICK-ASS. Oder DEFENDOR. THE COON. In gewisser Weise auch THE GREEN HORNET, aber der hat fast schon wieder zuviel Geld und einen asiatischen Sidekick, der ganz schön auf die Pauke hauen kann. Nichtsdestotrotz – Superhelden sind auch nicht mehr das was sie mal waren, offensichtlich wird mittlerweile jeder Depp, dem das fade Leben nicht so ganz passt, zu einem dunklen Rächer, der über dem Gesetz steht. Doch nicht so Frank. Nicht The Crimson Bolt. Dieser hat einen Grund. Und eine Berufung. Das weiß er, das spürt er. Und er setzt alles daran, es auch durchzusetzen.

Leider ist Frank nicht ganz – gerecht? Gerecht wäre das falsche Wort, sagen wir so, Franks Empfinden für ungerechtigkeit ist etwas fragwürdig. Generell ist Franks Methode etwas fragwürdig. Und da fängt’s auch schon an, da hebt sich The Crimson Bolt auch von allen anderen Superhelden ab – denn wie abgedreht die auch alle sein mögen, ihre Moralvorstellungen und ihr Geschmack für „gerechte“ Bestrafung hält sich stets in gesellschaftlich akzeptierten Grenzen. Doch SUPER hat keine Zeit für so etwas wie „gesellschaftliche Akzeptanz“, „guten Geschmack“ oder „Moral“. SUPER ist nämlich total bekloppt. Und das ist sehr, sehr gut.

Kurz: Roger Ebert ist ein Depp. Nicht nur, dass er einen Film auf Grund seines mangelnden Willen zur Konvention schlecht redet, nein, er vermiest einem auch einen der besten Momente des Filmes, in dem er ihn gleich zu Beginn seines Reviews spoilert. Seriously, WTF, Ebert?

Soviel dazu, eine kurze Abrechnung mit dem angeblichen King of Critics. Und ohne Umschweife zu SUPER, der, wie gesagt, einen Dreck auf Genrekonventionen und Mainstreamkino gibt. So etwas erlebt man nicht oft, vor allem nicht im amerikanischen Comicheldentum. Die Unberechenbarkeit, die James Gunn mit seinem Film an den Tag legt, ist man sonst nur von asiatischen Splatterfilmen gewohnt, das Tempo und die schrägen Figuren und der sarkastische Ton – alles verpackt in eine bunte Indiepopfilm-Seifenblase – setzt dem ganzen die Krone auf: und ehe man sich versieht, hat man sich in diese merkwürdige, aber dennoch wohlige, skurrile Welt verliebt.

Vielleicht gerade weil sie so schräg ist. Weil der Film einen Spleen hat. Wie das merkwürdig aussehende Mädchen am anderen Ende des Raumes, welches zwei verschiedene Socken und Pipi Langstrumpf’sche Pullover angezogen hat. Faszination der Schrägheit. Age of the Weirdo.

Nun, SUPER ist nicht nur schräg, SUPER ist auch etwas krank. Und wahnsinnig. Ohne zu viel zu verraten, doch was The Crimson Bolt während seines gerechten Rachefeldzug da aufführt, ist an Irrsinn schwer zu überbieten. Stets unter dem Denkmantel der Realität, denn wo ähnliche geekige Filme wie SCOTT PILGRIM VS THE WORLD oder KICK-ASS sich auf die Ebene der Fantasie heben, bleibt SUPER stets am Boden der Tatsachen und verleiht seinen Figuren – wahrscheinlich gerade wegen seiner Verrücktheiten – die gewisse Vertrautheit, die man bei einem Spider- oder Batman definitiv nicht bekommt.

Garniert wird das irre Theater noch von einer überaus spielfreudigen Ellen Page, die sich wunderbarerweise auch nach Megaproduktionen wie INCEPTION nicht zu eitel ist um in dieser abgedrehten Indiependentkomödie herum zu blödeln. Rainn Wilson spielt im Grunde wie immer – zwischen Jähzorn und Zenbuddhismus pendelnd – den übergeschnappten Loser vom Dienst, jedoch mit unverwechselbarem Charakter. Wie gesagt, eh wie immer.

Mit Linda Cardellini hat man mir eine Falle gestellt; ihr Name kommt zwar im Vorspann vor, im Großen und ganzen kann man sie für ganze zwei Minuten als „Pet Store Employee“ begutachten. Schade, aber wahrscheinlich wäre der Film bei soviel Freaks and Geeks übergegangen. Erstaunlich gut hält sich ebenso Liv Tyler, als Opfer der Umstände, die von dem Ekelpaket of the Art Kevin Bacon in ein Netz aus Drogen und wahrscheinlicher Prostitution gezogen wird. Wirklich gut in Szene gesetzt. Und erfreulich glaubwürdig gespielt. Ach ja – untermalt wird das ganze von trällernden, leichtem Indiegedudel. Super Musik zum davonschweben, super Soundtrack für diesen in vielerlei Hinsicht grotesken Wahnsinn.

Und dann; was als Witz beginnt, mutiert zur Farce und endet als Drama. Warum nicht? Bei dem ganzen Schund und der ganzen vorhersehbaren Scheiße, die aus der amerikanischen RomCom-Fabrik hervorquillt, ist es schön zu sehen, dass es noch Filmemacher gibt, die es einfach anders machen wollen. Nicht gequält, nicht forciert oder erzwungen, sondern einfach echt. Echt gut. Und man könnte ja Tränen lachen, bei SUPER, wäre er nicht so traurig. Subversiv? Vielschichtig? Vielleicht. Auf jeden Fall – wie gesagt – echt. Ach ja ? Und echt brutal. Kein Scheiß.

SUPER ist ein Superheldenfilm wie ihn niemand erwartet. Abseits von Konventionen, mit einem Faible fürs Unerwartete und einer doch wunderbar eigenständigen Art. Getragen von tollen Schauspielern und untermalt mit einem richtig, richtig netten (diesmal nicht bös‘ gemeint) Soundtrack, wird man seinen Augen nicht trauen, denn was sich mit James Gunns Films da vor einen ausbreitet, hat man schon lang nicht mehr gesehn. Und wir man sobald auch nicht mehr.

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