kaputt

„Die Ironie an dem ganzen ist, dass ich, obwohl ich mir ganz genau darüber bewusst bin, wie ich eigentlich bin, es nur weiß und es nur sage, um des Sagens und Wissens willen. Ich weiß, dass ich es weiß, weil ich wissen will, dass ich es weiß. Es tut mir leid, dir das mitzuteilen, aber jeder meiner Schritte, jede Handlung ist wohl überlegt, ich bin ohne Zufall und ich verlasse mich trotzdem nur auf Glück.“

Du sagst mir, du seist kaputt?

Ich sage, dass es mir – halbwegs – gut geht, obwohl ich vor nicht einer Stunde weinend im Bett gesessen bin. Ich versuche alles zu überspielen, wenn nötig mit Humor, während mir das meiste davon einfach nur weh tut. Mein Herz ist gespalten und ich habe keine Ahnung wohin es will und in welche Richtung ich jetzt hin soll. Ich sitze zu Hause und grüble stundenlang darüber nach was ich machen soll, bis ich mir dann eine Serie oder einen Film alleine ansehe, da alles andere zu viel Aufwand benötigen würde und später bemitleide ich mich, dass ich zu nichts gekommen bin. Ich bin fast jeden Tag traurig und und hoffe, dass es irgendjemand bemerkt. Ich hoffe generell das mich irgendjemand bemerkt, dass irgendwer erkennt, dass hinter diesem Gesicht, dieser Fassade, ein See aus Tränen liegt, der nur darauf wartet, den Damm zu brechen. Oh, ich liebe es mich zu bemitleiden und dann anderen die Schuld zu geben; ich gehe nach Hause und kann es gar nicht erwarten mich in meinem Leid zu suhlen, fange bereits im Stiegenhaus zu weinen an, ein trauriges Vorspiel für meinen letzten Akt. Ich muss mich bemühen ehrlich zu sein, es ist verrückt, aber an sich sollte ich jeden zweiten Satz überdenken, den ich zu Menschen sage, die mich nicht gut kennen. Mir sprudelt ein selbstgefälliger und selbstverliebter Nonsens aus der Mundhöhle, den ich nur so gekonnt wiedergebe, damit ich gemocht werde. Denke ich. Ich behaupte über allem drüber zu stehen und zu wissen, was eigentlich gut für jemanden ist, während ich aber immer nur meine eigenen Motive im Hinterkopf habe und hoffe, die Menschen und meine Menschen so manipulieren zu können, dass es am Ende mir etwas bringt. Ich frage mich immer wieder, warum ich eigentlich gemocht werde, obgleich ich mich selbst so unliebeswert finde. An guten Tagen, an denen alles glatt läuft, verstehe ich mich sogar, und erkenne meinen Wert aber sobald ich davon abkomme, regiert nur noch Schuld und Traurigkeit, zwei Dinge die mich die ganze Zeit über verfolgen. Apropos; oft agiere ich so, als ob mich jemand sehen könnte, als wäre ich in meiner eigenen Truman Show, verhalte mich alleine, wie die Hauptfigur eines Filmes. Das ist auch der häufigste Trip, den ich bekomme, wenn ich eingeraucht bin, unter anderem. Wenn das nicht alles auf eine narzisstische Persönlichkeit deutet, weiß ich auch nicht. Meine Melancholie übernimmt viel zu oft überhand, ich lebe in Zitaten und versuche andere Menschen damit anzustecken. Ich verliebe mich in jedes Mädchen, dass mir auch nur ansatzweise gefällt und bin zu blöd um zwischen Lust und Gefühlen zu unterscheiden. Mein Kopf steigert sich andauern in irgendwelche Dinge rein, ich fange ständig an, alles und jeden in eine Kette von Kausalitäten zu verwickeln, die sich eventuell ergeben könnten, sehe mich dabei dauernd als den Menschen, der alles lenkt und den alle mögen und der endlich, endlich von seinem hohen Ross absteigt und seine Freunde als das akzeptiert, die sie sind und doch bleibe ich still und sage und mache nichts und bin insgeheim damit zufrieden, dass ich wenigstens solche Gedanken habe. Ich bin überheblich und hoffe, dass andere das bewundern. Ich möchte soviel sagen und soviel preisgeben und ich schaffe es höchstens bis zu dem Papier, und selbst dann hasse ich es. Ich weiß nicht ob ich mich selbst hasse, oder einfach zu sehr liebe, aber ich weiß, dass ich ein falsche Selbstbild von mir habe. Die Ironie an dem ganzen ist, dass ich, obwohl ich mir ganz genau darüber bewusst bin, wie ich eigentlich bin, es nur weiß und es nur sage, um des Sagens und Wissens willen. Ich weiß, dass ich es weiß, weil ich wissen will, dass ich es weiß. Es tut mir leid, dir das mitzuteilen, aber jeder meiner Schritte, jede Handlung ist wohl überlegt, ich bin ohne Zufall und ich verlasse mich trotzdem nur auf Glück. Ich bin geduldig, wenn es sein muss, zerfresse mich aber währenddessen selbst. Ich behandle meine Freunde wie Dreck, sobald ich das Interesse verloren habe, wende ich mich anderen Menschen zu. Sobald ich weiß wie jemand tickt, sobald ich erfahren habe, dass jener Mensch mich so sehr mag, dass er gerne mit mit Zeit verbringt, verziehe ich mich. Ich versuche anders zu sein, ich versuche es so sehr und immer wieder und immer wieder scheitere ich daran. Wie viele Menschen ich schon kennen gelernt habe, die ich mochte, die mich mochten und die ich kurzzeitig schätzte, wie viele davon sind mir geblieben. Menschen sind keine Herausforderung, das nicht, sie sind Quelle für Anerkennung. Spreche ich damit etwas aus, dass insgeheim jeder denkt, oder bin ich nur mal wieder überheblich.

