passen sie jetzt gut auf: der anfang von einer von drei geschichten

Das war ein dramatischer Ausklang, oder? Wenn man zu hören bekommt, dass die Liebe stirbt, ist das zunächst mal keine erfreuliche Nachricht. Aber das war dann auch nicht weiter schlimm, ich und das Schicksal waren nicht einmal sonderlich überrascht, da ich und mein Schicksal unerfreuliche Nachrichten gewöhnt sind. Oh, glauben Sie jetzt bitte nicht, dass mein Leben von tieftraurigen Ereignissen geprägt war, es war, wenn überhaupt, dann nur durchschnitt. Nur so mittel. Wie meine Freunde. Oder Sex mit Fremden. 2,5 Sterne von 5, der Kunde war mit anderen Artikeln zufriedener. In etwa vergleichbar mit einem Nicolas Cage Film: man möchte zwar jeden Moment abschalten, lässt aber dann doch bis zum Abspann laufen, weil vielleicht noch etwas Tolles passiert (Spoiler alert: das tut es nicht). Und derweil hätten Sie soviel schöner ihre Zeit verschwenden können! Origami lernen. Selbstgemachte Falafel genießen. Eine Taktik herausarbeiten um bei Risiko gewinnen. Vierlagiges Klopapier mal ausprobieren (ich habe gehört, es soll wundervoll sein). Ein Blasinstrument lernen (ich hätte für diese Stelle immer einen tollen Witz der meine Hose und eben passendes Lerninstrument beinhaltete parat, doch als ich diesen einem Testlauf bei einen der unzähligen Essen mit meinen langweiligen Päärchenfreunden unterzog, kam ich zum Schluss es lieber zu lassen). Aber da sind wir nun: ich hab’s verbockt (und bei Risiko immer verloren – trotz Australien, ich weiß auch nicht…) und sie haben 94 Minuten ihres Lebens damit verschwendet sich Bangkok Dangerous anzuschauen – wie Sie sehen, sind wir nun beide im Unrecht. Aber da Sie sich schon mal auf das wegweisende Schauspiel eines Nic Cages eingelassen haben, kann ich davon ausgehen, dass es Ihnen ebenso egal sein wird, wenn ich mein langweiliges Leben etwas näher erläutern werde. Ich verspreche, ich mache es spannend. (Erinnern sie sich an die Stelle, an der ich sagte, ich mache sie aufmerksam, wenn ich lüge? Gut, dass Sie sich daran erinnern.)

Ich werde Ihnen drei Geschichten erzählen, und, wie ich bereits mehrmals wiederholt habe, ist es von großer Importanz (ist das wirklich ein Wort?), dass sie gut zuhören. Zuhören im übertragenen Sinne, ich weiß, dass sie mich nicht hören können, aber vielleicht ist das ja eines dieser neuen Schriftstücke, die mit einem sprechen. Schnell, halten Sie den Text an ihr Ohr und ich lese die letzten paar Zeilen jetzt laut vor. Was? Nichts? Hm, auch in Ordnung. Es ist ja auch nicht so, dass ich wirklich mit Ihnen reden wollte; also mit Ihnen genau jetzt. Sie sind wahrscheinlich zu Hause und wahrscheinlich nackt (ich bin es zumindest, aber das ist in meinem Zustand auch unglaublich irrelevant) oder auf der Toilette oder berühren sich an unmöglichen Stellen, weil der zweite Tab den sie auf ihrem Browser geöffnet haben drei X und/oder ein com/cum im Titel trägt und es wäre uns beiden wirklich, wirklich unglaublich unangenehm. Beenden Sie, was Sie beenden müssen und lassen Sie sich Zeit; ich kann warten, wie Sie ja wissen. Importanz ist übrigens wirklich ein Wort.

Kommen wir zum Punkt. Rote Fäden and stuff. Geschichten, ja, es gibt bei Geschichten immer ein davor, ein danach und das gerade eben. Gerade eben ist wie bei der Ampel-Regel sehr dehnbar, aber in diesem Fall ist das gerade eben, mein gerade eben und damit meine ich den Zeitpunkt, als ich es erfuhr. Also; gerade eben als ich es erfuhr, durchfuhr es mich. Ein besseres Exempel mag folgen. Vielleicht. Danach.

Gerade eben, war der Moment, als ich bemerkte, dass nicht alles so kommen wird, wie ich erhoffte und ich erhoffte mir wirklich nicht viel. Etwas Geld, die Zeit Bücher zu lesen und ein mp3-Player, der genug Platz für mindestens zehn illegal runter geladenen Musikalben hat. Vielleicht auch noch Kopfhörer, die mich nicht daran erinnern, dass ich von Ersterem kaum etwas besitze. Und jemanden, den ich lieben konnte. Und der mich zurück liebte. Vielleicht war das schon Zuviel verlangt. Wahrscheinlich. Nein, ganz sicher. Gerade letzter Teil, war ausschlaggebend für das ganze verfluchte Ende. Sie können sich vielleicht bereits denken, was dieser Moment war. Vielleicht.

Aber gerade eben wird schwer, wenn ich Ihnen nicht etwas von davor erzähle. Ich weiß, ich weiß, ich bin ein schlechter Erzähler; beginne hier und mache da zu Ende, während aber es dort noch brodelt. Aber Zeit ist eine komplizierte Sache und sie zu sortieren ist es noch mehr und dafür habe ich zwar eben jene, aber nicht das Geschick oder die Nerven. Noch die Konzentration also liegt es an Ihnen. Also, hier die Geschichte bevor meine erste Liebe starb, die sich ereignete, bevor meine zweite Liebe starb, also kurz vor gerade eben. Lassen Sie mich aber noch kurz tief Luft holen.

Aaaalso: Geschichten von der ersten Liebe sind selten originell, was wahrscheinlich daran liegen mag, dass Geschichten von der Liebe in der Regel (nicht in diesen Regeln, in der so-sagt-man-Regel) nicht originell sind. Wir lieben und verlieben nämlich ziemlich langweilig, nicht einmal kitschig und klischeehaft, denn dies würde bedeuten, dass wir etwas Spannendes oder Etwas zu erzählen hätten. Doch die Tendenz des sich-Verliebens geht in Richtung ordinär: beim Fortgehen. Bei der Arbeit, im Büro. In den Klassenbeau. Über die besten Freunde. Überhaupt in die beste Freundin, die man ohnehin schon immer etwas mehr mochte und jetzt wo sie abgenommen hat, wurde auch die Lende aufmerksam. In die erste Person, der sich erbarmte, mit einem zu schlafen. Der Studienkollege. Die Schwester der Ex. Der erste, der sich für einen interessiert hat und weil man sowieso nicht mehr alleine sein wollte. Das Speed-Dating der nicht nach Käse roch (you take, what you get, not what you want). World of Warcraft – okay, ich gebe zu, letzter Punkt wäre schon eine ziemlich coole Story; nicht jeder kann von sich behaupten, sich verliebt zu haben, als man Hand in Hand den Doom Lord Kazzak in den Hellfire Peninsula besiegte, möge er in der Hölle schmoren. Aber trotz allem und trotz dem Internet, welches die größten Geschichten unserer Zeit hervor zu bringen vermag (es aber nicht tut) sehen sie die Zusammenhänge, wie Verschwörungstheoretiker wiederkehrende Muster; Originalität gibt es nicht, schon gar nicht in der echten Welt und selbst die moderne Literatur hat den Glauben an die verwinkelte Liebesgeschichte verloren. Den wenn etwas heute zählt, ist es das Originäre des Authentischen. Ich meine, wann haben Sie das letzte Mal etwas wirklich Gutes und zugleich Besonderes in dieser Hinsicht gelesen. Oder nein, besonders fühlen sich ja alle, die von der fettigen und schwer löslichen Suppe der Liebe kosten, aber sagen wir Spezielles. Und kommen sie mir ja nicht mit dem Nicholas Sparks-Mist, ich meine es ernst. Ich steig zu Ihnen hinauf oder hinab, wie auch immer sie dieses hier interpretieren wollen und tu Ihnen weh. Mit gut meine ich auch wirklich gut. Das Letzte – zumindest bizarre, und ich nehme alles was ich kriegen kann – was ich insofern gelesen habe, handelte von einer Pornodarstellerin die sich in einen Roboter verliebte (okay, Roboter ist vielleicht übertrieben…ach was, Sie wissen es ja eh, also fragen Sie nicht nach). Echte Romantik gibt es nur im Film und ich musste für meine erste Liebe nicht einmal kämpfen, da ich einfach das tat, was man mir im Kino zeigte. Ich führte mich auf wie ein irrer Idiot. Und trotz allem, bleibt meine erste Liebe banal.

Es war mein Herz, dass mir sagte, dass nicht alles stimmt, wenn ich nicht bald anfinge sie anzusprechen und ich konnte genau spüren, dass etwas, nein, alles nicht stimmte, und allen voran konnte ich spüren wo. Daher konnte ich mir auch erklären, was gerade nicht funktionierte: ich spürte es zuerst in der Brust, dann, einen Blick weiter rutschte es weiter und spürte ich es im Magen und einen Blick weiter – Ich musste mich immer umdrehen, wenn ich sie erblickte, umdrehen und laufen. Und ich musste das tun, ohne dass sie es bemerkte. Ohne, dass es irgendwer bemerkte. Denn wenn sich etwas schneller verbreitete, als die frohe Botschaft der juvenilen Liebe, war es vielleicht die frohe Botschaft, dass die juvenile Liebe jemandem aus Neid erstochen hatte. Zum Glück kam so etwas nur einmal vor und ich bin mir ziemlich sicher, dass er es verdient hatte, zumindest von dem, was ich so gehört habe. Man vergisst schnell, wie es in Schulen abläuft und damit meine ich nicht die ständige Gefahr, mit einem geschärftem Lineal einem immensen Blutverlust zum Opfer zu fallen, sondern die Schmach, die es bedeutet, jemanden wissen zu lassen, was man fühlt. Dabei ist nicht einmal das besonders aufwühlende und bedeutsame Emotionsgeständnis der einzige Grund für jegliche Schande, sondern jegliche Art von Gefühlsbetonung, des eigenen Verstandes bringt nicht nur Mitschüler sondern auch Lehrer dazu, die Contenance zu verlieren: sprich nicht was du fühlst, den was du fühlst ist die Saat des Spottes. Ein Klassenkollege meinte einmal, dunkel nach ahnend, dass der einzige Feind, in der Pubertät man selber sei. Dass ist Blödsinn, unglaublich dummer Bullshit. Die Hölle, das sind die anderen. Hat auch jemand gesagt, nur hatte der offensichtlich Grips. Ich habe meine Lehre aus der sechsten Schulstufe immerhin gelernt, als ich erklärte, dass ich es beschissen finde, wie man mit mir umginge und dass mich dies traurig mache, nur weil ich keine Ahnung hatte, welche Funktion ein Kondom, dessen Verpackung meine Kollegen und ich am Straßenrand entdeckt hatte, besitze. Die übliche Porträtierung des 12 jährigen, der andere Schüler mit Spitznamen schikaniert ist wohl eher eine dichterische Übertreibung besorgter Eltern und unmotivierter Fernsehserienschreiber, aber hätten sie mich damals neu getauft, wäre es wahrscheinlich Kondominix geworden. Oder auch nicht, das ist ein unglaublich blöder Spottname und kein Dreizehnjähriger würde jemasl irgendjemanden wegen irgendetwas so nennen. Mann, bin ich schlecht in sowas. Egal, klug und weise, wie ich – damals zumindest – war, ließ ich die Gefühls- und Magen- und Lendenregung bei mir und berichtete höchstens – und wahrscheinlich – missionierend als sechzehnjährige Mädchen getarnten Priestern in Online-Chats von meinen Problemen (und der Form meines Geschlechts). Doch das Unwohlsein häuften sich und anonyme Beichten und einhändige Tippgespräche nutzten wenig und die Gefühle verwandelten sich in Schmerzen. Und es wurde schlimmer, sobald sie in der Nähe war, viel schlimmer. Ich sah mich damit konfrontiert meine Taktik zu verbessern; umdrehen und gehen reichte nicht mehr. Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich den Mut zusammen nahm – außerdem hatten einige, Moment, wie nannte ich sie damals, auch ja, Wichser in meiner Klasse bereits bemerkt, wie wenig ich die Anwesenheit, der unglaublich scharfen Frau suchte. Diese war sich über meine Existenz noch nicht einmal im Klaren, aber irgendwer – genau, ein beschissener Wichser – konnte ja nicht die Klappe halten. Also sah ich mich nach Wochen effektiver Annäherungs-Vermeidung, dazu gezwungen, in der ersten Reihe zu sitzen, während mein Blick wieder hinter ihre Brille, hinab zu ihren Lippen und auf dem Dekolleté ruhend die Route meines Herzen hinab in mein meinen Magen und so weiter, öffnete.

Habe ich „Lehrerin“ bei meinen offensichtlich langweiligen Liebesaufzählungen erwähnt. Und „unglaublich scharfe, sexy, gut gebaute, junge Lehrerin“? War das doch der für den Teil mit dem Label „sexuelle Fantasie“ vorgesehen? Meine Erinnerungsschublade mit diesem Schild ist es zumindest. Urteilen Sie selbst! Zu gewinnen gibt es sehr unangenehme Erläuterungen und zweiundzwanzig detaillierte Zeichnungen der weiblichen Anatomie. Die ich in der Zeit anfertigte, als ich nicht in ihren Unterricht saß. Aus welcher grafischen Vorlage, fragen Sie sich? Und ich sage – und alle Teenager, bitte im Kanon- : gut, dass es das Internet gibt.

Es läuft Woodkid – The Golden Age

[Dies entwickelt sich offensichtlich zu einer Work-in-Progress-Story, deren Ausgang mir nicht bekannt ist und selbst wenn ich den wüste, würde ich ihn sicherlich nicht verraten. Der zweite Teil einer von drei Geschichten ist bereits in Arbeit und wird sich im Laufe der Tage herauskristallisieren. Für jede Form von Ansporn und Anregung bin ich bereit und noch bereiter bin ich, diese zu ignorieren, wenn sie David nicht passt. Die chronologisch, aber wahrscheinlich/vielleicht nicht so sortierten Teile findet man hier: uno dos tres. Mit diesen Worten. Cuatro cinco cinco seis. Gute Nacht, Fedi.]

Advertisements
Getaggt mit , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: