passen sie jetzt gut auf: wie judith das schicksal zu ihrer schlampe machte (als sie noch jünger war)

Der Titel dieses Kapitels ist eine Anspielung auf den Namen eines Filmes; als ich noch lebte, schrieb ich gerne Kritiken über Filme, die sich niemand ansehen würde und über das Horrorfilm „The Sick Thing that Happened to Emily When She Was Younger“ kann ich mich erinnern, nur den Namen toll gefunden zu haben (und in der Rezension dies auch so geäußert zu haben). Beziehungsweise, Judith fand ihn schlecht und ihr gefiel der Name. Aber woran kann ich mich schon richtig erinnern. An das: nachdem wir uns den Film angesehen haben, regnete es.

Judith kam eines morgens zu spät in meine Bäckerei. Es war der Tag, an dem sie zurück fuhr. Der Tag des Gewitters. Judith McFly kämpfte sich ihren Weg zurück und schickte ihre Dämonen zurück in die Hölle, aus der sie entsprungen waren. Eine Kriegerin, heroisch und zitternd und sie bahnte sich ihren Weg durch den frischen Geruch des städtischen Morgens und in ihrer linken Hand hielt sie ein Buch und in ihrer rechten Hand eine Blatt Papier.

At least you have been loved.

„Ich habe etwas für dich“, waren die ersten Worte, die Judith – abseits der Höflichkeiten und den schüchternen, langen Blicken (ich bin mir sicher) – mit mir wechselte. Normalerweise – ein in sich geschlossener Widerspruch, wenn man bedenkt, wer ich bin – hätte ich mein übliches Programm abgezogen, skeptische Blicke, Pointen, gespielte Schüchternheit oder offene Abweisung, jedoch stets humorvoll, so dass sich die „Leute“ nicht vor den Kopf gestoßen fühlen. Doch die Situation erlaubte es nicht, zu schnell wurden die Szenen abgespielt, perplex drückte ich dem letzten Kunden (der es gar nicht gerne sah, dass er bei der Semmelumverteilung unterbrochen wurde) seine 10 Euro Rückgeld in die Hand und öffnete die Lippen um einen krächzenden Laut zu fabrizieren. Nicht meine beste Vorstellung, ich gebe es ja zu. Ich war den ganzen Vormittag über ziemlich übel gelaunt gewesen (mein Filialleiter mied mich, nachdem ich ihn einen giftigen, vielsagenden Blick zugeworfen hatte), ganz zu schweigen von meiner steigenden Nervosität; meine Fingernägel waren mir keinerlei Dank verpflichtet, meine Kunden, die mich angewidert beobachteten, wie ich den wenigen Rest des Daumennagels, der gerade noch über die Fingerkuppe ragte mit Konsequenz abnagte und im Mund zerkaute, während ich ihren Doppelten Espresso zum Mitnehmen zubereitete, ebenso wenig. Ich vermute, es lag an den zahlreichen „Doppelten“, die ich mir pro jeweils Bestellten genehmigte (ein kleines Spiel, welches ich mir heute morgen überlegt hatte und zum puren Selbstzweck verfallen war, als ich merkte, dass sowohl mein Chef – der schon mein Nagelbeißen nicht besonders akzeptabel fand – als auch meine Blase sich daran störten und die Anzahl von „Doppelten“ die an diesem sturmverdächtigen Tag geordert wurde, war immens!). Oder es lag an Ausfall der Routine, Sicherheit durch Wiederholung und Angst durch Zerstörung der Normen. Als Judith nicht wie unausgesprochen versprochen an diesen Morgen zwischen 7:30 und 7:36 in der Bäckerei erschien hasste ich sie und mich gleichwertig und gleichzeitig und ich kam mir blöd vor, wollte die vorgefertigte Packung mit einer Topfentasche (die sie fix bestellte) und dem zufällig hinzugefügten Nougatcroissant (dem schönsten, welches wir heute hatten; die Schokoladenverziehrung war nicht gebrochen oder abgeblättert, die Form bröselte nicht und hielt die mindeste Symmetrie, die man von einem Kipferl erwarten konnte) schon öfters in den Mistkübel werfen oder ihren Kaffee austrinken (eine eigenartige Faszination ging von dem immer kälter werdenden Pappbecher aus; einerseits verlangte er regelrecht, dass ich meine Lippen um seinen heißen Rand legte, andererseits reagierte jede Faser meines Körpers unterhalb meines Herzen mit ausgesprochen scharfer Abneigung), beziehungsweise, wenigstens hineinspucken. Letzteres – das wusste ich sobald ich nur den Gedanken in die Nähe meines Bewusstseins brachte – konnte ich jedoch nicht über mein kaltes, koffeingetränktes und -lüsterndes Herz bringen.

Und dann war es soweit; die Terroristin meines Alltags, eine Kriegerin – heroisch – bahnte sich den Weg an die Theke, brachte die Zeit aus den Fugen und desynchronisierte den Kassenschnitt um weitere zehn Euro (ja, weitere, bedenken Sie meinen Zustand) und sie sprach und ihre Stimme klang bestimmter als ich es in Erinnerung hatte, doch diese Erinnerung orientierte sich an abgenutzten Worten und den mir verhassten Floskeln (bei ihr dennoch akzeptabel und aus den Umständen herableitend nachvollziehbar), also schenkte ich dieser Abweichung keiner weiteren Beachtung, wie auch, ich war gefangen in einer Szene, deren Abfolge ich stundenlang geprobt hatte, doch deren Weiterführung mir im Moment unmöglich war, weil der Souffleur meiner Sätze entweder besoffen in der Toilette einer fensterlosen Bar oder sich in seinem Zimmer erschossen hatte, da er erkannt hatte, dass es keinen Sinn machte, mir die Grundzüge menschlicher Kommunikation begreifbar zu machen (und er sich stets als dramatischer Regisseur gesehen und nie für die Farce meines Lebens unterschrieben hatte). Trotzdem, the fucking show must go fucking-fuck on: stellen Sie sich also mein erstes Gespräch mit der ersten Liebe meines Lebens unter jaulenden Streichern, aufbrausenden Pauken und imposanten Trompeten vor – ein episches Feuerwerk, welches sein großes Finale in dem Moment erfuhr, dass ich ohne Angst und ohne Abscheu sprach und dass, obwohl mir trotz meiner geschärften Sinne und meiner sensiblen Aufmerksamkeit (vor allem, was ihr Verhalten betraf), das Wichtigste verloren ging, es mir einfach entfallen war.

Sie hielt mir das Buch hin. Ich blutete mittlerweile an der Spitze des linken Zeigefingers.
„Ich habe etwas für dich.“
(dein Schicksal)
„Das waren jetzt 27 Sekunden“, sagte sie. „Ich habe mitgezählt.“ Pause. „Ich weiß, dass ist komisch. Aber das mache ich manchmal. Ich hoffe, das… äh, geht in Ordnung, I guess?“
Endlich zeigte ich eine Reaktion, Anglizismen bringen mich aus dem Konzept (ich weiß, dass das hier nicht der Fall, aber es ist ein thematischer – freud’scher – Nachbar, oder zumindest Bewohner selber Gasse und die Vermengung mehrerer Sprachen steht weit oben auf der Liste der Dinge, die meine konversationeller – ist das ein Wort? – Versiertheit mit Rissen durchzieht):
I guess?
Na toll, das Erste, was ich je zu Judith sagte, war eine Nachahmung und Herabwürdigung ihrer Dialogzeilen. Judith zog ihren Arm mitsamt den Buch wieder an sich.
„Wow, da kauf ich jeden Tag diesen, da musst du mir aber Recht geben, ziemlich mäßigen“ (wobei sie dem Wort „mäßig“ einer Schaaf-ischen Konnotation verleite, was mich zum Lächeln brachte, unmerklich) „Kaffee und das erste was du zu mir sagst? Nach Wochen und dann trau ich mich endlich, äh – “
Sie stockte und ich brach endlich aus meiner Starre: „Nein, sorry, ich. Nein, ich wollte dich nicht, äh, verarschen.“
„Das klang aber so.“
Für nächsten Satz nahm ich tief Luft: „Es war auch so gemeint.“
Sie lächelte: „Ich weiß.“ Nein, jetzt lächelte sie. Und: „Wo bleibt jetzt mein Kaffee?“
„Ich dachte, der wäre nicht gut.“
„Mäßig. Aber trinkbar.“
„Hallo-ho?“ (Eine Kundin hatte sich hinter Judith bemerkbar gemacht, wie immer war es eine von diesen „Leuten“, ein unfreundliches Arschloch, der ich am liebsten den heißen, mäßigen, Kaffee in das Dekolleté gegossen hätte).
„Einen Augenblick. Ich bin gleich – “ Kurz irritiert, und dann blickte ich wieder in Judiths freundliches Gesicht. Ich glaube, ich war – „Und was darf es für dich sonst noch sein?“
„Hm, was können Sie mir denn empfehlen. Ich. Hab. Zeit.“ (Mit Betonung auf jede. Einzelne. Silbe. Und auf „Zeit“. Judith hatte offenbar einen besonders subtilen Sinn für Humor.
„Topfentaschen.“ Mir blieb meine Schlagfertigkeit im Hals stecken und außerdem war ich zu nervös um auf Judith Provokation angemessen zu reagieren und das Schnaufen, der Kundin, die den Verweis auf Judith nicht vorhandene Eile und den dazugehörigen Seitenhieb auf ihre rüde Unterbrechung von vorhin erkannte, irritierte mich erneut. Doch Judith rettete mich:
„Ach, erledigen Sie doch bitte die Dame hinter mir.“ Subtiler Humor, once again.

Später; ich war kurz (unter Anführungszeichen) auf der Toilette gewesen und den Filialleiter um vorzeitigen Schluss gebeten, den er mir debattenlos überließ (keine Überraschung) und als Judith dann immer noch da war – wie sie es versprochen hatte, diesmal ausgesprochen – blickte ich ihr lange ins Gesicht und in mein Bewusstsein formte sich ein bestimmter Gedanke, eine Zukunft, ein Schicksal und ich glaube, ich war –
„Wie heißt du eigentlich?“
„Judith. Und du bist – “
Sie las mein Namensschild, dass ich nicht abgenommen hatte und formte ihre Lippen zu meinen Namen. Und ich glaube, ich wusste, ich war verliebt.
„Schön dich kennen zu lernen“, eine theatralische Geste die einen Knicks parodieren sollte, irgendwie gelang mir an diesem Vormittag nicht alles so, wie ich es mir gewünscht hätte, doch das war egal – so egal, „Judith.“
„Danke.“
„Auf so etwas sagt man doch nicht Danke“, meinte ich.
„Ach und wär’s dir lieber ich würde, ich weiß nicht, was äh, angemessenes sagen? Wie, par exemple“, sie stotterte kurz und ich musste grinsen, „auch schön dich kennen zu lernen.“ Jedes Wort, ein hämisches Abbild, seiner abgenutzten Bedeutung. Ich war ihr verfallen.
„I guess?“
„Oh mann, das bleibt mir jetzt, was?“
Ich lachte. Laut. Wirklich! Lauthals. Und ich war nicht einmal überrascht. Es geschah von selbst. Und dann: „Ja, genau. Was hast du damit eigentlich gemeint?“
„Ich weiß nicht, manchmal mache ich das. Wir lernen so viele Sprachen, irgendwie… und ein paar Ausdrücke gefallen mir.“
„Par exemple?“
„Zum Beispiel.“ Ein Handbewegung wie ein Dirigent.
„Und was meintest du mit, dass du – „, ich versuchte, meine Gefühle ihr zu zuschreiben, oder hoffte zumindest, diesbezüglich ihr etwas zu entlocken, doch ich rang mit den Worten, irgendwie tat ich mir schwer, Judiths Gedanken zu umschiffen und mit Worten Wellen in ihr zu schlagen, „äh, dass du, seit Wochen…“ Ich holte tief Luft: „Dass du dich heute getraut hast. Das erste, äh, zum ersten Mal mit mir zu reden.“
„Ja?“
Zaghaft: „Ja?“ Ich verlor die Hoffnung, augenblicklich und mein Blick senkte sich. Ein Brummen erhob sich in meinem Hinterkopf.
„Ja. Irgendwie war heute der richtige Tag, findest du nicht?“
„Ich find’s super!“, platzte ich heraus, aufgeregt. Von keiner Peinlichkeit berührt.
„Ja, ich auch.“
„Und wieso heute?“
„Das habe ich doch gerade gesagt.“
„Na gut: wieso ist dieser Tag der richtige?“ Es war ein Herumreden, ein Tanz um die Essenz meiner Intention, doch ich genoss es, Gott, ich genoss jedes Wort davon. Jedes verfickte Wort.
„Well played. Hm. Weil ich morgen vielleicht nicht mehr die Möglichkeit gehabt hätte.“
„Ziehst du um?“
„Du bist lustig“, sagte sie, aber meinte dabei nicht das lustige lustig. Das betrübte mich etwas.
„Und weil es heute regnen wird.“
Wir blickten beide nach oben.

„Wo gehen wir eigentlich hin?“
Judith hatte einen Pyjama unter ihrer Wollweste an und das war mir erst jetzt aufgefallen. Ihre braunen Strähnen lugten schlampig frisiert in verschiedene Richtungen; nicht schäbig, nur etwas voreilig.
„Das weiß ich noch nicht“, sagte sie. „Zunächst bringst du mich mal nach Hause, wenn du magst.“
„Natürlich mag ich.“ Ich versuchte wirklich meine Begeisterung etwas einzugrenzen.
„Und dann… Ich weiß nicht. Soweit hab ich noch nicht gedacht.“
Ich: „Das ist schon komisch, irgendwie. Alles… heute.“
„Ja, heute ist ein komischer Tag“, ihre Stimme war etwas leiser geworden: „Als würde es nicht so sein, wie es eigentlich sein sollte.“
(es soll so sein, ich bete darum)
„Was wolltest du mir eigentlich vorhin geben? Ein Buch, oder…“
„Ah ja!“ Ihre Augen leuchteten kurz auf, ihr Stimme erhob sich: „Hier!“
Sie gab mir den Roman von Joey Goebel in die Hand: Tut mir leid, dass Du es ausgerechnet von mir erfährst , aber Du wirst nie glücklich sein. Das Schmutzblatt war herausgerissen.
„Was ist da passiert?“
„Nichts.“ Sie sah mich etwas böse an, nicht feindselig, aber eine feline Haltung die mir zeigte, dass ich die fehlende Seite nichts anging. Nach einem kurzen Zögern fuhr sie fort: „Nichts. Nur eine Erinnerung. Ein Freund von mir, also, er war mal ein Freund, mein‘ ich… er hat mir etwas hineingeschrieben und dass wollte ich nicht hergeben.“
„Und deswegen zerreist du ein Buch?“ Ich muss entsetzt ausgesehen haben.
„Drastische Maßnahmen, ich weiß. Aber ich wollte es dir geben. Sieh es als, äh, Einweihungsgeschenk.“
„Einweihungs… für welche, äh? Ich bin nicht umgezogen, also, schon, aber… außerdem wie…“
„Ach komm, nimm das nicht so wörtlich. Du weißt schon, was ich mein‘. Einstandsgeschenk. Willkommensgruß. Weil wir uns jetzt kennen.“
„Du wolltest mir etwas schenken, damit wir uns kennen lernen. Und, dann, ja. Schenkst du mir es weil wir uns kennen gelernt haben?“
„Mann, bist du immer so – „, sie fischte, ich nahm an, nach etwas weniger gemeinem, als ihrem ersten Entwurf: „Skeptisch?“
„Es ist nur komisch. Nicht, unheimlich komisch, oder clown-komisch…“
„Schon klar.“
„Nein, wirklich!“
„Ja, wirklich: schon klar! Ich weiß, was du meinst. Außerdem ist es wirklich komisch…“. Judith lächelte. Ich zerbrach.
„Aber – ist doch cool, das wir uns jetzt kennen, oder?“
„Bringst du mich jetzt um?“
„Was?“
„Sorry, manchmal versuche ich lustig zu sein“, ich strauchelte, „und dann kommt sowas.“
„Haha. Okay. Und ja.“ Subtiler Humor und eindeutige Zweideutigkeit. Und mein Herz knallte gegen die Decke, als sie sprach.

Wir waren mittlerweile bei ihr angekommen; keine zwanzig Minuten, viel zu kurz, fand ich. Viel zu viel zu kurz.
„So.“
„Cool.“
Eine kurze Pause.
„Und… möchtest du mal mit mir ins Kino gehen?“ Ich würgte innerlich, und biss mit den Zähnen aufeinander. Sie bemerkte es.
„Du sagst das so, als ob das eine Qual wäre.“ Sie legte mir die Hand auf die Schulter. Und mir fiel plötzlich etwas auf, etwas wichtiges war mir entfallen und unter dem Getöse des Konzerts in meinem Kopf hatte ich das Wichtigste verloren: David war nicht da.
„Hallo?“
Mein Blick richtete sich wieder auf Judith; ich war perplex – und erleichtert:
„Was? Äh, nein. Es ist nur, der Satz. Er klingt so…“, meine Hände formten das fehlende Wort in der bedeutungsschwangeren Aprilluft.
„Abgedroschen?“
Ich zielte mit meinem Zeigefinger, der mit einer leichten Blutkruste überzogen war, langsam auf ihre Brust: „Genau!“
„Ist es aber nicht. Nicht wenn du nicht willst, dass es ist.“
„Ein Klischee, dass trotzdem schön und nicht abgenutzt ist“, murmelte ich vor mich hin. Judith neigte den Kopf und ich war mir nicht sicher, ob sie mich gehört hat.
„Also?“. Sie fragte. „Willst du?“
„Ein Klischee?“, fragte ich und mir war schwindlig, Judiths Wesen und David Abwesenheit, die kryptischen Dialoge (offensichtlich kryptisch) der verheißungsvolle Ton in unseren Stimmen und der Geruch nach Regen.
„Willst du das es ein Klischee ist?“ Es war, als ob wir aneinander vorbei redeten und uns dennoch trafen. In mir weinte etwas und ich hoffte, wünschte und betete, dass es bleiben möge.
„Das ist mir egal“, sage ich. Und: „Also. Gehen wir ins Kino?“
„Ja, klar.“ Sie lächelte. Ihr Eyeliner war von gestern, sie war bleich und unwiderstehlich, ihr braunes Haar war wild und schüchtern, das Bandshirt ausgewaschen, die Jogginghose definitiv für das Bett gemacht und ihr Lächeln für mich. Unverfälscht. Mich ergriff das Gefühl, sie besitzen zu wollen, zu bergen und beschützen und irgendwie schämte ich mich dafür, doch zugleich war – bin – ich stolz darauf, dass ich einen Menschen gefunden hatte, der mich nicht anwiderte, nein, mehr noch; den ich mochte. Richtig mögen. Und dass der Mensch, den ich mag, der mir gefällt, ein solcher Mensch ist.
„Jetzt?“
„Jetzt gleich?“
„Ja, klar,
(vielleicht ist es das)
ich muss nur noch kurz rauf, mir richtige Schuhe anziehen.“
Sie lief zu Tür, ihr Schlapfen fielen ihr dabei fast von den Füßen. Vor ihrer Haustür drehte sie sich um, ein Bus fuhr vorbei, sie wartete und als er in der Ferne verstummte war, rief sie mir zu: „Ach, was ich dich fragen wollte
(vielleicht ist er es)
backst du die Croissants eigentlich selber?“
„Willst du wissen, ob ich für dich koche?“
Sie lachte. Laut. Wirklich.
„Danke für das Buch.“

Judith blickte aus dem Fenster und betrachtete den Himmel. In 7 Stunden und 23 Minuten würde sich der Himmel öffnen und die Stadt ertränken. Zwei Minuten später, als Judith es zum erste Mal erlebt hatte. Noch etwas hatte sich geändert: ihr Handy flackerte, er hatte ihr eine SMS geschickt, die erste seit Monaten. Vielleicht ist es das, dachte Judith, als sie ihr Mobiltelefon in ihrer Hand spürte. Sie atmete tief ein und plötzlich fiel ihr etwas auf; etwas war ihr entfallen, das Wichtigste war ihr verloren gegangen. Schnell packte sie einen Hoodie in den Rucksack und zog sich ihre alten Chucks an (sie fühlten sich gut an, wie eine vergessene Erinnerung an ihre Mutter) und hastete nach unten. Auf dem Beistelltisch im Vorzimmer ließ sie den Regenschirm liegen und neben dem Regenschirm, ihr Handy. Als sie schließlich unten ankam und mir den Arm um die Schultern legte, stieß sie einen fröhlichen Seufzer aus („Hey, wieder da, hey.“) und nach einigen Minuten die wir über den Film diskutierten, den wir uns ansehen wollten und schließlich die Auswahl durch einen Titel entschieden wurde, stiegen wir in den Bus und als ich erwähnte, dass ich mich Öffentliche Verkehrsmittel entspannten, bemerkte sie, wie sie es nicht bemerkt hatte, wie verdammt einfach (vielleicht ist es das, endlich) es schon den ganzen Tag voran ging.

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