Guillermo del Toro: Pacific Rim (2013)

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Kaiju VS Jaeger wäre ein ebenso guter Titel gewesen, wenn nicht sogar ein besserer. Denn darum geht es in Guillermo del Toros erster Regiearbeit seit HELLBOY II (2008): riesige Monster (aus dem japanischen gefladert: kaijus) und riesige Roboter (aus dem deutschen: jaeger). Man sieht es auf den Postern, man sieht es im Trailer – kein Zweifel, in diesem Film dreschen die Special-Effekte aufeinander ein, dass die 3D-Kinofunken verschwommen vor dem Gesicht tanzen.

Ja, mal wieder 3D, aber das haben wir bereits abgehackt. Keiner braucht’s. Nächster Punkt: PACIFIC RIM schadet das Ebenenschachteln im Kino gar nicht so sehr. Nach kurzer Eingewöhnung kann man sogleich den ersten Kampf hinter der Plastikbrille begutachten und der sieht gut aus, klar, deutlich und das 3D wird nicht ausgeschlachtet. Del Toro hat einen Film gemacht, der nicht darauf spezialisiert ist, dass einem die Kamera Stöcke ins Bild hängt. Das Bild bleibt dennoch dunkler und bei Reizüberflutung manchmal unscharf. That’s life.

Zum eigentlichen Film: Inhaltlich muss nicht mehr wirklich viel dazu gesagt werden. Ich meine, es sind Riesenroboter gegen verdammte Monster aus der Tiefe!! Duh. Natürlich baut der Film auf eine hoch komplexe Vernetzung sozialer Gefüge der zwischenmenschlichen Beziehungen seiner Charaktere auf und der politische Subtext ist klarer definiert als in Kevin Spaceys aktueller Serie. Psychologische Verhaltensmuster der menschlichen Rasse werden ebenso neu definiert und überhaupt hat PACIFIC RIM die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und den ganzen Rest. Dass sieht doch ein drei-äugiges Monster!

Aber ernsthaft: der Plot dürfte klar sein und del Toro nimmt sich zum Glück auch nicht die Zeit, die Hintergründe der Monster umständlich zu beschreiben. Der Film beginnt, das Voice-Over erklärt, wir sehen Bilder der Endzeit und Brücken die unter dem Gewicht gewaltiger Wesen zusammenklappen. Wir sehen im Schnelldurchlauf das Entstehen der Jaeger und den Siegeszug der Menschheit gegen die Bedrohung aus dem All, das aus der Tiefe kam (jup, deswegen auch der Titel). Und wir sehen den Anfang des Endes. Die Kaijus werden stärker, die Jaeger ineffizienter und da sind wir nun. Am Ende aller Dinge, zwischen Mauerbau und Monsterangst.

Und dann geht’s auch gleich los, mit einem Kampf, der den Ton angibt für die nächsten kommenden Highlights des Films und der ein Spektakel liefert, welches sich andere (Monster-)Filme nicht mal zum Showdown leisten. Ah, man sieht richtig wie viel Freude del Toro und sein Team dabei hatten, das überdimensionale Spielzeug gegeneinander antreten zu lassen; die Moves sind wie aus einem Wrestling-Event und der Soundtrack (gleich zum Einstimmen anhören: „Canceling the Apocalypse“ von Ramin Djawadi) bombardiert die Ohren mit einem gewaltigen Orchestralrock-Thema, das mir einen Tag später noch im Ohr sitzt. Die Monster kreischen, die Roboter fallen auseinander (wobei, „fallen“ ja untertrieben ist, sie werden geshreddert) und Regen, Feuer und Metall fliegt auf der Leinwand umher. Alles in allem ein Riesenspaß.

Natürlich – ohne Substanz. Beziehungsweise, mehr Substanz als ich erwartet habe, was aber bei einem Blockbuster ohnehin nie der Fall ist und in dieser Hinsicht auch nur das übliche Hollywood-Jargon beinhaltet, um die Hauptfiguren halbwegs nachvollziehbar zu machen („Wie war’s mit deiner Freundin?“ – „Sie liebt mich, aber ihr Freund nicht!“; glorreiche Dialogzeilen) und die Sympathiepunkte zu verteilen: da haben wir die junge aufstrebende Kämpferin, die aber keinen Jaeger betreten darf (ihr Chief/Adoptiv-Daddy erlaubt es ihr nicht); den jungen Helden, der seinen Bruder in einem Kampf (siehe Anfang) verloren hat und sich geschworen hat nie wieder einen Jaeger zu besteigen (bis es dann halt doch sein muss); der Arsch, der aber eh ganz lieb ist (es dürfen bereits Wetten auf das Opferlamm des Films gesetzt werden!), der harte aber gerechte Chief (fünf zu eins auf diesen Typen?); der quirlige Wissenschaftler mit seinem deutschen Kollegen mit „Hermann“, den deutschesten Namen überhaupt (oder „comic relief galore“) und noch ein paar Nebenfiguren, die es wohl nicht bis zum Abspann schaffen werden, aber die stereotypisierten, saucoolen Motherfucker sind.

