SAW (2004) [rewatched]

Das ist keine Kritik im eigentlichen Sinne. Eher ein Versuch eine Erinnerung nachzuerleben und eine sehr persönliche (und hoffentlich unterhaltsame) Analyse, des besagten Films.

Saw Starts

Wow, neun Jahre ist es bereits her, das SAW die Kinos, DVD-Player und Zuschauer mit seiner eifrigen, brutalen und irren Folterschau überrollte. Seit dem hat sich die Serie in eine nicht aufzuhaltende Sequälerei (100 Punkte für ein perfektes Wortspiel!) verwandelt und ein eigenes Genre – vielleicht nicht erfunden, aber dennoch losgetreten, welches in Abscheulichkeit und Voyeurismus einige umso eifrigeren Vertreter aus den Löchern schaufelte und es in veredelter Form für die breite Masse, – sagen wir mal – interessant machte. Und lukrativ.

So bekam die oft gelobten Hostel Teile (dessen Faszination ich aus keinem Point of View nachvollziehen kann) ihre breite Aufmerksamkeit oder unzählige Slasher-Filme, die sich fort an das Ziel gemacht haben, umso grausamer Todesarten für die inne laufenden Opfer zu finden. Das war nicht gut. Und das pünktlich zu Halloween heranbrausende von-der-Stange-folternde Franchise SAW selbst hat eine der brachialsten, sinnfreisten und menschenverachtensten Produkte ausgespuckt, als es im dritten Teil seiner Widerlichkeit einen trauernden Vater durch die Hölle jagte. Was alles nicht mit diesem Film passt, haben die Kollegen von dasmanifest (grandiose Polemik, unbedingt lesen – nachdem ihr mit dem Artikel hier fertig seid, natürlich) jedoch so genau auf den Punkt gebracht, dass ich es hiermit vermeide, noch weitere Wörter über SAW III zu verlieren.

Die weiteren Teile wurden meinerseits nur noch mit mäßiger Konzentration, geschweige denn Interesse verfolgt, so dass ich darüber nur noch eines zu berichten habe: die Story wurde immer abstruser und die Plotlöcher größer. Zwar hat man sich bemüht eine zusammenfassende Handlung beizubehalten, doch die Geschichte wird nach unnatürlich vielen Twists und unzähligen Jigsaw-Doppelagenten mit jedem Mal unglaubwürdiger.

(Plus gab es von mir seinerzeit dennoch für die Eier, die der vierte Teil bewies, indem er den bereits zu Ikone verkommen Jigsaw-Killer die Lichter ausknipst – nur um ihn dann mitsamt einem Tape im Magen zu weiteren Spielchen wieder zu erwecken! Seriously, welcher Hornochse hat sich das ausgedacht? Und wer hat das geschluckt? Benötigt es wirklich, wirklich so unsäglich wenig Plot um es recht zu fertigen, Filmfiguren auf brutalste Weise nieder zu metzeln, schmettern, schneiden, schnitzen, spritzen, jagen und backen? Das ist gegenüber Filmschaffenden die sich mal hingesetzt haben und ein sich die – offensichtlich belanglose – Mühe gemacht haben ein Drehbuch zu schreiben, schlicht nicht fair.)

Doch nun back to basics: Der Ruf dem SAW voreilte, war gewaltig und wuchs rapide an. Damals, gerade mal sechzehn, wurde mir eine schäbige Raubkopie, auf dem mit wasserfesten Marker der Name des verheißungsvollen Werks gekritzelt war, voller vulgärer Freude überreicht. Der bekannte Kreis der Raucherhofkritiker warfen mit Floskeln und Übertreibungen umher – „mega brutal“, „sowas will man gar nicht sehen“ und „Alter, der sägt sich den Fuß ab“ – ich konnte es kaum erwarten. Das war mein Äquivalent zu EVIL DEAD, irgendwie. Eigentlich konnte ich es kaum erwarten, den Film endlich hinter mich zu bringen, denn auf den eigentlichen Genuss, SAW zu schauen, freute ich mich ehrlich gesagt nicht. Dafür klang er zu gemein, zu bösartig, zu viel für meine jungen Augen. So wurden damals die Fensterläden geöffnet (nicht wirklich, ich besitze und besaß nie einen Wohnort mit Fensterläden), die Lautstärke gedrosselt und zur wenigsten gruseligsten Stunde des Tages – der Mittagszeit, die Stunde des Fuchses, kommt gleich nach Slasher am Vormittag – die DVD-R in den Player gesteckt. Buckle up.

