Prometheus (2012)

 

Es gibt einige Gründe sich PROMETHEUS anzusehen – die verheißungsvolle Geschichte, welche um den Ursprung der Menschheit umher schwirrt und frei nach Erich von Däniken interpretiert gehört auf jeden Fall nicht dazu. Aber dazu später.

Zuerst: Oh Gott, 3D. Wie lang hält dieser unsägliche Trend schon an? 3 Jahre? Außer einen „nett“ anzuschauenden AVATAR – der genauso gut ohne diese Technik auskommt – gab es bisher nur unsägliche Pseudo-Effekte: hauptsächlich im Schlachtfilm-Genre angelegte Spitzhacken, Augäpfel oder Piranhas, die einem entgegen springen – wenn ein Film es für notwendig hält, dem Publikum Innereien ins Gesicht zu spucken, so dass dieses „erschrocken“ zurückweicht, muss das ja irgendwie etwas über die Qualität des Inhalts aussagen. Alles andere ist nur Abzocke, Wischi-Waschi, Bildflimmern und nervige Plastikbrillen. 3D kann sich schleichen. Ich finde, jeder Filmkritiker sollte diese Worte mal gesagt haben. Ridley Scotts PROMETHEUS wäre ohne die dritte Dimension wahrscheinlich sogar besser anzusehen gewesen – die zu erwarteten Effekte kommen nämlich auch ohne groß raus, doch wer es für notwendig hält sich von der Leinwand hervorhebende Schriftzeichen genießen zu müssen. Bitte.

 

Doch wie gesagt, gut anzusehen war er immerhin, trotz zweieinhalb-D: zu Beginn erstreckt sich unser Planet in Teilen seiner Blüte; Nebelschwaden, Wasserfälle, Berge und Flüsse und schließlich der Ursprung des Lebens. Das mag hier epischer klingen, als man es dann beobachten kann, hat aber seinen Reiz. Dazu die orchestrale Unterstützung die wie immer im Action-Kinosaal nach Hans Zimmer klingt und tiefe Bässe: Ankündigung, Vorahnung, ja, dunkle Zeichen.

 

Und dann ein Schnitt auf die Quintessenz des Science-Fiction Films: Einsamkeit. Endloser Raum, unendliche Welten, große und großartige Planeten – und dazwischen: wir. Ein verhältnismäßig kleines Flugobjekt im All, die Prometheus, auf der Suche nach dem Sinn. Im Raumschiff: Leere – wiedergegeben durch David den Androiden, der seine Arbeit verrichtet, sich Filme ansieht und ab und zu sich schick macht. Und wieder – durch und durch Leere. Solche Bilder reichen seit Kubricks Odyssee aus um klarzumachen, dass wir allein sind. Da braucht es keine weiteren Ansätze, keine Gespräche über das Finden, kein dialogisiertes Suchen und kein Diskutieren ob und was und warum: ein Blick in den Himmel genügt – sei es jetzt die Prometheus, die Ikarus, die Horizon oder auch die Serenity oder die Enterprise – und wir sehen: alles ist vergebens, alles ist hoffnungslos und deswegen küre ich dieses Genre sooft zu einem meiner Lieblinge.

 

Doch dann beginnt die scheinbare Geschichte, die Rahmenhandlung, die Auflösung des Mysteriums und dass ist nicht selten enttäuschend. PROMETHEUS macht es leider nicht anders und verliert sich schnell in eine angebliche Handlung, welche die schönen Bilder erklären soll. Das soll ja auch so sein und schöne Bilder allein machen nur halb satt – aber.

 

Dafür, dass sich Ridley Scott zu Beginn viel Zeit nimmt um die Welt im Jahre 2091 zu erläutern, um das Ziel und die Beweggründe zu präsentieren (wobei er dabei strickt auf die Figuren vergisst) umso schneller werden dann Aktion und Reaktion in der zweiten Hälfte abgespielt und PROMETHEUS verfällt in ein unlogisches und grässlich vorhersehbares Action-(brrr)Spektakel. Es wird gedroschen und getötet, explodiert und verbrannt und das alles mit einer musikalischen Wucht, während Raumschiff gegen Raumschiff hinab stürzen, verdammt. Dass sieht alles doch irgendwie „cool“ aus, doch dass sich Scott dabei wenig bemüht seine Zuseher zu überraschen, der Geschichte, die er zuvor noch so wunderbar ausgebreitet hat, einen gebürtigen Abschluss zu verleihen, übertönt das Gewitter dann doch noch, so dass nur die leere Hülle einer Pseudo-Philosophie übrig bleibt, die nicht einmal SUNSHINE (den ich sehr schätze, trotz seines merkwürdigen Finale) in puncto Interpretation und Tiefgang das Wasser reichen kann (und dass mag schon was heißen, „Sonnenmensch“).

