passen sie jetzt sehr gut auf: alles was ich liebe, muss sterben

Das Universum, das kann ich nun mit Gewissheit sagen, folgt einer einfachen Formel: jedem Lebewesen wird eine einfache Regel zugeteilt, und diese Regel, komme was wolle, wird erfüllt. Diese Regeln sind in der Regel nicht kompliziert und lauten, zum Beispiel, wie folgt: „Sie stehen an einer Ampel und diese ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 67,32 abgerundet Prozent gerade eben auf rot umgesprungen (gerade eben, bezieht sich hierbei auf den Moment, als Sie auf die besagte Ampel blicken, okay, vielleicht ist das nicht unbedingt eine der einfachsten Regeln…).“ Oder: „Wenn Sie mehr als drei Milchpackungen kaufen, wird es in weniger als vier Tagen regnen.“ Oder um sich um das Schicksal einer anderen Spezies zu bemühen: „Pisst du heute in den Schuh, fällt dein Dessert heute aus. (eine überaus exakte Regel für Katzen, die abgewandelt auch für Hunde gilt; selten enthält diese Regel einen Folgefehler, da a) sich das Universum sich nie irrt, b) in Schuhe pissende Katzen nicht selten mit Nahrungsvorenthaltung bestraft werden und c) der Begriff „Dessert“ so unglaublich relativ ist, da dieses, insbesondere für die gierigen Viecher, ohnehin meist ausfällt)“. Natürlich sind nicht alle dieser Regeln so einfach. Einfach – auch ein relativer Begriff – erscheint zum Beispiel in Anbetracht des komplexen Ineinanderfügen von Aktionen und Reaktionen, Schicksalen und Zufällen, Addition und Multiplikation für unseren Geist so immens kompliziert, so dass ich Ihnen schlicht keine prosaische Beschreibung dafür liefern kann. Aber sagen wir einfach; sehr viele ifs benötigen sehr viele whens und eine Schleife kann unendlich Mal gebunden werden. Ja, so circa.

Da das Prinzip nun jedem klar sein sollte, komme ich einfach zu etwas komplizierteren Regeln und außerdem zu den Regeln der Regeln. Keine Angst, das wird hier keine Fight-Club’sche Abhandlung, Sie können jedem, den Sie kennen (und da sie gerade vor dem PC sitzen und sich diese Zeilen zu Gemüt führen, anstatt an sozialen Interaktionen teilzuhaben, können das nicht viele Menschen sein, boo-yah!) von dem hier erzählen – ich bitte darum! – und jede neu eintretende Regelung muss kämpfen, duh. Sowieso. Aber ich verliere meinen roten Faden, ich glaube, das hatten wir schon einmal. Konzentration! Encore, ein Beispiel!

„Alles was du anfasst, wird irgendeinmal kaputt gehen“. Diese Regel betrifft Sie. Mit ziemlicher Sicherheit. Das liegt an der weitläufigen Definition von „kaputt“, „irgendwann“ und „anfassen“. Alles ist endlich, das Unendliche können Sie nicht berühren und wenn sie sich so anstellen wie ich zu meinen Körperzeiten, tritt diese Regel wohl eher früher als später in Kraft. Diese Regel entspringt einer Zeit, als es noch etwas mehr Nichts gab und de facto es dementsprechend wenig Lebewesen schafften Dinge anzufassen. Das erste das dies tat, dem erging es – auf Grund der Regel – so und es war dementsprechend traurig und entsetzt darüber, dem zweiten erging es ebenso, dieser war sich jedoch gar nicht darüber bewusst – wobei Bewusstsein, aber nein, nicht jetzt – und der dritte hat gleich alles kaputt gemacht, in dem er nur daneben stand. Die oben genannte Regel begannen sich aufzulösen und zu spalten und traf manchmal gar nicht oder zu viel ein (siehe Subjekt 3). Das führte schneller zu einem Chaos und dieses Chaos würde unweigerlich zu einem Nichts führen und das aus Nichts Nichts wird, wäre eine Vermeidung dieser Praxis angebracht. Die einfachste Variante, den Fatalismus der – zugegeben, überaus fatalen – ersten Regel zu entgehen, war die Verschiebung dieser auf ein Fundament (ta ta! Das „endliche Dasein“ war geboren) auf und über und unter und jenseits dem sich die neuen Regeln in unendliche Netze teilen, gliedern, ketten und einfügen konnten: stets mit einem Ziel: no loose ends. Das Leben, so wie wir es kennen und definieren, funktioniert nun einmal, in dem jeder seinen fixen Platz besitzt. Und nein, damit ist nicht das Schicksal gemeint. Determinismus ist etwas für Anfänger – wie sie sehen – und Feiglinge. Aber wenn nicht alles mit einander verknüpft, nicht alles der ultimative Butterfly-Effect und nicht alles eine Konsequenz hat, dann steht das alles und das Alles still. Was das bedeutet? Beginnen Sie diesen Absatz von vorne, passen Sie diesmal bitte auf und konzentrieren sie sich auf die Zeile mit den Schlagwort „Chaos“, „Nichts“, „Fatalismus“ und „endgültige Vernichtung der totalen Existenz“. Ja, ich bin mir sicher, dass ich dass irgendwo geschrieben habe.

Also. Deswegen Regeln. Und jeder von uns hat eine. Entropievermeidung und so. Sicherlich, ginge es anders. Und ja, manche Regeln sind echt g’schissn. Aber sehen Sie es so, was sind schon die 67,32 abgerundet Prozent rote Ampeln im Gegensatz zur endgültigen Vernichtung der totalen Existenz (ich wusste es!)? Außerdem wissen Sie das alles ja nicht. Sie wissen nicht, dass

„Wenn du gestern länger als 5 Stunden geschlafen, du dir jetzt jedoch vorgenommen hast, in kleiner als 6 Stunden wieder aufzustehen, musst du mit einem Durchschnittswert von 3,7 Stunden Schlaf rechnen.“

oder

„Jedes Buch, das du lesen wirst, wird auf der realen Seite 212 (ist nicht gleich immer die Seite 212) am rechten unteren Rand einreißen. Sollte das Buch die Seitenanzahl von 212 nicht erreichen, wird die zwölfte Seite tief einreisen, sollte das Buch keine zwölf Seiten haben, wirst du es nicht fertig lesen.“

oder

„Alle Katzen, die die begegnen werden sind dreifarbig.“

wirklich Regeln sind. Sind auch nicht alle, eine davon habe ich erfunden. Sie wissen auch nicht, ob eine dieser drei Regeln, nicht vielleicht auf Sie zutreffen! Nur zu, nehmen sie ihr Buch zur Hand und reißen Seite 212 nicht ein! Oder versuchen Sie mein Schlafexempel. Haben Sie eine Katze bei Hand? Sehen Sie? Das führt zu nichts. Unüberprüfbar, weil bis ins kleinste Detail sinnlos.

Wenn Sie Glück haben. Wenn Sie kein Glück haben, besitzt diese kleine, gemeine Regel immense Auswirkungen, nicht nur auf Sie, sondern auch auf viele, wenn nicht alle Menschen die sie kennen. Oder Katzen. Nur als Beispiel; eine schwarze Katze geht die Straße entlang und nähert sich einer Kreuzung auf der sie in 12 Sekunden auf Sie treffen wird. Sie jedoch, sind der Arsch mit der drei-Farben-Katzen Regel. Jetzt gibt es entweder die Möglichkeit, dass die Katze umdreht, und Sie weitergehen, Sie umdrehen und die Katze weitergeht oder die Katze von einer tollwütigen Taube angegriffen, auf die Straße gejagt, dort von einem Fußball getroffen wird, durch den Fußballtreffer, den ein Kind (vielleicht mit der Regel, dass jedes 22te bis 27te Mal ein Lebewesen verletzt wird, wenn der dumme Bub einen Ball wirft, was weiß ich) unvorsichtigerweise auf die Straße befördert hat, benommen wird. Dies hat zur Folge, dass die schwarze Katze nicht rechtzeitig erkennt, wie ein tiefergelegter BMW die Kunst des Einparkens ad absurdum führt und ehe sie sich des abscheulichen Todes retten kann, ziert ihre Gehirnmasse Teile der Edelstahlradkappen und das Fell vermischt sich mit einem dunklen Rot, welches wiederum von einem dickflüssigen Weiß – ich glaube es sind die Knochen, ich hoffe es sind nicht die Augen – durchzogen wird, welches weitläufig den Gehsteig dekoriert. Auf den Sie gerade einbiegen! Angewidert wechseln Sie die Straßenseite.

Und so schnell, präferieren Sie die Buch-Einreiß-Regel. Tja, Pech, die hab ich erfunden. Glaube ich. Aber Sie sehen, worauf ich hinaus will. Sie wollten die Straßenseite ohnehin wechseln, überhaupt, haben Sie sich verlaufen und kehren wieder um und gehen in eine ganz andere, katzenfreie Richtung! The Artist fomerly known as Black Cat hat die Farben total umsonst gewechselt. Und das alles nur, weil das Universum zu blöd ist, lose Enden zu verknüpfen. Im besten Fall gibt es maximale Unzufriedenheit durch minimal Defenitionsdiskrepanzen. Oder halt schlechtes Wetter, weil Sie einen Gutschein für „Die Leichte Muh“ haben. 4 für 2 ist aber auch ein geiler Deal, das gebe ich zu.

Das Leben kann also sehr kompliziert sein, ohne dass wir davon wissen. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, sie würden davon wissen. Nicht nur das! Sie wissen ihr Wissen! Die Formel. Your rule. Und jetzt stellen Sie sich vor diese Regel lautet: „Alles was du liebst, muss sterben.“

Ich weiß. Aber was soll ich tun. Und jede Geschichte hat einen Anfang. Mein Anfang war dieser Satz.

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Ein Gedanke zu „passen sie jetzt sehr gut auf: alles was ich liebe, muss sterben

  1. […] chronologisch, aber wahrscheinlich/vielleicht nicht so sortierten Teile findet man hier: uno dos tres. Mit diesen Worten. Cuatro cinco cinco seis. Gute Nacht, […]

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