Rhododendron Eins/Eins: Das Wichtigste ist was wir nicht sehen, was hier nicht geschrieben steht

Aus dem Inneren dröhnt der Bass laut auf, als die Tür sich öffnet und ein leicht bekleidetes Mädchen, dass viel zu jung aussieht drängt sich zwischen den Menschengruppen zu uns durch. Sie formt ihre Lippen zu einem „Hey“ doch ich kann nichts hören, Wolf sieht gelangweilt an ihr vorbei und Dr. Kill flucht lautlos in die kalte Luft, der seine einsilbige Wortwahl in kleine Nebelschwaden verwandelt. Ich frage mich ob man wirklich „Nebel“ dazu sagt, ob das Wort „Kondensation“ zu abgehoben dafür wirkt (oder überhaupt stimmt) und ob ich jemals so fluchen würde, wenn ein solch hinreißendes Mädchen mir zuwinkt. Alle möglichen Situationen laufen auf Affäre oder Inzest hinaus und ich lasse das Thema fallen und drehe mich so zu Dr. Kill, dass ich das Mädchen aus den Augenwinkeln noch sehen kann; sie streite sich mit dem Türsteher, der ihr lediglich einen Stempel auf die Handfläche drücken will.
„Kennst du die?“, ist das einzige was mir einfällt.
Wolf und Dr. Kill sehen abfällig auf mich herab, ihre Augen sprechen: „Natürlich, und außerdem: was besseres fällt dir nicht ein?“
„Willst du sie? Du kannst sie haben.“ Dr. Kill hat seinen Blick wieder an sein Handy gerichtet und fährt mit der Erstellung einer, offensichtlich sehr langen, SMS fort. Wolf schnaubt verächtlich; er hält mich ohne Zweifel für Dr. Kills Restverwerter.
„Alter…“, murmle ich.
„Wer ist das“, müht sich Wolf in Small Talk ab, ich strafe ihn ab, doch Dr. Kill ignoriert seine offensichtlichen Sprechversuche.
„Was weiß ich.“ Dr. Kill hat das Interesse an uns bereits verloren.
„Ja, solltest du aber, sie kommt auf uns zu und ich bin mir sicher, dass ich sie nicht kenne und das Davy Boy hier sie nicht kennt ist ja wohl klar.“
„Halt, die Fresse Wolf.“ Er lacht. Er liebt es, beleidigt zu werden. „Und nenn mich nicht Davy. Ich hasse das.“
„Yes, Mister.“
„Ich schätze Mister is‘ ok.“
„Mister sister“. Das wiederholt er noch ein paar mal vor sich hin, ohne mich direkt dabei anzusprechen: Wolfs Trip setzt wahrscheinlich gerade ein, doch wer weiß das bei ihm schon so genau.
Das „Hey“ wird hörbar und mit getimedter Eleganz drehe ich mich zu unseren Unbekannten hin und setze am Höhepunkt meiner vollendeten Drehung ein charmantes Lächeln auf. Ich habe diesen Moment perfektioniert, den ersten Eindruck sogar vor dem Spiegel geübt (wenn das einer meiner Begleiter wüsste): die Notwendigkeit liegt nicht nur im positiven oder extraordinären Auffallen, nein, ich habe beobachtet, dass auch die Erkennung des Gegenübers seine berechtigte Relevanz spielt. So ist es nutzlos das perfekte Lächeln bereits zuvor aufzusetzen und als sympathischer doch stets frohlockender Kasper die Szene zu betreten. Nein, das Publikum muss die Möglichkeit durchaus erwägen, dass einfach alles beschissen ist, der Blick ist gelangweilt oder im schlimmsten Fall sogar verärgert (wobei letztere Option ein geschicktes Maß an Auffassungsgabe und schauspielerischen Talent besitzt; man ist schneller eine Farce einer gesellschaftlich kompetenten Figur, als eine solche) erscheint und nur durch das Auftreten der neuen Figur, heute ein Lächeln möglich ist. So muss der erste Blickkontakt ein fragender, vielleicht auch missbilligender sein, doch in den wenigen Momenten, in denen sich die Augenpaare nicht trennen, erleuchtet das Gesicht erwartungsvoll und/oder freudig (nicht zu viel!) und die  Mundwinkel ziehen sich gelassen nach oben. Sie – in diesem Fall ist es eine sie, und seien wir uns ehrlich, in den meisten Fällen ist es eine sie – soll glauben, dass der Grund der spontanen Gemütserhellung, einzig ihr Auftauchen bewirkt hat, selbst dann wenn man sich zu ersten Mal trifft. Es puscht das Selbstbewusstsein und man fühlt sich wohl. Auf beiden Seiten.
