The Pact (2012)

The Pact

Ein altes Sprichwort besagt: Ein Horrorfilm ist nur so gut, wie seine ersten Minuten. Zunächst – ich bin nicht besonders gut mit Sprichwörtern. Außerdem bin ich mir ziemlich sicher, dass ich dieses gerade erfunden habe und die Ausnahmen bestätigen natürlich die Regeln, aber, hey: Ich bin der Kritiker, ich mache die Regeln. Und hier passen meine Regeln, denn nach den erst paar Minuten von THE PACT musste ich schmunzelnd feststellen; Epilog Prolog, jetzt hast du mich.

Und THE PACT enttäuscht auch nicht. Den Film als herausragend zu bezeichnen wäre übertrieben, doch zum einmaligen Schauen reicht das leise Schaudern vollkommen. THE PACT ist zwar weder besonders gemein, noch ungemein originell, forciert jedoch keine Klischees und konzentriert sich auf seine Geschichte, die er zufriedenstellend zu Ende erzählt (mit Betonung auf zu Ende erzählt; endlich mal wird der obligatorische End-Twist, mit dem ordinärer Sequel-Flirt ausgelassen, naja, fast).
Below. Eigentlich beginnt THE PACT ganz klassisch: eine Stilsicherheit Einführung macht uns mit der Lokalität des Grauens bekannt und die anfängliche Skepsis, die meiner Seele stets bei Gruselfilmen innewohnt, wurde schnell weggeblasen, als sich eine Tür öffnete und ein Blick in die Dunkelheit werfen dürfen. Und dann – schneidet der Film und ich, ja, ich war bereits gebannt und gierig, unwissend und fragend, was uns in der Dunkelheit erwartet.

Geister. Selbstredend. Es sind nämlich immer Geister, die sich hinter gerade noch verschlossenen Türen beherbergen. Und auch Cover, Trailer und Erstpräsentation scheinen dem Zuschauer nicht vorenthalten zu wollen, worum es in dem Filmchen gehen soll. Was ja irgendwie schon etwas schade ist; natürlich, ich könnte versuchen mich nicht mit dem Filmen, die mich interessieren auseinander zu setzen, doch gerade bei der Flut an Horrorfilmen die in die Heimgruselkabinette gespült werden, will ich mich bei meiner letztendlichen Entscheidung auf einen gut gemachten Trailer oder einem vielversprechenden Filmplakat (ja, das reicht mir, ich geb’s zu, ich bin oberflächlich und bewerte Bücher grundsätzlich nur nach ihrem Umschlag) verlassen können. Doch in der Vorschau fliegen bereits die poltergeistgeplagten Menschenkörper umher und aus der altbackenen Tapete, strecken sich meine guten alten Freunde die Frighteners. Whatever.

Und doch. Dafür, dass der Film sich nicht sonderlich auf das Element der Überraschung verlässt (wozu auch, in Horrorfilmen geht es um – sorpresa! – Gespenster), funktioniert er sehr gut und schafft sogar das Unschaffbare; er überrascht. Nicht zuletzt wegen ein paar geschickt gelegter Red Herrings, oder, nein eigentlich eher wegen der vorgefertigten Meinung eines Publikums, welches sich nach vier paranormalen Aktivitäten (wann hat sich dieser Film eigentlich in ein Franchise verwandelt?), fortgesetzten Geisterkinder und letzten Exorzismen (Part II, ich weiß, absurd) nicht gedacht hätte eine noch nicht ganz ausgelutschte Geschichte erzählt zu bekommen. Ich meinerseits, war allzeit voller Erwartungen, die auch nicht enttäuscht wurden.