Das Ergebnis war bizarr. SAW war fies. Und gemein. Und stellenweise auch sehr schmerzhaft. Aber – puh, und ich kann mich heute noch an meinen beruhigten Seufzer erinnern, als der Abspann rollte – er war nicht das. Dafür war SAW einfach zu ungalant. Zu hektisch. Zu sehr auf Schockwirkung bedacht, zu viel Augenmerk auf die Tötungsakten und dass mit zu viel CSI Miami. Dass ich den Endtwist voraussagen konnte, glaubte mir im Nachhinein auch niemand (und wird mir auch heute keiner glauben, ja klar). Doch er hielt zumindest stellenweise, was er versprach. Und beim wiederholten Erblicken, diesmal unter nicht ganz so widrigen Umständen und in unkundiger Gesellschaft, schien das kleine Low-Budget Machwerk auch sehr gut zu funktionieren: zum ersten Mal in meinem noch frischen Horrorfilmfanleben, wohnte ich dem berüchtigten, kollektiven Aufstöhnen und Zähne-Zusammen-Beißen bei, als er schließlich doch zur Säge greift und sich das verdammte Bein absägt. Alter.

Jahre später (ergo: 2013) habe ich mich zu einem Rewatch entschieden. Einerseits kannte die bessere Hälfte dieses infamöse Werk nur vom Hörensagen und – trotz der Bekanntheit der verschiedenen WTF-Momenten am Ende – wollte ich mich noch einmal das gemeinsame Aufstöhnen (das klingt ganz und gar nicht so, wie ich es meine) erleben. Zudem musste die Behauptung, dass der erste Teil dieser Reihe gaaaaar nicht so schlecht sei, ja kontrolliert werden. Immerhin ist es schon Jahre her, dass SAW meine Nerven anknabberte. Und man muss ja zu seinen Fazits stehen. Immer.

game over

– But Scre4m…? – Always!

Nun gut. Er sägt sich also das Bein ab. Ach Gott, und wie er das tut. Das tut noch immer weh, aber der Schmerz hat sich neben des physischen Mitgefühls auch noch auf eine weitere Ebene verlagert; der Idiot, sägt sich das Bein ab. Wieso? Ich werde es euch in den folgenden Absätzen erläutern, die den Titel tragen werden:

„Warum zum Teufel sägt er sich das Bein ab?“

SAW beginnt ziemlich direkt. Raum, Leiche, Gefangener, Boom. Deal with it. Sowohl Protagonisten als auch Zuschauer müssen sich ziemlich schnell damit abfinden, dass man sich in einer außerordentlich ausweglosen Situation befindet. Es wird geschrien, es wird gerätselt und doch gibt es keine Antworten. Und das ist toll. SAW als Kammerspiel, mit Tapes und Rätseln, das war also der Grund für den Snowball-Effekt. Denn so funktioniert James Wan Debütfilm richtig, richtig gut. Mit Konzentration und quasi Echtzeit auf die Hauptfiguren, kein großes Gewese warum was passiert, nur ein Ultimatum und eine einfache Lösung. Einer von beiden muss sterben. These are the rules.

Doch leider bleibt es nicht dabei. Natürlich, und Stephen King hat schon gesagt, man kann keine interessante Geschichte erzählen, ohne seinen Figuren Hintergrund zu geben, ansonsten bleiben sie Schablonen und nichts schadet – gerade im Horrorgenre – mehr als ausgelutschte Klischees ohne nennenswerte Charakterzüge. Und da fängt es dann an zu happern.

