Rhododendron Unter Null/Drei(einhalb): I just love that you’re dead inside // Den Dämonen dienen

Unhöflich, denke ich – ruditity – und nehme das Notizbuch, reiße die Seite heraus, knülle sie zusammen und lege sie dann in meine Teetasse. Ich hole ein Päckchen Streichhölzer (sie befinden sich in einer Kommode in meinem Sexzimmer, in der Lade finde ich ebenso die Pfeife und mit fällt ein, dass ich sie das letzte Mal angezunden hatte, als ich mit Alex gefickt hatte), greife mir drei auf einmal und zünde sie, werfe sie in die Tasse und beobachte, wie das Feuer die Buchseite ungenügend verbrennt. Das halte ich von dir du abgewichste Arschgeige, aber hey, ich bin auch abgewichst, mehr als du glaubst. Ich knackse mit den Fingern und meine Augen verzehren das Feuer, welches wiederum das Papier verzehrt. David erwacht verblüfft und anstatt seiner typischen Panik zu schieben sieht er mich lediglich etwas verwundert an und fragt: „Was machst du? Ist dir kalt?“
„Und wenn mir kalt ist, mache ich ein Feuer, gell?“
„Mh“, und er dreht sich wieder weg und ich drehe meine Augen und dann stoße ich unsanft mit meinem Fuß. „Sleepy time is over, yo!“
„Ah, mann, come on.“
„Nein, nix da. Wir haben Dinge zu tun. Dämonen zu besiegen.“
„Nein, ich mag nicht. Ich will nicht mehr. Ich habe schon zu viel Dämonen besiegt.“ David krümmt sich noch mehr zusammen und versteckt seinen Kopf wie eine Schildkröte in seinem Pullover.
„David, dass ist Blödsinn. Du hast keine Dämonen besiegt, du hast höchstens ihnen gedient, also komm jetzt und steh auf, sonst – “
Ich überlege, was ich ihm androhen könnte. Der Tee ist noch warm, doch, wie gesagt, dass ist doch mittlerweile ganz schön abgedroschen. Ich schnappe mir das malträtierte Buch und fange an ihn damit auf dem Oberschenkel zu schlagen.
David bringt nur grunzende Geräusche von sich und ich überlege, ob ich ihm etwas in den Tee gemischt habe. Vorsichtig rieche ich an seinem Glas, aber dann komme ich zum dem Schluss, dass der Penner einfach total hinüber ist.
Eine Weile sitze ich so da und starre auf die Asche des Zettels. Ich versuche mir Möglichkeiten auszumalen, seine Möglichkeiten: Amnesie, auch wenn es platt wäre, die Mittel heiligen den Zweck. Doch der Zweck wäre dann auch hinüber und ich verwerfe diesen Gedanken wieder. So blöd ist er auch nicht. Eine Tabula Rasa, aber auch dass halte ich für unmöglich, weder vorherzusehen, noch durch zu setzen und von Verhindern ganz zu schweigen. So werden wir alle verlieren und meine Freunde werden sterben. Zumindest für mich. (Und wenn sie sterben, was wird dann aus mir?) Mich überzieht ein kalter Film und ich fühle mich – ich blicke umher und suche in dem unaufgeräumten Zimmer nach einem Anhaltspunkt und ich ende ruhmlos mit – kalt. „My friends“, flüstere ich, mehr für das Gefühl etwas zu sagen, als es wirklich jemandem zu sagen. Auch nicht Ihnen, nein, dass war ganz für mich, sie egoistischen, gierigen Aasfresser. Ich nehme einen Schluck Tee und schiele zum Fenster, scheinbare Undurchdringlichkeit und ich möchte es öffnen nur um es dann gleich wieder schließen zu können. David schnarcht. Und sein Wahnsinn macht mich noch wahnsinnig, echt jetzt. Ich muss aufpassen. Folie à deux. À trois. Totale. Je suis am Arsch, wenn ich nicht aufpasse.
„David, ich kann das nicht ohne dich.“, sage ich in einem Seufzen.
Ich öffne das Buch mit den ausgefransten Seiten, suche es schnell nach weiteren versteckten Nachrichten ab und dann klappe ich es zu und beschließe, David, damit wach zu prügeln, doch es fällt mir unglaublich schwer; ich möchte ihn schlafen lassen, die Stunden der Ruhe gönnen, der Ort zwischen den Zeilen, an dem Writer ihn nicht verfolgen kann. (Zumindest gehe ich davon aus.) Meine Augen fixieren seine sich auf und ab bewegenden Körper. Von Davids Schlaf geht noch immer die fesselnde Unruhe aus, von der mir zuvor beinahe schlecht geworden ist. Ich lege eine Hand auf die Stelle über seinem Brust, ich muss einfach, ich kann nicht glauben, dass er nur schläft und sobald ich ihn berühre wird auch mein Atem schwer und sein Schlaf geht in mein Herz über. „Es ist wie Gift“, denke ich mir, shitfuck, und ich kenne das verdammte Gegenmittel nicht. Alles wird verschwommen und ich greife nach meinem Handy: auch wenn ich das eigentlich nicht wollte, ich brauche Dr. Kill hier, ich schaffe es nicht ohne einen der beiden, irgendjemand muss mir assistieren und David habe ich an den Nebel verloren und mir wird das selbe passieren, wenn ich dieses dumme Arschloch von Dr. Kill erreiche. Meine Hände sind taub und sobald ich zu meinem Handy greife, gleitet es mir aus den Händen. Ich erkenne eine SMS auf dem Schirm und ich entsperre umständlich die Tasten, öffne die Nachricht von „Unterdrückt“ und eigentlich brauche ich mich gar nicht wundern, ah verdammt, alles ist verdammt, das wusste ich bereits du Wichser, und das sage ich dann auch leise und führe den Gedanken flüsternd weiter: „Komm mir mir etwas Neuem“, und unter lautlosem Würgen, „Das kaufen die dir nicht ab, das kaufst du dir selber doch nicht ab, so fuck off. Komm – mit -“