Wie gesagt; Momentaufnahmen, Sekundenarbeit und es bringt alles nichts, wenn ihr Geist ohnehin nur einer anderen Person (Dr. Kill) gewidmet ist und deine perfekte Variation des ersten Eindrucks eine schemenhafte Nebenerscheinung im Nebel der vielen Ersten Eindrücke dieses Abends wird. Und man deswegen erst gar nicht begrüßt wird.
„Hey!“ ist jetzt ganz nah und wirft sich mit einer geschickten Bewegung an Dr. Kills Wange, einmal links und einmal rechts (und es wäre ihr einmal in die Mitte auch sehr recht gewesen, doch er hat Schwierigkeiten überhaupt von seinem Handy aufzusehen).
„Hey!“ ruft Dr. Kill in einem widerlichen parodistischen Ton, den natürlich niemand außer uns drei erkennt.
„Freut mich echt, dass ihr“, ein kurzes Winken in die Runde, Wolf reißt die Augen weit auf, „gekommen seid.“
„Ja, cool. Ich wollt eh mal wieder ins…“, Dr. Kill schaut auf und blickt sich um. Dann sieht er das Mädchen an und dann mich.
„Alter, wo sind wir?“
„Vorm FLUC, du Wappler“, sagt Wolf, bevor ich antworten kann. „Bist du drauf?“
Das Mädchen lacht, aus welchem Grund auch immer und sagt: „Naja, genauer gesagt gehen wir heute in die Wanne.“
„Aha.“ Dr. Kill ist kurz davor seine SMS fertig zu schreiben.
„Was war das vorhin“, sage ich, notwendigerweise um niemanden hier mit strafenden Schweigen zu entlohnen.
Ihr Blick folgt meiner Handbewegung, die zu Türsteher zeigt: „Ach, gar nichts! Er wollte nur meine Eintrittskarte sehen, doch ich hab‘ mir den Stempel erschwindelt und ja.“
„Hast du jetzt zahlen müssen?“
„Ha! Genau.“
Wolf meldet sich zu Wort (Dr. Kill schreibt übrigens bereits weiter und wirft nur ab und zu ein paar Blicke in unsere Richtung): „Nice!! Wie hast du das gemacht?“
Das Mädchen dreht sich nun frontal zu uns und streckt uns ihren Brustkorb entgegen, so dass wir unvermittelt auf ihren gewölbten Busen blicken. Ihr ist kalt.
„Damit.“ Sie grinst. Ich blicke schnell wieder in ihr Gesicht und verpasse die Chance für den verspäteten ersten Eindruck. Dafür, dass ich ein erwachsener Mann sein soll, rauscht mein Blut gerade ganz schön schnell durch meinen Körper. Wolfs Augen bleiben währenddessen noch etwas länger an dem biegsamen Körper haften und dann nickt er langsam. Er sieht uns an, seine Augen strahlen: „Ich bin gleich wieder da.“ Dann schlängelt er sich fort.
„Ziemlich, äh, effektiv“, ist das einzige, was mir dazu einfällt. Ich kann es nicht fassen, wie unsouverän ich diese – und eigentlich alle – Situationen meistere.
Sie nickt bestätigend und klopft sich dann auch noch ironisch auf die Schulter. Ich muss ehrlich grinsen und das einzige was mir aus Angst vor peinlicher Stille einfällt ist: „Du bist cool.“
Ihre Mimik trägt belustigte Sorge, doch sie lächelt, ich merke, sie ist ein netter Mensch und ich habe schon etwas weniger Schiss und selbst ihren darauffolgenden Satz fasse ich nicht böse auf: „Na, wenn du das sagst.“ Ich bestätige sie mit zwei Daumen hoch und sie schüttelt etwas den Kopf und ich bin froh, dass meine ernst gemeinten Gesten nicht so ernst rüber kommen.
„So“, Dr. Kill ist fertig mit tippen und widmet sich nun uns: „Wo ist Wolf?“
„Der ist abgezischt.“
Fragende Gesichter. „Ich mein‘, äh, weg… ge… gangen?“ Ich bin mir nicht sicher, was für eine Antwort sie von mir erwarten.