Es ist nichts gegen Rückblenden (Inselbesucher, wissen was ich meine, die Serie besteht quasi aus Rückblenden) einzuwenden; sie tragen oft geschickt zu der Zusammensetzung einer verwinkelt Geschichte bei, die sich dadurch clever präsentiert und einen mit Spannung mit rätseln und fiebern lässt. Das Auslassen von bestimmten Plotlines ist ein grandioses Mittel um Erzählperspektiven zu verschieben oder weitere Einblicke in farblose Charaktere zu gewähren, der stetige Wechsel des erzählenden Zeitpunkt war nicht selten das einzige Stilmittel, dass Filme zusammenhält oder gerade auf Grund dieser noch besser funktionierten.

Hier nicht. Ganz einfach: nein. Hier hat man einfach keinen anderen Ausweg gesehen, als den Film mit Hilfe von Rückblenden zu erzählen, weil, na ja, weil sonst nichts erklärt wird. Lawrence (Cary Elwes) erinnert sich und die Kamera – und da musste ich bereits die Stirn runzeln – zoomt auf sein Blickfeld. Woosh. Rückblende, capiche?

Wir lernen Jigsaw kennen, zumindest den vermeintlichen Jigsaw und seine Opfer und das alles sehr sehr unkonzentriert. SAW bewegt sich, wie eine überforderte Werbung auf VIVA, die keine Ahnung hat, wie sie ihr Produkt (es sind wahrscheinlich Sonnenstudio-Apps, für die natürliche Bräune)
verkaufen soll. Nicht verwirrend aber doch fehl am Platz sind die Flashbacks in den Flashbacks, in denen in einem ebenso hektischen Editing, die Folterungen der früheren Opfer zur Schau stellt. Stacheldrahtlabyrinth, Glassplitterboden, Gift in den Venen und so weiter. State of the Art für den alten Folterer. Dennoch finde ich es merkwürdig, dass sich unsere Hauptprotagonist Lawrence an solche Dinge erinnern kann (es sei denn, eine der Fortsetzung erklärt mir das).

Aber da ich mich damit nicht weiter beschäftigen will, lasse ich den Film seine Rückblendlogik und fokussiere mich auf den Inhalt. Aha. Jigsaw ist ein ziemlicher Arsch. Dafür, dass sich der selbsternannte Moralist, zum Ziel gesetzt hat, seinen Opfern das Leben wieder lieben lernen zu lassen, macht er es ihnen ziemlich schwer, überhaupt noch ein solches zu besitzen. Hat der alte Killer vielleicht mal an Gruppentherapie gedacht? Kraftorte? Paulo Coehlo Bücher? Fight Clubs? Na ja, er ist halt ein sick bastard, aber die Auswahl seiner Auserwählten ist ebenso fragwürdig. Ich konnte beim besten Willen nicht erkennen, warum gerade unsere beiden Protagonisten in dem schmutzigen Verlies sitzen müssen. Sind die Eheprobleme des Doktors wirklich ein so großer Fauxpas in Jigsaws telefonbuchschweren Regelwerk, dass er entscheidet, sowohl Gattin als auch Tochter eventuell sterben zu lassen? Sind das nicht zwei Unschuldige zum Preis von einem faulen Ehemann? Ach und Privatdetektiv sollte man in seinem Jagdterritorium auch nicht gerade sein. Der Typ hasst Fotografen. Er hasst sie bitterlich. Auf die stürzt er sich samt Schweinekostüm. Aber wer bin ich, die Hintergründe brillanter Serienkiller zu hinterfragen; manche wählen andere Mörder, manche Todsünder, Jigsaw nimmt, glaub‘ ich, seine Nachbarn.

Mehr und mehr erfahren wir dann auch über unsere Opfer, bei denen das Drehbuch ausnahmsweise etwas richtig macht. Die Szenen zwischen Lawrence und seiner Familie sind glaubwürdig, die Dialoge solide geschrieben und auch der Hobby-Paparazzo darf sich einer überaus gelungen Spannungsszene erfreuen. Ehrlich gesagt, war (und bin) ich richtig neidisch auf James Wans Einfall mit der Fotokamera, deren Blitz den Raum für einen Bruchteil erleuchtete, und das Spannungsbarometer in die Höhe trieb, ich fand es sogar ein bisschen schade, eine solch gelungene Idee an einen solch reißerischen Film zu verschwenden. Doch auch SAW besitzt neben seiner Säge klassische Horrorelemente und in den besten Momenten erkennt man James Wans und Leigh Whannells Talent, welches (zumindest bis dato) sich in dem nervenaufreibenden INSIDIOUS in voller Pracht zeigt.