Und, na ja, was soll ich sagen: die Figuren sind eigentlich allesamt liebenswert (natürlich total abgegriffen aber ich hab auch keinen Leos Carax bestellt sondern Monster, Mann!) und machen die meiste Zeit ihre Sache ganz solide. Erwähnenswert sind dabei Ron „Hellboy“ Perlman, Rinko Kikuchi (BROTHERS BLOOM), Idris Elba (THE WIRE) und allen voran Charlie Day, der einzige, bei dem ich mich geärgert habe, dass ich den Film nicht im O-Ton geschaut habe (wer nicht weiß, wer Charlie Day ist: u.a. killt er gerne seinen Boss aber was noch viel wichtiger ist, er ist einer der Schauspieler und Erschaffer der bösesten & witzigsten Serien, welche das Fernsehen je zu bieten hatte; del Toro hat ihn nicht zuletzt wegen seiner Darstellung in dieser besetzt). Ab und zu verliert sich der Film vielleicht in seine etwas unnötige „Charakterentwicklung“ und da wir ohnehin wissen, wer mit wem am Ende im Jaeger kuschelt, sind die Steine die del Toro den Figuren in den Weg legt ziemlich nichtig. Zu lange Rückblenden für selbsterklärende Situationen erschweren den Weg zum nächsten Kampf nur. Der Leerlauf wird dadurch entschädigt, dass den beiden Wissenschaftlern genug Zeit eingeräumt wird und wen die auf der Leinwand auftauchen, sind die Dialoge wenigstens halbwegs witzig (und wie gesagt: Charlie Day!).

Aber zum Wesentlichen: Spring Break, bitches! Oh, sorry. Falscher Film. Killing things from outta space, bitches! Ja, diese things: da kommt der Big-Budget-Trash-Fanboy aus mir heraus, wenn er sich das coole Design und die monströsen Gebilde an Fleisch und leuchtenden Augen und Panzerungen und Säure-Geschossen und so weiter, an sieht. Im Standbild sehen die Viecher ja noch cooler aus, und wenn sie aus dem nichts erscheinen ist das schon ein heftiges Kinofeeling. Leider regnet es in PACIFIC RIM andauernd und die Kaijus lieben nächtliche Angriffe, so dass man sie nie wirklich im ganzer Pracht begutachten kann, zumindest nicht alle. Ein bisschen mehr wäre da schon toll gewesen. Das ultimative Action-Moment, den peak, hat der Film dann gegen Ende des zweiten Akts (und läutet ebenso auch den letzten Akt des Spektakels ein) und da zeigt del Toro genau das, weshalb wir alle gekommen sind. Und hier wird auch nicht zu viel verraten, denn der Angriff der Kaijus auf Honk Kong ist die beste Szene dieses Films und die Kinokarte voll wert.

Leider nimmt die Intensität des Spektakels gegen Ende ab und der Film spult die üblichen Szenen vom Band; Freundschaften werden (wieder) geschlossen, Rivalitäten beiseite gelegt, Entscheidungen gefällt und Opfer gebracht. Bla bla bla, selbst Michael Bay sieht sich mittlerweile nach anderen Schemata um. Der letzte – bei weitem weniger spektakuläre – Kampf gibt dann noch kurz Einblick in die Welt der Kaijus und lässt mit ein paar kleinen Logikambivalenzen den Film so enden, wie man es sich von Anfang an erwartet, gedacht aber nicht unbedingt gewollt hat. Ca. 2 Stunden hat’s gedauert und, wie jeder Blockbuster hat es sich (meistens) nicht so lang angefühlt und der Unterhaltungs-Pegel stand stets auf gehobenem Mittelmaß.

