Archiv für den Monat Juni 2014

Bezauberndes Lächeln

Der Mann erschrak, als ich mich gegenüber von ihm hinsetzte. Ich bat um Entschuldigung und verweilte kurzen Blickes in seinem Gesicht, welches sie anfühlte, als ob ich es bereits kennen müsste. Doch die vielen Augen des Tages verschwammen in einer Masse aus kaum greifbaren Erinnerungen und natürlich mischte sich ihr Augenpaar dazwischen, so dass ich die Aufregung die ich verursacht habe, nicht weiter beachtete. Sie hatte mir heute wieder ein Lächeln geschenkt und es war das einzige worauf ich mich den ganze Tag gefreut hatte und ich nahm mir vor auch am Abend an der bezaubernden Mundwinkelbewegung ihrerseits zu zerren. Ich formte das Wort „bezaubernd“ an meinen Lippen und sprach es in vorsichtigen Bewegungen aus, überlegte mir eine schönere Umschreibung, doch meine Gedanken verflogen rasch und in Stillen fiel mein Blick von ihren Lippen hinab, schlängelte sich ihren Nacken hinab und erstarrte an ihrem Dekolleté, dass ich nur aus dem Grund so nannte, weil ich mir dabei wenige schäbig vorkam. Ich schloss die Augen und lehnte mich gegen das Straßenbahnfenster, ließ die Vibration der Fahrt durch meinen Kopf ziehen und spürte, wie der Tag von mir abfiel und sich angenehme Erschöpfung und sanfte Erregung in mir ausbreitete. Bezauberndes Lächeln.

Als ich die Augen wenige Momente später wieder öffnete, hatte der Mann zwei Bücher unbestimmten Einbandes in der Hand. Auf ersten Blick schienen sie sich in Farbe und Haptik wesentlich zu unterscheiden, doch ich kann Ihnen bereits versichern, dass es sich um die selben Bücher handelten. Das eine hatte nur viele Jahre hinter sich, das andere selbiges noch vor.

Ich beobachtete nun mit geweckter Neugierde den Mann, wie er zwischen den Blättern beider Bücher hin und her wechselte, sein Blick glasig und seine Hände zitternd. Er zog einen Stift aus seiner Jackentasche hervor und schrieb damit etwas in das schöne, jüngere Buch. Anschließend öffnete er das verbrauchte Buch und begutachtete einen Weile die aufgeschlagene Seite; seine Augen fixierten die Stelle am Kopfsteg, so schien es mir zumindest und ich spürte die Anspannung in seiner Haltung. Letztendlich stieß er einen erschöpften Laut aus und legte die Hände in sein Gesicht und in mir breitete sich eine Stille aus, die sich gegen meine Brust presste. Der Mann atmete tief ein und als er die Augen wieder öffnete, blickten wir uns direkt an. Ich wollte etwas sagen, wusste jedoch nicht, welche Phrasen ich formulieren sollte um mich nicht all zu sehr investieren zu müssen. Der  Mann klappte das alte Buch zu und stand auf. Er trat an mich heran und sagte:

„Willst du wissen, was hier drinnen steht?“

„Nein.“, antwortete ich.

„Gut“, und dann drehte er sich um und ging davon. Ich überlegte kurz und dann stand ich auf.

„Hey“, rief ich im nach und zog die Blicke anderer Fahrgäste auf mich. „Warten Sie.“ Der Mann stand am Ausgang und drückte den Knopf zum Aussteigen als er sich umdrehte. „Was steht drinnen?“ Die Straßenbahn hielt und er stieg aus. Mich trennten weniger Meter von der frischen Luft, doch ich weigerte mich dem Mann zu folgen. Er hatte sich umgedreht und wartete, dass ich ebenso ausstieg. Seine Augen blitzten erwartungsvoll.

„Nein“, sagte ich und da schlossen sich auch schon die Türen. Der Mann öffnete verdutzt den Mund und trat gegen den geschlossenen Ausgang.

Er schrie. Ich wich zurück und die Stille entwich aus meinem Körper und Panik öffnete sich. Die vorderste Tür beim Schaffner stand noch offen und der Mann startete darauf hin. Meine Hände verkrampften sich und mein Bauch zog sich zusammen. Der Mann schob seine Hand zwischen die sich schließende Tür und stemmte sie auf. Ein warnendes Geräusch durchzog den Zug. Ich trat einige Schritte zurück, unschlüssig, in welche Richtung ich mich bewegen sollte. Und dann fiel ein Gedanke, der einzige an den ich mich festhalten konnte. Ihre Lippen, sie standen halb geöffnet, ihr Gesicht, dass heute noch gelächelt hatte formte sich zu einer erschrockenen Zügen und mit einem Hauch rief sie mir zu:

„Lauf!“

Ich drückte im schnellen Takt den Ausstiegknopf der Straßenbahntür, doch diese entzog sich jeglicher Reaktion. Der Mann stand im Mittelgang und trat an mich heran.

„Willst du wissen was hier drinnen steht“, fragte er mich. Ich atmete schnell und versuchte meine Finger zu fokussieren, die sich um eine Stange gewickelt hatten. Die Luft in meinen Lungen schien dünn und unbrauchbar. Mein Sichtfeld flimmerte. Der Mann kam näher. Meine Beine versagten. Mit einem Satz, der mir beinahe das Bewusstsein kostete, griff der nach mir und packte mich am Kragen.

„Vorsicht.“ Er führte mich behutsam auf die  nächste Sitzgelegenheit heran.

„Hier.“ Der Mann griff in seine Tasche und zog einen Asthma-Spray hervor. Ich schüttelte den Kopf und versuchte in Richtung meines Rucksackes zu deuten.

„Das ist der Selbe.“ Ich versichere Ihnen, es war der selbe.

Da ich keine Möglichkeit sah mich zu wehren, lies ich den Mann das Medikament an meine Lippen heranführen und den abgestandenen Geschmack in mich hinein sprühen.

„Gleich.“, sagte er.

Mein Puls beruhigte sich. „Ich weiß.“ Mein Atem wurde tief. „Ist ohnehin nur psychosomatisch“, fügte ich hinzu.

„Ich weiß“, sagte der Mann. Und nach einer kurzen Pause: „Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken.“

Wir saßen einen unbehaglichen Moment still nebeneinander, der vertraute Fremde und ich, immer weniger auf meine Atmung achtend. Der Schwindel zog vorbei und ich presste meine Lider aufeinander, drückte die Ansammlung an Tränen heraus, die sich in solchen Zeiten stets in mir ansammelten. Ich wollte laut aufschreien.

Der Zug blieb an der nächsten Station stehen und die Türen öffneten sich.

„Wollen wir?“, sagte der Mann und verwies auf den Ausgang. Ich nickte, und trat vorsichtig aus dem Waggon. Wir warteten bis die Straßenbahn abgefahren war und dann atmeten wir beide tief ein. Die ganze Zeit über hielt er beide Bücher in den Händen von denen er mir nun eines gab.

„Bitte öffne es“, sagte der Mann.

„Wer sind Sie? Wir kennen uns, nicht wahr? Sie sind wahrscheinlich öfters im Geschäft, es tut mir leid, ich bin nicht sonderlich gut mit Gesichtern, manchmal brauche ich vier bis fünf Anläufe um…“

„Öffne das Buch.“

Ich verstummte und nahm das Buch entgegen, dass er mir geduldig hinhielt.

„Danke.“ Er lächelte. Und: „Du bist nicht schlecht in Gesichter merken, zumindest nicht schlechter als ich. Du denkst zur Zeit nur an eines.“ Wir sahen uns an, und ich merkte, wie mein Atem wieder flacher wurde.

„Keine Angst“, fuhr der Mann fort, „öffne das Buch und schreib etwas hinein.“

„Was soll ich schreiben?“

„Ihren Namen.“

„Wie bitte?“

„Du weist, was ich meine“, seine Stimme  blieb freundlich, doch meine Finger begannen sich wieder zu verkrampfen. Ich schielte zur Seite um nach Fluchtwegen ausschau zu halten.

„Nur ihren Vornamen. Bitte. Sonst nichts.“

Ich nickte, nahm so ruhig wie mir möglich den Stift aus seiner Hand und öffnete das Buch.

„Egal wohin.“

Bezauberndes Lächeln. In meinem Kopf hallte ihre Stimme. Woher kannte ich sie? Ich schrieb ihren Namen und als ich fertig war, fiel mir auf, dass er mir völlig fremd war.

Ich nahm das Buch entgegen und in weiter Ferne entstand eine Erinnerung an einen Menschen, den ich einmal geliebt hatte und ein anderes Mal nie kennen gelernt hatte. Ein letztes Mal, dachte ich. Ich sah meine Schrift und ich sah mich selbst gegenüberstehend, vergessend, dass sie jemals existiert hatte, nur weil ich es nicht lassen konnte, mich auch hier auszubreiten. Ich war eine Krankheit, sagte ich mir immer wieder, ich gehöre ausgemerzt, doch zugleich wusste ich, dass dem nicht so sein wird. Ich lies mich stehen, dieses Ich, dass nicht wusste, wer er war, mich, den ich gerade um seine Liebe beraubt hatte und schritt von dannen. Heute würde ich mich wieder in mein Bett legen und morgen würde ich wieder Jahre zuvor erwachen, stets in einer neuen Welt, wartend auf den einen Tag, der es mir ermöglichen wird, sie noch einmal zu spüren. Sie wird am selbigen Tag sterben, denn dieses bezauberndes Lächeln erlischt, sobald ich es zum letzten Mal erblicke.

Ich erwachte jung und machte mich auf den Weg. Alle Tage waren gleich, und unterschieden sich nur marginal. Ich suchte sie auf und sprach sie an. Es wurde immer einfacher. Es ist nicht schwer, jemanden zu lieben, der dich bereits hundert Jahre kennt.

In jeder Welt gibt es ein Opfer. Wenn ihr Name in beiden Büchern auftaucht, gibt es zwei.

In jeder Welt gibt es die Maschine. Nicht in jeder Welt, finde ich sie.

Manchmal sehe ich mich mit einem Buch in der Straßenbahn herumfahren. Dieses Buch hat sie mir einmal geschenkt. Ich habe Angst, dass eines Nachts mir jemand ein Buch überreicht und ich ihren Namen vergessen werde. Eines Tages wird eine Seite in dem Buch fehlen. Wenn alles so geschieht, wie es geschieht, bleibt das Buch ganz, an dem Ort, an dem ich es das letzte Mal gesehen habe. Eines Tages wird eine Seite fehlen. Und eines Tages, das ganze Buch.

(Mein Atem wird flacher, meine Finger verkrampfen sich.)

Und eines Tages wird sie fehlen und ich werde die letzte Welt gefunden haben, in der sie existiert.

Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als das dieser Tag endlich eintritt.

Come on, you sons of bitches, do you want to live forever? – Review zu EDGE OF TOMORROW von Doug Liman

EDGE OF TOMORROW

Tom Cruise aka Sergeant Cage stirbt und stirbt und stirbt. Mal erwischt in ein herabstürzender Helikopter, mal bekommt er ein Loch in seinen Anzug geballert. Nicht selten erwischt ihn ein Alien und frisst ihm (zumindest einmal) mit seinem säurehaltigen Blut das Gesicht weg. So oft wie möglich erschießt ihn Rita (Emily Blunt); hämmert eine Kugel durch seinen Hinterkopf, denn nur so funktioniert es. Cage darf nicht überleben. Nicht, solange der Krieg zu Ende ist.

Um Wortspiele auf keinen Fall zu vermeiden, beginnen wir mal mit diesem. Generic Action-Thriller with an edge. Of Tomorrow! Das war auch schon das beste, den ich aus dem Ärmel schütteln kann; alles andere geht in die Richtung „Täglich grüßt“ und dann irgendetwas mit Außerirdischen. Tja, Wortspiele sind nun mal nicht meine Stärke, aber bleiben wir (?) beim Thema: es ist an sich schon fahrlässig, den Murmeltiertag nicht zu erwähnen, jedoch verbirgt sich hinter THE EDGE OF TOMORROW keine Variation der beliebten Murmeltier-Mär, sondern ein intensiver Action-Albtraum, der eher an gegenwärtige Filme à la SOURCE CODE erinnert. Nicht dass Duncan Jones Werk jetzt ein arg nachahmenswerter Film wäre, aber das Konzept von EoT liegt Duncan Jones‘ Sci-Fi-Thriller sehr nahe (und ist mir allemal lieber, als der x-te Actionaufguss mit Mikrowellen-Inhalt).

Und jetzt komm‘ ich auch schon zum Punkt: EDGE fetzt. Zwar nicht von Anfang bis zum (vergleichsweise schwachen) Ende, aber durchwegs meistens fast bist voll. Überhaupt war Doug Limans (BOURNE N°1) Film von Anfang an sympathisch: Tom Cruise spielt das, was er am besten kann, eine arrogantes, schmieriges Smugface, ein Wiesel, dass „Leute in dazu bringt in diesem Krieg zu sterben“, aber sicherlich nicht selbst daran teilnimmt. Irgendwann musste es ja rauskommen, aber das beliebte Hassobjekt Cruise ist mir irgendwie ans Herz gewachsen, vor allem wenn seine Darstellung der aus MAGNOLIA so ähnelt. Wie Sgt. Cage versucht sich aus der Misere zu reden und letzten Endes nur noch die direkte Flucht als Ausweg erkennt, ist ein kleiner Genuss, abseits des lauten Getöse, das dann folgt.

Und wie laut es das tut. Nun gut, vielleicht lag es an der siebten Reihe IMAX oder generell, das Kinos gerne laut und groß sind, aber bei der ersten Angriffswelle der natürlich feindlich gesinnten und überstarken Super-Aliens, verschlug es mir, so wahr diese Floskel noch sein kann, den Atem. Actionkino kann mich sehr schnell langweilen, egal wie amüsant dargestellt, gut choreographiert, stilvoll ausbalanciert oder schön geschossen ist. Umso berauschender war das Gefühl, im Auge dieses brachialen Sturmes zu sitzen – nur verwende ich diesen Ausdruck falsch, den das Gewitter war alles andere als ruhig. Kein Scheiß, und vielleicht rede ich mir das auch alles ein, aber noch Tage später beschäftigt mich die schlichtweg großartige Anfangssequenz. Mittlerweile bin ich auf mehrere Gründe gekommen, die ich natürlich mit euch teile:

Zunächst schlägt EDGE OF TOMORROW überraschend und überraschend hart zu. Die Action ist materialistisch und gibt, trotz des eindeutigen Einsatz von CGI, ein Gefühl von realer Gewalt wieder. Cruise gibt dabei den Anker für die Kamera und versetzt uns damit auch direkt in das Geschehen, welches sich nur in wenigen Momenten eine Ruhepause gönnt. Ebenso geht eine siedende Bedrohung von den Außerirdischen aus, jedoch nicht aus den Gründen, die man von dem Giger’schen Kultalien kennt. Auf einer themenverwandten Seite wurde fehlende Greifbarkeit für die fremde Bedrohung bemängelt, welche aber bei mir genau der Grund für das unwohle Bauchgefühl gesorgt hat: bis zur ersten, schmerzhaften Begegnung mit den Angreifern, weiß Zuschauer (und wahrscheinlich auch Sgt. Cage) nicht, was ihn erwartet, als das Grauen dann zum Vorschein tritt, ist es schnell, brutal und deutlich überlegen. Erster Gedanke war schlicht: Fuck. Wie soll man die Dinger besiegen? Doch letzten Endes gewinnt Cruise die Szene (und den Film) für sich: die Bedrohung steht, die Assoziationen sind geweckt – die Verweise auf die Landung der Alliierten in die Normandie im zweiten oder die Schlacht um Verdun im ersten Weltkrieg sind eindeutig und wenig subtil; alleine die Bilder des zerbombten Strand wecken Eindrücke, die man sonst nur aus Berichten über den sogenannten D-Day kennt – doch Cruise gibt der Panik ein Gesicht in dem man sich wiederfindet. Wenn ich an die Anfangssequenz von EoT zurückdenke, sehe ich Sgt. Cage mit zerbrochenen Visier vor mir, wie er ängstlich und verzweifelt durch das Bild taumelt, während rund um ihn die Welt zu Grunde geht.

Letzten Absatz kann dann auch fast auf den restlichen Film umgelegt werden. Das ist mehr, als ich von einem Actionfilm erwarte. Seriously, das ist mehr, als ich in den meisten Kriegsfilmen erlebt habe (Spielberg, Coppola und Kubrick mal ausgeschlossen, aber das versteht sich von selbst, ich meine eher diese Kaliber, da, hier und – oh gott –dort)! Natürlich kann EoT seinen hohen Adrenalinspiegel nicht bis zum Schluss halten, jedoch wird man mit einer durchaus vernünftigen Story belohnt. Wie gesagt, Sgt. Cages Tag X hört scheußlich auf, doch mit dem Tod ist es noch nicht zu Ende. Cage versucht natürlich so schnell wie möglich, den Zirkel zu durchbrechen und seine Kameraden zu retten, doch würdet ihr auf Tom Cruise hören? Und so stirbt unsere Hauptprotagonist quasi tausend Tode, wobei er jedes Mal besser wird. Hier erfreut sich der Film an einer „Montage, die auch sogar Sinn macht“. Und ja – Superman-Effekt (wer dem Link folgt, wird’s wissen), Aufhebung des Todes, Verminderung der Bedrohung usw usf. Das macht hat in diesem Sinne aber keine wirklichen negativen Ausmaße, da der ständige Tod des Hauptcharakters für clevere und selbstverständlich auch sarkastische Momente sorgt.

Der sinistre Humor wird des übrigens von einer überaus humorlosen Emily Blunt geliefert, die schon mal Cage aus – ich mutmaße hier mal – reinem Spaß, eine Kugel verpasst. Emily Blunt als Full Metal Bitch Rita Vrataski ist (samt Mecha-Anzug) nicht nur verdammt sexy sondern auch mindestens so hart. Sharni „Fuck-Yeah!“ Vinson-Kaliber hart und nicht diese weichgespülten „starken“ Frauenfiguren, die uns das Fernsehen da immer vorsetzen will. Cage & Rita besitzen zwar eine solide Dynamik ab, sind jedoch nicht dieses Leinwandpaar, bei dem the ampersand dazugehört. Dafür hat Rita ein verdammtes Schwert. Glaubt mir, you don’t wanna fuck with her.

ALL YOU NEED IS KILL

Figuratively. Sorry.

Der Film setzt sich montagenartig fort, bis er sich die obligatorische Verschnaufpause vor dem letzten Akt gönnt, nur um dann in den obligatorischen letzten Akt zu rutschen. EDGE OF TOMORROW ist dann und wann doch nur ein Actionfilm, halt ein guter. Meine Partnerin in crime bewertet Klischees und Sünden in Filmen an der Seufz-Skala und auch hier schneidet Doug Limans Werk sehr gut ab (0x Aufseufzen also bitte). Auch das Setting differenziert sich angenehm von den generischen Bildern des üblichen Schmarrn, so ähnlich erging es mir damals bei DISTRICT 9 im Kino, der alleine Aufgrund seiner Location für das „gewisse Andere“ sorgte.

Apropos DISTRICT 9. Politischer unsubtiler Subtext und so. Beim Rekapitulieren von EoT fiel mir fiel der Gedanke, dass es eigentlich schade ist, dass sich der Film hierbei nicht mehr getraut hat, vielleicht etwas aussagen will, das Geschehen mit unangenehmen Wahrheiten unterfüttern, wie die Intellektuellen und Satiriker so machen. Dann wiederum; warum? Vielleicht ensteht beim Lesen der Romanvorlage „All You Need Is Kill“ von Hiroshi Sakurazaka ja ein Bild einer Gesellschaft, die aus Krieg Geschäft zieht, quasi brecht’sche Anwandlungen oder vielleicht tut die Erzählung das auch nicht, im Film dient es lediglich als Aufhänger, Cages Charakter zu zeichnen. So gesehen bleiben EDGE gesellschaftspolitische Andeutungen und subversive Nachrichten fern und das ist wirklich, wirklich gut so.

Letztendlich – ein Wort, dass ich gerne verwende um mir selbst zu sagen, dass mittlerweile genug geschrieben wurde – ist EDGE OF TOMORROW auch nur ein Unterhaltungsfilm und zwar auf die beste Art und Weise. Vielleicht ist es auch die unangestrengte Art, die keinen Twist und keine Verschwörung bereit hält, die ihre Helden nur durch den notwendigsten Kitsch zieht (in Maßen, aber dennoch) oder die bis zum hintersten Soldat interessanten und doch unwichtigen und karikierten Nebenfiguren. EoT ist clever, aber nicht angeberisch, ausgeglichen mit eindeutigen Höhepunkten und kaum Schwachstellen. Langweilig wird einem hier nicht. Das Ende sieht man bereits kommen, doch insofern ist der Film dann auch eine Metapher an sich. Das alles war irgendwann schon einmal da, immer und immer wieder, also machen wir es diesmal besser. Bleibt nur zu hoffen, dass es der Film auch beim zweiten Male schafft.
Und beim dritten Mal.
Und beim Vierten.
Und Fünften.
Und.

Final Destination: Review zu „TIMECRIMES“ (2007) von Nacho Vigalondo

Es kann nur so enden.

Timecrimes (1)

Vielleicht habe ich in den letzte Jahren einfach zuviel DOCTOR WHO geschaut. Oder vielleicht ist mein Hirn noch zu sehr mit dem famosen PRIMER beschäftigt. So oder so, als ich Nacho Vigalondos Zeitreise-Thriller aus 2007 betrachtete, machte sich leichtes Bedauern breit. Bitte nicht umdichten: TIMECRIMES ist unterhaltsam und spannend, soweit es der Film nun mal zulässt und bietet zudem noch ein, zwei feine Ideen, trägt jedoch stets eine unerfüllte (oder unerfüllbare) Erwartung mit, dass noch so viel mehr drin gewesen wäre.

Ein Mann geht in den Wald und wird dort attackiert. Er flüchtet sich auf das nächstgelegene Grundstück, macht dort ein bisschen Krawall, bis ihm der dortige Hausherr ein geeignetes Versteck anbietet. Nur leider handelt es sich bei diesem Versteck um eine Zeitmaschine und prompt findet sich der Mann – nennen wir ihn Héctor – eine Handvoll Minuten in der Zeit zurück versetzt. Und damit fangen die Paradoxa (davon habe ich heute mir die Mehrzahl bestätigen lassen, also werde ich das Wort auch benutzen!) erst an…

Ach ja, Zeitreisen. Die sind bekanntlich kompliziert. Oftmals weil sie absichtlich so erzählt werden (PRIMER), sie Universen erschaffen und kollabieren lassen (DONNIE DARKO), unsere klägliche Existenz durch bitteren Determinismus klein reden (12 MONKEYS), mit unseren Erwartungen spielen (TRIANGLE), unsere moralischen Grenzen hinterfragen (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT II, ha), irgendwie und irgendwas (WHO, LOST) oder einfach nur blöd und unlogisch sind (BUTTERFLY EFFECT, DÉJA VU, PLUS ONE und ein ganzer Haufen mehr). Und wow, kann man mit Zeitreisen viel erzählen! Abendfüllende Geschichten können sich nur um das Thema kreisen, ob man etwas verhindern darf, das passieren muss (quasi jede gute WHO-Episode), oder man jagt eigenen Schatten hinterher und wenn man plottechnisch in einer Zwickmühle oder Sackgasse steckt, nutzt man einfach das nächstliegende Paradoxon und wendet es als logik- & situationslösendes Allzweckmittel an. Der Schlüssel, mit dem du dich befreist? Den hast du schon, den habe ich dir erst in zwei Stunden gegeben!

TIMECRIMES kennt seine Mittel und seine Wege um ans Ziel zu kommen und auch wenn es so wirkt, als ob er anfänglich ein Geheimnis darum macht, stellt sich bald heraus, dass Nacho Vigalondo sich des Genres durchaus bewusst ist; nur leider sind es seine Figuren nicht immer (siehe: Genre Blindness) und eventuell wirkt es auch so, als ob er es seinem Publikum zutrauen würde. Hauptfigur Héctor stellt sich selten blöd an und das Prinzip seiner Situation wird ihm und somit auch uns auf beinahe infantile Weise dargelegt:

Der Film selbst ist allgemein komisch, in jeder Bedeutung des Wortes „komisch“. Er beginnt so merkwürdig, wie er auch weitergeführt wird und die Charaktere (insbesondere der von Nacho Vigalondo selbst gespielte Zeitreise-Betreiber) verhalten sich dem Stil entsprechend. TIMECRIMES (oder um den viel cooleren, spanischen Titel zu verwenden LOS CRONOCRIMENES) fühlt sich in vielen Momenten wie ein absurdes Theater an: Figuren, die auf etwas bestimmtes warten, etwas bestimmtes beobachten und etwas bestimmtes tun, ohne dass es für einen Außenstehenden ersichtliche (oder kaum ersichtliche) Gründe für ihr Verhalten gibt. Alleine Héctors Herangehensweise an seine akkumulierende Probleme sorgen öfters für verständnisloses Raunen: steht der außer sich geratene Mann vor einem verlassenen Haus, schlägt er prompt ein Fenster ein und macht es sich dort gemütlich. Das ist zugleich seltsam, irgendwie irreal aber gerade deswegen auch – ja – komisch.

Komik ist ein Element, welches beim Betrachten von TIMECRIMES unbedingt im Hinterkopf behalten werden sollte (sofern man sich von Héctor nicht ohnehin davon anstecken lässt), denn ohne diese wird einem der Film kaum munden. Nacho Vigalondo als lakonischer Time-Travel-Assistant (schlicht als „El Joven“ – „der Jugendliche“ bzw „der junge Mann“ – im Abspann betitelt) ist eine amüsante Erscheinung im Film und gewinnt jede Szene, in der er auftaucht, für sich. Ebenso Karra Elejalde als Héctor ist eine gelungene Besetzung: der zwischen Verwirrung und Bestimmtheit tendierende, etwas unbeholfene Mann, stolpert von Szene zu Szene und nur durch die Ratlosigkeit, die ihm in Großbuchstaben ins Gesicht geschrieben steht, funktioniert der Plot des Filmes – zumindest so, wie das Drehbuch es will.

Denn, wie seine Figuren, verhält sich die Dramaturgie von TIMECRIMES manchmal etwas unbeholfen. Zeitreisegeschichten – vor allem, wenn sie so aufgebaut sind wie diese hier – funktionieren gerade deswegen so genussvoll und flüssig, weil und wenn die Details stimmen. Und ja, die Details stimmen hier oft und sind sogar manchmal geschickt versteckt, doch meistens wirkt die Entwicklung forciert und etwas platt. (Ich bemerke gerade, dass ich abschwächende Wörter wie etwas oder manchmal verwende, wohl aus dem Grund, weil ich mit TIMECRIMES nicht so hart ins Gericht gehen will. Der Film hat eine sympathische Ausstrahlung und einen eigenen Stil, der mich anspricht und weswegen ich ihm die zahlreichen Süden auch verzeihen will, aber ein klugscheißender Kritiker muss nun mal tun, was er tun muss. It’s all I have!) Wichtigstes Element des Filmes ist dass sich ineinander fügen und dass zusammen führen von losen Enden, doch diese Enden sind absichtlich wage gebunden oder unnötig verkompliziert dargestellt. Oder anders: nackte Frauen im Wald brauchen schon einen verdammt guten Grund nackte Frauen im Wald zu sein und dieser Grund ist hier einfach nicht gegeben.

Hinzu kommt noch eine Ansammlung an (Kontinuitäts-, duh) Fehlern. Da gibt es die für das Genre stets ärgerlichen, aber beinahe schon Selbstverständlichen (Zeiteinheiten stimmen nicht überein) bis hin zu wirklich Gravierenden (zerrissene T-Shirts sind in der nächsten Szene wieder ganz?). Ein faules Drehbuch („Zum Glück ist mir der Trick mit den xy eingefallen!“) um Plotlöcher zu überbrücken sind dann quasi der Beweis, das Kirschen auf der Torte nicht immer etwas Positives bedeuten zu haben. Besonders frustrierend ist es dann, wenn zunächst unwissende (s.o. genre-blinde) Figuren geläutert werden um zukünftige (oder vergangene? HA!) Fehler zu vermeiden, ihr neu erlangtes Wissen preisgeben nur um dann wenige Minuten später genau den selben Fehler wieder zu begehen! Und leider handelt es sich dabei nicht um kleine Details am Rande, sondern sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Geschichte so funktioniert, wie sie nun mal funktioniert.

Insofern erkennt man, das Vigalondo weiß, wie das Genre tickt (ja, ich muss dabei grinsen), nur leider geht er nie einen Schritt weiter. Nie erhebt sich TIMECRIMES von dem üblichen Sci-Fi-Flick in etwas Besseres. Etwas, das klüger als sein Publikum ist. Das ist meiner Meinung nach ein großes „Problem“ in Science-Fiction-Filmen, die sich zur Aufgabe gemacht haben, eine gewiefte Geschichte zu erzählen: SOURCE CODE zum Beispiel ist ein solider, unterhaltsamer Film, dessen Ausgang jedoch nie im Unklaren liegt, das Ende überrascht nicht. LOOPER (der beste Sci-Fi-Filme der letzten Jahre) umgeht dies und bringt uns das klassische Beispiel von „der-Weg-ist-das-Ziel“, in dem er den Weg umfährt, und uns ganz anders, als wir es erwarten zum augenscheinlichen Ziel führt. Das Finale gerät in den Hintergrund, da die Geschichte nicht mehr vom ewigen Dilemma des verdammten Determinismus getragen wird.

Und TIMECRIMES? Wie gesagt, der Film weiß es, sicherlich, spielt auch ein bisschen damit, wird aber nie übermütig. Vigalondos Film entspricht leider zu sehr der Norm, da er sich einfach zu sehr auf seine Idee verlässt. Gerne würde ich schreiben, dass dies auch weiter nichts ausmacht, aber dem ist nicht so. Und wieder, nicht falsch verstehen: TIMECRIMES ist ein guter Film, die Komik passend unpassend, die Stimmung schwappt gekonnt ins Düstere über, die Figuren sind allesamt sympathisch und viele der Bilder auch bemerkenswert (Mister Bandagengesicht wäre die perfekte Slasher-Kultfigur und das Setting des wissenschaftlichen Anwesen, erinnert zu sehr an 60er Jahre Sci-Fi-Filme, als dass es ein Zufall sein könnte), doch dafür, dass sich der Film so sehr auf seinen Plot verlässt, der wiederum sich viel zu konstruiert anfühlt, ist es einfach zu wenig. Am Ende bleibt man unterhalten, lakonisch wissend dass da mehr gewesen sein könnte aber dennoch nicht enttäuscht: dass TIMECRIMES nicht mehr überrascht war nach ungefähr einer halben Stunde klar – und er ist dabei immer noch besser als 95% dieser Filme.

Breaking Symmetry: Review zu „PRIMER“ von Shane Carruth

Alles hat Konsequenzen. Vielleicht.

primer

PRIMER beschäftigt mich bereits seit Jahren. Zunächst: Zeitreisen. Mein Lieblingsthema in Filmen, seit dem ich als Kind „Zurück in die Zukunft“ gesehen habe. Des Weiteren: ein verheißungsvolles letztes Panel in dem ohnehin großartigen Webcomic xkcd. Überhaupt: die Reputation, einer der verwirrendsten Filme der letzten Jahre zu sein – Lynch mal ausgeschlossen. Endlich habe ich es geschafft PRIMER zu schauen und ja, er hat nicht enttäuscht und nein, so verwirrend ist er nun auch nicht, aber doch, eigentlich. Moment. Alles der Reihe nach:

Zwei junge Ingenieure bauen – eher: entdecken – eine Box. Diese Box kann Dinge, die wissenschaftlich nicht möglich sind. Einer der beiden Männer finden bald heraus, dass sie die Eigenschaften dieser Box manipulieren, ja, sogar an ihm selbst anwenden kann. Er benutzt die Box und erzählt seinem Freund einen Tag zuvor, was er mit dieser Box gemacht hat bzw. was er heute mit dieser Box machen wird. Soweit dazu.

Zuviel vom Inhalt PRIMERs zu verraten, wäre unfair als auch unsinnig. Dieser erklärt sich im Grunde eh von selbst, im wahrsten Sinne des Wortes: recht bald, besprechen unsere beiden Hauptfiguren, das Phänomen ihrer Box und bemerken, dass Gegenstände in dieser zeitlich gesehen von A zu B reisen, aber nie bei B ankommen, sondern immer wieder zu A zurückspringen. Immer und immer wieder, bis sie die Box ausspuckt und die Gegenstände eine Vielzahl an (temporären) Schleifen zurückgelegt hat. Der Film PRIMER ist quasi diese Box, A und B sind Anfang und Ende des Filmes und unsere Figuren, die Gegenstände, die B erst sehr spät erreichen. Das mag geschriebener verwirrender sein, als es dann geschaut wirklich ist.

Letzen Endes macht PRIMER nämlich genau das, was alle Zeitreise-Filme machen: Paradoxa aufzählen, bereits Erlebtes missbrauchen, Zukünfte manipulieren. Bald stellt sich die Frage, sowohl für Zuseher als auch Figur, in was für einer Zeitreise wir uns befinden (auch dazu ein nettes Internet-Bild): passiert alles, wie es passieren muss, ändert sich unsere Realität und sind Paradoxa ein Teil davon, oder teilt sie sich und alles was wir erleben, ist ein neues Universum aus neuen Möglichkeiten? Ganz nebenbei wirft PRIMER diese Fragen auf, doch dienen sie zugleich dem Spannungsaufbau dieses Filmes, in dem sonst nicht viel passiert.

Ratten am Dachboden.

Wenn man genau hinhört, weiß man endlich was geschieht. Hinhören aus diesem Grund, weil PRIMER nicht viel zeigt, sondern eher erklärt. Aber auch das nur zu einem gewissen Teil. Irgendwann beginnt der Film zu brechen und wir beobachten eine Schleife, die zu leiern beginnt, jedoch nicht wissen, wieso. PRIMERs Geschichte wird zu einem Mosaik und die Szenen zu Fragmenten, die Dialoge zu aufgefangenen Fetzen, essentielle Details zu gemurmelten Nebensächlichkeiten und eine wichtige Figur kommt auch nur dann vor, wenn wir wirklich gut aufgepasst haben.

Und ja, so macht PRIMER wirklich keinen Sinn, sondern fühlt sich eher an wie ein Telefonat, dessen Inhalt wir nur als Außenstehender aufnehmen. Das ist insofern ärgerlich, weil PRIMER verdammt spannend ist und man trotz allem das Gefühl hat, dass der Film sich nur absichtlich so verwirrend anstellt, um sein Publikum absichtlich so zu verwirren. Mittel zum Zweck und so. Andererseits geht viel der Atmosphäre und des Reizes auch davon aus, das PRIMER lückenhaft daher kommt. Versteht man zu Beginn des Filmes den Jargon der Figuren nur ansatzweise (zumindest ging es mir so, als naturwissenschaftlicher Laie), sind es am Ende die fehlende Szenen, die einem das Verständnis rauben. Oder zu rauben glauben.

Sieht man von dem ganzen Entschlüsselungs-Aufbau ab, ist PRIMER ein stets einfach aber durchwegs gut gemachter Film. Den Figuren mangelt es etwas an Anhaltspunkten, so dass ihr Handeln für den Zuseher greifbar gemacht wird und der Plot leidet eindeutig darunter, dass er durch seinen letzten Endes mosaikartigen Arrangement, in den Hintergrund gerückt wird. Die Atmosphäre selbst ist formidabel und schafft es ohne viel suggestiver Beleuchtung, wilden Kameraeinstellungen oder sonstigen filmischen Tricks eine schöne Bildkomposition zu formen, deren Wurzeln gezwungenermaßen in seiner raunchy Grobkorn-Ästhetik liegen. Die Musik von Regisseur und Writer Shane Carruth drängt sich nur selten auf und erinnert stark an Clint Mansell, was nur positiv verstanden werden kann.

Was aber macht PRIMER letzten Ende so bemerkenswert? Es ist nicht nur schlicht die Frage der gefährlichen Implikationen, welche die Box mit sich bringt oder das erzählerische Vexierbild (dafür werde ich sicher von irgendwem geschlagen, mit viel Glück bemerkt es niemand), mit dem Carruth experimentiert. Es sind sicherlich auch nicht seine Figuren, denen es etwas an Entfaltung fehlt und ganz sicher nicht ist es der viel zu schnelle Schluss, der zu Mutmaßung anregt, aber es leider auch nur dabei belässt. Nein, PRIMER zieht seine Faszination aus seiner Einfachheit (!) mit der er an seine Geschichte ran geht – ja, ich weiß, das negiert jetzt die letzten Absätze, aber trotz, nein, gerade wegen seiner hohen Dichte an Missing Pieces funktioniert der Film auf einer recht simplen Ebene.

PRIMER geht nämlich entspannt unaufgeregt mit seiner Thematik um, benutzt sein wesentliches Plotelement nicht um Hitler zu töten, sondern lässt seine Figuren so agieren, wie es in Rahmen unserer Vorstellung auch authentisch ist. Alles wird angeschnitten, doch nicht alles muss ausprobiert werden. Alles hat Konsequenzen, doch nicht alle Konsequenzen sind für uns sichtbar und wenn, werden sie uns nicht erklärt. PRIMER ist deswegen ein so gut gemachtes Geheimnis, weil er schlicht bleibt. Je näher wir uns an Punkt B bewegen, umso hektischer verläuft der Film auch, aber umso größer wird auch das „vielleicht“ und umso beruhigender ist es. Von einer großen Konsequenz wird ruhig weggeblendet, doch das stört schon lange nicht mehr. Viel spannender war ohnehin nur die Implikation eines Problems, einige Szenen davor: als plötzlich das Handy eines der Hauptfiguren läutet, schlug ich erschrocken die Hand vor den Mund. Die Symmetrie wurde durchbrochen. Hat es Auswirkungen? Wer weiß.