„Wir wissen nicht wohin?“ Sie hat wir gesagt! Ich blicke mich erfreut um, doch niemand scheint es zu interessieren.
„Typisch. Wie ist es da drinnen?“
„Warm. Im Gegensatz zu hier draußen.“
„Kann ich mir denken. Ach ja, sorry“, Dr. Kill macht eine ausholende Geste und seiner lustlosen Mimik ist ein bezauberndes Lächeln gewichen, „wo bleiben meine Manieren. Werte Herrschaften, darf ich vorstellen: das ist David.“ Ich mache einen Knicks, sie grinst, und ich finde es heute einfach toll. „Und der andere Typ, der wahrscheinlich auf der Suche nach etwas Heroin ist, nennt sich schlicht und einfach „The Wolf“ oder nur „Wolf“.“
„Ist mir eine Freude ich bin Klara“, sagt Klara und knickt ebenso vor mir ein, „und auch einen schönen Gruß an „The Wolf“!“ Sie ruft in die Menge hinein, die sie nicht beachtet.
„Und ihr kennt euch von…“
„Sie ist in meinem Seminar“, unterbricht Dr. Kill ihren Ansatz.
„Ah! Welches Semester?“ frage ich obwohl ich ihr Semester mir bereits denken kann.
„Eigentlich bin ich ja gar nicht auf der Uni eingeschrieben. Ich bin Außerordentlich.“
„Oh, cool.“
„Ja.“
„Und was machst du eigentlich. Ordentlich?“
„Kellnern?“
„Ja?“
„Ja.“
„Aha.“
„In einer Bar, voll nichts besonderes. Aber ich komm‘ aus und kann das machen, was ich will.“
Ich nicke voller Verständnis: „Ja, voll.“ Ich nicke weiter und wünschte, ich hätte jetzt ein Getränk oder eine Zigarette in der Hand, dass ich die Pausen mit einer lässigen Geste ausfüllen könnte.
„Ja, wie gesagt: es ist drinnen wärmer als hier und mir ist scheißkalt also, ja.“
Dr. Kill nickt kurz, er fummelt bereits wieder an seiner Mantelinnentasche in der sein Handy steckt.
„Cool.“, mein Lieblingswort heute, offensichtlich, „Hat mich gefreut!“
„Ja“ und sie verabschiedet sich mit einem Winken, ich blicke ihr nach, wie sie sich durch die Menschengruppen durchzwängt, am Türsteher vorbei, der seine volle, grantige Aufmerksamkeit einem sich räkelnden Wolf schenkt. Wolf ist bei weitem nicht so biegsam wie Klara.
„Die war nett.“
„Hm.“ Dr. Kill tippt.
Ich seufze in Gedanken und da nach mehreren stillen Sekunden noch immer nichts aus seiner Richtung kommt, dass ich als freundschaftliches Beisammensein (miss-)interpretieren kann, beschließe ich es ihm gleich zu tun und hole mein Smartphone hervor.

ne, werd heut den abend auf der couch verbringen.
vielleicht das nächste mal!

Ich weiß, dass diese Nachricht keiner Antwort bedarf, doch in mir regt sich das Bedürfnis, mich bei René zu melden. Und sei es um des Melden willen und dass sie für den kurzen Moment, in dem sie meine Nachricht ließt an mich denkt. Doch das leere Nachrichtenfeld verhöhnt mich mit seiner offensichtlichen Nutzlosigkeit. „Wie wärs mit „cool“?“, scheint es zu sagen. Ich wippe nervös mit den Füßen und nach einigen Sekunden tippe ich endlich.

cool. ja, versteh ich.
was machst du morgen?
stehen hier eh noch an, es ist viel zu kalt! brr.
magst du nächste woche auf ein bier/einen kaffee/mit mir essen, nen punsch gehn?
ich wäre jetzt unglaublich gern bei dir auf dieser couch und würde mit dir unglaublich gerne filmschaun, neben dir sitzend und dann einfach nach hause gehen, glücklich, weil dieser abend im gegensatz zu allen anderen abenden wenigstens etwas gebracht hat und ich mich zur abwechslung mal wohl gefühlt habe und ich überhaupt gerne in deiner nähe bin, weil du mich besser machst. ah fuck fuck fuck fuck
oder ein bier, wenn du punsch nicht magst 😉
lg, David

Ich sende. Mir ist übel und am liebsten würde ich heulen. Ich schließe die Augen und spüre eine Träne hinter meinen Augenlidern verschwinden. Meine Hand erstarrt vor Kälte und ich kann meinen Atem spüren. Kondensation.
Etwas löst sich aus meinen Fingern. Erschrocken öffne ich die Augen und sehe Wolf mit meinem Handy in der Hand.
„Dude! Duuuuuude!“ Er hat sich eindeutig mit dem Trip verschätzt: wir stehen in der Schlange und er ist voll drauf.
„Gib her!“ Ich entreiße ihm zornig mein Handy und kontrolliere, ob er keinen Blödsinn gemacht hat.
„Emoticons sind gay.“ Wolf grinst mich an. Irrsinn flackert.
„Du bist gay.“
„Homophob!“ schreit er und zeigt mit dem Finger auf mich; er erinnert etwas an Donald Sutherland. Die Leute (abfällige Betonung) vor uns drehen sich um.
„Halt dein Maul, Wolf. Ich hab‘ keine Lust, dass ich wegen dir wieder angestänkert werde.“
„Wer war die Kleine von vorhin?“
„Klara, sie ist in seinem Kurs.“ Ich zeige auf den mittlerweile vollkommen abgedrifteten Dr. Kill.
„Erstsemester?“
„Außerordentlich.“
„Ahhhhhhhhhhhhh – „, ich verkürze es, doch Wolfs „Ah“ ging noch etwas länger weiter.
„Eigentlich Barkeeperin, aber-„, Wolf unterbricht mich mit einer rüden Handbewegung. Er schlängelt sich hinter Dr. Kill und „flüstert“ ihm theatralisch ins Ohr.
„Findest du nicht auch, das Smileys voll gay sind?“
„Wer benutzt denn bitte Smileys?“
„This guy!“ Wolf zeigt erneut auf mich, seine Augen weit aufgerissen. Jetzt macht er sogar Schlangengeräusche.
Dr. Kill unterbricht seinen SMS-Marathon für eine wichtige Durchsage: „David. Man benutzt keine Smileys. Das ist total“, er wedelt mit seinen Händen umher und sucht nach dem passenden Wort, Wolf zischt „Gay! Gay! Gay!“ vor sich hin, Dr. Kill wischt ihn weg: „Infantil. Bist du 12?“
Beide sehen mich direkt an und machen einen auf zwölf.
„Hier, seht mich an, ich bin Davy und ich bin ein zwölfjähriges Mädchen-“
„Jetzt bin also ein Mädchen?“, unterbreche ich Wolf.
„Es nützt unseren Zweck“, sagt Dr. Kill und tippt übertrieben in ein imaginäres Handy und hüpft dabei ausgelassen von einem Fuß auf den anderen. Ich muss etwas grinsen, doch will es mir nicht anmerken lassen.
Wolf setzt währenddessen fort: „Und ich mag Pokémon und Hello Kitty…“
„Mädchen mögen Pokémon nicht.“
„Da muss ich David recht geben.“
„Außerdem hast du ein Hello-Kitty-Portemonnaie!“ Ich zeige beschuldigend auf Wolf.
„Ironisch“, sagt Dr. Kill.
„Einen Scheiß ironisch.“ Wolf greift in eine der vielen Taschen seiner Cargohose. „Da, proud to be a kitty, bitches!“
„Das ist kein… es gibt keine Subkultur die sich die „kitties“ nennen.“ Ich blicke zögerlich zu Dr. Kill: „Oder?“
„Alles gibt’s. Ich habe heute erfahren, dass ein erwachsener Mann noch immer Smileys in seinen SMS benutzt.“
„Außerdem darf ich Hello-Kitty Sachen besitzen, ich bin keine zwölf.“ Wolfs Argument versetzt uns beide in eine kurze Sprachlosigkeit.
„What?“
„Vergiss es, er tript“, sage ich.
„Ah, da fällt mir ein!“ Wolf öffnet die Hello-Kitty-Tasche und nimmt ein durchsichtiges Baggy mit einem grauen Pulver heraus.
„What the – ? Wolf, was ist das? Alter, nicht so offensichtlich!“ Dr. Kill sieht sich besorgt – und unglaublich verdächtig – um.
Ich bin von Wolfs Dreistigkeit kaum noch überrascht und frage ihn resigniert: „Was ist das?“
„MDNA.“ Wolf befeuchtet seine Fingerspitze und fährt in das Baggy. Genüsslich lutscht er an seinem Mittelfinger. „Auch mal?“
Ich sehe ihn angewidert an: „Ich dachte du bist bereits auf Acid.“
Dr. Kill schnaubt und stellt sich demonstrativ ein paar Schritte von uns weg.
Wolf sieht verächtlich in seine Richtung und dreht sich dann wieder zu mir: „Was? Nein, bist du deppert? Ich stell mich doch nicht auf Acid irgendwo an. Viel zu anstrengend.“
Ich verarbeite „Snakewolf“ als vollkommen natürliches Verhaltensmuster: „Nein, danke. Ich. Nein.“ Mein Blick bleibt dennoch an Wolfs glänzenden Finger hängen.
„Bitch, ich weiß was.“ Wolf taucht noch einmal hinein und schmiert sich eine Schicht des Pulvers auf seine Lippen und die Zungenspitze.
Ich reagiere zu spät. Es schmeckt bitter und mit einem schmatzenden Geräusch verabschiedet sich Wolf wieder aus meinem Gesicht.
„Du Wichser!“ Ich wische mir entrüstet die Lippen sauber; meine Zunge kitzelt von der Berührung seiner noch etwas nach. Der bittere Geschmack breitet sich aus.
„Uäh.“ Ich bekomme eine Gänsehaut und mit meine Augen weiten sich zornig als ich Wolf beinahe eine verpasse.
„Schau, deswegen gebe ich dir dieses Zeug. Du hast sooooolche Aggresionsprobleme. Und ja, es schmeckt widerlich. Sei keine Pussy und nimm es wie ein (starke Pause) Mann! Ein Mann, der Smileys in seinen SMS benutzt. (Dr. Kill nickt bejahend in unsere Richtung.) Hier, nimm.“ Wolf kramt seinen Flachmann (den mit der Gravur und dem Hirschemblem) aus einer anderen Tasche seiner Cargohose hervor und wirft ihn mir zu.
„Zirbengeist.“
„Du hast also das ekelhafteste Gesöff gesucht, nur um es in einen Club mit zu schmuggeln und deine Drogen damit runter zuspülen.“ Ich nehme eine kräftigen Schluck. Vom Regen in die Traufe. Und weiter zu Dr. Kill der achselzuckend den Flachmann ansetzt.
Wolf, als er den Flachmann wieder in seiner Hose verschwinden lässt: „You know how I roll.“
„Wie ein Psychopath.“ Meine Zunge fühlt sich taub an. Meine Hände schwitzen und ich beginne mir rasch Sorgen zu machen.
„Ach was.“ Wolf zieht die Nase hoch. „I am Britney, bitch.“
Etwas krabbelt meine Finger hinauf.
Dr. Kill hat das Tippen wieder aufgenommen. Wolf läuft erneut zum Türsteher und probiert seine Verführungskünste. Nicht mehr lang, und er zieht sich sein Shirt aus. Mir ist kalt. Die Tür öffnet sich und der Bass  umfängt mich für einen kurzen Augenblick. Ich schließe die Augen. Ein Leuchten. Wir rücken vor, nur noch wenige Personen befinden sich vor uns. Ich suche nervös nach meiner Eintrittskarte, ich spüre den Schweiß kalt zwischen meinen Fingern und Blicke durchbohren meinen Nacken. Die Straßenlampen schwenken auf mich und es wird ruhig, die Welt wird Zeitlupe und ein Kreis bildet sich um mich, Dr. Kill dreht sich langsam zu mich um, er blutet aus seinem Ärmeln. Ich murmle etwas vor mich hin, doch mein Text fällt mir nicht ein. Wolf tritt an mich heran, er sieht rießig aus und legt die Hand auf meine Schulter. Er nickt und ich atme tief ein, er bückt sich zu mir herunter und flüstert mir etwas ins Ohr. Meine Augen leuchten, ein Stein fällt mir vom Herzen, ich atme aus und spreche: „Natürlich, bin ich das. Ich war es die ganze Zeit.“ Der Lärm überschwemmt die Szene, der Bass öffnet sich und umfängt uns, der Türsteher nickt uns zu und stempelt uns ab, die Menschenmenge wendet sich ab und beginnt wieder miteinander zu interagieren, SMSen, rufen und fluchen. Die Welt nimmt ihren normalen Lauf und ich, ja ich bin mittendrin und höre Wolfs Stimme: du bist voll drauf.

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