Archiv für den Monat August 2013

Handbuch der Einsamkeit und des Vergessen: Braaaains go awry und „Killing Swan“

[prevously on]

Die Sonne stieg auf und das Schreien an, immer lauter, bis es zu einem schwarzen Rauschen wurde, welches sein Umfeld bedeckte. Er schien der einzige der Anwesenden zu sein, der sich darüber ärgerte; rund um ihn wurde gelacht und in verschiedenen Sprachen durcheinander gerufen (oder vielleicht war es alles die selbe Sprache, doch für McCherry war das all nur der übliche Brei, der sich aus den Mäulern seiner Mitmensche ergoss). Toki schnarchte leise unter der Last der Seiten. Eine Schnulze, da war sich McCherry sicher. Oder ein Zombie-Roman, verbesserte er sich, dieser Mist lag zur Zeit im Trend. Er hatte kein einziges Buch über Zombies in seinem Laden und er war stolz drauf. Zumindest würde er das den Menschen antworten, die ihn darauf ansprechen (ergo, niemand). Toki vielleicht. Aber sie würde ihn eventuell dazu überreden Zombe-Bücher in sein Sortiment aufzunehmen und dass sollte tunlichts vermieden werden. Außerdem waren Tokis Ideen Müll; juveniler und von angeblichen Subkulturen auferlegter Müll. Flip-Flops. In einem Theaterstück würde er jetzt stutzen.

McCherry sah sich um. Die Einöde bereitete ihm Kopfschmerzen, der Boden nährte sich von der Hitze und gab sie an die Badenden ab, die sich ohne weiteres neben Plastikmüll und Ameisenhaufen niederließen. Einige Meter vor ihm patrouillierte drei Schwäne, wahrscheinlich auf der Suche nach etwas Essbaren. Die Gang wurde vom Großteil der menschlichen Besucher verscheucht, doch ein Kind machte den Fehler, ihr ein Stück seiner Jause vor die Schwanfüße – McCherry fiel beim besten Willen das richtige Wort dafür nicht ein – zu werfen. Sofort hatten die Schwäne das Kind umzingelt und warteten ungeduldig auf Nachschub.

Schwan 1: Yo, mann! Da gibt’s Krümmel!
Schwan 2, aufgeregt: Wo, wo, wo, wo? Was? WO?
Schwan 1: Yo, hier! Der Kleine hat mir gerade was zugeworfen!
Schwan 2, seine Flügel flattern: Aaaalter, ich will auch ’n Stück! Sag dem Scheißer, er soll mir auch ’n Stück abgeben!
Schwan 1: Yo, du hast den Mann gehört. Also rück raus.
Schwan 3 positioniert sich bedrohlich hinter das Kind.
Schwan 2, hebt gleich ab: Was is‘ jetzt?! Fuck, ich brauch ’n Stück, jetzt. Echt, weiches, geiles Brot, echt!
Schwan 1: Yo, bist du taub? He, kleiner?
Schwan 2, seine Schwanfüße treten nervös von einem aufs andere: Weich, oder den Rand, scheißegal! Ich brauch das Zeug, jetzt. Fuck, Brot oder eines seiner Augen, is‘ mir gleich!!
Schwan 1: Yo, du hast ihn gehört, oder etwa nicht? Ich mein‘, der is‘ echt drauf, dass willst du nicht riskieren, echt nicht.
Schwan 2, er kichert: Echt nicht, echt nicht!
Schwan 3 bleibt ruhig als das Kind zurückweicht, schneidet ihm den Rückweg ab.
Schwan 1: Yo, du bist echt in der Klemme. Rück raus, sonst…
Schwan 2: Sonst spieß ich dich auf, wie einen Wurm, du kleiner Hoßenscheißer!! Gib. Jetzt. Her!
Schwan 3 lässt ein Butterfly-Messer aufklappen und nickt bestimmt zu seinen Kollegen rüber.
Schwan 1: Yo, jetzt bist du dran, zu lange gewartet. Wenn der mal Blut gerochen hat, Alter, da kann nicht einmal ich dir helfen, du bist so in der Scheiße, echt jetzt…
Schwan 2, er schreit mittlerweile: Fuck! Wo ist das Brot, Mann! Ich dreh durch, ich sag’s dir, ich dreh durch, ich… schneid‘ den Kleinen auf, ich hol mir das Brot direkt von der Quelle!
Schwan 3 stößt das Messer in den Hals des kleinen Jungen. Blut spritzt auf sein weißes Gefieder. Seine Kollegen lachen hämisch, doch er verzieht keine Miene.

McCherry drehte sich verstört um. Er griff sich eine von Tokis Zigaretten (blaue Pall Mall, echt jetzt?) und atmete tief durch. Als er sich wieder dem Kind zuwendete, sah er, wie irgendjemand die Schwäne mit einer Tragetasche davon jagte. Das Kind weinte und ließ Brotreste auf den Boden fallen, auf die sich die Schwäne gierig stürzten, als es von einem Erwachsenen weggetragen wird. Scheiß Schwäne, dachte sich McCherry und zündete sich sein Zigarette an. Er nahm einen festen Zug. Bergluft, schoss ihm durch den Kopf und er und verzog das Gesicht. Distanziert beobachtete er weiter die Szene. Die drei Schwäne hatten sich mittlerweile gegeneinander verschworen und pickten hasserfüllt aufeinander ein. Als sich herausstellte, dass der Schwan mit dem Messer sich als stärkster der Gang erwies, watschelten die beiden in Richtung des Erwachsenen, der gerade den Jungen gerettet hatte. Dieser fuchtelte mit seiner Tragetasche ein weiteres Mal in Richtung der Angreifer, bis er bemerkte, dass sich seine Waffe gegen furiose Schwäne als ineffizient erwies. Schwan 2 hatte ihn mittlerweile eingeholt und schnappte nach seinem Bein, der Mensch ließ Tasche und Kind fallen und begann nach dem Schwan mit Füßen und Händen zu treten. Das letzte, das McCherry sah bevor er sich wieder umdrehte und die Zigarette ausdämpfte (es war noch die Hälfte da, aber sie schmeckte beschissen) war, wie Schwan 1 den Mann niederhielt, während der andere seine Augen auspickte.

„Hey!“ McCherry rüttelte an Tokis Bein.
„Hmäh…“ Ihr Buch – eine Schnulze oder eines über Zombies – fiel ihr vom Gesicht und Toki wendete sich angewidert von der Sonne ab, die ihr somit ins Gesicht strahlte.
„Toki, es ist langweilig!“
„Alter, dass ist nicht mein Problem.“ Man hörte ihr an, dass sie gerade aufgewacht ist.
„Doch! Es war deine Idee hierher zu kommen und jetzt bin ich hier gefangen, in dieser Einöde und außerdem…“
„Fuck!“ Toki richtete sich auf, ihr Gesicht war von Zorn verzerrt: „Benimm dich wie ein Erwachsener und finde etwas, womit du dich beschäftigen kannst!“
„Und außerdem, glaub‘ ich, wollen die Schwäne mich killen…“
„Die wollen ficken, sonst nichts.“
„Nicht besser.“
„Hier“, Toki nahm ihr Buch und reichte es McCherry. „Ließ das und halt endlich die Klappe. Seit dem wir hier sind…“
„So etwas lese ich nicht.“
Toki atmete einen tiefen Zug Strandluft ein, den sie schließlich in einen majestätischen Seufzer münden ließ. Wenigstens waren ihre Augen nicht mehr mit Wut durchtränkt. Sie blickte von unten zuerst auf McCherry und dann auf das Buch hinauf und mit einem Ganzkörperachselzucken ließ sie es in die trockene Erde fallen.
„Natürlich nicht. Wie konnte ich das vergessen. Du ließt ja nur…“ Sie machte eine Handbewegung die niemand auf diesem Strand hätte deuten können.
„Zeug. Existenzialistisches Zeug.“
„Existenzialistisch.“
„Fick dich. Existentiell.“ Ihr Blick hatte sich erneut verdunkelt. „Wieso musst du immer alles besser wissen? Weißt du. Dass ist der Grund, warum niemals irgendwer -“
„Niemand.“
„Niemand.“ Toki schrie. „Niemals niemand irgendwer in dein verficktes Geschäft kommt! Weil du ein überheblicher Wichsarsch bist und jeder, der nur einen Fuß in den Laden setzt, bemerkt dass. Au-gen-blick-lich.“
„Der Grund, warum sie nicht in meinen Laden kommen, ist, dass ich mich weigere Literatur ins Sortiment zu nehmen, die sich nur an das kommerzielle Bewusstsein unserer Gesellschaft orientiert und die nur noch produziert wird um die gierige Kundschaft mit den neusten Trends zu ver-“
„Siehst du?“ Sie hatte sich etwas beruhigt, zitterte noch unter dem vorherigen Wutausbruch. „Mann, du siehst es nicht einmal. Die ganze Zeit, du bist ein so unglaublich überheblicher Arsch, dass es weh tut in deinem Schatten zu stehen.“
McCherry runzelte die Stirn.
„Ja…“ Toki griff sich eine Zigarette und fuhr fort, nachdem ihr McCherry – etwas schuldbewusst, doch er wusste nicht wieso – Feuer gab: „Sprichwörtlich.“
Schweigen legte sich über unsere beiden Helden des Tages, es übertönte den Lärm der Besucher, das Geschrei der Kinder und den Blutdurst der Schwäne.
McCherry bemerkte, dass ihn das Schweigen schmerzte und er setzte an: „Ich weiß zwar nicht, wie du das meinst, aber ich kann dir versichern, dass ich dir sicher nicht im Schatten, ich meine, im Weg stehen werde, wenn du…“ Eine ausladende Handbewegung.
Toki verdrehte die Augen. Das einzige Mittel der Kommunikation, welches beide gleichermaßen verstanden. Dieses und obszöne Gesten.
„Das war nicht so gemeint.“ Sie atmete heißen Rauch aus. Ihre Kehle kratzte, doch sie wollte keinesfalls husten. „Das war so dahin gesagt, ich weiß, es passt nicht… aber es un-ter-streicht“, die letzte Silbe zog sie genussvoll lang und McCherry musste sich winden, „genau meine Punkt. Du bist so ein Besserwisser.“
„Besserwisser.“
„Ein lustiges Wort, ich weiß.“ Beide mussten grinsen, doch sie wussten, dass sie das nicht wirklich wegen des Wortes taten.
„Manchmal glaube ich, du magst es, wenn ich dich beschimpfe.“
McCherry antworte nicht. Er merkte, wie sich um sein Herz eine Sanftheit gelegt hatte, die wirklich zu dem Zeitpunkt eingesetzt hatte, als Toki ihre Stimme erhoben hatte. Als sie ihn jetzt darauf ansprach, sank es wie ein Anker in ein teeriges Meer aus Erkenntnis.
„Was du meinst“, begann er vorsichtig, „ist ein masochistisches Gelüst, welches ich bei mir noch nie beobachtet habe. Auch jetzt liegst du falsch.“
„Ja, whatever. Ich meine ja nicht, dass du auf dieses S/M Zeug abfährst.“ Einen Moment nach ihrer Aussage, bemerkte Toki die Frivolität, die ihrer nicht gemachten Unterstellung zu Grunde lag.
„Nicht das zum richtigen Zeitpunkt gegen etwas“, sie machte eine feline Geste und untermalte diese mit einem Knurren, „einzuwenden ist.“ McCherry blickte sie an, als hätte er soeben einen Schwan gesehen.
„Sorry“, murmelte Toki. Sie schüttelte den Gedanken an Peitschen und Chromdildos ab und wiederholte noch einmal kopfschüttelnd die vorherige Geste.

