David Grann: Die versunkene Stadt Z (2011)

So faszinierend die Welt um das Amazonasgebiet selbst sein mag, so sehr ist sie ebenso Träger zahlreicher unglücklicher Ereignisse; angefangen bei der wohl „menschenfeindlichsten“ Umgebung auf unseren Planeten, ziert den mächtigste Strom der Welt (und seine ebenso verzweigten und langen Nebenarme) eine Historie von Schrecken, Wahn und Obsession. Die berühmteste darunter mag ohne Zweifel die des PHF sein: Percey Harrison Fawcett, „der letzte Abenteurer“, Forschungsreisender & englischer Gentleman – und vor allem auf Grund seines mysteriösen Verschwinden im Jahr 1925, als er sich ein letztes Mal in den Dschungel aufmachte um seinen letzten großen Wunsch zu erfüllen, seinen Wahn zu befriedigen: die Entdeckung des sagenumwobenen ElDorado, der verlorenen Stadt „Z“. 

Fast ein Jahrhundert später durchzieht selber Wunsch auch die Gedanken eines amerikanischen Journalisten. In Zeiten von Google-Earth und kaum unentdeckten Plätzen macht sich David Grann auf die Suche nach Fawcetts Spuren und dokumentiert dies in dem vorliegenden Expeditionsbericht „Die versunkene Stadt Z“.
Spannend, beinahe reißerisch verflogt Grann die Spuren des ehemaligen Forschungsreisenden und springt dabei mitunter auch zwischen drei verschiedenen Zeitebenen hin und her. Sein Weg in die grüne Hölle ist gesäumt von Ungeziefer, feindlichen Eingeborenen und bösartigen Erkrankungen, die es sowohl Grann als auch Fawcett beinahe unmöglich machen, ihr „Ziel“ jemals zu erreichen.

Obgleich Grann stets sachlich und objektiv über die Abenteuer des PHF berichtet, lässt er sich dennoch oft zu eventuellen Mutmaßungen zu Fawcetts Person beziehungsweise seinen Beziehungen äußern. Stets als strenger aber doch edler Gentleman inszeniert, erweist sich Fawcetts Person als unangenehmer Zeitgenosse, dem es offensichtlich schwer viel über seinen eigenen Horizont zu blicken – zumindest was seine menschliche Umgebung betraf. Grann versteht es zwar, seinen „Edelmut“ und „Tapferkeit“ – um nur zwei der Schlagworte zu verwenden – geschickt zu begründen, dass bei seiner Untersuchung jedoch persönliche Sympathien und eine gewiefte Argumentation (zu lasten Fawcetts Konkurrenz) mit einflossen, ist kaum abstreitbar. Dennoch zeichnet Grann ein interessantes und durchwegs authentisches Bild der Dekaden um die Jahrhundertwende herum – zu beklagen an David Granns Stil wäre lediglich, die sich ab und an wiederholende Auflistung von bereits genannten Fakten oder Ereignissen, die den gesamten Spannungsverlauf dieses Buches doch etwas drücken.

Alles in allem präsentiert David Grann dennoch ein sehr spannendes und intelligentes Buch, welches einem – trotz etwaiger Durchhänger – einem bis selbst auf die letzte Seite fasziniert und bereichert.

David Grann: DIE VERSUNKENE STADT Z – Expedition ohne Wiederkehr – das Geheimnis des Amazonas

Goldmann Taschenbuch, 2011. Taschenbuch, 413 Seiten. € 10,30

9783442156665

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