Saw Hide and Seek

Hide and Seek mit Jigsaw. Immer eine Freude.

Das ist auch irgendwie das schöne an SAW: man erkennt die guten Absichten, man sieht, wie sich die  beiden Drehbuchautoren Mühe gegeben haben und in vielen Augenblicken, ist ihr Debüt auch ein richtig guter Horrorfilm, spannend, bissig, dreckig. Viel Potential zeigen die Abduktionsszenen, in denen sich Jigsaw an seine Opfer an schleicht, die trotz ihres bekannten Ausgangs prickelnd inszeniert sind. Auch als sich vermeintlicher Killer bei der Familie aufhält, kann man sein Herz gleichzeitig mit denen der Filmfiguren höher schlagen hören. Es ist irgendwie fast schon unfair, dass SAW seinen berüchtigten Ruf nur  auf Grund seiner (wenig vorhandenen und kaum voyeuristischen) Folterszenen erreicht hat, denn wenn er will, ist er nämlich ein durchaus spannender Thriller, der dann am besten wirkt, wenn er sich an seinen Ursprungsort zurückbesinnt und seine gar nicht mal so schlechten Akteure wirken lässt. Allen voran Leigh Whannell, der auch in INSIDIOUS den geekigen Geisterjäger mimen durfte, holt aus der Rolle das raus, was er sich wohl vorgestellt hat.

Doch leider will SAW das nicht immer. Ziemlich oft, will er schnell geschnittene Stolperfallen und überforderte Opfer in Panik. Panikzustand ist das Wort, welches ziemlich gut beschreibt, wann SAW nicht funktioniert. Zeitraffer, Zoom-In und Zoom-Outs, Kehrtwendungen und 360°. Natürlich, der Film versucht damit einen Stressmoment zu simulieren um sich in eine etwaige Lage hineinzuversetzen – und dabei auch noch das geringe Budget zu verstecken. Das nervt. Es nervt einfach, weil dadurch viel Kraft aus dem Film genommen wird, der sich zu sehr auf seine überbewertete visuelle Präsentation verlässt. Kaum zu glauben, dass es dieses Stilmittel bis hin in die letzten Teile geschafft hat. Denn, tja, für viele ist genau das, was SAW ursprünglich ausgemacht hat: Folter in Videoclipästhetik.

Die berühmt-berüchtigten Szenen haben allerdings an Wirkung eingebüßt. Überspitzte Gewalt in Filmen ist irgendwie nicht so zeitlos, wie man meinen könnte. Es wird immer irgendwo irgendeinen brutaleren Film geben und ich bin mir ziemlich sicher, dass diese auch nur dann funktionieren, wenn sie sich in einen relevanten Kontext bewegen: siehe hier, hier und hier. SAW wird heute wohl niemanden mehr vom Hocker reißen, wobei – nein, dies muss ich augenblicklich revidieren; er schneidet sich immerhin den Fuß ab.

Foot Scene

Er wird das Bein schon nicht vermissen. Wahrscheinlich.

Ach ja. Der Fuß. Habe ich schon erwähnt, dass SAW plottechnisch vollkommener Schwachsinn ist? Der Aufhänger reicht nur deshalb einen ganzen Film lang, weil man aus dem Schauen gar nicht mehr raus kommt, dauernd dreht sich irgendetwas. Wenn man nur anfängt mitzudenken, tun sich enorme Plotlöcher auf, die so groß sind, dass mir gerade die Vergleiche ausgegangen sind. Wenn jemand einen passenden weiß, möge er mich bitte anmailen.

SAW selbst ist platt und zudem noch moralisch äußerst fragwürdig – war bei SE7En zum Beispiel, des Killers Geisteszustand noch wenigstens etwas nachvollziehbar (und dass trotz seiner abscheulichen Methoden), hat Jigsaw den Vogel der Mordgründe abgeschossen.