Natürlich, damit muss man auch was anfangen können. Wer beim Gedanken an Riesenroboter und Tiefseekreaturen schon die Augen in die Unendlichkeit verdreht, sollte lieber Abstand von PACIFIC RIM nehmen (wem kann man schon übel nehmen, dass man bei Riesenroboter schnell Reißaus nimmt? Ach ja; ihm) und wer sich von Stereotypen genervt fühlt, wird hier trotz solider Schauspieler und nicht all zu abgenutzter Dialogzeilen nicht glücklich. Und das ist – wenn – auch mein großes Problem mit solchen Filmen; sie nutzen sich so schnell ab, dass (obwohl man Spaß hatte) sich kaum dazu durchringen kann, den Film begeistert noch einmal zu sehen (und seine ignoranten ich-schau-nur-französische-Sozialdramen-Freunde ins Kino zu zerren). Dafür haben solche Filme einfach zu wenig Tiefgang.

Und weil ich das Wort Kino so oft erwähnt habe: PACIFIC RIM ist ein Film der für die Leinwand gemacht wurde. Nur da kracht es und scheint es und schreit es und brüllt es und leuchtet es so laut & grell, wie es will. Während viele Filme durch ihre generischen Actionszenen mittlerweile kaum die Kinokarte wert sind und viel mehr zur verkaterten Sonntagnachmittags-Unterhaltung taugen, will PACIFIC RIM im Kino erlebt werden. Ist auch klar; es sind immerhin effin‘ Monster die sich da die Rübe einhauen und wie wirkt das besser, als wenn einem Roboter und Kreaturen in leibhaftiger Größe vor die Augen geworfen werden? Vielleicht – vielleicht – sehe ich mir PACIFIC RIM noch mal auf DVD an, aber das ist ein Gedanke, den ich wahrscheinlich kaum verwirklichen werde. Wenn überhaupt, gehe ich lieber noch mal ins Lichtspielbordell.

Überhaupt werde ich durch seinen neusten Film auch kein Freund von Guillermo del Toro: er bleibt für mich der von Fanboys glorifizierte substanzlose Märchenerzähler, der schöne Bilder zaubern kann, aber zu faul ist, sich einen richtigen Inhalt und richtige Charaktere auszudenken (siehe das allseits beliebte Videospiel in Filmform PANS LABYRINTH). Aber immerhin; Guillermo del Toro macht fantasievolle Blockbuster, die nicht die Frechheit besitzen, sich selbst zu ernst zu nehmen. Und was noch viel wichtiger ist; sie sind handwerklich und stilistisch immer aller erster Güte, was man von einem überladenen (und grauenhaft missratenen) SUCKER PUNCH zum Beispiel in keiner Weise behaupten kann (oder doch, und wie sie es behaupten).

Doch um wieder etwas Positives zu verlieren: für einen Blockbuster hat mich Guillermo del Toros Film erstaunlich wenig genervt. Klar, die Figurenzeichnung habe ich bereits angesprochen, doch diese wird durch die gut gelaunten Akteure wieder ins Gleichgewicht gebracht und immerhin wird man mit Monster-Fights entlohnt. Außerdem – und das ist jetzt ganz wichtig! – verzichtet der Film auf aufgesetzten Schmalz und den für das US-Amerikanische Kino üblichen Patriotismus (wobei die Ironie hat selbst dabei schon Einzug gehalten, man denke an IRON MAN 3), was die Sichtung um einiges erleichtert.

Überhaupt; in del Toros Film gibt es keinen Staat, keine Grenzen und kein Nationalgefühl – es ist eine multikulturelle Truppe, die sich die Aufgabe gemacht hat, die fiesen Viecher den Schädel zu brechen. Menschheit vereint gegen das Böse aus der Tiefe. Und während der Rest der Welt stets von den Amerikanern gerettet wird, sind es hier wirklich nur Männer und Frauen deren Herkunft eigentlich egal ist (es sind trotzdem hauptsächlich Amerikaner und Briten, ha!) die sich gegen die Bedrohung stellen, normale Menschen in einem Riesenroboter-Anzug. Und auch, wenn der Film es wahrscheinlich nicht gemein hat; diesen Hauch von Subtext lasse ich PACIFIC RIM (oder überinterpretiere ihn hinein) und sei es nur, um mich in Sicherheit zu wiegen, dass Big-Budget-Trash nicht ganz so blöd ist, wie ich es ihm gern vorhalte.

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