Rhododendron Unter Null/Zwei: Rooibos (lat.: Aspalathus linearis)

Ich male mir den Garten aus, Jahre vor meiner Zeit. Ich tauche irgendwann in den jungen letzten Jahren von David und Dr. Kill auf, doch an dem Tag des Mädchen aus dem Baum bin ich ein weit entfernter Gedanke, den man selbst vom Horizont noch nicht sehen kann. Also, egal, denke ich mir und öffne ein neues Notizbuch und schreibe das Jahr an den oberen Rand, zuerst zentriert, doch das suckt, also doch wieder rechtsbündig und ich reiße die Seite aus und beginne von vorne, mustere die Papierfransen und irgendwie regen sie mich auf. Also werfe ich das ganze Buch weg und nehme mir ein neues. David sieht mich stutzig an, doch er sagt nichts, weil ich ihm gesagt habe er soll sein Maul halten und außerdem habe ich ihm angedroht Tee in seinen Schritt zu leeren und wenn es um seinen Schritt geht, ist David sehr empfindlich.

Zwei Minuten später muss ich dann doch meinen guten Rotbusch-Tee (den ich nur wegen dem Namen trinke, if you catch my drift, of course you do) in sein Gemächt leeren, er springt hoch und schreit mich an, schreit noch ein wenig, dann läuft er irgendwo hin und ich knackse mit den Fingern und greife zur Kanne. Als er zurück kommt, sieht er mich gerade wie ich viel zu viel Tee in meine Gurgel schmeiße und denn überschüssigen Rest zurück in die Tasse spucke.
Große Gesten, wofür war das hier und ich habe einen Knall da, ich übe meinen bösen Blick ein paar mal in dem Rasierspiegel, von dem ich keine Ahnung hab‘, wem ich den geklaut habe und der vierte passt und ich verpasse David zweimal den vierten bösen Blick. Ich nenne ihn Snakewolf, auch wenn die Anderen meinen (aber was kümmern mich die Anderen; okay, sehr viel, das ist der einzige Grund warum ich überhaupt hier bin), Snakewolf sei eine andere meiner vielen Personas. Ich denke mir dass sie sich überall hin ficken sollen, wo sie Löcher in ihren Körpern haben und lege den Blick zufrieden unter S wie Snakewolf ab.

„Hörst du mir überhaupt zu?“, David steht in Boxershort vor mir und hält in seinen Händen einen Fön und seine Hose.
„Hä?“, und weil er meine Gedanken unterbrochen habe, snakewolfe ich ihn gleich noch mal.
„Sag‘ einmal. Geht’s dir gut? Oder hast du schon wieder was genommen?“
„Ritalin zur Beruhigung.“
„Ah ja.“ sagt David in der typischen geleckten Manier, die er und Dr. Kill perfektioniert haben. Ich kann dieses „Ah ja“ schon richtig gut mit reden, mein Timing sitzt so gut wie mein Penis in einer, äh. In einem? Hm. Dafür hatte ich was.
David wedelt mit den Requisiten, die ich im gegeben habe umher und ich deute seine Ungeduld als Aufforderung ihm gleich noch mal Rotbusch (hähä) in den Schritt zu leeren. Ich schiele in die Kanne, zwei Tassen zirka noch, aber vielleicht will ich später noch Rotbusch (hähä), man kann eigentlich nie genug Rotbusch (hähä) haben. Bei einem abgeschwächten Snakewolf und einem genüsslichen Schluck verschone ich David diesmal und lasse seine Ruditity passieren.
„Was hällst du von Rudity?“, frage ich gleich bei der Gelegenheit und mit dem Kugelschreiber, den ich aus der Arbeit mitgehen hab lassen, dirigiere ich David mir asap eine Antwort zu geben.
„Was? Alter…“, er schließt die Augen, aggressiver Zuckerpop dröhnt aus der Nebenwohnung. Ich nicke bejahend mit: vielleicht ruf‘ ich sie ja wirklich später an.
„Wolf. Bitte. Wo kann ich das aufhängen und nochmal: hast du eine Hose?“
„Ja, gleich. Ich finde Ruditity ist ein toller Titel für mein Album.“
David lässt seinen Kopf hängen und als er endlich begreift, dass er mir antworten muss, setzt er endlich an: „Ich dachte, das nennst du Wolfs Pussy.“
Wolf Pussy ist mein Gedichtband, du Wappler. Keep track.“
„Okay, Gedichte. Wolfs Pussy.“
„Wolf Pussy. Nicht Wolfs.“
„Ist notiert. Und was soll Ruditity bitte bedeuten?“
„Das ist der Nominativ von rude.“
„Ich glaube der Nominativ von rude ist rudeness.“
„Ich glaube, dass du shit glaubst.“
„Schau doch einfach im Internet nach. Wieso führen wir diese Diskussion überhaupt.“
„Du führst Diskussionen, Davy Boy“, dabei verzieht er das Gesicht, ah, er hasst das, „ich gewinne Gespräche.“ Irgendwo hier muss noch eine Pfeife herum legen, die ich mir anzünden will um meine Überlegenheit dementsprechend zur Schau zu stellen. Ein kurze visueller Abstrich über den Tisch bestätigt meine Theorie, dass ich die Pfeife suchen müsste und auf das hab ich jetzt keine Lust, außerdem checkt David auch so, dass ich überlegen bin. Ach ja, dieser schüttelt gerade den Kopf, mal wieder und als er mich dann ansieht, öffnen wir beide den Mund und sagen dieses selbstgefällige „Ah ja.“
Dass ich ihn kenne, seine Wesenszüge – die Typographie seines Charakters, damn, bin ich gut – bringt ihn natürlich kurz aus der Fassung und er zieht den Kopf etwas ein, blickt umher, als ob ihn jemand beobachten würde (was irgendwie ja auch der Fall ist, oder was meinen Sie dazu, liebe Leser und Leserinnen? Beobachten wir David für eine Weile, so dass seine Paranoia für heute mal gerechtfertigt ist? Ja. Gut.)
„Tee?“, frage ich ihn höflich und er fasst es als Beleidigung auf, weil er ’ne abgefuckte kleine Pussy ist, die immer gleich ein schnappt, wenn man ihn Davy nennt, seine Hoden bekleckert (jup, genau das, was Sie denken) oder mit seinen Freunden fickt.Kurz sinniere ich über mein Wesen, welches deutlich dem Typus enstpricht, den Nietzsche als Übermenschen skizziert hat und ich frage mich, ob ich mir auch so einen coolen Bart wie Nietzsche wachsen lassen soll und ob ich dann herum erzählen könnte, dass mir der Bart die Fähigkeit verleiht, mit Pferden zu reden. Doch dann verschiebe ich diese Nebengedanken eine Ebene nach hinten um mich dem eigentlichen Problemen zu widmen.
„Nein danke“, sagt David, immer noch angepisst – no pun intented. Na gut, pun a little bit intented.
„Rotbusch?“, sage ich und grinse.
„Nein? Tomaten auf den Ohren?“
„Nein, wieso sollte ich?“
„Das ist ’ne – ach vergiss es. Wolf. Kannst du mir – “ und dann zuckt seine Hand mit der Hose herum und ich nicke Richtung Tür, auf das hätte er auch selbst kommen können. David trottet zur Tür und hängt seine Hose schlampig drüber. So wird die nie trocken, so stupide.
„Hast du vielleicht was?“ Er zeigt auf seine Boxershort hinab.
„Wieviel hat die gekostet?“, frage ich ehrlich interessiert.
„Keine Ahnung, die hab‘ ich von Dr. Kill.“
„Ihr schenkt euch gegenseitig Unterwäsche? Woah, da kann ich nicht mithalten.“
„Was? Nein. Die hab ich mal bei ihm angezogen , weil -“
Mir fallen unglaublich viele Möglichkeiten ein, David jetzt zu flamen, aber ich lasse es passieren, aus verschiedenen Gründen. Erstens: es ist zu einfach. Zweitens: es ist etwas homophob und ich bin doch nicht David. Drittens: er kommt schon noch selber drauf. Also belasse ich es bei einem breitem Grinsen (den ich den Why-so-Wolfious? genannt habe, faule Referenzen, yeah!) und beobachte wie bei David Drittens einsetzt.
“ – mir jemand“,
das letzte Wort zieht er plump in die Länge, nämlich beim a und nicht beim e, wie jeder Mensch mit Sinn für ein bisschen Drama es getan hätte, seriously Davy, get your shit together, ach ja, und bei dem debil in die Länge gezogenen „jemand“ sieht er mich an, also, wissen Sie jetzt auch wen er meint, falls Sie es aber nicht wissen, weil Sie ebenso keinen Sinn für ein bisschen Dramatik haben, er meint mich – soll ich es Ihnen aufschreiben?
