Review zu „The Last Will and Testament of Rosalind Leigh“ (R: Roberto Gudiño, 2012)

rosalind

Gute Horrorfilme sind wie Geister: viele kommen, viele gehen, manche nerven und ein paar wenige verfolgen dich. Aber dann…

Nach dem Tod seiner Mutter Rosalind kehrt der verlorene Sohn Leon Leigh zurück in das Haus seiner Kindheit. Das Haus ist vollgeräumt mit Ramsch, den Leon eigentlich so schnell wie möglich loswerden will. Doch etwas hält ihn zurück.

Ein Haus, wie ein Museum. Die Kamera schwenkt sich langsam durch die Räume, überall gibt es etwas zu erblicken, wir begleiten den Zurückgekehrten Leon Leigh mit jedem Schritt durch seine Kindheit und mit jedem Schritt, wird uns unwohler. Ein Haus, wie ein Gruselkabinett. Wunderschön eingerichtet, doch unübersehbar creepy. Verdammt unheimlich; Engelsstatuen, aber nicht die, der kitschigen Sorte, sondern diese, bei denen man es nicht wagt zu blinzeln.

Dunkles Holz, kaum Licht, ein alter Fernseher der nicht funktioniert und merkwürdige Zeitschriften. Das einstöckige Haus ist ein Sammelsurium an Kuriositäten. Doch die anfängliche Neugierde weicht nach und nach dem beklemmenden Gefühl, dass sich in diesem Haus noch etwas versteckt. Als eine Gabel dann zu Grunde fällt, ist klar: selbst wenn noch nichts hier war, nun kommt es.

Es ist schwer zu fassen. Die kürzlich dahin geschiedene? Immerhin legt sich ihre Stimme sanft und Angst einflößend über die Bilder. Ein Dämon? Überhaupt weist alles darauf hin, dass eine dunkle Präsenz diesen Ort heimsucht. Ein Engel? Oder haben die sich bereits abgewendet und blicken schon lange nicht mehr schützend herab. Doch es kommt. Leon spürt es. Und wir spüren es, auch wenn wir es lange nicht sehen.

Rund um Rosalind Leigh spinnen sich Geschichten, die wir erst nach und nach wirklich fassen können, die uns der Film leise zu Gemüte führt ohne dabei zu aufdringlich zu wirken. Vieles bleibt offen oder den Gedanken überlassen, die Beziehung zwischen Leon und seiner Mutter wird nie aus einer Totalen präsentiert, sondern muss wie ein Puzzle selbst zusammengeführt werden. Ein Puzzle, bei dem eventuell ein paar Teile fehlen.

Und dann zieht sich die Schlinge zu. Der Bann, in den uns der Film von Anfang an genommen hat, wird jetzt verflucht, die Geschehnisse immer präziser und die Bedrohung immer stärker. Gudiño haut aber noch lange nicht so auf den Putz wie ein James Wan zum Beispiel, sondern lässt sich viel Zeit, die Angst auf zu bauen. Und wie sie das tut.

Leider verliert der Film etwas an Grauen, sobald die Bedrohung im ganzen Ausmaß gezeigt wird; manchmal ist es viel schlimmer, sich den ganzen Spuk doch nur auszumalen. Das Wesen, die Präsenz, der Engel und der Dämon von dem Leon heimgesucht wird, wirkt am besten, wenn er sich hinter verschlossenen Türen versteckt. Hier zeigt uns Roberto Gudiño Szenen, die ich so noch nie gesehen habe.

Und auch wenn sich THE LAST WILL AND TESTAMENT OF ROSALIND LEIGH gegen Ende hin etwas zu viel vornimmt – der letzte Akt passt perfekt und fügt sich wundervoll zusammen. Er ist nicht all zu laut (aber das würde zu diesem Film auch nicht passen) und schließt beinahe sanft die Türen seiner Geschichte (die sich endlich mal abseits des typischen Geister-Erlösungs-Krams abspielt). Und während der typische Horrorfilm immer noch eins draufhauen muss, flüstert dieser einem noch einen letzten Gruß ins Ohr, der mir eine Gänsehaut verpasste, an die ich noch lange zurückdenken werde.

Roberto Gudiño ist ein unheimlicher Film über Trauer, Verlust und Schuld gelungen und THE LAST TESTAMENT AND WILL ist wahrscheinlich das Paradebeispiel für „subtilen“ Horror. Der Film strahlt eine omnipräsente Bedrohung aus, die sich nicht an Schockeffekten und Plottwists orientiert, sondern seine wortkarge Figur in einem Gruselkabinett herumirren lässt, bis dieser langsam von Angst zerfressen wird. Und mit ihm, auch wir.

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