Und weißt du, bei dir geht es alles irgendwie einfacher. Ich spiele trotzdem immer noch die Figur, die ich will, die man sieht, aber bei dir bröckelt das ganze ein bisschen. Du hast zwar noch lange nicht gesehen, was für ein Zorn und was für eine Trauer in mir schlummern und was für ein verfickt kaputter Mensch ich bin und wie sehr mich das Alles beschäftigt und wie sehr mich das Alles fertig macht und wie sehr ich das Alles nutze um mich jeden Moment meines Lebens besser zu machen, obwohl ich nicht zu diesen Menschen gehören will, die andauernd mit sich unzufrieden sind, aber du hast mich bereits in Momenten der absoluten Ehrlichkeit gesehen. Und die ist sehr schwer für mich, es ist so unglaublich schwer, das alles loszulassen, dieses ganze Spiel, diese ständige Paranoia, dass ich jemand sein sollte, den jemand anderer mag. Es ist so verdammt schwer, ehrlich zu sein.

Ich bin so froh, dass ich dich kenne und ich weiß nicht, was da alles aus mir spricht und was für ein Teil meines Wahnsinns hier das Steuer ergreift und ob ich sobald ich dich geküsst, mit dir geschlafen oder mit dir zusammen war, einfach aufhören werde, mich um dich zu kümmern, da ich ohnehin schon erreicht habe, was ich wollte – so wie es ich meiner Meinung nach bis jetzt mit Jedem getan habe. Und hier beginnt das ganze, die ganze blöde Kette von eventuellen Kausalitäten erneut und wenn ich mich endlich, endlich, endlich davon lösen könnte. Einfach etwas unbeschwerter sein könnte, wäre ich wahrscheinlich unzufrieden.

Ich muss dir nicht alles davon sagen, aber es hilft zumindest, dass ich das alles aufgeschrieben habe. Ha, ich schreibe dir, dass was ich sagen will, eine Rede, damit ja nichts schief geht, wenn ich sie präsentiere. Ich hab ein bisschen Angst davor, dich anzurufen, ich habe Angst, dass du irgendwann einmal sagen wirst, dass es besser wäre, dass wir uns nicht mehr so oft sehen sollten. Und dauernd dieses „eventuell“, ich mache mir zu viele Gedanken, denke ich mir, und gleichzeitig denke ich mir, ob ich mir zu viele Gedanken mache. Wenigstens mache ich sie mir. Aber was nutzt das alles in Gedanken. Kein Kreis, eine Spirale.

Also, du bist kaputt, sagst du. Ich glaube, ich kann gut mit kaputt.

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