Wie gesagt, das lag auch besonders an dem beinahe schon stillen Anfang und den gekonnt eingesetzten Abblendungen; ein Ton, der sich auch im späteren Verlauf des Filmes finden lässt und durch und durch zu der Erzählstruktur, dem Tempo und der Atmosphäre von THE PACT passt. Ja, es bleibt ein leiser erzählter Film und ja, Jump-Scares, Geistergewitter und Schattenspiele braucht man sich nicht erwarten, aber davon bin ich ohnehin kein Fan. THE WOMAN IN BLACK par exemple ist mit seiner klassisch erzählten Schauermär eben auf Grund seines typisch gruseligen Nebel-, Kratz- und Schaukelstuhlgrusel für mich kaum spannend noch unterhaltsam gewesen, während neumodisch stille Wohnkomplexe und schäbige Tapeten in heruntergekommen Hotels (vorzugsweise mit Videospielrecorder, und ich werde nicht aufhören diesen Film in jedem meiner Gruselrezensionen zu bewerben und vergöttern) mir die Haare zu Berge stehen lassen.

Auch den Fehler, seine Figuren zu wenig oder zu viel oder gleich gar nichts wissen zu lassen beginnt THE PACT nicht; kann er gar nicht. Im Plot dieses Horrorfilmes finden sich kaum nennenswerte Charaktere, außer jener der Hauptfigur und diese, ist damit beschäftigt, dem zu folgen, was ihr gerade in den Weg gelegt wird. Die Hauptdarstellerin Caity Lotz macht ihre Arbeit gelassen gut, und hebt sich gut von den Nebencharakteren ab. Dem ängstlichen Sommersprossengesicht sieht man jedenfalls gerne beim Angst-haben zu. Schauplätze und Zeitpunkte wechseln selten und gesprochen wird auch nicht viel. Das macht auch die Dialoge etwas karg, doch dieser Film benötigt eben solche auch nicht. Die Figuren bleiben dabei leider genauso flach und hintergrundslos, da es, wie schon erwähnt, zwar einiges zu erzählen gibt, aber niemanden, dem man etwas erzählen kann. Tja. Für den einen flach, für den anderen authentisch. Und; alles was man wissen muss um mit Annie mitzufiebern, bekommt man auch so mit, ihre Vergangenheit kann durch geschickt gesetzte Details und kleine Gesprächsfetzen erahnen und ein nicht all zu verwöhnter – ursprünglich wollte ich ja stupider schreiben – Zuschauer wird sich schon einen Reim daraus machen, was in dem Haus vorgefallen ist. Wer jedoch am Ende noch über den Titel rätselt, wird aber wahrscheinlich auch den Rest den Inhalts nicht entziffert haben.

Ansonsten bietet THE PACT alles, was sich sowohl Altbackene als auch Frischlinge Gruselgeschichtenerzähler von solchen Filmen erwarten und in meinen dunklen Augen auch ein wenig mehr: von Zeit zu Zeit, legte sich eine unangenehm bissige Atmosphäre über einige der Szenen, welche den an sich durchwegs konventionelle Geschichte die notwendige Spannung verschafft. Das Ambiente und vor allem die Zurückhaltung des Filmes, zu Vieles von seinen Absichten, Zusammenhängen und auch Figuren preiszugeben, ist ein großes Plus und trägt viel zu seiner Wirkung bei.

Und dann: gegen Ende hin, findet der Film, trotz einiger etwas künstlerischen Längen (sprich; nicht langweilig, aber auch nicht sonderlich spannend), seinen Höhepunkt in einen kribbelnden Finale, bei dem ich – tapfer wie ich nun mal bin – mich im Schutze meiner Decke an den hintersten Rand der Couch verzogen habe und mit stockendem Atem durch ein Loch in der Wand dem Schauspiel beiwohnte. Für einen Film, dem ich schon gedankt habe, mich zwar kurzzeitig erschreckt aber nie vollkommen geohrfeigt hatte, blieb mir gehörig die Kinnlade offen stehen. Hand vorm Mund, versteht sich. Auch Horrorfans haben Manieren. Und bei Filmen wie THE PACT, manchmal auch etwas Angst.

Solides Horrorwerk, mit wenig Schockeffekt aber effektvoller Atmosphäre, welches vorwiegend von dieser lebt. Aufregende Twist sollte man nicht erwarten, doch die schlichte Geschichte wird durch die ebenso düstere Grundstimmung gekonnt erzählt und in den paar Höhepunkten, scheint ein nervenaufreibender Gruselfilm durch, der neben den viel-propagierten Mainstreamern ein durchaus berechtigtes Nebendasein führt.

Advertisements
Getaggt mit , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: