I: NOTREDAME

Diese hier ist orange. All diese Pillen, denke ich mir, all diese Kleinigkeiten, wie meine Mutter zu sagen pflegte, wenn sie etwas erschöpfte, werden mich eines Tages noch mal umbringen. All diese Kapseln, in so vielen Farben und jede besitzt eine andere Eigenschaft, sorgt für eine andere Stimmung, Situation oder Stimulation. Blau (dunkel) steht für Stille, gelb (zitronen) für Aufmerksamkeit, rot (bordeaux, interessanterweise) für Taubheit (und, wenn man so will, Sex), violett (eigentlich Flieder) ist Schlaf und grau (10% Helligkeit) ist Glück (ebenso 10%). Diese hier ist orange, neon. Zumindest die eine Hälfte.
Sie ist golden, sagt Pii.
Ich sage, er spinnt, es ist definitiv orange, grelles, böses orange und lasse die Kapsel von seiner Hand in meine rollen. Er sei drauf, und darauf hin lacht Pii. Trocken. Wie sein Humor, sagt er. Wenn er nur wüsste.
Wofür?
Gesundheit. Goldene Gesundheit.
Ich glaube ihm nicht.
„Im Endeffekt sind sie doch alle gleich“, und dabei zeigt er auf mich und ich fühle mich merkwürdig ertappt, „verfickte Upper and Downer, Muntermacher, Schädlingsbekämpfung, Schlafmittel, Selbstmordkapseln, verdammtes Zyanid, echt. Killt dich. Hier.“ Er tippt an die Stelle, an der sich vielleicht mein Herz befindet und mein Brustkorb spürt unangenehm seine Nähe.
„Menschengift“, sagt Pii.
Du bist drauf, sage ich und darauf hin lacht er. Er habe kein Herz. Haha, trocken.
„Nein, ernst. Die machen dich total kaputt. Ich war mal mit einer zusammen, die hat nichts mehr auf die Reihe bekommen, wenn sie sich in der früh, ha, früh, nach dem aufstehen was rein geworfen hat.“ Gelb, denke ich oder vielleicht auch grün (gras) für Helligkeit. Wachzustand. „Die war total im Arsch, ich sag’s dir. Konnte nicht mal zum Scheißen auf’s Klo, wenn sie nicht vorher was eingeworfen hatte. Überlebensmüde, echt. Ich hab sie mal in ihrer eigenen Pisse gefunden, dachte jetzt ist es so weit, die ist hin, deadbed, aber sie war wach nur nicht in der Lage aufzustehen, weil sie keine Pillen mehr im Haus hatte. Echt, kannst du dir das vorstellen?“ Ich schüttle den Kopf, das Gefühl ertappt worden zu sein breitet sich aus.
„Vorm Ficken hat die sie sich immer eine ganze Kombination aus Uppern and Downern eingeworfen, zwei Rauf drei Runter und nen Joint zum fixieren. Ich sag“s dir der verfickte Konami-Code.“ Pii muss grinsen. Er hält sich für clever, doch ich weiß, dass er mit Videospielen nichts am Hut hat. Offensichtlich hat er irgendwo davon gelesen und fühlt sich verpflichtet seinen trockenen Humor an die Leute zu bringen. Ebenso wie die Wörter Upper, Downer, Menschengift und Zyanid. Pii ließt die Wörter irgendwo im Internet, findet sie gut und verwendet sie dann. Das geht eine Woche lang so, bis er wieder eine Phrase oder ein Vokabel aufschnappt, dass ihm gefällt und die anderen sind vergessen. Außer des Wort „verfickt“. Das bleibt.
„Du bist auch drauf“, sage ich ihm noch einmal ohne dass er diesmal auf seine herzlose Brust verweisen kann.
I can handle my shit. Sicher aus einem Rap. Pii liebt Rap, zumindest glaubt er das sein Zimmer ist voll mit Postern von Eminem, Snoop Dogg, Jay Z, amerikanischer Mainstream der in Einkaufszentren gespielt wird, während man sich zwischen BluRays und Hardcovern und T-Shirts das neuste iPhone im shopintegrierten Macstore registrieren lässt. Ninety-nine verfickte problems.
