Rhododendron Unter Null/Intro: Writer is a dick and the story is hell (oder: Endlich der Held, zu dem Sie wichsen können)

Sie müssen eines zwei Dinge wissen, wenn sie weiter lesen wollen (und Sie müssen weiter lesen, nur so kommen wir irgendwie raus aus dem Ganzen): 1. Ich wollte dieses Kapitel hier eigentlich „Ein Leben zwischen den Zeilen“ nennen, doch, seien wir uns ehrlich, das klingt total artsy-fartsy, nicht? Außerdem ist es wahrscheinlich (noch) zu symbolträchtig und zudem; ich lasse mir sicher keine Gelegenheit nehmen, Writer als einen Schwanz zu bezeichnen und dann auch noch all caps. 2. Der Autor dieser Texte – Writer – ist ein Schwanz. Ein richtiges Arschloch. Ein sadistischer, manipulativer Arsch. Ihm ist nichts heilig, nicht mehr, keine Rhetorik zu gefährlich, kein Satz verboten, keine Referenz zu obskur und kein Querverweis zu abgedroschen um Sie auf seine Seite zu ziehen. Er ist verloren und selbstverliebt und ja, dass sind sie wahrscheinlich alle, doch die meisten haben einen Grund dafür, doch dieser hier hat nur seine Albträume und seine kalten Augen, die durch alles hindurch sehen. Er konsumiert alles, was er erweckt und jeder Gedanke kann einen Sturm auslösen – das muss ich ihm lassen. Aber gerade deswegen müssen Sie gut aufpassen und mir zuhören, denn dieser Sturm kann gebremst werden, wenn wir nur dagegen bauen.

Mein Name ist Wolf. The Wolf. Ausgesprochen wie das englische Wort. Benannt nach dem Pulp Fiction Charakter und sexy as hell, baby. Ich weiß, dass Sie mich kennen, Sie träumen wahrscheinlich jede Nacht von mir. Ich bin Ihr harter Sex, den sie sich nicht ausmalen trauen und wenn er dann doch durch ihre dunklen Augen blitzt, dann schämen Sie sich, aber das ist okay, das tun sie alle. Legen Sie schon mal Hand an, machen Sie sich feucht oder hart, ganz nach Ihrer Façon, ich mach hier noch schnell fertig und erklär den Shit und dann können wir loslegen. Aber machen Sie nicht zu schnell, das könnte etwas dauern. Meine Aufgabe ist es, für Ordnung zu sorgen, Ordnung durch Chaos, ich bin das, was dieses Arschloch nicht schafft und ich bin ein Rächer im dunklen Hoodie und feinem Sakko, Cargohosen oder Jeans, wenn ich überhaupt mal Hosen trage (wegen dem ganzen Sex, wissen Sie?). Meine stärkste Waffe sind Wörter und ich kann Kung Fu. Okay, vielleicht sind meine stärksten Waffen doch meine Hände, aber ich versichere ihnen, nach denen (und nach meinem Penis) sind es Wörter. Ich lauere, in den Nächten an den Grenzen der Dächer, zwischen Gargoyles, wo auch immer die sein mögen, finsterer als Batman, in meiner Hand ein Stift und ein Feuerzeug und Zigaretten und ein Schwert und ein Joint, okay, nicht alles immer gleichzeitig in einer Hand. Ich bin hier um sie zu retten, die Unbekümmerten und Resignierten, die Paranoiden und Verfolgten, die Unschuldigen, die mit hineingezogen werden und für eine sinnlose Sache kämpfen und natürlich auch Sie. Nicht dass Sie Rettung benötigen, wobei wenn Sie schon mal soweit gekommen sind, dann sind sie eigentlich schon Teil des Ganzen. Vielleicht arbeiten Sie ja für Ihn! Nun, dieses Risiko muss ich eingehen und außerdem werde ich sie schon noch überzeugen. Ich habe da so meine Methoden. (Und als er das sagte, schleckte er sich lasziv über seine verführerischen Lippen.)