“ – mir Tee in den Schritt geleert hat.“
„So weit ich mich erinnere war es Schnaps und kein Tee.“
„Oh Mann, ist das überhaupt… Tee hier, Schnaps da, du bist ein Wappler, wunderbar.“
„He, das hat sich gereimt.“ Ich bin fast stolz auf David.
„Yo, I’mma rap genius“, sagt David und mein Anflug von Stolz fliegt weiter ohne zu landen.
„Es stimmt schon was sie sagen“, sage ich und David sagt was und ich sage ihn nachahmend, bei seiner Nachahmung: „Yo, racist.“
David ist entrüstet. Er schwafelt über die bodenlose Frechheit der Leute (abfällige Betonung) und dass er sich von jemanden wie mir („je-man-deeeeen wie mir“, darauf entgegne ich „was meinst du mit deinen Leute?„, doch er geht nicht darauf ein und schimpft weiter) nicht anhören muss, dass gerade er Rassist sei, nur weil er die de-sensibilisierte Gesellschaft mit ironischen Übertönen parodisiere (ich verbessere ihn auf die richtige Konjugation von „parodieren“, doch auch drauf geht er nicht ein) und irgendwann sind wir an dem Punkt angelangt, wo David sein Lieblingsargument verwendet (irgendwann ist überzogen, es ist Davids ständige Reaktion auf jede Provokation und sie kommt ungefähr nach drei Pre-Fight-Argumenten): wir verstehen einfach alle Satire nicht und ja, damit sind auch Sie gemeint. Das wollen Sie einfach so auf sich sitzen lassen? Vielleicht hat David ja Recht.
„Ja ja, David. Reg dich ab. Ist ja fast schon so, als würde ich mit Dr. Kill über American Psycho diskutieren.“
„Ich bin eh nicht aufgeregt“, sagt er aufgeregt. Und dann: „Ich habe das nicht aufgeregt gesagt! Erzähl den Leuten (künstlerische Pause, so dass Sie „abfällige Betonung“ sagen können) keine Lügen.“
Ich lege den Kugelschreiber aus der Hand und snakewolfe David: „Mann, David, ich kann gar nichts erzählen, wenn du mir dauernd reinredest! Muss ich wieder mit dem Busch kommen? David, willst du das? Willst du den Busch?!“ Die letzten Worte musste ich schreien.
David hat sich wieder hingesetzt, die Absicht nach einer Hose zu fragen, hat er aufgegeben, wie immer, man muss einfach nur so tun, als würde man ihn nicht hören, dann gibt er meistens auf. „Mann, David“, denken Sie sich, „der Nigger kriegt seinen Shit nicht together“ und ich bin ehrlich entsetzt, dass sie das N-Wort benutzen. Das hier ist kein Tarantino, also shhhh. Echt jetzt.
„Nein, ich will den Busch nicht und ich weiß nicht ob du politische Statements abgibst, oder einfach nur kindisch bist.“
„Rate.“
„Fick dich.“
„Und ich bin kindisch. Keine Moral mehr.“
„Wo sind wir?“
„Immer noch beim Titel. Ich hab jetzt die Jahreszahl da hin geschrieben, schau. Aber irgendwie find‘ ich das auch nicht so lässig. Und in der Mitte hab‘ ich’s zuerst Kacke gefunden und deswegen habe ich dann die Seite raus gerissen, aber jetzt denke ich, dass es doch nicht so schlecht war. Aber die Seite ist schon raus gerissen und ja.“
David bringt seine Unfähigkeit Style zu erkennen durch Gestik zum Ausdruck.
„Ja, das Fuchteln bringt den Zettel auch nicht wieder ins Buch, das übrigens jetzt total versaut ist und es war ein Paperblanks! Super David.“
„Was kann ich dafür, dass du dir überteuerte Heftchen kaufst. Hell, Wolf, warum schreiben wir nicht einfach am Laptop?“
„Erstens, sind die nicht überteuert.“ Ich drehe mich in eine imaginäre Kamera und dann halte ich eines der anderen Paperblanks hoch, die hier en masse herumliegen (ich habe eventuell ein Problem) und sage dann „Diese Notizbücher sind ihr Geld echt wert!“ Ich posiere noch ein wenig und dann: „Nur – woah fuck, 35,99 €? Dave du hast Recht, der Shit ist echt überteuert.“
„Noch ein Grund, warum du sie nicht einfach so kaputt machen solltest. Und noch einmal – Wolf du bist echt anstrengend, Wolf, hör mir zu, Wolf!“
„Ha? Ich musste noch sexy Posen machen! Sonst kauft die ja keiner! Schon gar nicht beschädigt.“
„Ja, beschädigt. Stichwort: du. Und noch einmal: Wieso tippen wir nicht einfach… genau, was schreiben wir hier eigentlich?“
Ich klatsche in die Hände und setze mich im Schneidersitz zu David: „Ah, genau! Ha, du weißt ja noch gar nicht, was das hier wird!“
„Eine Séance?“
„Mach dich nicht lächerlich“
„Ich? Du hast vorhin Call me, maybe gesungen!“
„Is‘ auch ein geiles Stück. Am Ende ist er schwul!“
„Ja, ich weiß, du hast mir das Video viermal an die Wall geposted.“
„Super, gell?“
„Wolf!“, er schreit jetzt schon fast.
„David, beruhige dich.“
„Was tun wir hier?“
„Eine Séance!“
„Wolf, bitte.“
„Okay, okay“, doch ich kann mir den Why-so-Wolfious nicht verkneifen. Ich fahre fort: „Okay. Puh. Du weist doch sicherlich, dass du einen totalen Knall hast.“
„Ich geh‘ jetzt, beleidigen kann ich mich auch von Dr. Kill lassen.“
„Neinneinneinnein, Dave! Bleibbleibbleib.“
David macht ohnehin keine Anstalten zu gehen und sollte er irgendwelche Fluchtversuche unternehmen, hau ich ihm den Busch (hähä) in die Fresse.
„Also, du weißt. Total gaga, und zwar nicht Lady sondern ganz ohne Art und Pop. Get it? Wortwitz. Ah, David, du checkst es nicht, ist aber auch egal. Also, ich sag‘ dir das, weil ich es denen da“, fühlen Sie sich ruhig angesprochen, „nicht alles nochmal erklären will und ja, weißt eh. Plot, et cetera -“
„Et cetera, war vorgestern das Wort auf Dr. Kills Blog.“
„Unterbrich mich nicht!“ und ich hau ihm eine runter und nach dem er sich geschüttelt hat, leere ich ihm den Tee in sein Gesicht.
„Fuck! Wolf!“
„Ah, shit, mein Busch.“
„Du verdammter Wichser!“
„Jetzt muss ich einen neuen machen. Echt.“
David ballt seine Faust und das ist das Schöne an diesem Menschen, der Grund, warum ich mich damals zu den beiden gesetzt habe. Aufgestauter Zorn in den Augen. Und eventuelle Eruption und ich darf dann in der erste Reihe stehen und wie ein Idiot die Szene mit meinem Kamerahandy abfilmen, wenn ich eines hätte oder ein Idiot wäre, aber wie gesagt: erste Reihe. Und die kann ab und zu auch was abkriegen. Also, jetzt. Ich. And here comes what they call the Boom.

David hält sich die Hand. Sie muss so richtig weh tun, weil mir mein Kiefer so richtig weh tut – fuck – und ich beschließe meine Idee für einen Real-Life-Fight Club vertsauben zu lassen.
„Woah, David, du Bitch.“
„Fuck. Was, Wolf? WAS?! DU VERDAMMTES ARSCHLOCH, WAS?!“ All caps ist bei der Lautstärke wirklich notwendig, Vertrauen Sie mir, sie würden es auch so schreiben.
„Cool war das. Echt geil.“
„Alter, ich hoffe wirklich, du hast gewusst, dass der Tee nicht mehr heiß ist, oder du hast es vorher abgecheckt und nein, ich will es nicht wissen, wenn es nicht so war-“
„Ich hatte keine Ahnung, David.“
„- und, oh gott. Okay.“
„War das nicht geil?“
„Nein, war’s nicht.“
„Lügner.“
„Okay. Dir eine runter zu hauen war“, er zögert und dann macht er den Why-so-Wolfious: „Richtig geil.“
„Rischtisch.“
„Rischtisch rischtisch“ und dabei muss er fast lachen und so kann man von einem erfolgreichen Tag sprechen. Ich stehe auf und ziehe David das Shirt aus, der etwas verblüfft ist, doch da er heute bereits aus seiner Comfort-Zone gestiegen ist, macht ihn die bewusste Homoerotik auch nichts mehr aus, also küsse ich ihn mal wieder (und hol mir ein bisschen von meinem Busch zurück) und dann gehe ich in die Küche, setze Wasser auf (frage mich, wieso ich mir noch keinen Wasserkocher von Dr. Kill „geborgt“ habe) und bringe David ein Shirt mit kitschigen Wölfen, weil ich weiß, dass er das hasst und was die Leute (…) hassen macht mir Spaß.

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