Rhododendron Null/Reprise: Dann schreiben wir über das Wetter

Wenn du nicht weiter weist, schreibe über das Wetter, hat er gesagt, doch das ist leichter gesagt, als getan, denn hier gibt es kein Wetter, hier gibt es nichts außer Gedanken in Morast und klebrige Tinte, die mir wie Blut den Hals runter läuft; die Schreibmaschine ist tot und die Füllfedern geplatzt, der Laptop in Trümmern und meine Kopf vergiftet, ich warte bis ich endlich erlöst werde doch als es mir dann donnerte, war es eine merkwürdige Prozedur, ein Kraftakt impotenten Mutes, der mich dazu bewogen hatte, eigentlich mehr die Angst aus diesem Albtraum nicht zu erwachen, eigentlich die Angst, niemand zu sein, nicht ich, nicht David, dieser verdammte Wichser, dessen Idee dies hier sicher war und auch nicht ein jemand, nicht einmal ein Etwas, sondern ein Dunst in einer Wolke, unbedeutend und farblos, wie so viele vor mir und so viele neben mir, von denen es mir nicht anders möglich ist als sie zu verachten und zu verlachen, doch sobald ich die Augen schließe lachen sie zurück und es ist platt, so verdammt platt wie die Worte, seine Worte vielleicht?, welche mir aus dem Mund prasseln wie starker Regen oder ein Sturm zu vieler Adjektive, ein Gewitter aus Metaphern und wenn er sagt, es hört sich gut an, dann hat er schon recht, ich weiß, dass es das tut, doch das ist auch das einzige was es macht und was es auszusagen vermag, wie ein Popsong ohne Reflexion, eine Tanzeinlage, weil’s gerade passt, eine Arie die dem Thema entspricht, aber die nicht weiterbringt. Denn so ist dieses Leben, denke ich und wenn ich es denn versuche mit den Resten meiner Existenz (sprichwörtlich) und den meiner Feder (wortwörtlich) und Muße (mein perfektes Antonym) nieder zu schreiben, ensteht lediglich eine stinkende Brühe voller Selbstmitleid und Hass, oh, die würde ihnen gefallen, doch diesen Gefallen mache ich ihnen nicht, eher führe ich die leere Kugelschreibermine in meine Venen ein und blase Luft hindurch bis ich platze, aber nein, sie bekommen mich so sicher nicht zu sehen, deswegen heißt es nun Gesicht wahren und ihm und ihnen zu beweisen, dass alles ein großer Unfug war und ich letzten Endes als Sieger hervorgehen werde, so lange ich noch stehen kann und solange ich noch weiß, wo ich stehe, solange können sie mich nicht kriegen und schon gar nicht Wolf, dieses verkackte Arschloch, dieser Psychopath und außerdem wer ist hier verkokst, ich hab‘ das Zeug seit Monaten nicht angerührt, das ist alles ein Trick um mich gefügig zu machen, oder mich zu dem zu machen, von dem er denkt, dass ich bin. Doch nein. Das hier bin ich, verdammt. Das hier bin ich, Gott, ich weiß es doch, warum verdammt lässt er mich nicht einfach gehen, dieses abgefuckte Schwein, warum beginnt es stets von vorne, warum. Und sobald ich die Augen schließe, läuft der Film dennoch weiter und sobald seine Feder liegt, läuft mein Leben trotzdem weiter und das ist das ganze, dass mir den Schlaf raubt, mir die Adern platzen und mich wünschen lässt, anderen die Augen aus ihren Visagen zu drücken, bis sie nichts mehr sehen, mich nicht mehr sehen, denn mich hat niemand verdient, mein Leben hat niemand verdient, es bleibt in meiner Perspektive und wenn Sie auch nur daran denken, es für mich zu leben, für mich weiter zu denken, mir die Show zu stehlen, nicht im sprichwörtlichen aber im übertragenen Sinn, wenn Sie verstehen was ich meine, wohl eher nicht, dann, verdammt, dann schlage ich zurück und dann greife ich zu äußersten Mitteln und ja, vielleicht hat Wolf ja Recht, doch wie soll ich ihm trauen, wie soll ich jemals wieder trauen, wem kann ich was erzählen und was ist ein geschriebenes Wort im Gegensatz zu einer echten Tat? Und dann, dann endlich will ich schreiben, wie Wolf es mir gesagt hat, doch dann, im Augenblick des endlich, dröhnt mir mein Herz die Ohren voll, lässt mich unter diesen Liedern erschaudern und erstarren, meine Finger verkrampfen sich und ich wünschte, sie fielen ab, so dass mir keine Optionen frei bleiben und die Freiheit keine Option mehr ist, sehr gefinkelt, danke, ich weiß, ich bin nun mal gut, so verdammt gut, doch alles führt zu ihr zurück, irgendwer hat gesagt, sie wird noch wichtig, doch wer, war es ich, war es David, war es Wolf, waren Sie es oder war es dann doch nur er, der sich einen Spaß erlaubt, der etwas vergessen hat, vergessen sie weiter zu schreiben, müde geworden ist und nun quälen mich Geister vergangener Sommer, Lieder die mich an sie erinnern, aber die mich unmöglich an sie erinnern können, wie eine Kassette, die zu oft bespielt wurde, wenn man ganz laut dreht hört man noch leise die Tonspur darunter, unter Schichten sinnloser Details vergraben, und woher hab ich das schon wieder, dass ist nicht von mir, das hab ich woanders schon mal gelesen, doch was glaubt er, dass ich sie vergesse? Ein Geist, der mich nicht loslassen will, oder bin ich es dessen Finger verkrampfen, deswegen der Wunsch sie zu brechen, der Wunsch jeden einzelnen zu verbiegen, bis der Schmerz größer wird als das Verlangen zu denken oder die Versuchung dem Angebot nach zu gehen, vielleicht ist es gar keine so schlechte Idee, vielleicht hat Wolf ja Recht und wie oft kommt mir dieser Schwachsinn noch in den Sinn, Wolf hat nie Recht dieser verdammte Junkie und sein verdammter Tee, den er sich sonst wohin schieben kann und wieso verdammt, wieso kann ich nicht über sie schreiben, wieso darf ich nicht, mir wird schlecht wen ich daran danke sie mit meinen Gedanken zu beschmutzen, mit meinen Worten zu vergewaltigen, ihr meine Stimme auferlegen und wieso verdammt, dieses Lächeln, dass einem einen Streich spielt, was wenn sie es ist, die ganze Zeit und ich stehe immer noch am Dachboden und warte, bis sie mich endlich loslässt, bis ich endlich zur Tür gehen darf, bis sie mich nicht wieder zurück zieht, ein Widerstand, der nichts anderes bedeutet außer Leid und eine Entscheidung, die ich nicht zu treffen vermag, doch was wäre passiert, hätte ich mich nicht losgerissen? Schreib darüber, schreib doch etwas darüber, doch willst du es wirklich wissen, willst du sie wirklich missen und warum reimt sich dass jetzt auf einmal, was soll der ganze verdammte Mist eigentlich, was soll dieser Scheiß, ich meine, verstehen Sie noch worum es eigentlich geht? Gibt es dich noch?