„Außerdem weiß ich, wann genug ist. Ich hör auf, wenn es am hellsten leuchtet und so bekomm‘ ich am nächsten Tag keinen verfickten Hangover.“ Trilogie, das Boxset steht auf seiner PS3, die er nur zum abspielen von Filmen benutzt.
„Die armen Schweine, die das Zeug wirklich brauchen, ich meine brauchen. Mann, das sind so die armen Schweine.“ Er sieht mich aus geweiteten Augen an und ich merke, wie er in seinen Gedanken eine Entschuldigung für sein vermeintliches Fettnäpfchen ausheckt. Armen Schweine, sage ich, echt und Pii wirkt erleichtert. Ich stecke meine linke Hand in die Hosentasche, während die andere noch mit der Kapseln zwischen den Fingern spielt. Tief in meiner Jeans sitzt eine raue, ovale Pille. Ich fahre vorsichtig ihre Form nach. Grau ist Glück.
Ich muss dir was zeigen, heißt es gerade in dem Moment, in dem ich die kurze Stille als Aufbruchssignal nutzen wollte. Ich hasse es, wenn sich meine Dealer mit mir unterhalten wollen. Sie hassen es wahrscheinlich auch, aber für sie geht es um Kundengewinnungsquote. Nein, gehen wir zu Pii, Pii ist cool, Pii zeigt dir Sachen, Pii mag Rap und Pii fickt 16jährige. Kundengewinnungsquote ist ein Wort, dass Pii aus seinem Studium kennt und eine Zeit lang benutzt hat um ständig den selben Witz zu machen: er braucht das nicht, seine Kunden kommen von selbst wieder. Trocken. Und doch sind wir nun hier und Pii zeigt mir was.
Er nimmt den Laptop vom Bett, das Akkuladegerät rutscht mitsamt dem Kabel von der Kante und landet mit einem Knall am Boden. Ups, er hebt es auf, dreht sich zweimal um sich herum, die beiden Hände im Kabel, bis er es wieder am Laptop eingesteckt hat. Er klappt ihn auf und nach einigen Sekunden Dunkelheit erhellt sich der fleckige Bildschirm und präsentiert mir einen harten, großen Schwanz, der halb in einer gereizten Möse steckt. Die Venen stechen hervor, soviel kann ich noch erkennen, bis sich das Bild nach kurzen Zögern zu einer abgehackten Bewegung entschließt und der Regisseur sich offensichtlich zu einer kunstvollen seitlichen Überblendung (wie aus den alten George Lucas Filmen) deren Resultat der Blick auf grobkörnige Hoden sind die zunächst ruckartig und dann in geschmeidigen Tempo hin und her schwingen. Diese Einstellung habe ich nie wirklich verstanden. Ein lautes Stöhnen erfüllt den Raum und Pii dreht den Laptop schnell in seine Richtung. Ups. Wer schaut die nicht, sage ich und ich spüre, wie ich nach Hause will. Pii grinst, Männer macht es immer scharf, wenn Frauen sagen, sie stünden auf Pornos. Ich wende mich von seinem Grinsen ab und blicke auf die Kapsel, die Pii mir vorhin gereicht hat. Ich stelle mir augenblicklich vor, wie Pii von meinem Klopfen erschrickt und schnell den Laptop zuklappt, sich die Hose zu macht und die Hände am Hintern abwischt. Ich stelle mir vor, wie Samenflüssigkeit über seine Hände läuft und wie sein Penis erschlafft, wie Sperma gegen den Blidschirm klatscht, ich stelle mir vor, wie sein Gesicht rot anläuft, wenn er sich Videos von Frauen in Schulmädchenkostümen ansieht und dann stelle ich mir vor, dass ich eines dieser Kostüme trage und das die selben Mädchen nackt um mich herumtanzen, mich an mein Bett fesseln mich auslachen und mir zu sehen, wie ich in mein Bett uriniere, weil ich zu fertig bin aufzustehen. Ich schließe die Augen und als ich sie öffne, ist der Porno verstummt und unter Piis Hose hat sich eine Beule gebildet.
Ja, äh, sorry, trotzdem. Macht nix, sage ich und lache spielerisch, mach schnell verdammt.