 

Und derweil hat PROMETHEUS so viele Ansätze, so viel Potential: mal ganz Abgesehen von der Suche nach dem Ursprung des Lebens und der Menschheit, dem Konflikt zwischen Wissenschaft und Glaube, bietet allen voran die Figur des Androiden David (formidabel gespielt von Michael Fassbender undklarer Aufhänger des Filmes, der ohne diese Figur wahrscheinlich verloren wäre) vielerlei Konfliktpotential, wie es Scott schon in BLADE RUNNER (besser) darlegte:

 

„What do you want, David?“ fragt Elizabeth Shaw (ganz gut:  Noomi Rapace) ihren Androiden, der ihr erklärt, dass er keine Vorstellung von „Wollen“ hätte.

„We made you, ‚cause we could“, erläutert Dr. Holloway (austauschbar: Logan Marshall-Green) dem Roboter, der ihm die Gegenfrage stellt, ob ihm es nicht Leid täte, das selbe von seinen Machern zu hören. Leider bleibt es bei solchen Wortwiederholungen, die Figuren in Scotts Film sehen sich nicht gezwungen, auf die Fragen einzugehen (oder überhaupt zu reagieren), sonder plappern lieber etwas über die mögliche Existenz eines (christlichen) Gottes nach, dessen Glauben sich offensichtlich nur und nur durch das Tragen eines Kreuzes bestätigen und demonstrieren lässt.

 

Später im Film wird es dann ganz schlimm, wenn Charaktere offensichtlich vergessen, dass sie sich soeben gezankt, geschlagen und aus den Fängen widerlicher, phallischer Aliens (hurray!) befreit haben – anscheinend ist es auf der Prometheus nicht üblich nachtragend, misstrauisch oder auch nur erklärend zu sein; selbst wenn, die Crew würde es ohnehin ignorieren. Dass dadurch ein Haufen Sinnlöcher einstehen, die nur nicht beantwortet werden um den Lauf der Geschichte nicht aus den Gleichgewicht zu bringen, schien den Schreibern Jon Spaihts und Damon Lindelof (LOST!) irrelevant zu sein.

 

Ganz blöd wird es dann bei einem Werwolf-Vampir-Zombie-Angriff (nicht wörtlich nehmen), den man so schnell  wie er gekommen auch schon wieder vergessen hat und bei, späteren Revue-Passieren achselzuckend unter auflockernder Action-Szene verbucht. Die üblichen Handlungen der Nebendarsteller werden ebenso nach Schema F abegespielt; Aufopferung, Kampf und Betrug – ohne Überraschung und ohne Gefühl. Rapace Charakter Elizabeth Shaw zeigt deutliche Ripley-Anleihen, doch selbst die tougheste Alien-Fighterin der Geschichte, könnte keine zwei Schritte gehen, nachdem, was der gottesfürchtigen Wissenschaftlerin in PROMETHEUS widerfahren ist.

 

Wo wir den Bogen zu den positiven Aspekten von Ridley Scotts übrigens besten Film seit – (und ein Blick auf seine Filmographie lässt mich staunen) wow – seit BLADE RUNNER, spannen können: PROMETHEUS enthält durchaus eindrucksvolle und sogar etwas verstörende Szenen: von Alien-Geburten zu deren Abtreibungen, Old-School Bodyhorror und den pompösen Zerstörungen riesiger Raumstation, Übermenschen und Giger’sche Grotten (großartiges ALIEN-Feeling), der Film macht vieles richtig, was zu einem düsteren Science-Fiction-Epos dazu gehört. Umhüllt in metallische Sandstürme und unheilvolle, sexuell aufgeladenes Creature Design, wie wir es kennen und fürchten bewegen sich jedoch eine Schar unbedeutender Charaktere (bis auf die bisher zwei genannten Figuren) in Mitten einer Story, deren Fundament sich gut anfühlt, das Ergebnis jedoch nichts weiter ist, als ein Fertighaus voller Referenzen und ohne den Mut, eigene, düstere Geschichten zu erzählen, wie wir sie noch nicht kennen.

 

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