Eine Zeit lang saßen Toki und McCherry auf der Decke und blickten auf das Wasser und dachten darüber nach, wie sie sterben würden. Toki war von den Wellen des Wassers an einen Pool erinnert worden, in dem sie sich als Kind den Kopf gestoßen hatte und zwei Minuten unter Wasser getrieben war, bis sie endlich jemand bemerkt hatte. Damals dachte sie nicht daran, dass sie jetzt sterben würde, doch ihr restliches Leben würde sie diesen Moment so in Erinnerung halten: ihre erste Begegnung mit dem Tod. McCherry dachte ständig an den Tod und seine fatalen Fantasien nahmen andauernd grausame Züge an. Doch in der Stille, die das Schweigen zwischen ihm und seinem einzigen Freund gebildet hatte und den Lärm der Außenwelt abschirmte, fiel es ihm schwer, sich seiner makabren Vorstellung hinzugeben, die er nur all zu gerne in einen Horrorfilm (Working Title: Killing Swan) verwandelt hätte. Er dachte an einen leeren Raum, keine Fenster und nur Licht. Ein Bett und ein Laken. Die Tür öffnet sich und das Laken bewegt sich sehnsüchtig. Es rutscht hinab und McCherry weiß, wer sich unter der Decke verbirgt. Und er weiß, wer hinter der sich öffnenden Tür wartet.

„Ich werd‘ mal schwimmen gehen.“ Toki unterbrach die Stille und der Lärm setzte wieder ein.
„Worum geht’s in dem Buch. Um Zombies?“
Toki wackelte mit ihrer Hüfte um sich von der Jeans zu befreien.
„Gehiiiirne.“
„Echt jetzt.“
„Nein, nicht echt jetzt.“ Toki entledigte sich ihres Tops. Ihre Figur war nur noch in den türkisen Bikini gehüllt, der McCherry bereits vorhin aufgefallen war, als er unter der Jeans herausgelugt hatte. Auch wenn er dies nie zugeben würde. Er sah schnell in eine andere Richtung.
„Zu allem muss man dich überreden und von allem muss man dich überzeugen. Wann warst du das letzte Mal im Kino, ohne vorher die Kritik zu lesen?“
„Ich lese nicht immer die Kritik, manchmal check ich einfach den Meta-Score und auf dieser Basis, entscheide ich dann-“
„Bla. Wenn du wissen willst, worum es in dem Buch geht, nimm’s dir einfach. Es ist ohnehin aus dem Laden.“
„Hast du dafür gezahlt?“ McCherry hatte sich umgedreht und konnte gerade noch erkennen, wie Toki die Finger aus ihre Unterteil herauszog, welches sie sich gerade gerichtet hatte, so dass es nicht zwickte. Der Gedanke an einen Geruch fiel ihm ins Gedächtnis und brachte ihn kurz aus dem Konzept. Toki sah ihn verständnislos an. Beide warteten auf einen Comic-Relief.
„Äh. Nein?“
McCherry bekam eine Gänsehaut.
„Das ist ohnehin nicht dein ernst, aber wieso sollte ich?“ Sie drehte sich um und schritt zum Wasser. McCherry ging ihr nach, ohne zu wissen wieso. Geistesabwesend stand er mit seinen Füßen im Wasser und beobachtete Toki, wie sie vorsichtig in die warme Brühe stieg.
„Du willst doch nicht so“ (schon wieder langgezogen, das brachte ihn etwas zurück), „ins Wasser gehen!“, sagte Toki mit einer Ironie, die auf irgendeinen Film anspielen musste.
„Äh. Nein?“ McCherry stieg wieder aus dem Wasser.
„Ich schwimm‘ mal zu den reichen Wichsern rüber“, sagte Toki und zeigte auf das andere Ufer. McCherry konnte einen Steg erkennen, breit mit einer Rehling daran und in langen Reihen standen Liegestühle unter Sonnenschirmen.
„Die haben sogar einen Rettungsring! Schau!“ McCherry malte sich einen rot-weiß-roten Ring aus, den er aus verschiedenen Medien kannte, aber noch nie in real gesehen hatte.
„Ich klau‘ mir diesen Rettungsring.“ Tokis Augen blitzten auf. Sie spielte ihm einem wahnsinnigen Blick zu: „Zu erst der Rettungsring und dann die Welt…“ Sie tauchte ab. McCherry sah den Luftblasen verständnislos nach. Über dem Steg erhob sich ein Kran und das bewohnte Gebiet hinter der anderen Uferseite breitete sich vor seinen Augen aus.
„Bist du dabei?“ Toki war wider aufgetaucht. Die Menge an Smalltalk hatte auch für sie bereits ein Maximum erreicht und sie knetete nervös mit ihren Händen. Sein Unwillen mit ihr Konversation – und sei es auch nur ein Fake – zu führen, lösten in ihr ein unverständliches Unwohlsein aus. Seine ausstehenden Antworten machten sie nervös. McCherry löste den Blick von der inspirationslosen Kulisse und endlich: „Äh, ja. Nein. Nein, das würde nur schief gehen. Du und Weltbeherrschung. So was von schief.“ Den letzten Teil murmelte er vor sich hin.
Toki kniff ihre Augen zusammen: „Einen scheiß geht das schief.“ Das Wasser reichte ihr bis zu den Brüsten, unter dem Bikinistoff konnte McCherry ihre Brustwarzen erkennen. Er atmete tief aus und sah wieder ans andere Ufer; es blitzte auf.
„Wenn ich erstmal den Ring habe… sie zu knechten!“ Doch McCherry stieg nicht darauf ein. Er starrte wieder unvermittelt auf die gegenüberliegende Seite des Sees.
„Mann, leg dich in den Schatten. Du scheinst zu viel ab bekommen zu haben,.. hast du etwa?“ Toki spitzte ihre Lippen und führte drei Finger zum Mund, simulierte einen Zigarettenzug.
„Was? Nein. Hast du was mit?“
Toki zuckte lediglich mit den Schultern.
„Aber du hast Recht. Schatten.“ Er drehte sich um und beide blickten zu dem erbärmlichen Gestrüpp hinüber.
„Na na na.“ Toki beschwörte ihn mit einer belehrenden Geste. „Du weißt…“
„Ja, fickende Schwäne.“
„Bis gleich.“ Und weg war sie.

McCherry durchsuchte Tokis Badetasche nach Gras. Ein Schwan beobachtete ihn misstrauisch, doch ebenso hoffnungsvoll. Vielleicht sprang ja etwas Brot bei der Suchaktion heraus. Unter den Handtüchern war ein silbernes Etui versteckt, welches dem, dass er besaß überaus ähnlich sah. McCherry blickte verdutzt auf das Etui und drehte sich nach seinem um. Die Ähnlichkeit war verblüffend, wie man so sagt. Tokis Etui klemmte etwas, doch nach einer kurzen Fingerübung schnappte es auf und McCherry fand eine Reihe säuberlich gewuzelter Joints vor. Er griff sich einen und zündete ihn – nach einem kurzen Rundblick – genüsslich an. Die Sonne hatte mittlerweile den Zenit erreicht, die Schwäne hatte alle Leichen im Gestrüpp verstaut, Toki war mit den anderen Schwimmern zu einem Teil der glänzenden Oberfläche verschwommen. McCherry hatte sein Hemd aufgeknöpft und die Badehose angezogen; es war schlicht zu heiß um in voller Montur herum zu rennen. Sein Kopf wurde schwerer, als er den Joint zur Hälfte reduziert hatte. Er musste husten und dämpfte vorsichtig aus. Er schritt etwas benommen Richtung Wasser und suchte mit zusammengepressten Augen den See ab. Als er Toki nicht finden konnte, schritt er weiter voran, vorsichtig seine Schritte bemessend. Er drehte sich kurz um und sah, wie der Schwan, der ihn vorhin beobachtete hatte, auffällig nach ging. McCherry ballte seine rechte Hand zu einer Faust und schritt weiter. Im Rücken spürte er den drohenden Blick seines Verfolgers. Je näher McCherry dem Ufer kam, umso lauter wurde die Stille, die unvermittelt eingesetzt hatte. Sie erinnerte ihn an das Schweigen zwischen ihm und Toki, an den Rettungsring der die Macht bedeutete, an das Laken und an die Tür. Ein Spalt breit. McCherry stand nun im Wasser, ein Flip-Flop versuchte sich von seinem bleichen Fuß zu lösen. Er konnte Toki noch immer nicht finden, mittlerweile war es komplett still geworden. Und dunkel. Eine Wolke musste sich vor die Sonne geschoben haben, die hinter ihm runter gebrannt hatte. Er wagte es nicht sich umzudrehen. In den Augenwinkeln beobachtete er eine Familie, die ebenso stumm auf das Wasser starrte. Eine bekiffte Mattheit ergriff ihn und Panik stieg in ihm hoch, sein Blick flog über die Wasseroberfläche zum anderen Ufer und suchte es ab. Vielleicht hatte Toki es bereits erreicht und winkte ihm nun herüber. In Gedanken sah er sie im ihrem türkisen Bikini, wie sie ihm öbszöne Gesten vom gegenseitigen Seeufer deutete. Angestrengt suchte McCherry weiter. Der Steg. McCherry stand bis zu den Knöcheln im Wasser. Der eine Flip-Flop hatte die Freiheit erlangt. Der Steg war nicht mehr da. McCherry rieb sich die Augen und seine Hände zogen sein Gesicht nach unten.
„Fuck.“
Die Hütten und Gärten und Zäune reihten sich aneinander, doch vom Steg war nichts zu sehen. McCherry zitterte. Panisch suchte er das andere Ufer ab, zeichnete in seinen Erinnerungen markante Punkte um sie auf die Realität umzulegen. Es war doch noch… sein Hemd schwamm auf der Seite davon. Er stand bis zur Brust im Wasser, konnte sich nicht erinnern, sich ausgezogen zu haben. Sein nackter Fuß zwickte. Der Kran. McCherry suchte die Silhouette des anderen Ufers ab, versuchte verzweifelt etwas zu finden, dass ihm bekannt vorkam. Er spürte eine Präsenz hinter seinem Rücken und atmete tief ein. Der Kran ragte hoch über dem bewohnten Gebiet der „reichen Wichser“ und zeichnete eine Linie zu dem Ort, wo McCherry den Steg erinnerte. Doch unter dem Kran lagen nur weitere Häuser. Er öffnete den Mund um etwas zu rufen. Wind fuhr ihm durch die Haare, doch das Wasser bewegte sich nicht im selben Rhythmus. Er konzentrierte sich, schritt jeden Meter genau ab, zeichnete noch einmal die Linie der Spitze des Kranes hinab, dennoch. Hatte sich der Kran bewegt, hatte er gewendet? McCherry hatte Tränen in den Augen. Er konzentrierte sich auf die Stelle, an der er den Steg vermutete. Je genauer er sah, umso klarer erkannte er: ein beiges Haus, Fenster, ein schlichter Zaun und die Auffahrt, in der ein Geländewagen parkte. Der Wagen blitzte auf. McCherry wich zurück. Er glaubte sich an den Geländewage erinnern zu können. Glauben zu können. Sein Hemd trieb ab und ihm folgten zerfledderte Zettel. McCherry glaubte seine Handschrift erkennen zu können. Tränen liefen seine Wangen hinab. Sein Herzschlag war hörbar, ein Takt zu dem seine Fäuste unter Wasser zuckten. Er schloss die Augen und erkannte in der Finsternis seiner Lider ein Laken, ein Blitzen, eine Tür, einen Geländewagen, einen Spalt und eine Hand, die sich kalt um seinen Nacken legte. McCherry zuckte zusammen und spürte, wie die Hand fester zu drückte und sein Gesicht langsam an die Wasseroberfläche führte. Er dachte daran wie er sterben würde und stellte sich vor, wie er sich den Kopf stieß  und bewusstlos unter Wasser trieb. Erinnerte sich. Er spürte das warme Wasser seinen Nacken hinabtropfen und eine weitere Hand legte sich auf seine Schulter, die Präsenz beugte sich an sein Ohr und flüsterte in einem tiefen, unheilvollen Ton: „Gehiiiirne.“

Jeff Wadlow: Kick-Ass 2

Kick-Ass-2-Motherfucker

Das Kreuz des Filmkritikers: während alle rund um einem das bunte Treiben verfolgen, brüllen und lachen, sitzt der „Cineast“ (Auffassungssache) da, vergleicht und bestätigt sich in der üblichen Annahme, dass Fortsetzungen nie der Quelle das Wasser reichen können. Es fließt ohnehin immer abwärts, also warum nicht gleich genießen. Aber trotzdem, die Erwartungen bleiben – trotz eines wenig überzeugenden Trailers – hoch, die Summe der Erfahrungen hält sich in einem überschaubaren Ausmaß. Und am Ende ist man der arrogante Arsch, der einem dem Spaß vemießt, wenn man die sinnfreie Actionkost auch noch bemängelt. Der Killersatz: „Was hast du denn erwartet?“ Immerhin sind wir nicht auf der Pont-Neuf sondern in Kick-Ass 2: Balls to the Walls! – so der Comictitel. Vielleicht kleben die Eier im Comic ja wirklich irgendwo an der Wand, aber hier kriegen sie nur ab und zu einen Tritt. Aber alles der Reihe nach.

Also, wo fängt man an. Ja, beim Anfang. KICK-ASS Numero uno war der Überraschungsfilm 2010; groteske Brutalität & kleine Mädchen mit Gossendialekt. „Guter Geschmack“ (alles relativ) und Moral war der Comicverflimung des Anti-Comics ein Fremdwort und der überraschende Arschtritt saß perfekt. Verwunderlich war das – für mich zumindest – nicht; der Red-Band-Trailer (auf deutsch: Trailer für Erwachsene) zeigte die eigentliche Heldin Hit-Girl in einer fulminanten One-Girl-Show, wie sie Bösewicht nach Bösewicht mit Messer und Kanonen den Tod einhauchte.  Matthew Vaughn – LAYER CAKE und STARDUST – Regisseur war auf Grund der beiden genannten Filme auch für mich ein Garant für gute Unterhaltungsfilme und mit gut meine ich wirklich gut und nicht Iron-Man-3-gut (schaut man sich halt an, aber is einem eigentlich eh egal). Von der X-Men Verflimung mal abgesehen  (aber mir liegen die Schema-F-Comicverflimungen halt nicht), hat mich Matthew Vaughn noch nie enttäuscht (STARDUST ist einer dieser Filme, den ich mir eigentlich immer anschauen kann), umso bitterer war die Erkenntnis, dass Vaughn die Fortsetzung nicht mehr inszeniert. Vielleicht sah er bereits, dass die Vorlage nicht das Potential des ersten Teils erreichen würde, vielleicht ist er auch einfach kein Freund von Fortsetzungen. Warum auch.

Kurzer persönlicher Exkurs zum Thema Fortsetzung. Wen’s nicht interessiert, der überspringe einfach diesen Absatz: vor nicht all zu langer Zeit sah ich zum ersten Mal James Camerons ALIEN Nachfolger angesehen, der ja in der großen weiten Welt der Filmkritiker ausnahmslos als Klassiker gehandhabt wird. Volle Punktezahl bei den Filmstartern, stolze 8,5 auf der gelben Movie-Database und kein schlechtes Wort über das monströse Werk des Terminator-Schöpfers.  Der Film ist geradezu das Paradebeispiel des „Zweiten Teils“: mehr ist mehr, lautet die Devise und aus eins wird eintausend. Und – dafür kassiere ich sicher Schläge – mir hat er nicht gefallen. Ich liebe den grandiosen ersten Teil, Ridley Scotts ALIEN (und übrigens auch BLADE RUNNER) ist nicht nur der beste Sci-Fi-Film überhaupt sondern einer der besten Filme, die ich kenne. ALIEN ist so gut – so verdammt gut – düster, spannend, explizit, tiefgründig, wiederwärtig, angsteinflößend, existenziell und beklemmend auf einem beängstigenden Niveau und dass habe ich mir auch von der Fortsetzung erwatet. Ein Fehler? Mein Fehler? Selber Schuld? DIE RÜCKKEHR war ein solider Actionfilm mit unsympathischen Nebenfiguren und einer immer tollen Ripley, aber die Essenz des ersten Teils hat er nicht im geringsten versprüht. Das Exempel von James Cameron bleibt auf jeden Fall ein aktuelles: Fortsetzungen. Die ewigen Enttäuschungen.

Also: mehr ist mehr. Altbewährtes wird aufgewärmt aber einfach mit einer Prise mehr. Extremfälle bilden Filme wie THE HANGOVER PART II, der gleiche Ideen und selbe Dramatugie verwendet, aber das ganze nur einfach noch ärger als das Original. CRANK 2 ist ebenso ein gutes Beispiel für einen schlechten Film und für die typisch unoriginelle Fortsetzung. Und in die Liga der ordinären Actionfilme reiht sich nun auch KICK-ASS 2 ein. Jeff Wadlow – Regiesseur von CRY_WOLF oder NEVER BACK DOWN, beides Filme, von denen ich allerhöchstens die DVD um 4,99 beim Medien-Pusher kurz (und ich gebe zu: missbilligend) beäugt hatte – setzt also auf die bewährte Formel und geht keine wirklichen Risiken ein. Sein Film trägt zwar die Maske des ersten Teils, dahinter verbirgt sich jedoch ein weitgehend äh, abgestandener Film.

Das Böse ist tot, lang lebe das Böse. Chris D’Amico will nach dem Tod seines Gangster-Vaters Rache üben und zwar an dem Möchtegern-Superheld Kick-Ass, der Daddy mit einer Bazooka in die Luft gejagt hat. Also zieht er sich Mamas Klamotten an und legt seinen ehemaligen Alias Red Mist ab um zum ultimative supervillain zu mutieren: dem Motherfucker. Doch Kick-Ass hat sich zur Ruhe gesetzt; zuviel des Guten und viel zu viel des Bösen, dachte sich der Teenager und konzentrierte sich lieber auf das, was Teenies nun mal am besten können: masturbieren und träumen. Doch natürlich kommt alles anders…

Ja, bla bla. Natürlich kommt alles immer anders als geplant, das ist auch gut so, sonst hätten wir keine Geschichte und Mark Miller keinen dritten Teil, der für die Leinwand umgeschrieben werden soll. Von der Story wird hier jedoch nicht mehr verraten, was nicht daran liegt, dass KICK-ASS 2 den Twist des Jahres abliefert, sondern, weil Wadlows Film keine wirkliche Story mehr hat. Wie gesagt; das was im ersten schon funktionierte wird im zweiten Teil ebenso gekaut, nur – wie der Wiener sagt – a wengerl aundas. Und mit a wengerl meine ich wirklich nur a wengerl: der Tod einer Vaterfigur aus dem ersten Teil? Wieso nicht gleich alle Vorbilder für unsere Antihelden abmurksen? Eine Handvoll Superhelden? Wie wär’s mit einer Armee? Chloe Mortez flucht wie ein Barkeeper im Zehnten? Jetzt mit noch mehr Kraftausdrücken! Der Humor war derb? Let’s make it derber! Okay, ihr seht, worauf ich hinaus will. Das Problem an dem ganzen ist leider, dass der erste KICK-ASS ein Umfeld hatte, in der er seine Ideen einbetten konnte, während der zweite nur versucht die Grundzüge nachzuzeichnen und hie und da die Leute daran zu erinnern, dass das, was jetzt kommt, schon vor drei Jahren lustig war.

Nur, vor drei Jahren war es auch noch originell. Oder zumindest überraschend. Überraschend brutal und überraschend konsequent. Das war man nicht gewohnt, schon gar nicht von amerikanischen Comicverflimungen. Natürlich erwartet man sich auch heute kein Blutbad bei den Justice Leagues dieser und anderer Welten, doch wer KICK-ASS eins sah, wird wissen was KICK-ASS zwei zu bieten haben muss. There goes the surprise party. Nichts desto trotz ist die Fortsetzung herrlich brutal und das Blut spritzt an allen Ecken und Enden. Das muss man dem Film lassen; er hat sich durch die Aussicht auf ein breiteres Publikum zumindest nicht klein kriegen lassen und bleibt so wild, wie sein Vorgänger. Die FSK 18 für das Kino tut sein übriges und schon heißt es, die Gewalt übertreffe den ersten Teil. Das tut sie nicht, aber das liegt daran, dass KICK-ASS 2 keinen Kontext versteht. Die Bilder, die Wadlow liefert sind sicherlich die Altersfreigabe wert (aber das waren die von Vaughn auch, ab 16? Das wundert mich heute noch.), doch gehen sie einem in keinem Moment so nahe, wie die Exekutionen des ersten Teils (Mikrowelle, par exemple).

Hab ich schon erwähnt, dass KICK-ASS 2 kein schlechter Film ist? Das kommt vielleicht nicht so rüber, bei dem ganzen Gesudere. Wadlows bemüht sich sehr, seinen Film unterhaltsam zu gestalten und dafür, dass der Film fast zwei Stunden dauert, Aber das haben diese Filme so an sich, da vergeht die Zeit im Flug, weil’s dauernd was zu schießen gibt. Und viele bunten Charaktere. Die meisten davon haben zwar nicht wirklich etwas zu tun, aber gut dass sie da sind. Und dann ist da auch noch Jim Carrey, der sich meiner Meinung nach nur von dem Film distanziert hat, weil er nur in ein paar Szenen vorkommt. Der Alt-Komiker hat sichtlich Spaß an der Rolle des Colonel Stars & Stripes und noch mehr Spaß hat er, wenn er seinen Schäferhund mit dem Befehl „Schwanz!“ (O-Ton, übrigens) dem Mob an die Eier jagt. Er, Hit-Girl und The Motherfucker sind auch die vielversprechensten Charaktere und zum Glück nimmt sich der Film wenigstens für eine dieser Figuren etwas mehr Zeit: Hit-Girls Selbstfindungstrip ist zwar deutlich prädestiniert und niemand im Publikum dürfte sich über ihre Entscheidung gewundert haben, aber die kleine Coming-of-Age Episode gleicht den Film etwas aus. Außerdem ist sie sehr komisch und bietet abseits der grotesken Tötungsszenen den einen oder anderen Lacher.

Doch auch hier scheint sich Wadlow nicht sicher zu sein, was er machen soll: der bissige Humor, die cleveren Zitate und der sarkastische Ton der Teenie-Comic-Fans aus dem ersten Teil, sind einem frechen Standard gewichen. Viele Szenen bieten zwar wirklich Potential für (zugegeben, kaum zu übersehene) Situationskomik, doch KICK-ASS 2 findet, er muss noch eins drauf packen und schon spritzt die braune Soße nur aus allen Röhren und Analkugeln sorgen für peinliche Momente. Hey, nicht falsch verstehen; ich finde Analkugeln wahrscheinlich so lustig wie jeder andere Mensch auch, aber wenn KICK-ASS 1 die Reflexion einer nerdigen Comic-Subkultur sein soll, dann ist der zweite Teil eine Spiegelung davon, was die Leute glauben, was eine nerdige Subkultur witzig findet. Und das ist in diesem Fall altbackener Scary-Movie Humor. Jeff Wadlow ist wie Philip J. Frey, dem zwar immer wieder gesagt wird, dass er seine Geschichten immer einen Satz vorher beenden soll, dies aber nicht tut.

Neben dem schlechten Timing kommt dann noch das halbherzige Drumherum hinzu: Regie, Schnitt, Kamera, irgendwie alles an der Technik des Films wirkt so straight und gewöhnlich. Schießerei am Autodach schön und gut, doch keine Szene kommt an Hit-Girls Racheakt zu Joan Jett and the Blackhearts ran (der Ausschnitt zeigt ebenso, dass sogar die Songauswahl als Referenz zu Superhelden gedacht wurde). Fällt sowas sonst niemanden auf? Ist es einfach, weil Matthew Vaughn seinen Film noch aus Überzeugung und Jeff Wadlow seinen Film auf Grund der Arbeitsverteilung gemacht hat? Wobei, was weiß ich, vielleicht hat sich Wadlows ja um das Projekt gerissen und ich bezeichne ihn schlicht aus zu schneller Konklusion als Auftragsregisseur. Auf jeden Fall beherrscht er die schöne Bildsprache seines Vorgänger-Directors nicht wirklich. Alleine die Titeleinblendung zu Beginn wirkt billiger. Uninteressiert fast.

Uninteressant bleibt der Film zumindest im Subtext, derweil hätte man wirklich viel rausholen können aus diesem zweiten Teil. Und das ist es, was mich am meisten nervt an diesem so-la-la-Film: er ist nicht schlecht er ist einfach nur zu faul. Ich würde zu weit gehen, wenn ich sage, dass es dem Film an einem richtigen dritten Akt mangelt, aber wie KICK-ASS 2 mit seiner Idee umgeht, ist einfach nur ärgerlich. Ja, klar – Comicverflimung und Subtext, Überinterpretation nennen die meisten dass, aber der erste Teil kannte sein Thema; Teenage-Angst, romantische Sehnsucht nach einem anderen Ego, first love, etc. Eingebettet in bluttriefenden Battles, aber unübersehbar präsent. Doch der zweite Teil hat kein Thema, keine Tiefe. Er versucht zwar Mindys (aka Hit-Girl) Plot mit ein bisschen MEAN GIRLS zu seinem Thema zu machen, aber die Idee verläuft im Sand.

Derweil ist die Thematik sehr offensichtlich (und nicht einmal neu): die Idee „Kick-Ass“ hat sich verselbstständigt und ist in das Herz der Menschen eingedrungen, motiviert und bewegt sie. Doch auch auf der Gegenseite treffen die Beweggründe auf fruchtigen Boden und der Superbösewicht erschafft eine Armee aus weiteren Bösewichten, bis er seine eigene Idee aus den Augen verliert. Beides wächst den Figuren, die sich viel ähnlicher sind, als sie glauben, über den Kopf, doch bevor sie es aufhalten können, konsumiert ihr Produkt, was sie lieben und wovon sie träumen, hinterlässt eine brache Landschaft und ein Chaos um sich letzten Endes sich selbst (und seine Erschaffer) zu verzehren. Yeah, no. Dafür ist KICK-ASS 2 dann doch zu unambitioniert. Er mag das ganze – das Chaos, die Anarchie, die Verselbstständigung – andeuten, doch ist zu inkonsequent, sie auch zu zeigen. Irgendwie. Die Figuren stehen im sogenannten letzten Akt still und ihre Beweggründe sind allenfalls Schatten aus den Motivationen des ersten Teils. Und ich komme gerade drauf, dass das als Conclusio für diese Fortsetzungen (und alle schlechten Fortsetzung überhaupt) wie ein Tritt in den Arsch oder ein forcierter Wortwitz als Pointe perfekt passt.

Trotzdem. Der Film ist okay; die Schauspieler haben Spaß, die Action sitzt und der Film hat ein paar gute Fights, die bunten und unzähligen Charaktere so richtig abgedreht und der Soundtrack ist ebenso fein obwohl das Kick-Ass-Thema etwas überspielt wird. Die Kritik klingt etwas harsch, aber das liegt daran, dass KICK-ASS wirklich gut war und noch eine schlechte Fortsetzung halte ich nicht mehr aus. Wir sollten alle auf SCREAM 2 hören und keine Fortsetzungen mehr drehen. TBC.

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Handbuch der Einsamkeit und des Vergessens: Fickende Schwäne (und das Wort Tautologie)

Der Weg war öde und McCherrys Stimmung ödete mit ihm. Erde und Zigarettenasche schob sich lästig zwischen seine Zehen und beim Gedanken, dass er sich von Toki zu Flip Flops hat hinreißen lassen, verdrehte er die Augen. Toki ging im Schlurfgang neben ihm und wirbelte absichtlich Staub unter ihren Sandalen auf, der sich nicht nur auf ihre Füße sondern auch auf seine legten. Beide blickten auf den Boden und verfolgten jeden ihrer Schritte. Wenig erstaunt, stellte McCherry fest, dass der Urschrei bereits zu solch früher Tageszeit exerziert wurde. Seine Augen sprangen Saltos, als er sich entsinnte, wer ihn dazu getrieben hatte, so früh – es gab noch immer das Frühstücksmenü bei Burger King, verdammt, so früh war er höchstens noch auf! – aufzustehen um der prallen Sonne und dem ohnehin exponentiell ansteigendem Lärm zu entgehen. Doch anstatt auf der Stelle kehrt zu machen, näherte sich Toki unbeirrten Schrittes – eine für ihn untypische Formulierung, dachte McCherry lakonisch – dem Epizentrum des Entsetzens (nicht diese, „Epizentrum des Entsetzens“ war eine schöne Phrase, die McCherry gerne öfters verwenden wollte, vielleicht ergab sich ja im Laufe des nächsten, ohne Zweifel unvermeidbaren Gespräch die Option, seine Wortkreation geübt einfließen zu lassen. Er heftete sich in seinem Gedankenhaus einen Zettel an die Toilette).

„Hier?“
Toki drehte sich um und blickte ihm müde in die Augen: „Nein, weiter vorne.“
„Du hast nicht mal geschaut.“
Toki seufzte. Anscheinen bereute auch sie das voreilige Aufstehen. Sicher war sie verkatert. McCherry grinste in sich hinein.
„Hier liegen überall Tschick-Stummel herum. Und die Sonne wird uns töten. Töten.
„Der Baum gibt sicher genügend Schatten.“ McCherry zeigte auf ein wildes Ästeallerlei, dass sich eher als Gestrüpp klassifizieren ließe.
Toki erwiederte mit einem are-you-effin-with-me?-Blick: „Dieser“, sie nickte unbeholfen zum Gestrüpp hinüber, „Baum bietet einen Scheiß. Zerfleddertes irgend-dings. Außerdem ficken Schwäne dort drin.“
„Wie kommst du auf das?“. McCherry kramte bemüht gelangweilt eine Zigarette aus seinem Etui. Fickende Schwäne, murmelte er zwischen Anzünden und Zug.
„Komm, das sieht man.“
Toki ließ die Tasche fallen und ging näher zum Gestrüpp. Nach einer auffordernden Geste, trottete McCherry ihr nach.
„Siehst du?“ Sie zeigte auf eine besonders in Mitleidenschaft geratene Zweigansammlung, deren dürre Arme bittend in die Höhe ragten (im Anbetracht des Zustands, ergab dieses Wort höchsten als lieb gemeintes Kompliment eine erträgliche Semantik) und nach Wasser, Berührungen und Schatten lechzten. Tötet mich, sprachen die Äste und McCherry nickte zustimmend zurück.
„Das ist definitiv ein Schwanficknest.“ Überzeugt grinste Toki ihn an. Sie war besoffen!
„Du bist betrunken. Das ist kein… und außerdem, haben Schwäne überhaupt“, er nahm einen tiefen Zug um dem kommenden Wort die notwendige Substanz zu verleihen, seine Hand hatte die betonende Geste bereits geformt, gab den Takt an, „Beischlaf?“ Und aus.
Tokis Blick schien ihm zu verdeutlichen, dass er ein Idiot war: „Alter, ja-a? Außerdem heißt es Beischlaf halten, du grammatikalischer Harry Potter,“
„The f-? Was hat… dass ist wohl, die… grammatikalisch?“ McCherry zog mit seiner Zigarette bedeutungsschwangere Kreise. „Die dümmste Refer… der dümmste Vergleich überhaupt.“
„Überhaupt, ja. Außerdem bin ich nicht besoffen, nur etwas-“ Toki stemmte ihre Finger in die Stirn.
„Salutierst du jetzt? Vor den Schwänen?“ McCherry achtete, dass er ihr den Rauch nicht direkt ins Gesicht blies.
„Was? Hallo-o?“ (McCherry konnte die Ausnutzung des verlängerten Vokals nicht ausstehen.) „Das ist das internationale Zeichen für Kopfweh! Für -“ und dabei presste sie bei jedem Wort ihre Finger gegen den Kopf, „fucking-hair-of-the-dog-fuck-kater.“
McCherry schnippte seine Zigarette ins Gestrüpp. Es hoffte auf lodernde Zungen, doch der Stummel verglühte ereignislos und bettete sich zu seinen gefallenen Brüdern.
„Erstens“, setzte er an, „geht das internationale Zeichen für Kopfweh so.“ McCherry hielt ihr Zeige- und Mittelfinger vor die Nase und erlaubte sich bei Gelegenheit eine öbszöne Geste, die Toki zum Grinsen brachte. „Und zweitens: Hangover. I got a haaangover, nana…, you know. Heißt Kater auf englisch.“
„Das weiß ich du Wappler.“
„Nichts als Beleidigungen. Drittens: Hair of the Dog passt…“
„Ich-brauche-einen-Drink-Kopfweh, jetzt okay? Dass du endlich Frieden gibst.“ Sie salutierte, Mittelfinger only. „Und außerdem ja, die ficken die Schwäne. Genau hier.“
„Ich glaub, die benutzen Kloaken…“
„Noch widerlicher. Und Hier willst du dich hinlegen?“
McCherry seufzte. Kurz hatte er vergessen, weswegen er hier war. „Nicht hier… da.“
„Alter, im Ficknest, neben dem Ficknest, dass ist doch egal. Es stinkt hier und außerdem kann man nie sicher sein. Du schläfst -„.
„In der prallen Sonne, wohlgemerkt!“ McCherry hatte das Gestrüpp aufgegeben. Es flehte ihn noch ein letztes Mal ein, bevor es sich mutlos krümmte.
Bejahend tippte Toki (immer noch mit dem MIttelfinger) auf McCherrys Brust: „Du schläfst in der prallen Sonne ein und ahnst nichts und plötzlich -“
„Sag ohne Warnung!
„- und ohne Warnung steckt dir ein geiler Schwan seine Kloake in den Mund.“
„In den Mund?“ McCherry sah Toki angewidert an.
„Oder in den Arsch, was weiß ich.“
„Alter, ich bin zu nüchtern, für so ’ne…“
„Einen Scheiß bist du nüchtern! Der Punkt ist auf jeden Fall, dass dich der Schwan fickt, wenn du hier bleibst.“
„Ich bin ja nicht einmal… ich seh‘ nicht einmal ansatzweise aus wie ein Schwan oder eine Gans oder sonst welche Vögel auf der to-do-list von jedem noch so notgeilen Schwan. Ich bin eine komplett andere Rasse. Dass muss ein Schwan doch sehen.“
„Hey, du liegst im Ficknest-“
„Beim.“
„Whatever, beim Ficknest vom Schwan; dem ist das egal, dass ist das internationale Zeichen für kloakengeil.“ Toki wiederholte McCherrys öbszöne Geste von vorhin. Er musste lachen (was ihm sonst schwer fiel, vor allem zu noch keiner zweistelligen Zeit).

