Rhododendron Null/Vier: Antörnende Selbstmordgeschichten

„Das ist irgendwie süß“, höre ich René im Vorzimmer. Ihre Stimme verdrängt eine bekannte Melodie, doch ich –
„Wie ist das süß? Das ist nicht süß!“ David scheint sich wieder mal gegen alles zu wehren. So ein Idiot.
„Ach komm, nicht jeder hat den Schlüssel seines besten Freundes.“
„Wie du siehst, ist es notwendig. Ich würde den Schlüssel nicht haben, wäre ich nicht schon oft – wo ist er überhaupt? Hey! Jemand zu Hause?!“
Sie rufen abwechselnd meinen Namen, René kichert, David kichert zurück: „Was?“
„Vielleicht ist er nicht da? Ist das dann so wie Einbruch?“ Ihre Stimmen nähern sich. Ich blicke stumpf die Seitenwände der Duschkabine hoch. Jegliche Motivation mich zu erheben, wird durch die Schwere der Wassers auf meinem Leib zu nichte gemacht.
„Ich habe einen Schlüssel, wie soll es dann Einbruch sein?“
„Naja, ich fühl‘ mich irgendwie … uneingeladen.“ Sogar aus dem Badezimmer, mit einem nicht enden wollenden Kater, einer gefährlichen Romantik zum Suizid und einer im Nimbus steckenden Melodie, die ich nicht zuordnen kann und die mich deswegen langsam wahnsinnig werden lässt (und lassen Sie mich noch ein weiteres Mal erwähnen, dass ich in voller Kleidung unter einer laufenden Dusche sitze, dessen Wasser aufgehört hat zu dampfen, sofern Ihnen dieses Detail reicht), kann ich die Pause in Renés Satz richtig zuordnen, ihre Wortwahl. David kann das auch, David, der Meister der Dekonstruktion. Ich warte auf seine Reaktion.
„Ich hab‘ ja den Schlüssel.“ René und ich schütteln leise den Kopf. So ein Idiot.
„René, führ dich nicht so auf, du bist hier genau so willkommen wie dein Freund without benefits, also bitte…“, stöhne ich.
„Hey, er ist im Badezimmer!“ Gratulation, denke ich mir.
David stößt die Tür auf, denn immer wenn er Badezimmer und mich in Gedanken verbindet, malt er sich die schrecklichsten Dinge aus.
„Fuck!“ Er stürzt augenblicklich in meine Richtung und zerrt mich aus der Dusche. René steht nur mit offenen Mund da und beobachtet die Szene. Ich kann erkennen, dass sie mehr als nur überrascht ist (Wörter die mir dazu einfallen sind: „schockiert“ doch das wäre zu viel, „peinlich berührt“ doch das wäre zu wenig, also bleibe ich schlicht bei „mehr als nur überrascht“ und ärgere mich, dass ich heute einfach nicht drauf habe).
David wirft René einen hektischen und auffordernden Blick zu. Als diese sich nicht rührt, schreit er sie beinahe an: „Handtuch! Schnell!“ Ich bin erstaunt, so rüde und ehrlich ist er zu ihr selten. René reagiert sofort, sie weiß glaub ich nicht, welche Schlüsse sie aus der ganzen Situation ziehen soll: ich, ein Häufchen Elend, wie sie mich nie hätte sehen sollen und David, der sie anfährt, als wäre sie kein besonderes Wesen. Ich verdrehe die Augen. David sieht das und presst die Lippen aufeinander.
„What the fuck? Was ist los?“
Halt die Klappe, René, denke ich doch ich bemerke Davids ängstlichen und wütenden Blick und ich stelle fest, dass ich es ihnen erklären muss.
„Nichts, es ist. Nichts.“ Gut gemacht, beste Erklärung der Welt, die hat bis jetzt jeden von weiteren Fragen abgehalten.
David hat mir mittlerweile aufgeholfen und mich auf die Toilette gesetzt, so dass die Nässe meiner Jeans in die Klomuschel tropft. Wie einem Kind wird mir der Kopf gerubbelt und es bereit mir und meinem Kater höllische Schmerzen. Ich bemerke, wie das Gefühl in meinen Gliedmaßen wieder kommt und das erste was ich in den Fingern und den Zähen spüre ist Schmerz. Yay.
„So, okay. Den Rest machst du selbst, ich werd‘ dir noch ein paar Klamotten raussuchen, aber du machst dich jetzt trocken, föhnst dich und dann -“ Ein tiefsitzender Seufzer fällt über seine Lippen. Er beißt kurz drauf und dann verlässt er das Bad. René, reicht mir noch ein weiteres Handtuch, spricht zaghaft meinen Namen und fragt höflich ob ich noch etwas brauche.
„Jup. Einen Gin Tonic. Und bitte“, ich sehe sie viel zu böse an, „sag meinen Namen nicht.“

David hat das hässlichste T-Shirt rausgesucht, dass er gefunden hat. Es war ein Geschenk, behaupte ich. Zwei weiße Tiger, die es sich zwischen Bambusstäben gemütlich gemacht haben. The whitest trash. Unten rum geht’s mir auch nicht besser. Eine Jogginghose aus den Tagen, an denen ich noch Jogginghosen getragen habe. Wieso habe ich diesen Scheiß überhaupt noch? Ich trinke Kaffee, David wischt das Erbrochene im Esszimmer sauber und René sitzt mir in der Küche still gegenüber. Ich frage mich, wann sie mit dem Gin Tonic anfängt. Ich mache Konversation, bis David kommt, Belanglosigkeiten, Phrasen, die ehrliches Interesse bedeuten, doch heute schafft es sogar René diese zu durchschauen. Sie hilft mir aber auch nicht wirklich, mit ihren einsilbigen Antworten und „hms“. Als mir nichts mehr einfällt, sage ich noch, dass sie heute besonders hübsch aussieht (ich meine es auch) und der Satz löst irgendetwas in ihr aus – wäre es falsche Bescheidenheit, hätte ich es so genannt, doch das ist es nicht – und sie sieht sich nach David um, steht auf holt sich auch einen Kaffee und ich blicke erschrocken auf meine Tasse. Der Arsch hat mir doch tatsächlich die mit dem abgebrochenen Schenkel gegeben.

Ich höre David fluchen (also doch wieder) und die Klospülung betätigen, dann kommt er, mit leicht tränenden Augen in das Gesicht. Er sieht traurig aus und offensichtlich hat er selbst den Würgereiz unterdrücken müssen. Er setzt sich erschöpft neben René, bemerkt, dass ihm niemand Kaffee eingegossen hat, erhebt sich und sucht nach einer Tasse: Amsterdam steht in der Spüle, Klaras-Tasse hat René (wenn die das wüsste, Klara meine ich) und ich sitze hier, mit der Hodentasse, die für David bestimmt war. Ich funkle ihn böse an, doch er sieht es nicht und nimmt sich eine x-beliebige aus dem Schrank: die blaue, die ich vom Weihnachtsmarkt mitgehen hab lassen. Ich muss etwas zurück rutschen, die Tasse löst etwas in mir aus und mir wird kurz schlecht, doch als David dann den Kaffee eingießt und seine Lippen heranführt geht es mir besser. Wir sitzen eine Weile ruhig da, in einer Stille, die den beiden unerträglich vorkommen muss und ich gerade aus diesem Grund besonders genieße.
„Let’s make out!“, rufe ich dann und zeige mit einem Finger auf meine Gäste. Sie sind höchst verstört und irritiert.
„Von“, ich schnipse mit den Fingern, „Does it! Ja, is‘ ne tolle Nummer.“
„Was?“ David, come on, das kannst du besser.
„Musik“, sage ich so herablassend, wie man ein Wort herablassend aussprechen kann.
„Was?!“ Oh, David meint das ernst: „Sag einmal“, er sucht nach Wörtern, die mich nicht all zu sehr beleidigen, „du arrogantes Arschloch.“ Perfekt. Ich seufze und lehne mich zurück. Ein Schluck aus der Hodentasse. Und kurz hatte ich die Hoffnung, dass David die Sache auf sich beruhen lässt.
„Verrätst du uns bitte, was das gerade war?“
Ich mache eine kindische Fratze, die meine Motivation zum Ausdruck bringt. Und dann macht David etwas, dass ich nie von ihm erwartet hätte.

„What the- ?“ René ist aufgesprungen und sie weiß nicht, zu wem sie von uns als erstes laufen soll um – ja um was eigentlich, René? Beistand zu leisten?
„Alter? Bist du deppert?“ Ich halte mir meine Wange. „Wieso hast du das gemacht?“
David atmet ruhig, setzt sich wieder hin und genießt seinen Kaffee.
„Hey, du Arschwichser! Ich rede mit dir!“, schreie ich dann, als der erste Schock überstanden ist. Meine Wange brennt noch etwas leicht, doch der Schmerz ist mittlerweile gewichen. Die Hodentasse ist am Boden gelandet und der restliche Kaffee – es war zum Glück nicht viel – tropft den Küchentisch hinab und bildet eine hässliche Pfütze auf dem Laminat. René weicht zurück, man sieht ihr deutlich an, dass sie sich diesen Sonntag anders vorgestellt hat. Plötzlich kehren ihre Geister wieder zurück und ihr Gesicht erfährt etwas, dass ich mit Zorn vergleichen würde: „Was war das?“
„Beruhigt euch“, sagt David, Master of the Sitaution, „ich hab meine Handfläche verwendet, das tut nicht einmal richtig weh. Erstens und zweitens“ eine stilistische Pause und ein theatralischer Schluck Kaffee, „er hat’s verdient.“
„Du Arsch-„, ich bin kurz davor ihm auch eine runter zu hauen, doch ich muss zugeben, dass ich mich nicht wirklich traue. Außerdem imponiert mir Davids Gehabe. Er unterbricht mich ohnehin.
„Ta ta ta. Vergiss nicht, dass ich noch einen Slap offen hatte.“
„Aber jetzt?“ ich bin mittlerweile gar nicht mehr wütend, doch spiele ich den Aufgebrachten. René hat sich wieder hingesetzt. Dass ich es „verdient habe“ hat ihr offensichtlich gereicht. Wären wir in einem Film, wäre sie jetzt ebenso von David begeistert – mindestens so sehr, wie ich es bin – doch ich glaube nicht, dass ihr dieser leichte Ausbruch an Gewalt gefallen hat. Diese Politik-Wissenschaftler; immer so sensibel (bis auf David, offensichtlich).
„Außerdem ist das etwas, dass wir uns besoffen ausgemacht haben, das kannst du doch nicht auf jetzt ummünzen.“
„Pass auf, wenn das Wolf hört, haut er dir auch eine rein.“
Wir müssen beide lächeln. René hat aufgegeben, zu verstehen, was zwischen dieser merkwürdigen Männerfreundschaft wirklich abgeht.
„Ich muss dir danken“, ich glaube selbst nicht, was ich sage, „aber das hat die Stimmung wirklich gelockert.“
„Gell?“ Davids Grinsen ist widerlich und liebenswert; widerlich liebenswert.
„So, da es dir offensichtlich wieder gut geht, kannst du uns ja erklären, was das vorhin war.“
„Ah, come on. Mann, ich hab schon gesagt, das war nichts -“
„René? Würdest du ihm bitte eine verpassen?“
„Ihr habt doch ’nen Knall“, grinst René und inspiziert dabei meine Wangenknochen.
„Hey, hey, hey! Jetzt mal halblang.“
„Jetzt mal halblang“, ahmt mich David mit blöder Stimme nach. Arschgeige, Mittelfinger.
„Ja, okay. Aber nein, wirklich. Was war los, oder soll ich rüberkommen und es aus dir rausprügeln.“ Ghetto-Geste, er meint es also ernst.
„Ah, nichts! Ok? Ich – mir war schlecht. Und der Kater hat mich voll erwischt, dann hab ich auf den Tisch gespieben und wollt‘ es mir abwaschen und, äh, ja, bin in der Dusche ausgerutscht.“
„Aha.“
„Jaha!“
„Und was macht der Akku im Klo?“
„Woher soll ich das wissen?“
„Naja, irgendwer wird ihn da reingeworfen haben, oder gehen Handy-Akkus von selbst aufs Klo und spülen sich dort runter?“
„Unglaublich komisch.“
„Eben.“
Es ist kurz still, René wirkt mittlerweile gelangweilt und blickt sich in der Küche um. Wenigstens einer Person, der meine Erklärung gereicht hat.
„Na gut.“ David gibt auf. Auch er ist gelangweilt. Alles ist gelangweilt.
Einer von uns sagt: „Wir ziehen damit ohnehin nur alles unnötig in die Länge. Es gibt wichtigeres zu tun.“

René baut im Wohnzimmer ihren Laptop auf, ich werde noch einmal von David gefragt, ob alles okay ist.
„Ja klar. Wirklich. Es war ein Unfall.“
„Und du bist dir sicher, dass es nicht – „, er stockt. Ich frage mich, ob ich ihn schlagen soll, um die Ausgelassenheit von vorhin wieder herbeizurufen.
Er greift sich ans Herz, nimmt tief Luft und ich weiß, dass er fragen wird, ob das ganze meinem Selbstmordversuch ähnelt: „Du bist dir sicher, dass das nichts mit… ihr…“
Ich bin verwirrt: „Was?“
„Naja, du warst ziemlich… fertig. Das letzte Mal hab ich dich so gesehen, als…“
„Ach du meinst Klara! Hat Wolf erzählt, dass es Aus ist?“
„Du hast mir eine SMS geschrieben, aber dann nicht abgehoben.“
„Ja, naja. Ist auch egal, sie hat mit mir Schluss gemacht, aber das geht schon wieder.“
„Was? Nein, sie hat nicht mit dir Schluss gemacht-“
„Streng genommen schon.“
„Anführungszeichen, du Wappler. Und außerdem rede ich nicht von Kla-„, René ruft dazwischen, ob wir jetzt endlich anfangen, sie wollte nicht den ganzen Tag hier verbringen.
„Ja, gleich“, rufe ich und mache mich auf den Weg in die Küche. It’s motherfucking Gin Tonic Time.
David bleibt bei René zurück. (Die beiden werfen sich ratlose Blicke zu, schätze ich und dann fragt René wahrscheinlich ob alles okay sei und er wischt es mit einer Handbewegung bei Seite oder meint, dass sie später darüber sprechen).
Nach ein paar Minuten komme ich mit drei Gin Tonic zurück; David verstummt mitten im Satz und René lächelt mir widerlich süß zu. Na toll, offensichtlich hat er ihr es erzählt.
„Bevor du was sagst: Ich war Anfang zwanzig, hatte kein Geld und überhaupt.“ Ich schüttle den Kopf. „Es hat nichts damit zu tun und mir geht es seit dem blendend! Das war ohnehin mehr einer dieser bitte-seht-mich-an-Selbstmordversuche“, David reisst die Augen auf und schüttelt energisch den Kopf, „und ich wollte mich nie wirklich“, ich werde immer langsamer, René sieht mich mit ihren braunen Augen an, die auf einmal wunderlich groß aussehen, „um – egal. Vergesst was ich gesagt habe.“
Ich stelle die Gin Tonics ab und schiebe jedem sein Getränk hin, achte darauf, dass David auch zu seinem Glas greift.
„Wow. That’s weird.“
„Ja, bisschen.“
„Ich wollte nicht damit anfangen, ich bin nur davon ausgegangen, dass ihr – und du kennst mich nicht, also, wollt‘ ich es etwas erklären, also du kennst mich nicht so gut, äh, deswegen. Verstehst du?“
„Oh!“, René fühlt sich nicht wirklich angesprochen, „Ja, natürlich versteh ich das. Wer wollte sich nicht schon mal umbringen?“
David klatscht die Hände ins Gesicht und dann auf den Tisch: „Egal! Kommt, wir müssen diesen Bericht jetzt editieren, ich muss ihn morgen abgeben und ihr habt mir versprochen – egal. Keine Selbstmord-Talks mehr, okay?“
„Indianerehrenwort“, sage ich und kreuze die Finger. David wirft einen USB-Stick nach mir und trifft mich auch beinahe.
Wir setzen uns so hin, dass wir alle Blick auf den Bildschirm haben, beziehungsweise: Ich setze mich so hin, dass ich guten Blick auf Renés Ausschnitt habe. Als das Programm startet ist es unangenehm ruhig und wir schlürfen an unseren Gin Tonics. David verzieht keine Miene. Ich überlege mich, ob ich ihm sagen soll, was ich mit seinem Glas gemacht habe, doch ich befürchte, René hält mich ohnehin für gestört genug und vielleicht will ich doch mal mit ihr ficken und dann wäre das sehr ungünstig für dieses Vorhaben. Ich frage mich ob René auf gestörte Typen steht und ob die Selbstmordgeschichte, mich für sie vielleicht interessant gemacht hat. Ich frage mich, ob David ihr schon gesagt hat, was er für sie empfindet, doch David ist eine Memme und nur cool, wenn ihm die Leute (abfällige Betonung) nichts bedeuten. Ich frage mich, ob sie es ohnehin weiß und mit ihm spielt. Ich frage mich, was für ein Geheimnis sie hat. Und was sie vorhin beredet haben. Und kurz, nur kurz, frage ich mich, wen David vorhin gemeint hat, wenn er nicht von Klara gesprochen hat. Ich beginne vor mich hin zu summen, eine Melodie, die mir nicht aus dem Kopf geht. René lächelt mich unvermittelt an und zeigt mit dem Finger auf mich. Ich werfe einen charmanten, fragenden Blick zurück. Sie schluckt den Gin Tonic runter und sagt: „Amanda Palmer!“
David beobachtet aus den Augenwinkel was zwischen uns beiden passiert. Ich habe keine Ahnung, wovon René spricht und offensichtlich sieht sie mir das an.
„Was du gerade gesummt hast!“
„Leeds United“, murmelt David, der sich damit abgefunden hat, dass er der einzige ist, der heut etwas arbeiten wird.
„Was? Das hab‘ ich gesummt?“
„Ja gerade eben. Mh – mhhhh – mhhhh!“ Und das soll ich erkennnen, René? Mann, bist du schlecht im Summen.
„Ach wirklich?“ Irgendetwas in meiner Brust beginnt sich zusammen zu ziehen und zu stechen. Ich werde ängstlich, ich spüre es in meiner Kehle und ich suche nach dem Grund, doch in meinem Kopf spukt nur ein Satz herum: es ist nichts, es ist nichts, es ist nichts, nichts ist. Nichts ist.
„Ja, Mann. Konzentriert ihr euch mal?“ David wirkt genervt („Ach wirklich? Wirke ich genervt? Wirklich? Was du nicht sagst!“)
„Das Lied kennst du doch, oder?“ René gibt nicht auf.
„Ja schon, aber das hab ich nicht gesungen, das hab ich… schon lange nicht mehr…“
David gibt auf: „Alter – Who needs love, when there’s law and order!“ Jetzt singt auch er. René und David stellen sich auf den Tisch, das Zimmer verdunkelt und Scheinwerfer gehen an, leuchten die beiden aus. Sie reißen sich die Kleider vom Leib und unter ihrem Alltagsgewand präsentiert sich ein burleskes Kostüm, David greift nach einem Zylinder und René nach einem Stock und Musik ertönt und die beiden singen sich die Kehle aus dem Leib  und vollführen gewagte Tanzschritte, in der freien Hand ihren Gin Tonic und es regnet Glitter und meine Nachbarn betreten die Wohnung, sie schnippen im Takt mit, manche spielen Instrumente und ich sitze in der Mitte, des ganzen Treibens starre gebannt auf Renés Brüste und mein Herz schlägt immer schneller und in meinem Bauch sticht es und meine Wunden von damals klaffen mit einem Sprung auf, Blut spritzt mir ins Gesicht und die beiden springen vom Tisch, ziehen mir das T-Shirt mit den Tigern aus, lecken abwechselnd an meinem Blut, bis ihre Gesichter vollkommen rot sind, dann stellen sie sich jeder auf eine Seite, greifen sich jeweils einen meiner Arme, legen ihre Finger in meine offenen Narben und schaben das Fleisch weg, mit jedem Takt mehr und kräftiger, bis meine Arme abreißen und ich starre in ein Nichts – Nichts ist, Nichts ist, Nichts ist – und ich höre eine Stimme, die mich zum tanzen einlädt, who needs love, sie kommt mir bekannt vor und mein Blut füllt das Zimmer, während David und René darin tanzen, sich hinknien und mich anbeten und zum großen Finale ansetzen, wieder auf den Tisch springen, David reißt René das Kostüm vom Oberkörper und sie trägt keinen BH, wie ich es vermutet habe und seine roten Hände kneten ihre Brüste , sie packt sich seinen Kopf und zwingt ihn zwischen ihre Schenkel, presst seinen Mund gegen ihr Geschlecht, sie und das Lied werden immer lauter und als sie zu den letzten Takten kommt blickt sie mir direkt in die Augen und ihre Augen sind blau, tiefblau und als versuche einzuatmen, bleibt die Luft stecken und mit einem Strahl kotze ich René Blut ins Gesicht, und sie stöhnt und labt sich und dann klappt David den Laptop zu und fragt mich: „Das Lied kennst du doch.“

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