Verdammt; Pii zündet sich einen Joint an und vom Geruch wird mir kurz übel. Als ich dann inhaliere, verschwindet die Übelkeit und eine Nervosität macht sich breit. Ich habe die orange Kapsel mittlerweile in meine andere Hosentasche gesteckt und berühre mit beiden Händen zärtlich die Umrisse meiner beiden Pillen. Das Päckchen grau (10%) liegt in meinem Rucksack, ein Misch Heroin und Kokain behauptet Pii, doch der hat von Pillen keine Ahnung. Du hast keine Ahnung, sage ich ihm, und er nickt. Da hast du Recht. Das Gespräch habe ich schon mal mit ihm geführt: in seinem Wirtschaftskurs den er aus „Interesse“ besucht, hat er das Wort Kundenbindung her. Zwei Wochen lang wurde der Witz sinngemäß erzählt, doch Pii hielt sich nicht länger damit auf und ging schließlich zurück zu der angeblichen Gewinnungsquote. Als ob. Pii bezieht die meisten seiner Kunden von seiner Schwester, die in unsere gemeinsame alte Schule geht. Die Freunde seiner Schwester finden Pii wahrscheinlich alle ziemlich mean und oder sweet, Pii ein Typ mit swag oder welcher Ausdruck es durch das Internet zu uns geschafft hat. Irgendwelche amerikanischen Jungs, die es aufschnappen und zitieren, irgendein Popstar der den Begriff ironisch benutzt und innerhalb weniger Tage erreicht ein Tweet globale Ruhmzustand. Hashtag Zyanid. Ich spüre die abgerundeten Kanten meines Glücks.
Pii hat mittlerweile YouTube geöffnet und bemüht sich seine Finger geschickt über die (klebrig, stelle ich mir vor und muss dabei an orange, neon, denken) Tastatur gleiten zu lassen, doch das Hasch lässt seine Nerven erschlaffen und seine Genaugkeit sinkt. Pii ist ein paralysiertes Pokémon. Ich habe keine Lust auf Musikvideos von frauenfeindlichen Rappern oder selbstverliebten Indie-Slash-Country-Slash-Alernative-Slash-Artpop, die Pii immer auflegt, wenn ich komme, da er weiß, dass ich Rap nicht all zu gerne höre. Das letzte Mal hat er mir ein durchwegs unkreatives Musikvideo von Tom Odell gezeigt, in dem sich der Hintergrund kunstvoll und vage verändert, situationsbedingt und Tom romantic-slash-depressed in die Kamera spricht. Es war peinlich und es mit Pii zu schauen ungefähr so angenehm, wie Adam Sandler in ernsten Rollen. Oder in lustigen, da macht es nun echt keinen Unterschied mehr. Meine Lippen zucken und bringen beinahe ein Grinsen zu Stande. Wenigstens ich selbst unterhalte mich, denke ich. Und dann: hoffentlich zeigt er mir nicht schon wieder eine doppelbödige, zitierfähiges und deutungsschwangere Hipster-Schnulze. Ich hab verstanden, dass du mich ficken willst. Ich stelle mir vor: mich, im Schulmädchenkostüm. Piis rotes Gesicht. Orange.
Statt Piis bedeutungslosen Versuchen eine Stimmung zwischen uns aufzubauen, ertönen rasante Beats und abgehackte Loops, Dissonanz ist ein Wort, das mir in den Sinn kommt und dann sage ich es, gras-getränkte Worte. Was, sagt Pii, und ich räuspere mich: „Die Musik. Das klingt, äh, dissonant.“ Pii schweigt, macht einen Zug und reicht mir den letzten Rest. „Wo hast’n das Wort gelesen“ raucht es aus seinem Maul. Meine Augen verkneifen sich und ich sauge den letzten Rest aus dem Joint. Samenflüssigkeit. Klebrig. Grau.