Und nicht nur das. Alles andere im Film bewegt sich auf so dünnen Eis und ist gespickt mit einer horrenden Logik, dass – ja dass es einfach unlogisch ist (ich sollte mit meine Sätze wirklich nicht immer auf Vergleiche abzielen, offensichtlich bin ich nicht gut darin. Und der Typ den ich bezahle für mich Metaphern zu schreiben, klaut seine Witze aus den Simpsons). Aber wirklich: Gott, ist der Film unlogisch. Beware, Spoilers ahead – und ja, ich verrate das Ende: Jigsaw war von Anfang an ein Geist!

Panikzustand? There you go.

Zunächst, warum agiert Zapp so wie er agiert? Er hat keinerlei Grund die Familie des Doktors psychologisch zu terrorisieren. Es scheint sogar so, als ob es ihm Spaß macht. Das funktioniert nur, wenn man glauben soll, dass er der eigentliche Jigsaw sei. Also nur das erste Mal. Des Weiteren habe ich selten eine solch blöde Polizei gesehen. Jigsaw wird seit mehreren Wochen verfolgt, aber als der vermeintliche Wirkungsort des Irren herausgefunden wird, zieht man lieber zu zweit los. Als sich dieser Ort auch noch als ziemlich sicherer Folterkeller (wirklich, es ist so als wäre man in Da Vincis Werkstatt getreten, nur statt Erfindungen und Kunstwerken, findet man Dioramen des Grauens und zur sofortigen Verwendung bereite Hirnbohrmaschinen) entpuppt, sieht man immer noch keinen Grund Verstärkung zu holen. Wirklich, Danny Glover? Und der soll 2012 Präsident sein? Also meine Stimme hat der nicht.

Außerdem:Danny Glover  – worst police officer ever – beobachtet skurille und vermeintliche mörderische Aktivitäten im Haus eines Verdächtigen (!) und findet es nicht notwendig, jemanden hinzuschicken. Offensichtlich suspendiert, macht er sich erneut auf die Jagd nach dem Typen, der ihm schon einmal die Kehle aufgeschlitzt hat, aber dieser Film sieht nicht ein, dass Polizisten auch in Teams arbeiten. Jigsaw selbst scheint ziemlich agil für sein Alter zu sein. Auch dass er an irreparablen Krebs leidet und eigentlich im Krankenhaus liegen sollte (wie wir auch zuvor kurz gesehen habe), hindert ihn nicht daran, ausgeklügelte Fallen zu bauen, Polizisten zu überwältigen, Schrottkugeln zu überleben und sich sein Verlies noch heimisch einzurichten. Wie bereits erwähnt, spiele ich dabei auf die Dioramen an. Wozu braucht er die eigentlich? Erinnerung? Trophäen? Ist das Killergenie zu blöd, sich zwei Männer in einem dreckigen Badezimmer vorzustellen? Bastelt er vielleicht einfach nur gerne?

Diorama

Und das Nächste mal bei Jigsaws-Bastelstunde: Ikebana mit Knochensplitter!

Nebenbei schneidert er sich auch noch effektvolle aber sinnfreie Schweinemasken und macht einen auf Puppenspieler. Jigsaw hat wirklich einen Hang zum Dramatischen, ohne dabei wirklich darauf zu achten, was er eigentlich damit aussagen will. Ein komlpexer Geist, wahrscheinlich. Wie gesagt, who am I to judge.
Unsere beiden Hauptfiguren scheinen ohnehin die Einzigen zu sein, die sich halbwegs natürlich verhalten. Schlussfolgerungen und Aktionen, Tricks (die das Killergenie leider durchschaut) und Zusammenarbeit stehen schnell auf dem Aktivitätenplan im Hotel Jigsaw. Bis sich dann der liebe Doktor – er ist immerhin Chirurg, also wir er schon wissen was er tut! – sich sein Bein mit einer rostigen Säge absägt. Es ist ja nicht, dass das bereits läutende Telefon ihn davor bewahrt hätte, aber vielleicht denkt Arzt in stressigen Situationen nicht an das Offensichtliche. Er probiert es sogar zu erreichen, beherzigt seinen Zellengenossen keine Stunde zuvor mit Hilfe seines Hemdes Gegenstände an sich heran zu ziehen, aber selbst schließt er diese Möglichkeit vollkommen aus. Das besagte Mobiltelephon liegt des übrigens keine Armlänge entfernt. Ich unterstütze diesen Irrsinn gerne mit einem Bild.

lawwrence gordon is an idiot

So close.

