Archiv für den Monat September 2014

Ein dunkles Gefühl, das man nicht loswird: Review-Essay zu „THE BABADOOK“

Die Geschichte beginnt so:

If it’s in a word or in a look
You can’t get rid of the Babadook

A rumbling sound 
then 3 sharp knocks
ba-BA-ba 
dook
dook
DOOK.

mister

2014 ist ein gutes Jahr für Horrorfilme. Das Genre, das gerne für tot erklärt wird erfährt in meinen Augen zumindest eine kleine Renaissance. Alleine am diesjährigen /slash waren gesammelt mehr Filme dabei, bei denen ich mich gegruselt – und ich meine so richtig gegruselt! – habe, als in den letzten fünf Jahren zusammen. Aber vielleicht werde ich auch einfach nur alt und sensibel, habe Frieden mit mir geschlossen und kann mich endlich wieder ganz in solche Filme einlassen. Aber das letzte Mal das mir so wohlig und mulmig die Gänsehaut über die Arme gewandert ist war vor vielen Jahren, als ich das Verbinskis RING Remake im Kino (und dann immer wieder auf DVD, zum Glück waren VHS damals schon out) erblickt hatte. Und dieses Jahr fror mir mein selbstgefälliges Kritikergrinsen gleich ein paar mal ein: da gabs einerseits den unheimlichen IT FOLLOWS (offensichtlich habe ich Angst vor Flüchen – oder vor Sex), andererseits den überraschend guten OCCULUS (wirklich! Das hätte ich von allen Filmen am wenigsten erwartet). Und dann dieser Film.

Es ist spät und sich den Trailer auf YouTube anzuschauen vielleicht nicht unbedingt das Klügste, aber ich hatte die Woche ohnehin nicht vor zu schlafen, außerdem muss man da als Rezensent durch. Also noch einmal. Ba-dook. Dook. DOOK.

Als die alleinerziehende Mutter Amelia eines Tages das etwas obskure Kinderbuch findet, denkt sie sich nicht viel dabei. Prompt wird es ihrem Sohn Samuel vorgelesen, der aber sehr schnell Angst vor dem Mister Babadook bekommt; kein Wunder, ist die titelgebende Hauptfigur des Pop-Up Buches keineswegs ein angenehmer Geselle. Er schleicht sich an und bevor du es weist, hat er dich! Natürlich wirft Amelia das Buch weg, doch der Babadook ist schon längst hier und geht auch nicht mehr fort. Ihr Sohn sieht ihn zuerst, doch glaubt Amelia ihm vorerst nicht. Bis sie aber keine Wahl mehr hat und der Wahrheit ins Auge blicken muss…

Als ich mit einem ehrfürchtigen aber zufriedenen Lächeln aus dem Kinosaal schritt, bemerkte ich sofort den allgemeinen Konsens: lange Gesichter, kein Applaus und kurze Wortfetzen: „Also so super war der jetzt nicht.“ Gut, dachte ich mir, umso besser. Kann ich mal wieder dagegen sein. Aus Prinzip. Und wie jeder vernünftige Mensch, hievte ich mich hinter die Tastatur und suchte im Internet nach Stimmen, die mir recht gaben. Während sich meine Meinung über den satanistischen Geheimbund, der Hollywood fest im Griff hat nur verstärkte, stieß ich nebenbei auch auf ein paar wohlwollende Stimmen zu dem wundervollen BABADOOK. Und gar nicht wenige: 100% faulige Tomaten (Stand: als ich das letzte Mal nachgeschaut hab‘) zum Beispiel gibt es für den Film, der als Kickstarter-Projekt ins Leben gerufen wurde. Und ja, normalerweise soll man dem Hype nicht believen, aber dieses Mal ist dieser durchaus gerechtfertigt.

Vielleicht war das Publikum an meiner Seite etwas enttäuscht über die angesammelte Spannung, die sich nicht in Schockeffekten löst, sondern sich wie ein Tuch über den Film legt. Vielleicht war es auch die zu symbolträchtige Auflösung oder das Finale, dass sich nicht in einem James Wan’schen Geisterwrestling sondern in einer tiefen Erkenntnis äußert. Vielleicht auch, weil der Film erzählt und seine Zuseher nicht von Schreck zu Schreck jagt. Ich unterlag jedoch einer Elektrizität und Spannung, die mich fest umschlossen hatte und ich war von Charakteren gebannt, deren Ehrlichkeit und Schicksal fast zu Tränen gerührt haben. Das mag vielleicht persönliche Gründe haben, ich kann es ehrlich nicht sagen, aber es sind nicht die selben, die mich bei THE INNKEEPERS par exemple angesprochen haben. Nein, in THE BABADOOK fließen keine eigenen Erfahrungen ein, keine Clerks-Generation-Selbsterkennungs-Geistergeschichte und auch keine unbewussten Ängste vor Kinderbüchern oder Urängste vor dem Mann im Schrank, es ist schlicht und einfach die Geschichte dieser einsamen Frau die trotz allen Mutes und Kraft an ihrer Mutterschaft zerbricht. (Da kann man jetzt sicherlich ganz viel hineininterpretieren…)

Ich geb’s ja zu, ich bin ziemlich sexistisch. Ich mag Frauen in Horrorfilmen einfach mehr (da kann man jetzt sicher auch viel hineininterpretieren…) und damit meine ich nicht das übliche Final Girl (nein, das muss wenn schon Sharni Vinson sein), sondern die zerbrochene Figur aus THE OTHERS oder die ehrgeizige Journalistin aus THE RING. Okay, ich mag nicht Frauen in Horrorfilmen, ich mag Mütter in Horrorfilmen (oder Blondinen), aber Amelia, Grace und Rachel haben eines gemeinsam: eine unerbittliche Bestimmheit gegen die Bedrohung zu schreiten, koste es ihr Leben. Ihr Charakter treibt die jeweiligen Filme an, sie sind der Schlüssel warum abseits von Schockeffekten und düsterer Atmosphäre die Geschichten auch funktionieren; nicht weil man sich so gut in sie hinein versetzen kann (oder, das vielleicht auch), sondern weil man ihren Kampf regelrecht spürt. Essie Davies fabelhaftes Schauspiel sieht man nicht nur, man fühlt es. Amelias Verzweiflung und Angst spürt man jede Sekunde in THE BABADOOK, umso stärker und gewaltiger wirken die Momente, in denen sie sich gegen das Monster stellt.

Ach ja, das Monster. Es ist so viel mehr als nur ein Monster, es ist ein Angst, keine die dich verfolgt, sondern die tief in dir drinnen sitzt. You can’t get rid of the Babadook. Der finale Kampf fügt sich wunderbar in den bisherigen, den Amelia hinter sich hat und wirkt beinahe vergebens, als sich die wahre Gestalt des Wesens offenbart. You. Can’t. Ist der Babadook einmal drinnen, geht er nie wieder weg. Die traurige Erkenntnis wird zu einem der schönsten Szenen, die ich je in einem Gruselfilm gesehen habe und hat zwar nicht die selbe Twist-Essenz eines SIXTH SENSE, aber versprüht die selbe törichte Erleichterung. Akzeptanz und Heilung. Und keine Angst, ich verrate nicht zu viel – wenn überhaupt dient das hier nur diesen Film auf einer weiteren Ebene zu erkunden, primär ist und bleibt THE BABADOOK nämlich ein hervorragender Gruselfilm.

Und wie: es knarzt und ächzt in dem Haus, dass sich merkwürdig einsam anfühlt. Die Figuren atmen unter ihren Bettdecken und wir halten ihn an, als der Babadook kommt, die Starre setzt ein und die Finger graben sich in den Kinsessel – ba dook. Dook. DOOK. Dieses Kinderbuch ist wahrscheinlich das unheimlichste Medium seit dem berüchtigtem Ring-Video; White-Noise-Aufnahmen hin, alte Schalplatten her, böse Puppen am Arsch, die Präsentation von „Mister Babadook“ ist verdammt, verdammt, verdaaaaaammt unheimlich und das Buch gibt es leider nirgends zum erwerben, aber mit viel Glück lässt man sich für die Heimkino-Publikation etwas nettes einfallen. Ich würde viel zu viel Geld für dieses Buch ausgeben, dass ich mir dann doch nicht ansehe, weil ich ja auch irgendwann noch schlafen muss.

baba

THE BABADOOK ist des Übrigen – falls ich es noch nicht genug erwähnt habe – ein wunderschöner Film, in bezaubernden Farben, fabelhafter Bildkomposition (und hier stimmt das Wort Komposition) und grandiosen Design. Jennifer Kent schafft es trotz glasklarer und filmischen Glanzbildern, dem Film einen zerstörten Look und eine tiefe Traurigkeit zur verpassen ohne dabei prätentiös, übermäßig glatt oder unnötig hochstilisiert zu wirken. Dem Drehbuch wird durch das Schauspiel der beiden bezaubernden Akteure Essie Davies und Noah Wiseman (als best fucking kid ever!! Nein, wirklich Wiseman spielt – vor allem für sein Alter – so dermaßen unglaublich gut) das nötige Leben eingehaucht: jede Szene stimmt, jede Stimmung wird perfekt eingefangen und noch die leiseste Mimik der Schauspieler reist einen mit. Man möchte aufstehen und das Mutter-Kind-Gespann umarmen, so lange umarmen bis ihr Schmerz sich in Luft aufgelöst hat, die Tränen getrocknet und die dunkle Nacht vorbei ist.

Vermisst habe ich lediglich eindringlichen Score (wenn ich Hans Zimmers Ring-Thema höre, brauche ich nur die Augen zu schließen um den in rot-leuchtenden Ahornbaum vor meinen Augen zu sehen), der den Film die letzte einmaligen Wiedererkennungswert verpasst. Ebenso wenig definiert Kents Film das Genre neu oder setzte neue Maßstäbe, dafür ist der Film etwas zu sehr in seinen Grenzen verankert. Und trotz seines sich fügenden Endes bleibt eine vage Note des Verdrusses, als ob jemand die Kirsche einer ansonsten formidablen Schwarzwälderkirschtorte vergessen hätte. THE BABADOOK hört leise auf, auf eine stürmische Nacht folgt ein ruhiger, mit tau benetzter Morgen. Und dann endet der Film mit einer aufkeimenden Blüte und einem dunklen Bild. Schlicht und leise glücklich in seiner Einfachheit. Ein schwaches Gefühl regt sich, dass da noch etwas fehlt – und ja, das tut es auch. Denn Amelias Geschichte ist noch nicht vorbei, sie arbeitet im Kopf des Zusehers weiter, dem leider nichts anderes bleibt als zu hoffen. Hoffen, dass das Monster eines Tages verschwindet. Hoffen, dass es nicht auch Samuel heimsuchen wird. Hoffen, dass sich eine liebende Hand anbietet, die mit einem sanften Druck in eine Richtung weist, die da besagt: „Ich helfe dir, es zu besiegen.“

Doch leise, ganz leise fürchten und wissen wir alle: You can’t get rid of the Babadook.

c9e4fc69280925ccd0b441c5a5498b85_large

Und so hört diese Geschichte dann auf.

Dark Doom Honey: Review zu „IT FOLLOWS“

Es gräbt sich tief unter die Haut, ein Gefühl das dich nicht mehr loslässt. Es klopft an der Wand, es schmettert seine Fäuste gegen die Tür, es schlägt durch die Fenster: es verfolgt dich. Du kennst es vielleicht, manchmal kommt es in der Form eines Menschen den du liebst, nur um dich umso stärker zu zerstören oder um dir klar zu machen, dass es kein Entkommen gibt. Du kannst laufen, aber du kannst dich nicht verstecken. Es kommt langsam auf dich zu, sehr langsam, aber es kommt. Wo auch immer du bist, du vergisst nicht: es kommt.

big

„Ein ausgesprochen ästhetischer Mindfuck. Streckenweise ernsthaft unheimlich.“, schreibt der filmtipper Harald auf seiner Facebook-Seite und Kollege Gregor legt gleich nach und lobt den Score. Und Recht haben sie: IT FOLLOWS brilliert gleich von Anfang an mit seinen haunting pictures, seinem bizarren und hypnotisierenden Rhythmus und – ja – allen voran mit seiner hervorragenden Musik von Disasterpeace, wodurch die Intensität der Szene immens potenziert wird. Leider werden meine Reviews immer 1000 Wörter lang, an sich könnte man es bei diesem Statement belassen. Der Film ist ein obskurer Mindfuck, yes, und er zieht seine Bahnen tief in das Knochenmark, yes, aber eines musste ich dann doch loswerden: IT FOLLOWS ist streckenweise leider auch ernsthaft langweilig

Die bekannteste Horrorfilm-Trope der Welt (nein, nicht die, dass der Killer immer ein zweites Mal kommt), dient hier als Aufhänger: nur die Jungfrauen überleben Death by Sex, sozusagen. Ist der Fluch, den man sich in IT FOLLOWS einfängt durch Sex übertragbar (ob geschützt oder nicht spielt hier keine Rolle, obwohl es nach dem Film diesbezüglich ein wenig Diskussionsstoff gab).Die notgeilen Jugendlichen sind ja allesamt promiskuitiv, da vermehrt sich der Geistervirus quasi wie von selbst. Eines Tages erwischt es die hübsche Jay (natürlich, in Horrorfilmen sind sie immer hübsch), die nach einem kurzen Liebesabenteuer von ihrem Sexpartner plötzlich entführt wird. Dieser fesselt sie an einen Stuhl um ihr – sonst würde sie es nicht glauben – vorzuführen, gegen welche Kraft sie es nun zu tun hat. Und holy fuck, was nun auf Jay (und uns) zukommt – im wahrsten Sinne des Wortes – ist unbestreitbar grausam, unbarmherzig und unaufhaltsam. Jeder Schritt Entfernung zählt.

Regisseur David Robert Mitchel hat DAS Filmmonster der letzten Jahre auf die Leinwand gezaubert. Und dabei stimmt der Terminus Filmmonster nicht einmal, den Monster haben meist wenigstens ein Gesicht. Das Wesen in IT FOLLOWS lässt sich schwer beschreiben, es drängen sich Vergleiche wie albtraumhaft oder irreal auf, zwar hat das „Monster“ einen Körper, doch keinen festen, erscheint nie in selber Form und es ist vor allem eines: allgegenwärtig. Der eine Schatten zuviel. Das Wissen, das hinter der Tür jemand lauert. Der Grund für das Knirschen des Bodens zur Stunde des Wolfes. IT FOLLOWS ist viel zu gruselig, dass man genauer darüber nachdenken möchte und wer sich diesen Film spätnachts, alleine zu Hause antut hat sie nicht mehr alle. Selten hat mich ein Film NACH der Vorstellung so sehr gegruselt.

Dass liegt auch daran, dass hinter der Idee viel mehr liegt, als hinter der Präsentation. Das /slash-Programm bringt es gut auf den Punkt „IT FOLLOWS ist ein abgründiger Urangstfilm“ und gerade diese Angst macht ihn so stimmungsvoll und bemerkenswert. Leider hält sich die Stimmung nicht durchgehend und das liegt hauptsächlich an den Figuren und dem mageren Drehbuch.

Warum müssen Horrorfilme auch immer im Milieu von irgendwelchen Teenies spielen? Nicht einmal SCREAM 4 schafft es Abseits der hormongetriebenen Zielgruppe zu fischen und der hätte allen Grund dazu zur Abwechslung mal Erwachsene an das Messer zu liefern, ist Sidney mittlerweile keine Studentin mehr. Bei IT FOLLOWS liegen die Gründe auf der Hand, ist das „Monster“ eindeutig eine metaphorische Missbildung des generischen Teenage-Angst Begriffs: IT FOLLOWS sprüht aus jeder Pore die jugendliche Angst vor der körperlichen Zweisamkeit und lässt vor allem nicht mehr los. Leider reicht das nicht um bei den „Opfern“ das selbe Interesse zu wecken, die das „Monster“ bereits geweckt hat.

Die erste Assoziation meiner besseren (und klügeren) Hälfte war augenblicklich die Graphic Novel BLACK HOLE, in welcher den Jugendlichen nach dem Geschlechtsverkehr abnorme Deformationen wachsen und sie sich deswegen gezwungen fühlen, verstoßen und abseits der Zivilisation von nun an ihr Dasein zu fristen. Eine weitere Assoziation bildete sich beim Revue passieren des Filmes: der Film erinnere sehr an Sofia Coppolas THE VIRGIN SUICIDES und auch das stimmt in meinen Augen auf mehreren Ebenen: Coppolas Film ist ebenso ein langatmiger Film mit selbstverliebten Figuren und einer angeblich authentischen Darstellung der jugendlichen Lebensweise. Er ist einer dieser Filme, der lieber Fragen aufwirft, als Antworten zu geben (und das ist okay, ich muss auch zugeben, ich bin weder Fan von Sofia Coppolas Filme – mit der einen Ausnahme – oder der Romanvorlage von Eugenides). IT FOLLOWS verhält sich mit seinen Figuren ebenso: es wird wenig geredet, Blicke werden gewechselt und der Dialog besteht vorwiegend aus dem, was nicht gesagt wird. Und wie gesagt – das ist vollkommen okay, wenn die Figuren so gezeichnet sind, dass es klar ist, was zwischen ihren Nicht-Wörtern schwebt, oder dass es mich zumindest interessiert. Und das tut es nicht.

Die Jugendlichen in David Robert Mitchells (zwei Vornamen-Namen werden ab jetzt immer ausgeschrieben!) Film sind idealisierte Heranwachsende, deren Persönlichkeiten genau so viel Originalität tragen, wie die leicht bekleideten Fleisch-Pakete in Slasherfilmen. Statt den Chearleadern und den Jocks haben wir hier stattdessen die Dostojewski-lesenden einfühlsamen, die-Welt-versteht-uns-nicht-aber-wir-verstehen-die-Welt Dreamboysandgirls, die sich (wie in Gedichten 15jähriger) in ihre Vorstellung eines erwachsenen und reifen Lebens flüchten. Und nein, mich stören Dostojewski-lesende Jugendliche keineswegs und ich finde sie auch keineswegs unglaubwürdig – mich stören nur diese, die das auf ihrem Ariel-BH-iPad tun und ihr Leben in der heilen-Vorstadt-Welt-mit-Kanten durch scheinbar tiefsinnige Zitaten im richtigen Augenblick kommentieren. Who the fucks does that? „Hey, ich hab hier ein Kafka-Zitat, das passt sehr gut zu unserer ausweglosen Situation“ ist das neue, „Wir sollten uns trennen“, zumindest in Indie-Horrorfilmen. IT FOLLOWS trieft von diesen Zweck-Figuren, die nicht zur Stimmung beitragen, sondern mich träge aus dem Film gerissen haben.

Es ist durchaus klar, welches Lebensgefühl David Robert Mitchel einfangen wollte: die Liebe in den Zeiten des Hedonismus, bestehend aus Bier, Sex und lauen Sommernächten und einer Schulpflicht wie in Brezinas Knickerbockerbanden-Büchern. Hier ist das Auto das ultimative Symbol der Freiheit, Freundschaft ist der stille Blicke zwischen zwei wunderhübsch-ängstlichen Menschen und alle Gefühle werden durch zwei Adjektiven mit einem Bindestrich in der Mitte umschrieben (ja, der Autor, weiß, wovon er redet – ihr solltet mal seine Gedichte lesen, die er mit 15 verfasst hat). Das unterstreicht der Film auch sehr schön mit seinen Bildern, seinen beängstigenden Score (da hat jemand von den letzten Fincher Filmen abgeschrieben) und seiner feinen Ästhetik. Die Kamera dreht sich in 360° und alles um dich herum ist eine Bedrohung, alles um dich könnte dich verfolgen, doch das Gefühl erlischt, wenn du in die kalten und nichtssagenden Gesichter des Casts blickst.

Und das Gefühl von Paranoia, schleichender Angst, ständiger Bedrohung und schierer Ausweglosigkeit wird einem plötzlich genommen (klingt wie eine Allegorie fürs Erwachsen werden, Coming-of-Age and stuff, ihr wisst schon, whatever). Und das ist schade, denn das ist genau das Gegenteil, was mir der Film vermitteln will.

Trotzdem. IT FOLLOWS ist schon ziemlich, ziemlich gut und er funktioniert auf einer Eben, die ich bei Horrorfilmen so schmerzhaft vermisse. Mich hat letztendlich der Film an auch ein bisschen an den Poltergeistthriller ENTITY und/oder das fantastische Musikvideo „Fantasy“ von DYE erinnert (nur, halt, ohne das ganze Call of Cthulhu Ende). Irgendwie ist der Reiz der Angst an der aufkeimenden Liebe/Sexualität auch da, ja wirklich. Ich mag Coming-of-Age Geschichte eigentlich sehr gerne und die Angst sitzt bei dem Film auch tief in den Knochen, wäre nicht dieses große ABER: diese faden und typisch idealisierten Figuren, die mich so genervt haben, so sehr, dass der Film seine soghafte Wirkung verloren hat. Zum Glück hat er sie in den Szenen in denen er funktioniert, auch sofort wieder gefunden. IT FOLLOWS ist zwar nicht immer, aber wenn, dann so richtig: ein wahrhaftiges haunting picture.

