Twelve thousand monkeys: Review zu „Dawn of the Planet of the Apes“ (Now with 100% more chim-pun-zees!)

In naher Zukunft: Ein Virus hat uns alle getötet und nur noch ein Bruchteil unserer Spezies lebt vereinzelt in den noch bewohnbaren Stellen des ehemals menschlichen Habitat. Nicht weit entfernt von Former-San-Francisco, in den tiefen Wäldern hingegen entwickelt sich der nächste King (Kong) of Nature. Affen sind klug geworden (siehe Vorgänger – bzw Prequel der Klassiker-Reihe – „Rise“) und haben eine Gesellschaft mit menschlichen Zügen entwickelt. Alles ist dabei: Familie, Klassenkampf, Geschlechterrollen und allen voran, das gefährlichste Werkzeug von allen. Die Sprache. Das lassen die Menschen natürlich nicht auf sich sitzen, waren sie einst die sogenannte Krönung der Schöpfung. Und da Geschichte offensichtlich nicht umschrieben werden kann, führen Handlung und Script bald zum unausweichlichen Kampf zwischen Mensch und Tier.

koba is badass. BADASS!

Einleitende Worte zu diesem Review: ja ja signifikanter popkultureller Einfluss (früher bedeutete es noch etwas, wenn man in den Simpsons vorkam), Tim Burton ist wäh und das Reboot aus 2011 ist echt nicht schlecht (wenn man von der obligatorischen Ethik-Diskussion absieht, die wie eine immenser Zeigefinger über dem ganzen schwebt: „Natur guuuut, Mensch böööse“). Auf den neuen Affen-Film hab‘ ich mich dennoch gefreut. Erstens: Affen! Zweitens: Affen auf Pferden! Drittens: Affen mit Maschinengewehren!

dawn_of_apes_teaser_poster

(Ich lass‘ mich viel zu oft von gut gemachter PR zu Filmen überreden.
However, look at this shiiiiiiit!, sage ich in meiner besten James Franco Impression)

Ja, gut. Eigentlich kann der Film gar nichts mehr falsch machen, bei dieser Prämisse. Dachte ich und – okay, um fair zu bleiben, viel macht der Film ja auch nicht wirklich falsch. Leider macht er auch nicht besonders viel richtig. Die meiste Zeit tut er nämlich gar nichts, sitzt in der Ecke und rezitiert fehlerfrei und humorlos sein Skript. Wenn man ihn dann, anstupst, dass er uns endlich unterhalten soll, wie diese maskierten Äffchen im Zoo, setzt DOTPOTA (oder nennen wir ihn doch einfach lieber „Dawn“) resigniert eine Tanzeinlage aus Explosionen und Gary-Oldman-Perfomances hin, nur um sich nach einer viertel Stunde wieder hinter einem Vorhang generischen Handlungsablauf zu verkriechen. Dafür habe ich jetzt 11 Euro bezahlt? Denk‘ ich mir im Zoo auch immer wieder, wenn die Tiger nix zerfleischen und die Bären nicht für mich tanzen.

Das Plus zuerst: Wenn die Affen anfangen sich ihrer Spezies entsprechend zu benehmen und die Kacke am Werfen ist, geht der Film auch ganz gut ab. Affen im Panzer (hell yeah, dafür hab‘ ich die 11 Euro bezahlt!), Affen auf Pferden, Affen und Wafffen! Affen attackieren Menschen, stets in freundlicher PG-13 Gewalt-Ästhetik, nix besonderes, aber! Gut genug für Unterhaltung. Was die allgemeine Kritikerschaft – von der New York Times bis hin zum „Alles-Oasch“ profil – dem Film abgewinnen konnte, bleibt mir jedoch ein Rätsel. Vielleicht ist es die allgemeine Überraschung, dass der Film letztendlich doch nicht so suckt, wie man es von einem Sommer-Blockbuster erwarten würde. (Die Graustufen bestehend anscheinend „überraschend gut“ und „Transformers“). Aber nur weil ein Film nicht so schlecht ist, wie man meinen würde…

Nun, es ist schon „mutig“ (unter ganz großen Anführungszeichen, Hollywood-Filme sind selten so provokativ und gegen Strich, dass ich sie als ehrlich mutig bezeichnen würde), einen Großteil des Filmes in Zeichensprache ablaufen zu lassen. Wissen die denn nicht, dass wir Kinobesucher es hassen, wenn man uns zum Lesen zwingt?! Pffff. Die menschlichen Charaktere sind dabei absichtlich (?) leer gehalten, dass man sich über die Dialoge zwischen den Affen auch so richtig freut – die Alternative dazu wäre faden Schablonen dabei zuzuhören, wie sie früher-war-alles-nicht-so dies und wir-sind-nicht-alle-so-böse das bequatschen; zwischendurch erscheint die Affenbande und die Schauspieler können ihr what-the-fuck-the-monkeys-are-coming!-Gesicht machen.

Da steckt in den CGI-geglätteten Fressen unserer animalen Counterparts schon mehr Gefühl dahinter. Ja, genau, menschliche Fleischklöpse! Andy „Gollum“ Serkis und seine motion capture Maske aus Spezialeffekten bringt mehr Tiefe und Schauspiel zur Geltung, als ihr alle zusammen! Und wer auch immer die anderen Affen spielt, die machen das auch besser! Menschen, ihr seit überflüssig (ah, ich hab‘ den Film gerade verstanden)! Natürlich spielt da auch das Drehbuch einen wesentlichen Teil, aber die Konflikte zwischen Affen-Leader und Affen-Gefolgschaft sind schon interessanter, erheben sich jedoch nie über die Ebene hinweg, die den Film das Prädikat „bemerkenswert“ oder wenigstens „zitierwürdig“ verleihen würde (okay, das einzige Zitat aus dem ersten Film ist das imposante „NO!“ von Cesar, aber das ist auch une négation extraordinaire!).

Konflikt und Drama in der Affenstube ist nämlich so originell, wie schlechte Vergleiche meinerseits. Der Verräteraffe hätte gleich den Namen „Brutus“ tragen können (apropos Namen, wieso nennen sich diese Wesen immer noch bei ihrem alten Namen, die ihnen ihre ehemaligen Unterdrücker gegeben haben?), die Ansprachen Cesars nicht herzens-besser sein und die schleichende Erkenntnis, dass wir am Ende alle die gleichen Monster sind, nicht aufdringlicher.

It was language killed the beast. Ein paar Fragen hat der Film dann doch aufgeworfen; wann spricht man äffisch, wann in Zeichensprache und wann Mensch? Was sind die Abstufungen? Und sind die Affen nicht bereits auf die Idee gekommen, dass seit dem sie sich beleidigen können, das Leben irgendwie hinterlistiger geworden ist? Da würde sich doch etwas anbieten, doch der Film beschließt lieber, den üblichen Diskurs „Human VS Nature“ einzuschlagen. Der ist sicherer, überfordert niemanden und verstehen tut das auch der letzte Aff‘. Am Ende sind wir alle ein bisschen gewachsen, weist eh, moralisch: ab heute kauf‘ ich keine Produkte mehr, die nicht speziell an Schimpansen getestet wurden. „Dawn“ hat mir gezeigt, wozu diese Biester in der Lage sind!

„Dawn“ macht es mir jedoch auch etwas schwer, mit den eigentlichen Helden mitzufiebern. Selten waren mir die menschlichen Protagonisten wurschter und noch seltener waren mir die eindeutigen Antagonisten sympathischer (und damit meine ich die absichtlich depperten Arschgeigen und nicht die bösen-aber-coolen-Batman-Supervillians): Sowohl Koba (der böse Affe) als auch Gary Oldman (der böse Mensch) haben aus ihrem Standpunkt und aus der Distanz betrachtet recht. Eindeutig. Man verhandelt nicht mit terroristischen Affen und vice versa, aber auch nur aus dem Grund, weil es sich weder mit Mensch noch Tier gut verhandeln lässt. Da haben die metaphorischen schießwütigen Texaner dieses Filmes schon einen Punkt. Und am Ende bricht die Revolution (oder Prevolution, ha ha) aus und Schuld sind die Pazifisten.

Gut, soooo simpel ist es dann auch nicht. Rache war eindeutig ein starker Motivator beider Seiten, aber trotzdem: die Rache gönn‘ ich beiden (dem Affen ein bisschen mehr). Ist auch wesentlich interessanter als Affen-Hebammen und Hippie-Menschen. Das ganze endete damit, dass ich nur noch darauf gewartet habe, dass die Hölle endlich losbricht und mir es ehrlich egal war, wen es zuerst erwischt. Aber bis die Ape-okalypse (hi hi) mal passiert, gibt es einen langen faden Weg zwischen-spezies’scher Diplomatie. Der nächste Teil wird dann aber bitte ein R-Rating tragen, Gorillas zermanschen Menschenköpfe und der ökologische Diskurs ist dann ein für alle Mal hoffentlich beendet! Das gefährlichste Tier sind wir selbst und so weiter. Wir haben’s verstanden.

Irgendwie ist es auch schade. In „Dawn“ steckt eindeutig viel Arbeit und viel Liebe zum Detail. Wie gesagt, der Film ist nicht wirklich schlecht, er ist nur an den wichtigen Stellen ideenlos. Post-Apokalyptisches San-Francisco sieht toll aus, die Cinematographie rund um die Affensiedlung ist mit starken, nassen Farben einprägsam und die CGI ist eine Überdosis an good ol‘ Kinomagie (nur Rafiki war für ich damals realistischer)! Aber rund um die schön geschliffenen Steine, plätschert ein Bach aus Konventionen und leeren Worthülsen. Bis auf die wirklich gelungene Abrundung des zweiten Akts („Affen attackieren die Stadt! Rette sich wer kann!“), verläuft alles bis zum Finale genau so, wie man es sich von Anfang an gedacht hat: was für eine riesige Verschwendung an Potential.

 

EDIT: Ein Freund (Shout out to RifRaf!) meinte, die Musik habe ihn immens genervt. Aber die fand‘ ich okay. Wenn Michael Giacchino komponiert, klingt alles so, als würden die Eisbären aus LOST angreifen. 

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