„Sorry, das kann noch etwas dauern.“
Verfickt, verfickt, verfickt. Meine Finger umfassen Grau (10%), die Musik ist zu einem nervösen Electro-Rock erstarrt, dessen Loops sich geschickt und verwinkelt repitieren. Soll ich sie jetzt schon nehmen? Pii scrollt durch die Comment-Section des Videos (welches nur aus der üblichen Montage der Artists begnügt, während in unpassender Font Titel des Liedes vorbeizieht). Ah, sagt Pii und markiert einen Text, Steuerung + C. Bevor er den Link in die Suchleiste seines Browsers einfügen kann, bitte ich ihn, das Lied zu lassen. Er zuckt mit den Schultern.
„Was ist das?“
„Was?“
„Die Musik.“
„Infected Mushroom.“
Ich sitze nun auf dem Bürosessel neben Pii und beobachte ihn bei seinem Streifzug durch das Internet.
„Sind Juden“ und ich weiß nicht, was ich mit der Information anfangen soll. Israelis, verbessert sich Pii, aber wahrscheinlich ist man dann Jude. Mein Körper fühlt sich schwer an. Ich will hier weg. Grau, fest umschlossen. Ob ich noch nach Hause schaffe, wenn ich die Pille jetzt nehme, oder ob ich hier versumpfe. Ich stelle mir vor: mein schlaffer Körper auf dem Bürosessel, verschwendetes Licht, das einen harten Schwanz an die Wand projiziert, Pii der sich vor mir einen runterholt. Meine Hände lösen ihre Umklammerung.
„Nichts das ich was gegen Juden hätte. Oder Moslems in dem Fall. Nur die verfickten Christen gehen mir auf den Sack.“ Pseudo-liberales Gelaber. Ich kann nicht anders, als die Augen zu verdrehen, doch Pii bemerkt es nicht. Er dreht sich zu mir um und sagt: „Wusstest du das Kirchen keine Steuern zahlen?“ Natürlich und was willst du mir eigentlich zeigen? Pii dreht sich wieder um öffnet den Link in einem neuen Tab. Ein weiteres Video (der Titel besteht aus japanischen Schriftzeichen und das Standbild zeigt mir ein bizarres hyperbuntes Bild einer Zeichentrickkatze mit monströsen, plüschigen Brüsten), bevor es abgespielt wird drückt er auf Pause und scrollt wieder zu den Comments. Noch ein Link. Copy paste. Wir erreichen eine ruhige Stelle im Lied, was machst du da? Wirst du schon sehen und der Track baut sich plötzlich auf, ich bemerke wie meine Füße mitwippen und das Gras mich zum tanzen kitzelt. Ich muss tief Luft holen, ich bemerke wie ich muss: ein Drumbeat im Rückwärtsgang kündigt den Höhepunkt an und plötzlich entladet sich alles mit einem starken Schlag (ich stelle mir vor: grau, grau, grau) und der Raum ist erfüllt mit einer starken, vibrierenden Getöse. Ich habe die Augen geschlossen und wippe zufrieden mit meinem Kopf: geil. Ich weiß, sagt Pii, mit einer süffisanten Selbstgefälligkeit, als hätte ich gerade seine Fähigkeit im Bett erläutert.
„Project 100. Ich schick dir den Link via WhatsApp.“
„Passt schon, ich merk’s mir.“ Außerdem habe ich kein Smartphone, aber auf das erstaunte Gesicht kann ich ruhig verzichten.
Er zuckt mit den Schultern und dann scrollt er weiter. Mehr anzeigen. Pii klickt: mehr anzeigen.
„Verdammt, da war das doch irgendwo. Seit dem die das Design umgeändert haben findet man sich echt nicht zurecht. Wow, ich hasse das, echt. Dauernd ändern die das verfickte Design.“ Der Rausch des Liedes lässt nach und ich muss mich wieder auf Piis Gelaber konzentrieren. Davor war es so, davor war das dort, eigentlich müsste es hier sein, aber so und so versauen sie es schon wieder und meine Finger spreizen sich, ertasten: orange und grau.
Ah! Pii grinst. Noch ein Link. Diesmal klickt er direkt drauf. Eine komplett schwarze Seite öffnet sich in einem neuen Tab.
Wieso er den Link nicht einfach speichert.