Wenn mir nichts einfällt, schreibe ich über das Wetter, hat er gesagt, ha!, es war grau, es war windig, es war so hässlich, dass ich kotzen möchte; wenn Gott einen Kater haben könnte, wäre es dieses Wetter, das nach Kot und Erbrochenen stinkt, denn Gott ist eine Sau, die sich besoffen die Hosen voll geschissen hat. Die Welt dreht sich nicht weiter ohne mich, wenn das nur stimmt, die Welt dreht sich um und kehrt zurück zum Anfang, das ist es, ich fange einfach dort an, wo er mich alleine gelassen hat, wenn er Recht behält, bin ich vielleicht stärker und als ich dann endlich ansetze, die Sonne brach endlich durch, doch selbst der Schein ihrer Strahlen, glänzte grau, wie in einem Filter aus Nebel und letzten Endes war es lediglich eine Reprise der Sonne, eine Erinnerung, dass sie einmal da war, wie der Geruch eines vorbeiziehenden Mädchens, dass mich an ihr Parfum erinnert, nur dass ich nicht mehr weiß, wie sie roch, und dann, endlich, als der Regen losbrach und ich höre wie der Regen losbricht, die Tropfen stark gegen ein Blech schlagen (ich höre es, wie die zweite Spur einer Kassette), erliegt die letzte Mine dem Druck und unter meinen Finger zerbröselt die Hoffnung, wieso habe ich auch alles verschwendet, verdammt, hier muss doch noch irgendwo etwas liegen, womit ich schreiben kann, und als ich auf meine Arme blicke und das Blut rauschen höre, muss ich lächeln, die perfekte Tinte, es wird ein Meisterwerk, wie ich es versprochen habe (erinnern Sie sich?) und dann wird die Tür einen Spalt breit geöffnet.

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