Soviel dazu, dass das Meiste in SAW total am Sand ist. Desaströse Verhältnisse. Aber doch irgendwie sympathisch. SAW ist nämlich trotzdem unterhaltsam und spannend, man sieht ihm seine Low-Budget Wurzeln jede Sekunde an und das macht dieses kleine Werk, wenn überhaupt, nur unwiderstehlicher. SAW ist ein vorlauter Film, der sich irgendwie um gar nichts schert, sei es Stil, Logik oder Handlung. Ein Mittelfinger für das damals mit J-Horror-Remakes überladene Mainstreamkino, keine Hommage oder Zitierwut, sondern einfach eine schlichtes, blödes, aber doch charmantes Folterkabinett.

SAW ist bei weitem nicht so gut, wie man meinen könnte und er ist von seiner Story wahrscheinlich noch dümmer als seine Sequels (und das muss man mal schaffen!), lebt aber eindeutig von seinem billigen Style und seinem noch billigeren Thrills. Hervorzuheben sind ganz klar die Schauspieler (außer Danny Glover. You suck.), unter anderem die noch nicht erwähnten späteren LOST-Schauspielkollegen Ken Leung und Ben Emmerson die ene gute Show abziehen (Emersons Charakter Zepp bekommt sogar eine eigene Overture), Whannell & Wans originellen Einfälle (und davon gibt es genügend, sie waren nur nicht in der Lage, in eine ordentliche Reihenfolge zu platzieren) und ein herausragender Score. Die SAW-Theme kann mittlerweile mitgesungen werden und hebt sich leicht auf eine Ebene mit dem Halloween-Thema.

Jigsaw

Game over.

Oh. Und dann ist da natürlich noch das Ende. Ach, das Ende. Perfekt von Charlie Clouser untermalt, erhebt es sich in seiner ganzen Scheußlichkeit, wirft einen weiteren Berg an Ungereimtheiten auf (ist Jigsaw ein Zombie?), gibt nebenbei eine Reminiszenz an das Schweigen der Lämmer, erhebt seinen Antagonisten auf den Thron der Killer-Immortalität à la Myers, Krüger und Voorhees, verbeugt sich und – als würde es sich selbst applaudieren – spricht es hämisch „Mich vergisst du nicht.“

Es wusste wahrscheinlich gar nicht, wie recht es damit hatte.


Fazit (eigentlich filmtipps.at exklusiv):

Der schnell zum Kultfilm avancierte Horrorschocker, schockiert eigentlich gar nicht so. Die brachialen Szenen, für die SAW bekannt wurde, sind im ersten Teil auch kaum vorhanden; vieles des Terror spielt sich alleine im beklemmenden Szenario ab. Die Hauptdarsteller retten in meinem Fazit den Film und die klaustrophobischen Szenen, holen aus der Geschichte das heraus, was Wan und Whanell wahrscheinlich am Herzen lag. Dem fiesen Thrill scheint das Alter dennoch nicht so gut zu bekommen, denn SAW bietet nach wiederholtem Schauen mehr schwarze Plotlöcher, als tausend sterbende Galaxien (geht doch). Auch die Ästhetik geht einem gehörig auf die Nerven und alles in allem, bleibt dann doch nur ein Durchschnittsfilm, welcher eine Dekade später immer noch mehr ist, als er eigentlich je hätte sein sollen. Es sei ihm vergönnt.

PS:

saw movie franchise

– That is my analysis of the Saw-Movie-Franchise.

(Troy: Well, there are seven of them).

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Ein Gedanke zu „SAW (2004) [rewatched]

  1. […] Namens James Wan, der seinen Namen in aller Munde brachte, als er 2004 den Folter-Schocker SAW auf den Filmmarkt beförderte . Hauptsächlich durch die massive Mundpropaganda und den Ruf, dem […]

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