Habe er schon, funktioniert so nicht. Geht nur, wenn man von dem Comment auf den Link klickt. „Es geht nur auf, wenn jemand anderer es dir schickt“, seine Stimme tiefer. Sinister. Ich warte, doch die Seite bleibt schwarz. Kommt da noch was, ja warte. Und dann blitzt ein Schriftzug auf, nur für eine Sekunde doch in heller, roter (orange?) Schrift:
NOTREDAME.
„Hast du’s?“
„Was?“
„Gesehen?“
„Ja, Notre Dame.“
„Gut, ich wollte nur sicher gehen.“
„Sicher gehen?“
„Dass ich richtig gelesen habe.“
„Pii, was machen wir?“
„Wirst du schon sehen.“
Er gleitet mit der Maus nach unten und klickt wild in das Leere, drückt F11, Vollbild, klickt weiter bis er es findet. Er markiert die unsichtbare Adresse, copy. In meinem Bauch formt sich ein Knoten. Pii wirft einen Blick auf die Schüssel in der er das Gemisch aus Gras und Tabak geschüttet hat. Würdest du, sagt er, ja, sage ich und ich schiebe die Schüssel mitsamt den Misch näher zu mir. Ich will keinen weiteren Joint, ich will nach Hause.
Paste.
Ein einzelnes Eingabefeld, Pii leckt sich die Lippen, es ist jedes Mal etwas anderes, und dann tippt er ein: NOTREDAME. Er lehnt sich zufrieden in seinen Stuhl, dreht den Laptop zu mir, so dass er den Bildschirm nicht mehr sehen kann: „Drück Enter.“
Was ist das, frage ich.
„Drück Enter.“
„Pii, verdammt.“
„Come on, drück.“
Pii, zische ich durch meine Zähne hindurch. Ich lege den halbfertigen Joint unsanft auf den Tisch, die Hälfte purzelt heraus.
„Was. Ist. Das.“
„Kein Snuff, wenn du das denkst.“
„Pii, echt. Wenn du dir Sodomie oder sonstigen Shit, 2Girls was weiß ich was reinziehst, ist das deine Sache, aber halt mich da raus, echt.“
„Keine Grauslichkeiten, Mia. Ich schwör’s.“
„Fick dich, das letzte Mal war’s die verfickte Lemonparty.“
„Ja, das tut mir Leid, außerdem war ich das nicht, das war Tim, der das immer rein tut.“
„Mir egal. Ich drück nicht auf Enter.“ Meine Fingerspitzen spüren mein vertrautes Glück. Ich muss hier raus.
„Come on. Ich verspreche dir, es ist echt… neat.“
Ich atme. Sage mir, dass ich atme. Ich sage mir, jeden Atemzug, dass ich atme: grau. Pii ist wie ein nerviger Refrain: come on, come on, come on.
Neat„, murmle ich. Pii hat den Bau des Joints unter seine Verantwortung gezogen und leckt das Paper zu Ende als mein Finger über der Enter-Taste zittert.
„Come on.“
„Pii, was kommt da?“
„Wirst du schon sehen.“
„Ist es das Ring-Video?“, frage ich und Piis Augen weiten sich, als ob ihm gerade eine grandiose Idee gekommen wäre. Nein, aber das wäre auch nicht schlecht, antwortet er. Er zündet an, nimmt einen Zug, sagt, noch nicht, nimmt noch einen Zug, streckt die Hand aus und mit einem Nicken reicht er mir den Joint: „So ist es noch besser.“ Grau, grau, grau. Ich stelle mir vor: ein dunkler Raum und die neonroten Lettern NOTREDAME an der Decke, wie sie immer größer werden. Come on, come on, drück endlich. Ich muss husten und schlage mir auf die Brust, reibe mir über meinen Körper, bemerke meine harten Brustwarzen, erkenne die Spannung die meine Haut überzieht und die Haare, die sich auf meinem Arm in die Höhe strecken. Kopfschüttelnd übergebe ich Pii den Joint, der diesen mit erwartungsvollen Blick entgegennimmt. Ich lese: wir gehen hier nicht fort. Nicht bevor du nicht gedrückt hast. Es tut nicht weh, schnell. Ein Refrain: come on, baby. Come on. Grau, grau, grau. Zehn Prozent. Ich lasse meinen Finger auf die Taste fallen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: