Ferdinand von Schirach: Schuld (2010)

Viel bleibt einem zu Von Schirachs Nachfolgeband zu „Verbrechen“ nicht mehr zu sagen: ein potentieller Serienkiller wird von einem Mercedes erfasst und der Fahrer wird schuldig gesprochen, juvenile Dummheit paart sich mit Sektengeilheit und erotisierende Auschschweifungen führen nicht nur zu sexueller Entfremdung sondern auch zu Totschlag – „Schuld“ lässt leider nichts anderes zu als die erzwungene Doppelbödigkeit als Selbstzweck zu interpretieren und die Geschichten zur Schuldfrage bewegen sich stets im Kreis der Doppelmoral (womit sich der Kreis auch wieder schließt, wenn Ferdinand von Schirach seine „menschlichen Schicksale“ zu reißerischen Stories verkommen lässt). Berichtigend muss zugegeben werden, dass sein Vorgänger (welchen ich durchaus empfehlen kann) das sprachliche und erzählerische Niveau, welches auf dem Buchrücken nicht zu wenig rezitiert wird, durchaus aufweisen kann, nur leider erscheint „Schuld“ wie ein lauwarmer Aufguss einer Suppe, die ohnehin nur einmal schmeckt. Dennoch besitzt der Erzählband seine Momente: eine kurze Annektode über den Wahnsinn schließt das auffallend schnell gelesene Büchlein nett ab, eröffnet wird ebenso mit einer erdrückenden und einprägsamen Geschichte aus Von Schirachs jüngeren Jahren und ein kleiner Höhepunkte bildet sich dann mit einer grotesken Story über kriminelle Verstrickungen und pointierten Wendungen, die aus dem Hirn eines koksrauschigen Hollywood-Screenwriter entsprungen sein konnte. Stranger than fiction, die einem letzten Endes doch nicht viel übrig lässt außer ein wenig verschwendete Zeit, dafür keine offenen Fragen.

Ferdinand von Schirach: SCHULD

Piper, 2012. Taschenbuch, 199 Seiten

978-3492273770

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