Sie gingen erneut die beige Meile entlang. Meilenweit kam es McCherry vor und man sah nur trockenes Gras, zertretene Stummel und alle paar Meter ein überfüllter Mistkübel. Seine Stimmung war schnell wieder abgeflaut. Wahrscheinlich unbewusst – doch wer kann das schon so genau sagen – packte er die Luftmatratze etwas fester: vielleicht konnten seine ungepflegten Nägel ihm die Schmach ersparen, das Ding auch zurück schleppen zu müssen. Das Gespräch war verebbt und Toki nuschelte eine schreckliche Nummer von den Black Eyed Peas (welch Tautologie – aber so konnte er endlich dieses Wort in einem Satz verwenden) vor sich hin und er fragte sich, ob sie den Mist wirklich hörte oder vom welcher Arschgeige sie sich den Ohrwurm geholt hatte. Sicher eines der Kinder, meinte McCherry als ihm etwas einfiel.
„Wieso müssen wir überhaupt in das Epizent– “
„Da!“, Toki warf in hohen Bogen Badetücher und Tragtasche auf das Wiesenstück, die von einer Baumkette begrenzt wurde. McCherry wollte sie erwürgen.
„Wieso verbringen wir überhaupt, ich meine hier, im Schatten der Schatten auf dieser Wüste, wenn du doch einen Tag in der Sonne liegen willst. Und jetzt…“ Mittlerweile war er schlecht drauf; die übliche zu ihm passende dunkle Stimmung und bewusst gelangweilte Art, war einer unbewussten Missgunst gewichen, deren Pfade nur weitere Enttäuschungen an diesem Bade-Wetter-Scheiß-Tag bereithalten konnte. Toki ignorierte ihn und ließ sich ungalant auf das Tuch fallen, fischte aus dem im Umfeld verteilten Items das passende Heraus und verspeiste das Schmerzmittel mit einem süßen Energy-Drink: „Aww yiss.“ Und weg war sie, begraben unter einem Buch, dessen Einband McCherry nicht bekannt war. Einen weiteren Blick würdigte er dem Titel nicht.

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James Wan: The Conjuring (2013)

the conjuring

 

Es war einmal das Gesiterjäger-Pärchen Ed und Lorraine Warren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erforschte das Ehepaar Warren zahlreiche Fälle paranormaler Ereignisse, darunter auch der berüchtigte Fall Amityville. Bücher, Geschichten und zahlreiche Adaptionen folgten den Geschehnissen rund um das verfluchte Anwesen, doch über einen anderen, viel grausameren Fall der Warrens wurde nichts berichtet. Bis heute.

Es war einmal ein Remake und eine Fortsetzung und ein Reboot. Alle hatten sie eines gemeinsam; sie waren langweilige von-der-Stange Horrorkost, die über Jahre hinweg die Kinohöllen überfluteten und in schicker 3D-Manier den Zuschauern Spitzhacken und Augäpfel entgegen warfen. Publikum und Filmfiguren waren dabei gleichermaßen die Gefolterten, denn ein Ende der ewigen Repetition war nicht in Sicht. Überhaupt konnte man davon ausgehen, dass man den neusten Mainstream-Horrorfilm in die Tonne kloppen konnte. Vielleicht widerspricht mir diesbezüglich ja wer, aber Tittenjagt mit Piranhas und Final Destinations und Sägen in 3D und so weiter waren für mich nicht unbedingt die Filme, die mir das Fürchten lehrten.

Es war einmal ein Regisseur Namens James Wan, der seinen Namen in aller Munde brachte, als er 2004 den Folter-Schocker SAW auf den Filmmarkt beförderte . Hauptsächlich durch die massive Mundpropaganda und den Ruf, dem der Film vorauseilte, breitete sich die Beliebtheit zu SAW wie ein Lauffeuer aus und würgte auch noch 6 weitere Sequels aus der Produktionskehle. Doch so torture-y war der erste (und einzige von Wan inszenierte) Film gar nicht; die besten Momente zeigt das klein-gemeine Langfilmdebüt in seinen durchaus soliden Suspense-Szenen, in denen die Protagonisten sich vor unheimlichen Schweinsmasken verstecken oder durch dunkle Wohnungen tasten.

Es war einmal ein Dämon, der Besitz von einem unscheinbaren Jungen ergriff und ein Vater, der sich in die Geisterwelt begab um seinen Sohn zu retten. Die Rede ist von INSIDIOUS, den überaus gelungene und schaurigen Gruselfilm, von niemand anderen in Szene gesetzt als von dem Filmemacher, der den Torture-Porn salonfähig machte, scheinbar nur um danach das Genre komplett hinter sich zu lassen. Die horriblen Andeutungen und Schreckmomente die er in seinem Erstling bereits erprobte, ließ er diesmal (mit Hilfe seines Freund und Schreibers Leigh Whannell) zu Höchstleistungen anlaufen: heraus kam ein (den Umständen entsprechend) ungewöhnlich langsamer und stimmungsvoller Film, der mit den besten Schockmomenten aufwarten konnte, die der (sich selbst als abgebrühte Sau bezeichnender) Autor seit seinem traumatischen Erlebnis mit dem Ring-Video im Kino begutachten konnte. Nun, eine neue Hoffnung am Horrorhimmel und so sollte es sein, dass im Jahre 2013 sich Wan aufmachte um mit seinem neusten Werk THE CONJURING die Welt zu erschrecken.

Es war einmal eine wahre Geschichte. Schon wieder. Filme die sich mit dieser dreisten Behauptung kleiden, haben es immer schwere vom Publikum (sprich: von mir) akzeptiert zu werden; Geister, die gibt es ja gar nicht! Wobei – wer weiß das schon so genau. Die Familie Warren war sich überaus sicher, dass Dämonen, Geister und der Teufel persönlich existieren und dass sie oft nichts Gutes von uns wollen. THE CONJURING bewegt sich auf den tiefen Spuren des Haunted-House-Horrors, ohne sich dabei auf andere Strecken zu wagen; als Vorlage dienen die Unterlagen der beiden Para-Experten (Lorraine Warren habe sich angeblich zu dem Film geäußert und seine Authentizität bestätigt) und der Fall, der beinahe allen Beteiligten in Lebensgefahr brachte. Insgeheim stellt man sich dann doch die Frage, wie eine solche Geschichte entstanden sein konnte. Eine Folie à deux? Doch nur Lug und Trug? Eine Fall von häuslicher Gewalt, wo alle wegschauten und dem Geist die Schuld zu weisen wollten? Alles klingt nicht sonderlich plausibel. Das Label der „true story“ schiebt sich in Wans neuen Film bewusst in den Vordergrund (der Abspann wird sogar mit echten Fotografien der Warrens dekoriert) und direkte Zitate wurden übernommen. Das mag vielleicht aufdringlich wirken, stört aber letztendlich nicht weiter. Die erwünschte weitere Ebene kann der Film dadurch jedoch nicht erreichen.

Es war einmal eine junge Dame, die nach THE CONJURING nicht mehr schlafen konnte und eine andere, die verstört aus ihrem Schlaf gerissen wurde, die frischen Bilder der Horrorschau noch im Kopf. Die Rede ist von meinen Kinobegleiterinnen, die wacker dem Bösen gegenübertraten und den Saal mit Schreckensschreien füllten (meine Wenigkeit hielt sich übrigens genauso wenig zurück, aber das würde ich ja nie zugeben). Denn James Wan neuer Film ist unglaublich gruselig, atmosphärisch dicht und schleichend. Ein Trend hält an, im derzeitigen Horrorkino, die Entdeckung der Langsamkeit kehrt zurück und Filme wie SINISTER oder INSIDIOUS machen sich breit. Das ist gut, den eben genannte Werke berufen sich auf Charakterentwicklung und stellen die Stimmungsorgeln auf „düster“, führen ihre Filme nicht all zu hektisch in ein gekonntes Finale. Der Connaisseur fand solche Filme (z.b. Ti Wests fabelhafter THE INNKEEPERS oder beklemmender HOUSE OF THE DEVIL) zwar schon immer als Direct-to-DVD Produktionen – ergo: nichts Neues (nein, wirklich nicht) – aber es ist schön, derartige Schauemärchen auf einer großen Leinwand (abseits vom allseits beliebten /slash-Filmfestival) zu genießen.

Es war einmal das Rad, und das braucht niemand neu zu erfinden. Auch nicht Wan – der diesmal ohne seinen Schreiberling Whannell agierte – der sich bei THE CONJURING auf gewohnte Muster und beliebte Schablonen verlässt. Man kennt die Vorbilder, die Wan zitiert, nachahmt, klaut und reanimiert. In den Konglomerat aus Horrorelementen erkennt man beispielsweise den bereits erwähnten Darren-Vorfall AMITYVILLE HORROR (1979) oder POLTERGEIST (1982), Parallelen zu THE ENTITY (1982) und dem Klassiker schlechthin THE EXORCIST (1973) wird ziemlich ungeniert nachgeeifert. Das macht aber gar nichts, denn James Wan komponiert seinen Film mit viel Gespür und einer Zielsicherheit, die ich in dem Genre schon lange vermisst habe. Die zahlreichen Jump-Scares sind effektiv aber nicht aufdringlich wie beim modernen Horror üblich, fein inszeniert und so bewusst eingesetzt, dass man sie trotz aller Häufigkeit doch nicht kommen sieht. Oder besser: man sieht sie kommen, andauernd und jederzeit, die Schocks (und der letzte sitzt einem noch immer in den Knochen) und erwartet sie jeden Moment. Dadurch erreicht der Film eine greifbare Spannung, ein etwas-liegt-in-der-Luft-Feeling, eine ständige Bedrohung, die sich hinter den herbstlichen Farben und der familiären Idylle versteckt. Der beste Schock (oder einer der Besten) läuft dann ganz ohne die violente Violine, leise, in voller Erwartung und er lässt einen das Blut in den Adern gefrieren: mein Mund stand offen und meine Haare zu Berge. Penetrant, die Gewissheit: man ist hier nicht alleine.