Es mag am ersten Blick verwirrend erscheinen und vielleicht auch etwas im­plau­si­bel, doch mir wird schon noch etwas einfallen um das Ganze halbwegs plotlochlos zu erklären. Vielleicht muss ich was umschreiben. Er macht das auch andauernd, das fuckt ziemlich an doch man gewöhnt sich daran, außerdem weiß ich, wie man dagegen wirken kann. Aber gut, wir wollen uns nicht mit weitern kryptischen Nachrichten aufhalten, vielleicht später, aber jetzt straight facts: David und Dr. Kill, der nicht Thomas heißt, vergessen sie das gleich wieder, er wird es später mit einem einfachen Satz aufklären, da bin ich mir sicher, so sehr kenne ich schon, aber ich schweife ab und verwende bereits seine Rhetorik, verdammt. Also, David und Dr. Kill wurden als Kind von Mr. Wright (you see, what I did here) erfunden, als dieser die wahnhafte Vorstellung hatte, den besten Roman aller Zeiten und die größte aller Geschichten zu schreiben, was natürlich nicht sein kann, denn die größte aller Geschichten ist entweder „Der Herr der Ringe“, trotz der ganzen Landschaftsbeschreibungen und der Tatsache, dass ich irgendwann in „Die zwei Türme“ aufgehört habe und gar nicht weiß, wie das Buch ausgeht, aber der Film hat echt gefetzt- oder „Termintor 2“ auch wenn dieser mit Nicolas Cage als T-1000 ungefähr T-1000 mal geiler gewesen wäre und falls sie mir jetzt damit kommen, dass T2 kein Buch ist, fuck you, you know shit! und außerdem, wer erzählt hier die facts? Ha? Okay. Also, Writer, den nur ich so nenne (aber zuviel auf einmal, dazu später, vielleicht), erfindet diese beiden Figuren, eigentlich, erfindet er drei, David, Dr. Kill und das Mädchen aus dem Baum, die Geisel, Dachboden-Sauereien, sie wissen schon. Die wird noch wichtig, da hatte David schon recht, aber trauen sie trotzdem nichts, was er Ihnen erzählt, seine Wörter sind Gift. Und Writer schreibt und schreibt, doch eines Tages wird er des Schreibens überdrüssig und er verzettelt sich in Details, langwierige Textaufgaben und als er dann ansteht, versucht er es noch einmal, tötet jeweils ein Elternteil unserer Hauptfiguren (wie originell) und dann – tja, schließt er dieses Kapitel mit den Worten:

„Das letzte Mal hatte er diese Worte aus ihrem Mund gehört und sie hatten jeden Glanz verloren, jede Hoffnung die in ihrer Stimme innewohnte war nun ein Geist, und er wünschte sich nichts anderes als, dass dieser Geist ihn heimsuchen würde, doch dann drehte er sich um und“

UND.

Abgefuckte Scheiße, dass kann ich Ihnen verraten. Dieses „und“ hat wahrscheinlich alles ausgelöst, eine Kettenreaktion aus unvollständigen Sätzen. Wahrscheinlich, vielleicht, ich kann es Ihnen nicht sagen, ich hatte noch nicht die Möglichkeit dazu Writer zu fragen. Wir sind uns nicht wieder begegnet. Doch eines kann ich Ihnen bereits sagen und The Wolf gibt das nicht oft zu, doch wenn, dann ist es ernst: Ich bin nicht wild darauf, ich habe Schiss, eine Scheißangst vor Writer, doch diese Angst treibt mich an und sie lässt mich nicht vergessen, was für ein sickes Spiel der Typ treibt. Ich weiß, ich begebe mich auf sehr gefährliches Terrain, da ich mich auf seinem Niveau bewege, doch ich habe meine Methoden, meine Tricks und vor allem: Ich habe Tipp-Ex. Sprichwörtlich, nicht wortwörtlich. Oder, Moment, umgekehrt? Ich habe wortwörtlich Tipp-Ex, also habe ich im wahrsten Sinne des Wortes einen Tipp-Ex. Okay, das wir uns verstehen: ich habe nicht wirklich Tipp-Ex, also, doch, schon, irgendwo sicher, aber nicht um Writer zu bekämpfen oder seine perfiden Pläne zu durchkreuzen (übermalen, in diesem Sinne, aber es ist schon kompliziert genug), aber ich fand, es war ein ziemlich brauchbarer One-Liner. I came here to tipp-ex and kick ass. And I am all out of Tipp-Ex! Meh. Fuck it.

Ein Leben nach dem „und“. David und Dr. Kill führte eines und es war gut, soweit es ging, nach dem ganzen Mist, der Ihnen von Writer eingebrockt wurde. Sie gingen zur Schule und sie waren, so wie er es wollte die besten Freunde, trotz aller widrigen Umstände, die ihnen von Anfang an auferlegt wurden. Unumstößliche Regeln, da niemand da war um sie umzuschreiben. Bis eines Tages Writer auf die Idee kam, seine alte Idee wieder aufzugreifen. Und dann ging es von vorne los und ein langweiliges Leben wurde, nun ja, nicht wirklich spannender, denn Writer ist nicht bekannt für seinen besonders originellen Spannungsaufbau (oder was halten Sie davon? Leave a Comment!) aber abstruser. Und beschissener. Die verdammte Mitte des Lebens, erreicht immer und immer wieder, das Moment, in dem unsere Figuren ihr bisheriges Leben in Frage stellen müssen und sich für oder wider entscheiden müssen. Doch Writer verließ die Muse bald und ließ David und Dr. Kill wieder einmal im Stich. Aber dieses Mal beendete er es.

Wir sterben alle, wenn unsere Geschichten am Ende sind. Hat irgendwer irgendwann irgendwo einmal geschrieben. Diese Person wird das schon noch wissen, also an dieser Stelle mal ein „Hello to you too, my dear. Nur dieses Mal nicht.“ Fragen Sie mich nicht wie, doch als David seinem Plot folgte und Dr. Kill, der an diesem Tag seinen ursprünglichen Namen verlor, blutend im Badezimmer auffand, spinnte sich ihr Leben weiter und weiter und weiter und Writer wurde in seinen Träumen von Ihnen heimgesucht und verfolgt. Er musste spüren, dass es noch nicht vorbei war und von da an kamen sie immer wieder und immer öfter in seinen Geschichten vor. Manche Ideen sterben nie, manche Geschichten sind nie zu Ende doch sie alle hinterlassen Wunden.

Und dann kam ich: The Wolf. David und Dr. Kill trafen mich eines Nachts beim fortgehen und ich bin mir bis heute nicht sicher ob es innerhalb einer Ihrer Geschichten geschah. Auf jeden Fall wurden wir Freunde und eines Tages wurde ich Zeuge, es kommt nicht oft vor, dass jemand Zeuge wird (good god, ich weiß ja nicht mal, ob so etwas überhaupt schon einmal vorgekommen ist!) und dann gibt es noch etwas, dass mich viel mehr beunruhigt: ich weiß bis heute nicht, ob es Absicht war.

Besser wäre es natürlich, wenn dem nicht so wäre. Aber so muss ich leider mit der Implikation leben, dass auch ich irgendwie Teil dieses Spiels bin, wie auch immer. Vielleicht bin sogar ich erfunden (auch wenn das sehr dumm wäre. Ein richtiger Bullshit-Twist). Aber deswegen bin ich ja hier und spreche nun zu Ihnen. Sie müssen eines wissen und sie dürfen es nicht vergessen: er wird alles daran setzen, sie auf seine Seite zu ziehen. Alles. Und er tut es nicht für Sie, er tut es nicht für David oder Dr. Kill, er tut es nicht für das Mädchen auf dem Baum und er tut es sicherlich nicht für mich und das Schlimmste ist, er tut es nicht einmal für sich selbst. Er tut das alles für die Leser, für eine Meute gesichtsloser Gestalten, ein Publikum, dass es nicht gibt und dass er nie zufrieden stellen kann, nicht bis es letztendlich Blut regnet. Und das wird es. Das ist der Grund, warum ich mich so direkt an Sie wende; ich glaube, nein ich weiß, dass es diesmal enden wird und wir alle wissen, das die guten Geschichten immer nur damit enden, dass der Held stirbt. Siehe „Terminator 2“. Ich kann es vielleicht nicht beenden, aber ich kann es unlesbar machen, unerzählbar. Ich werde die Mauern einreißen, die Grundgerüste dieser Geschichte, die vierte Wand zusammenstürzen lassen, immer und immer wieder und verhindern, dass er sie wieder aufbaut. Diese Zeilen sind ein Gefängnis und jedes Wort ist ein Gitter. Ich werde im Laufe dieser Geschichte zum Antagonisten werden, Writer wird es zwangsläufig als logische Maßnahme sehen, mich zu eliminieren. Doch sie dürfen nicht vergessen, was ich Ihnen heute gesagt habe.

Und. Sind Sie feucht und hart, sind Sie geil? Keine Angst, ich bin bereit, ich war die ganze Zeit bereit. I am the Wolf. Und ich habe meine Wörter und ich habe Tipp-Ex (nicht wirklich), und ich habe vielleicht den Herrn der Ringe nicht fertig gelesen, doch ich habe etwas, womit Writer nicht rechnet. Ich habe Sie, wenn alles gut geht. Und meine viertbeste Waffe: Unberechenbarkeit. Und Writer hasst unberechenbare Figuren.

Penis.

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