Rhododendron Eins/Zwei: Das höchste aller Gefühle (ist nicht die Liebe)

Die Lichter schlagen um mich herum, schneller als ich es wollte, der Club erscheint mir länger als ich es in Erinnerung habe und ehe ich mich versehe; habe ich Wolf und Dr. Kill aus den Augen verloren, die sich unter die bunten Menschen gemischt haben, die zwischen zackenden Blitzen mich angrinsen und ich möchte sie suchen und finden und festhalten doch ich werde mitgerissen aus einem Strom von Fremden und dann erblicke ich Klara und rufe ihr etwas zu, doch sie sieht mich nicht, oder sie sieht durch mich hindurch ich drehe mich um, ich greife nach meinem Handy, es fällt mir aus der Hand und ich suche es unter Stiefeln, wähle und höre nur weißes Rauschen, tippe, doch meine Finger fühle sich taub an, eine Tür geht auf und noch mehr Menschen werfen sich mir entgegen, denn die Band hat begonnen zu spielen, der Lärm wirbelt durch die Luft und ich greife nach Orientierung, und ein Getränk wird mir in die Hand gedrückt, ich rufe Warte! doch alles ist verschwommen, alles ist erleuchtet, alles ist verdammt und vor mir stampfen die Leute (abfällige Betonung) im Gleichschritt auf, springen und zerren sich wieder hoch, als sie unsanft am Boden aufkommen, ich stolpere, doch man fängt mich auf und endlich habe ich die Bühne gefunden, der Zirbengeist brennt in meiner Kehle und ich nehme einen Schluck aus dem Plastikbecher und ich kann nicht erkennen ob es Bier, Wasser oder sonst etwas ist, alles schmeckt verzaubert, vor mir tanzt sie und ich will dass sie sich umdreht doch jedes Mal wenn ich mich zu ihr bewege, verschwimmt ihr Gesicht in eine andere Richtung und ich rufe ihr zu, sie solle mich doch endlich ansehen, bis ein Stoß mich nach hinten drückt mir das Getränk aus den Händen fliegt und ich von einer Wall of Sound erdrückt werde, die sich nicht lösen will, ich atme unter ihrem Gewicht immer schwerer, Finger legen sich um meinen Hals, ein Mund formt sich vor meinen Augen und mir wird Rauch in die Lungen gepresst ich erlebe das nächste Hochgefühl doch ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr und ich will nicht mehr und es hört nicht auf, sich zu drehen, ich will abspringen, suche verzweifelt nach Dr. Kill oder Wolf und das Stroboskop sticht mir meine Augen aus, der Leadsänger hat seine Hände vom Mikrophon gelöst und betet in die Höhe, ich schreie er soll aufhören, doch als er mich erblickt, grinst er nur hämisch und aus seinen Augen strömt Rauch, fällt schwer nach unten, schlägt auf, zerbricht in abertausende Lichtdiamanten und ich drehe mich ängstlich um, sehe ein grünes Licht, laufe zum Ausgang, stolpere diesmal wirklich, meine Hände fliegen zu Boden, ein Fuß steigt auf meine Finger, Wolf steht vor mir und gibt mir ein Getränk, ich sehe ihn entgeistert an, denn auch aus seinen Augen fließt Rauch, Wasserfälle stürzen, und ich stoße ihn weg, er lacht und lacht und ich bewege mich, immer langsamer zum grünen Licht, bis mich die nächste Böe erwischt und ich umhergeworfen werde, die Bühne, Wolf, Exit, Bühne, Rauch, grün, Klara die an Dr. Kills Mund klebt, Dr. Kill der ihr die Lippen aufbeißt, Bühne, Rauch, Splitter und Exit, Exit ein Schritt noch, Exit, Klaras verzerrtes Gesicht und ich weißt nicht ob sie lacht oder weint, sie winkt mir zu oder nach Hilfe, Blut rinnt ihr über ihren offenen Mund hinab und ihre Zunge hängt lose aus einem Loch, Dr. Kill spuckt etwas aus, ich muss hier weg, denke ich, das grüne Licht verschwindet hinter Nebelschwaden, Kondensation, ich muss ihr helfen, ich muss hier weg und Wolf fragt mich etwas, gibt mir ein Getränk und ich spüre meine feuchten Wangen, ich spüre ihre Blicke und ich spüre den Lärm wie er sich immer fester in mich verbeißt und endlich, endlich schließe ich die Augen, ein Leuchten, ich lasse mich zurück fallen und lehne plötzlich in einem Sessel, ein aggressiver Vers rauscht in meinen Ohren, I take my water with salt and take my poison with coke, und lässt mich nicht los, vor mir ein Bier, zwei Bier, Klara rutscht fest zu mir, Wolf mir Gegenüber und ich bin gefangen in einer Tischkapsel, die in den Weltraum katapultiert wird und ich sehe wie das grüne Licht erlischt und Klara nimmt das Bier, gibt mir eine Tablette, Wasser läuft mir hinab, überall hinab und Wolfs Fratze ist meinem Gesicht sehr nah, ich spüre seinen Atem, Kondensation, ich spüre Finger um meinen Nacken, ein Flüstern an meinem Ohr, eine Lippe, eine Zunge, ich drehe mich zur Seite und ein Gesicht entfernt sich, es ist René, sie sieht mich an, sieht mich endlich an und plötzlich ist alles ruhig, alles ist still und alles bleibt stehen, bis auf ihre Bewegung, die sich durch die Haare streicht und sie sagt, alles wird gut, alles wird gut, till these screams leave this place that you’re dying to hate, und alles wird auf einmal gut und ich werde müde und ich schließe die Augen und als ich erwache sitze ich in einem Taxi und ein leicht bekleidetes Mädchen neben mir, sie sieht aus dem Fenster und beobachtet mit ruhigen Blick den Regen, wie er an der Scheibe kleben bleibt und als ich laut aufatme dreht sie sich um und lächelt und murmelt etwas, ich frage nach Wasser, sie reicht mir eine Flasche und mit dem letzten Schluck wird die Welt endlich wieder ruhig und ich werde ruhig, sie legt mir ihre kalten Finger auf die Stirn und dann auf die Schulter und wir bleiben stehen und wir fahren mit dem Lift und ich muss mich an ihr festhalten und sie öffnet eine Tür, legt mich hin, deckt mich zu und bevor sie das Licht löscht umarmt sie mich, kniet sich vor mir hin und sagt: „Du hast echt beschissene Freunde.“

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