Es war einmal ein Anfangssatz, zu dem mir langsam nichts mehr einfällt. Ähnlich erging es vielleicht Wan auch, der mit INSIDIOUS seine bereits eintrainierten Ideen endlich in die Tat umsetzte. Auch wenn das viele nicht so sehen, INSIDIOUS gehört meiner Meinung nach zu den originellsten Geisterfilmen der letzten paar Jahre; plausible Erklärungen, lockere aber doch ernst zu nehmende „Geisterjäger“ und nicht zuletzt die verruchte Astralebene, in der sich die Geister um die Hauptpersonen dreschen. Man kann zu Inszenierung sagen was man will, die Umsetzung enttäuschend finden, doch die Idee (und ich finde ja auch die Umsetzung) sind keineswegs alltäglich. Die Schrecksekunden waren beklemmend, die Figuren allesamt traurig, die Atmosphäre dunkelbunt. Mein erster Gedanke bei Wans neuen Film war die Befürchtung, dass THE CONJURING eine inoffizielles (und viel zu frühes) Remake seines Vorgängers wird: man sieht dem Film einfach zu sehr an, dass der selbe Typ hinter/neben/an der Kamera saß. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass direkte Verweise auf seine anderen Werke zu sehen sind (die Puppe sieht sehr nach DEAD SILENCE aus, der Spielzeugaffe & nicht zuletzt Patrick Wilson in der Hauptrolle erinnern an INSIDOUS). Die Antwort dazu ist ein etwas zerknirschtes Jein, denn THE CONJURING ist zwar anders, aber doch irgendwie gleich. Die Unterschiede sind zahlreich und erkennbar, genauso die Parallelen. Ob das einen stört, sei jedem selbst überlassen; ich finde es auf jeden Fall klug von Wan sich diesbezüglich auf sein altbewährtes Rezept zu verlassen. Für noch mehr Ideen soll dann INSIDOUS II bitte herhalten. So gesehen ist THE CONJRUING quasi die zu Perfektion geformte Geisterstunde.

Es war einmal ein Haus, dass die eigentlich Hauptrolle in einem Horrorfilm spielte. Es waren sogar mehrere… mir fallen partout ein Dutzend ein, sei es jetzt Hotel oder familiäres Landhaus. Die Inszenierung der verfluchten Location ist immer ein wichtiger Punkt in dem Genre und genauso wie man es gut machen kann (JU ON) kann man es auch versauen (THE GRUDGE – und das ist das selbe Haus!). Hier haben Wan und die Kameraführung von John R. Leonetti ganze Arbeit geleistet, die allwissende filmische Perspektive tanzt und schwebt durch das alte Haus und verleiht jedem relevanten Winkel einen eigenen Flair. Anders als bei vielen anderen Filmen, ergibt sich ein räumliches Empfinden zu den Haus so gut, dass man sich beinahe heimisch fühlt. Doch das Haus birgt Geheimnisse, dunkle Ecken, versteckte Zimmer und zwischen den Wänden bewegt es sich, die Türen knirschen, der Boden ächzt, das Gebäude stöhnt und die Atmosphäre sitzt perfekter als das schiefe Bild im Vorzimmer. Doch kein Haus spukt gut, wenn sich die Figuren starr verhalten. Den Drehbuchautoren Chad und Carey W. Hayes ist es jedoch zum Glück gelungen, den Filmfiguren (so echt ihre Hintergründe auch sein mögen) so viel Leben einzuhauchen, dass man sich als Zuschauer gleich verbunden und verstanden fühlt. Neben Patrick Wilson – den ich schon seit HARD CANDY toll finde – als Ed Warris, glänzen allen voran die zwei weiblichen Protagonisten, grandios besetzt mit Lili Taylor (SIX FEET UNDER) und vor allem Vera Farmiga (BATES MOTEL) die mit ihrem Schauspiel jedem Schockeffekt die um zu wirkende notwendige Substanz gibt. Der Aufbau des Filmes schreit dabei förmlich nach Fortsetzung und ich würde Wilson und Farmiga nur all zu gerne wieder als Ed und Lorraine Warren sehen, doch der „true story“-Faktor macht mir da wohl einen Strich durch die Rechnung. Vielleicht erbarmt sich James Wan ja zu einer AMITYVILLE-Neuinterpretation.

Und wenn sie dann gestorben sind… spuken sie fröhlich weiter, am besten im Showdown eines James Wan Films. Überambitioniert zeigte sich der Filmemacher bereits im Vorgänger (wie gesagt; Astralebene), doch in THE CONJURING setzt noch mal eines drauf. Wan weiß, dass sich seine Zuschauer nach einem solch gewaltigen Aufbau, ein noch gewaltigeres Finale erwarten. Also zieht er alle möglichen Register, die ihm zu Verfügung stehen – und dass sind einige. Die vielen Vorbilder der Heimsuchung anno 2013 „steigen sich in dem Haus fast auf die Füße“ wie die standard.at-Rezension etwas abwertend meint, wirkt aber auf Grund der guten Einführung in die Welt der Geister plausibel. Die Zeit des Spukgespenst als Einzelgänger ist auf jeden Fall vorbei, Wans Gespenster-Family sitzt im jeden Eck und wirft hier und dort wütend die Türen zu. Dass die Erinnerungen an bekannte Meisterwerke dazu nicht weggedacht werden können, ist nicht weiter schlimm – im Gegensatz zu anderen Filmen der Besessenheit, bemüht sich THE CONJURING dann sowenig wie möglich den Paten der Teufelsanbeterfilmen heraufzubeschwören und versteckt das Böse hinterlistig unter der Decke. Es reicht allemal – das Ende ist eine regelrechte Tour de Force aus der es kein entrinnen gibt.

Es war einmal ein Schlussstrich, mal wieder wurde zu viel gesagt, für das ohnehin schon Eindeutige. Besser kann moderner Geisterhorror eigentlich gar nicht werden, viel mehr gibt das Thema einfach nicht mehr her und James Wan feuert aus allen Röhren. THE CONJURING ist ein wundervoller Horrorfilm, der seine Schock so eindrucksvoll setzt, dass sie sich tief in die Haut graben (und die Finger in den Kinosessel). Die Ruhe des Filmes geht in eine ruhende Bedrohung über, die schließlich in einem fulminanten Finale endet, mit dem ich voll und ganz zufrieden war. Zitate und Anlehnungen reihen sich neben originellen Ideen und neuen Motiven ein und die gut gezeichneten Figuren tragen die Geschichte in ein glaubwürdiges Spektrum. Der finale Anspruch auf die wahren Geschehnisse mag vielleicht etwas irritierend wirken (der wahrste Gruselfilm bleibt für mich immer noch Ti Wests Hotelhorror) doch passt zu dem Stil des Filmes, der von Intro bis Abspann den Flair der 70er und 80er Jahre atmet (ja, ein indirektes Zitat dem Kritiker zu Ehren) ihn aber auf seine neue Art verdaut und modern präsentiert. James Wan ist der beste Horrorfilm des Jahres und wird auch noch lange auf einen ebenbürtigen Konkurrenten warten müssen. So long, have a nice nightmare.

Character Sheet #01: Tokimimotaku

Das einzig Wahre, dass wir jemals über N erfahren werden, ist ihr zweiter Name; nicht ihr Nachname, oder der Name, den ihr bei ihrer Geburt zugeteil wurde, sondern der Name, den sich N erwählt hatte, als man sie danach fragte. Er lautet Tokimimotaku und niemand, dem sich Tokimimotaku vorstellte, konnte ihren Namen auf Anhieb aussprechen. In Anbetracht der Zeit verzögernden Umstände die es bedarf, ihren Namen und die dazugehörige Betonung richtig zu verwerten, durfte man sie auch Toki nennen; es beleidigte sie zwar jedes Mal ein wenig, doch sie ließ sich es nicht anmerken. Außerdem war es immer noch besser, als den Stich, den sie verspürte, wenn man sie mit ihren alten Namen* ansprach. Tokimimotaku war der Name, den sie Leuten mitteilte, die sie gern hatte; Tokimimotaku – malte sich N aus – war ein lautes Ausatmen, ein Stöhnen, welches man verlor, wenn man sie sah, ein feuchtes Wischen über die Lippen, wenn sie sich über ihre Schriften bückte und man in ihr tiefes Dekolleté blicken konnte. Ein Stocken, nach geübter Aussprache, ein bewusstes Stocken und eine Bewegung mit der Zunge, eine Name, der so zauberhaft war, wie ihr Träger selbst. Man stellte sich automatisch vor, wie es sein müsste ihren Namen beim Sex zu rufen und zugleich schämte man sich für den Gedanken. Tokimimotaku bemerkte schnell, dass ihr Name den Leuten gefiel und sie behandelte ihn stets mit einer gewissen Würde und einem unüblichen Stolz, der daraus resultierte, dass sie ihren Namen selbst gewählt hatte und sich nicht von den schrecklichen Institutionen zu einer lebenslangen Last ungefragt verdonnern ließ. Die sechs kurzen Silben waren das Höchstmaß an Vertrauen, dass Tokimimotaku ihren Mitmenschen zutraute: während alle ihren Namen aussprechen durften, alle zugleich Träger und Vermittler dieser Wortkreation waren, war es das Einzige, was man jemals von Tokimimotaku über Tokimimotaku erfahren würde. Zumindest, dass einzige, was der Wahrheit entsprach.**

Tokimimotaku sprach gern über ihren Namen, auch wenn sie gerne den Eindruck vermittelte, dass es ihr auf die Nerven ginge. Doch das Luftholen, der aufgesetzt freundliche Grinser, die kurze Drehung ihrer Augen waren alles einstudierte Reaktionen, die ihren Charakter – oder den Charakter den sich Tokimimotaku erbaut hatte*** – unterstreichen sollte: nach einer kunstvollen Pause (in der Tokimimotaku gerne annahm, dass man annahm, dass sie sich zierte, aber dann aufgrund der Unwiderstehlichkeit ihres Gegenübers sich doch erbarmte, die Geschichte ihres Namens zu erläutern) stieß sie einen leichten Seufzer aus, bei dem sie ihren Blick starr auf den Fußboden oder was auch immer zwischen ihr und dem Fußboden lag richtete, um mit einer leicht schwungvollen Bewegung den Kopf in Richtung ihres Gesprächspartners richtete und ihn dann anlächelte. Ich glaube, dass Tokimimotaku damit gerne flirtet, oder durch ihr mädchenhaftes für-dich-tu-ichs-Gehabe verführerisch wirken will, doch meist war es nur merkwürdig mit anzusehen und die gewollten Pausen wirkten eher so, als hätte Tokimimotaku ihren Text vergessen. All jene, denen die Prozedur bereits bekannt war, fanden sie dadurch nur noch seltsamer. Doch viele störte vor allem, dass sie selbst Opfer von Tokimimotakus kommunikativer Übung geworden sind und es berfremdlich fanden, dass sie mit jedem so redete, der sie nach ihrem Namen fragte (vielleicht wurde das gewünschte Resultat eben doch erzielt: tief im Unbewussten hattest du also doch gehofft, dass Tokimimotaku sich nur für dich sich auf die langweilige Suche nach dem Ursprung ihres Namens machte und die Erkenntnis, dass sie dich an der Nase rumgeführt hat, bricht dir zwar nicht das Herz, aber- ). Niemand zweifelte die Authentizität von Tokimimotakus Namen an, doch die japanische Konnotation die dem Namen innewohnte veranlasste viele Gesprächspartner dazu, nach Tokimimotakus Abstammung zu fragen (was hauptsächlich daran lag, dass die meisten Gesprächspartner nicht sonderlich gut im Gespräche-führen waren und bevor ihnen die Luft ausging, sie lieber die Offensichtlichkeiten ansprachen, als sich anzustrengen und etwas Unaussprechliches zu verlautbaren). Der Diskurs übers Tokimimotakus Abstammung nervte sie unglaublich und sie trat ihm im Gegensatz zu den vielen anderen Dingen die sie nervten, offen mit Abneigung gegenüber (hier hätte sie sich ihre eingeübte Reaktion abschauen können, doch Tokimimotaku reagierte auf die Frage nach ihren nicht-existenten japanischen Vorfahren so feindselig, dass es vielleicht doch nicht ratsam war, diese Reaktion in ihre Rolle zu übernehmen. Sie fiel ohnehin fiel zu oft aus dem Charakter). Kein Thema konnte Tokimimotaku schneller dazu bringen, das Maul zu halten. Mit Ausnahme ihrer Vergangenheit.****

Tokimimotaku war eine langweilige junge Frau. Dies war nichts besonders, der Großteil der menschlichen Bevölkerung ist langweilig. Die Anzeichen für einen langweiligen Menschen (anhand des Beispiels Tokimimotaku) sind wie folgt: geregelte Arbeitszeiten mit geregelten Einkommen, monatliche Kinobesuche und monatliche Enttäuschungen, eine häufige Verwendung von derben Schimpfwörtern und eine häufige Entschuldigungsrate, chronische Blasenentzündung und chronische Apothekenbesuche, zahlreiche gelesene Bücher am Nachttisch und zahlreiche ungelesen Bücher im Schrank (der vielleicht im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer steht), ein umfangreiches Wissen über britische Musiker und eine umfangreiche Sammlung an Konzertkarten, mühselige Stunden im letzten Level eines Videospiels und mühselige Stunden, die ihr an Schlaf fehlten. Sollte jemand sich von Tokimimotaku verstanden und angesprochen gefühlt haben, war diese Person meist auch langweilig. Meist langweiliger. Tokimimotaku konnte nicht Klavierspielen oder fließend Latein sprechen, sie hatte keine hellseherische Begabung und in Mathe war sie gerade so gut, dass es nicht auffiel, wie beschissen sie darin war. Tokimimotaku schrieb gerne doch ihre Lyrik sprach niemanden der menschlichen Rasse an und jene die das Gegenteil behaupteten, wollten lediglich ihren Schwanz in Tokimimotakus Möse rammen*****. Ebenso wenig war Tokimimotaku für das Ende der Welt verantwortlich oder die Rettung selbiger, sie verliebte sich nicht in Vampire oder Werwölfe, konnte die Zeit nicht anhalten und ob sie fliegen konnte, war ebenso unbekannt (es wurde zwar nie das Gegenteil bewiesen, aber das alleine macht noch keine Tatsache aus). Tokimimotaku war seit Jahren nicht mehr aus der Stadt gekommen und erinnert sich nur zaghaft an ihre Kindheit, die von Wiesen und einzelnen Häusern am äußersten Stadtrand geprägt war.

Als die Menschen noch versuchten mit Tokimimotaku zu sprechen (und die Gespräch erfolgreich um die japanischen Außenbeziehungen umschifft hatten), hatte sie Tokimimotaku stets mit Lügen gestraft. Das, was man über Tokimimotaku rausfinden konnte, war dass, was man sah (beginnend mit dem Kopfende): braunes Haar, schulterlang, Fransen, wahrscheinlich selbst geschnitten, hübsches Gesicht, große Augen, schmale Lippen, Unreinheiten an der Wange, darüber Rouge, ansonten kein Make-Up, wahrscheinlich Mitte zwanzig. Schultern umschlossen von einem sehr düsteren T-Shirt oder Hoodie, kommt auf das Wetter drauf an, Goth-Gürtel und Schlabber-Jeans und keine Schuhe. Normale Figur und etwas kurze Beine, was passt, den Tokimimotaku lügte******. Das tut sie natürlich nicht immer, aber so oft es geht. Sollten Sie also jemals einen Fuß in McCherry verstaubtes Antiquariat setzen, fragen sie die hübsche junge Dame am Tresen nach der Uhrzeit. Sollte sie Ihnen die richtige Antwort geben, haben sie wahrscheinlich das falsche Geschäft betreten.

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* N wie Nadine, Natascha, Nicole, Nelle, Nina, Nathalie, Nadja, Nena, Niemand, Nobody, Nothing usw. Vielleicht verstehen Sie ja, worauf sie hinaus will

** Wenn Sie die Wahrheit wollen, sollten Sie N fragen. Toki wird sie Ihnen nicht verraten.

*** Eine Charakterfrage: Für Tokimimotaku, die fest an das Nachleben aber nicht an Wiedergeburt glaubte, war es sehr wichtig, wie die Leute sie in Erinnerung behalten würden. Das hatte den Grund, dass Tokimimotaku davon ausging, dass das Jenseits sich aus den Erinnerungen der Hinterbliebenen zusammensetzte und seien es noch so unbedeutende Randfiguren, die sie mit sich trugen. So wollte Tokimimotaku ein mystisches, nicht all zu sinistres, geheimnisvolles und lustvolles Nachleben in Betracht ziehen und gewahr sich die Freiheit, ihre Person um einen solchen Charakter zu erweitern. Tokimimotaku war ein guter Mensch, freundlich, manchmal etwas lästig und langweilig, doch ihre natürliche Art zeugte von keinerlei Böswilligkeit, also hätte sich Tokimimotakus Theorie um das Jenseits bewahrheitet, hätten sie sich nicht all zu viele sorgen machen müssen. Leider hat das lebenslange Verhalten kaum Auswirkungen auf den Standard den man im Nachleben erwarten konnte und keiner von uns wird für seine Sünden bestraft.

**** Ich weiß, was sie denken und ja, der Satz klingt wie ein billiger Cliffhanger, mit dem Hauch einer Vorahnung, dass da noch was Überraschendes/Schockierendes/Erklärendes/etc kommt, aber was soll ich machen. Sie redet nun mal nicht darüber – niemals – und ja, alles was sie heute ist, hat zum Teil seinen Ursprung in den Ereignissen, die sich zugetragen haben, als wir Toki noch nicht kannten. Aber da sie nichts dazu bringt darüber zu berichten, belassen wir es dabei und Sie sollten das auch. Dead End. Dem hier wird nichts mehr hinzugefügt.

***** Wobei eine gewissen Notgeilheit durchaus vorhanden sein musste, denn Tokis dadaistischen Gedichte, waren eine Tour de Force und anders konnte sich niemand erklären, wer sich durch ihren Blog quälte. Toki war auch überaus gespannt auf Feedback – interessanterweise bekam sie von ihrem Umfeld nicht besonders viel –  so dass man sich auf ein umfassendes Gespräch vorbereiten musste, wenn man sich mal positiv über ihre Haikus äußerte.

***** Wir alle lügen, dass ist keine Überraschung, doch es ist eines der Merkmale, die einem sofort auffallen, wenn man Toki kennenlernt. Sie kann kaum drei Sätze über sich sprechen, die nicht totaler Bullshit sind. Man nennt das glaub ich pathologisch.