Und es kommt etwas Neues. Ich werde niedergedrückt, in die Couch gesogen, meine Lider senken sich und meine Lippen lassen nach, ich atme den Nebel ein und mit beschissen letzter Kraft, flüstere ich: „Fuck.“, ramme mir den Kuli in das Knie und der Schmerz flackert kurz hoch, mein Körper spannt an und schließlich erschlafft er. Und dann beginnt aus welchem Grund auch immer ein neues Kapitel:


Kennen Sie das? Ihre Finger verschränken sich, ihr Mund wird trocken, ihre Gedanken blockieren und Sie verlieren den Halt. Der Fokus geht verloren, und sie zweifeln, dass er überhaupt einmal da war. Ich versuche es zu umgehen, ziemlich platt, ansonsten würde ich meinem ersten Satz an Sie adressieren. Und dann auch noch so plump. Doch etwas kriecht zwischen den Lettern dieser Geschichte umher und ich werde es nicht los. Ein Geist lauert im Dunkeln und jedes Mal, wenn ich mühselig einen Satz beende, spüre ich, wie er aus den Schatten steigt und ihn begutachtet und nach jedem Blinzeln muss ich aufpassen, ob die Wörter noch mir gehören. Ich lege mich schlafen und ich weiß, dass er über mir steht, mich beobachtet und mich auslacht, sich zu mir herabbeugt und an mir riecht, mich ableckt und boshaft küsst, sein Gift in mich legt und wenn ich am nächsten Tag aufwache sehe ich nur die schwarzen Fußspuren an der Seite, zwei unscheinbare, beinahe übersehbare Abdrücke, sie kommen aus dem nichts und sie bewegen sich nicht und sobald ich mit meiner Hand darüber wische, entdecke ich die kalte Asche an meinen Händen und wie sie sich auflöst. Mein Herz schlägt laut und ich blicke auf meine Hände und sie sind sauber, sauber und verschwitzt, meine Haut ist verschwitzt und mein Atem stinkt nach seiner Sprache und ich muss schlucken und die Augen weit geöffnet halten, so dass ich nicht in Panik verfalle. Wenn ich ihr dann sage, dass es – dass er! – wieder da war, setzt sie sich müde auf und nach einem Seufzen, legt sie sich in meinen Arm und sagt, dass sie später alles nachlesen wird und sie verspricht mir, dass alles wieder gut wird, doch so wie David es schon sagte, die Wörter haben jeden Glanz verloren und jede Hoffnung, die in ihrer Stimme innewohnte war nun ein Geist.
Aber: Natürlich kennen Sie das nicht. Woher auch. Sie sind nur eine Illusion und ich bin nur eine Stimme in deinem Schädel, ein Irrlicht, denn du bist nur ein Werkzeug. Was dich lenkt ist Gier und du wirst nicht aufhören, bis du alles konsumiert hast, was mir entgleitet, jedes Wort zermahlen in einem Strudel aus Nihilismus. Ich bin geboren um zu erschaffen, doch du wurdest erschaffen um zu zerstören. Und dass ist der Punkt, das Stück, dass du nicht findest wirst, selbst wenn du endlich danach zu suchen beginnst, denn. ICH. WERDE. DICH. VERBRENNEN.

Ich wache von einem Lärm auf, David steht über mir, vor seinem Füßen liegt die Teekanne. Er hält einen Hammer. Wir blicken uns an, ich noch verschlafen und  verstört [und vergessen, siehst du nicht] von einer Stimme die ich kenne, sie klingt wie Dr. Kill und doch sanfter, ein wenig wie David, der mich noch immer ansieht. Sein Haar klebt an der Stirn, er sieht erschöpfter aus, als sonst und ängstlich. Unendlich ängstlich. Mein Blick fällt von seinen Augen ab, fällt auf die Hand, die den Hammer hält und sie ist verkrampft und als ich lande, beginnt sie zu zittern.

Ich schreie noch etwas und dann holt er aus.

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