Being Human: Review zu dem wahnsinnig guten „WHAT WE DO IN THE SHADOWS“

Bloody dishes! Eine Mockumentary schon wieder, ist ja nicht so als würden im Jahr 670.000 (ich hab sie gezählt) verschiedene amerikanische Fake-Dokus zu uns ins Kino gelangen. Okay, gut einige davon mögen wohl eher dem Genre des „Found Footage“ angehören, aber die Grenzen sind da ohnehin fließend. Und das Rezept stets das selbe: [sexy people] besuchen [creepy location] in [random european country] oder Familie trifft auf paranormale Aktivitäten. Derweil hat das Format der Fake-Doku so viel mehr zu bieten – versteht mich nicht falsch, ich mag Found Footage, ja, [rec] numero uno gehört zu einer meiner Lieblings-Adrenalin-Trips, aber das Horrorgenre wirkt insofern oft etwas ausgelaugt. Dass sich Mockumentaries auch viel besser dazu eignen komische Geschichten lakonisch einzufangen, hat die lustigste Serie Amerikas schon vor einigen Jahren bewiesen (ja, es handelt sich um ARRESTED DEVELOPMENT und nein, ihr müsst nicht auf jeden Link klicken, aber tut es trotzdem den AD ist super).

Aber wir sind hier ja nicht im Büro oder Pawnee, nein, sondern in der Dead People Society, Wellington, Neuseeland. Der Witz dieses Filmes besteht nämlich vorwiegend aus der Tatsache (es gibt sie doch!) das Vampire auch nur Menschen sind, sorry, waren. Und die Untoten unterscheiden sich im Verhalten von den Pre-Toten gar nicht mal so sehr.Gut, nun sind Vampirfilme nicht gerade eine Rarität an der Kinoleinwand und Vampirfilmparodien sind zwar nicht übermäßig erfolgreich, aber umso zahlreicher. Hey, wusstet ihr, dass Vampire kein Spiegelbild haben? Daraus lässt sich sicher ein Witz fabrizieren! dachte sich Leslie Nielsen vor ungefähr siebentausend Jahren.

petyr

Worauf ich hinaus will: man weiß, was einen erwartet, es ist vollkommen klar, welcher Blödsinn jetzt abgespielt wird und die Pointe riecht aufdringlicher als abgestandenes Tru Blood. Aber. Dennoch. Trotzdem: WHAT WE DO IN THE SHADOWS ist ein grandios witziger Film, ein Rambo unter den Komödien bei dem wirklich jeder Schuss sitzt und einem das Gesicht vor lachen wegfetzt (mir gehen die Vergleiche aus, nach tagelangen Horrorfilmkinoschauen habe ich nur noch bluttriefende Gewaltfantasien).

Von der ersten Sekunde an ist WHAT WE DO IN THE SHADOWS (ich verliere hier nur einen kurzen, abfälligen Kommentar über den furchtbaren deutschen Titel; was war los? Warum mit der Tradition brechen? War „Tödliche Wohngemeinschaft“ schon vergeben?) ein fabelhaftes und fideles Vergnügen, dass seines gleichen sucht. Das Neuseeland das neue Britannien ist, wenn es um schwarze Horrorkomödien geht, sollte eigentlich nach Peter Jacksons Puppen, Blut, Beuschel & Michael J. Fox Ablegern klar sein. Die Ungläubigen konnten dann vor ein paar Jahren das Schaf-Massaker begutachten und wer noch immer Zweifel hat, der hat wohl HOUSEBOUND und – erraten  – WHAT WE DO IN THE SHADOWS auf dem /slash 2014 verpasst. Wie es der Film schafft gleichzeitig so geschickt, amüsant und locker zu sein bleibt mir ein Rätsel, hauptsächlich, weil ich, immer wenn ich jetzt an Viago und seine Mitbewohner denke, laut zu lachen anfangen und mich von meiner Freundin in ein Krankenhaus bringen lassen muss, da ich ansonsten in ein Lachkoma falle. Alleine das Poster ist schon zuviel.

Poster

Hauptverantwortlich für mein frühzeitiges Dahinscheiden durch Erstickung sind selbstverständlich die wundervollen Schauspielern, denen nichts zu blöd ist, keine Tanz zu grotesk, keine überspitzelte Selbstdarstellung zu peinlich und kein beschämter Blick in die Kamera zu gestellt. Taika Waititi, Jemaine Clement (beide auch als Schreiber und Regisseure hinter der Kamera tätig) & Jonathan Brugh stellen das grandiose Trio infernale dar um die sich eine Schar an bunten und skurilen Figuren sammelt, die jeweils liebevoll und frech gezeichnet werden (angefangen vom 8000 Jahren alten Petyr, der selten einen Schritt vor den Sarg tut, bis hin zu der Werwolfgang, die sich auf ein faires und freundliches Miteinander geeinigt haben: „Werewolves not Swearwolves!“).

Was noch? Ist es das Drehbuch, dass mit seiner Materie nicht nur vertraut sondern diese auch liebevoll darbietet? Alle Tricks des Komödienfaches werden ausgepackt, vom Slapstick bis hin zu banalen Wortwitzen oder dem betretenen Schweigen und den peinlichen Blick zum Kameramann, nachdem ein Charakter was saublödes gesagt hat? Auch. Allen voran ist es wahrscheinlich die Tatsache, dass WHAT WE DO IN THE SHADOWS in einer tiefen Kiste an Möglichkeiten herumwühlt und im Sekundentakt in alle Richtungen feuert. Der Film lässt dabei nichts aus und zieht aus einem schier endlosen Repertoire ohne sich dabei all zu oft wiederholen (und wenn er es tut, dann in einer geschickten Anspielung auf vorige Szenen). Sollte es so etwas wie einen Laugh-per-minute-Zähler geben, dann ist dieser Film hier ganz oben mit dabei.

Obendrein schafft er es dann auch noch echtes Mitgefühl bei dem Zuschauer zu wechseln, natürlich auf eine groteske Art und Weise, aber ich zumindest kann mich nicht daran erinnern, irgendwann einmal Mitleid in einer Folterszene empfunden zu haben. Okay, jetzt höre ich mich an wie Patrick Bateman, ich meine natürlich: Mitleid mit dem Folterer! Ich hatte noch nie Mitleid mit dem Folterer, außer, nun ja, hier – mit Vladislav, der trauriger Mine sein Opfer aufschneidet. Armer Vladislav. 😦

Clements & Waitits (EAGLE VS SHARK) Film braucht sich nicht hinter britischen Komödien à la Wright und schon gar nicht hinter großkotzigen Rogen-Komödien zu verstecken, die lassen die beiden Herrschaften locker hinter sich. Wie gesagt, wie sie das machen, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber ich werde es so schnell und so bald und so oft wie möglich versuchen raus zu finden. Mehr soll auch nicht mehr über diesen Film gesagt werden, außer, dass jedes Gesetz gebrochen werden sollte um diesen Film zu sehen. Diese Kritik sollte eigentlich auch nicht mehr als folgende Worte enthalten: Der Film ist unglaublich lustig und wer hier nicht lacht der hat nie wirklich gelebt.

party in the shadows

(Der Autor möchte noch einmal erwähnen, dass jeder sein Recht auf seine (falschen) Vorlieben für (dummen) Humor hat und dass hier bitte, bitte niemand anfängt Gesetze zu brechen, wie Filme runter zu laden oder Leute wegen Kinokarten zu ermorden. Wenn das auf ihn zurück zuführen ist, muss er dass seiner Freundin erklären und die verbietet ihm darauf hin sicher die Zombie-Videospiele).


WHAT WE DO IN THE SHADOWS, 2014, R: Clement & Waititi

I killed my mother: Review zu „ICH SEH ICH SEH“

Die Mutter kommt nach einer schweren Operation zurück. Das Gesicht der Mutter wurde bis zur Unkenntlichkeit in Bandagen gewickelt. Der Mutter geht es noch nicht gut, sie braucht viel Schlaf und wenig Licht. Die zwei Söhne wirken verstört, ist doch ihre Mutter immer ein tierliebender und fröhlicher Mensch gewesen. Langsam aber sicher stellt sich der Verdacht ein, dass sich unter den Bandagen nicht ihre Mutter verbirgt. Doch wer ist die fremde Frau, die sich durch die kalten Zimmer ihres trauten Heimes bewegt?

icic

Österreichischer Horror = Ulrich Seidl Figuren mit Michael Haneke Gewalt und der sozialkritischen Moral beider Filmemacher. Punkt. Kritik beendet. Geht und seht euch den Film an, wenn er dann ins Kino (und/oder DVD raus-) kommt. Denn auch wenn man mit den beiden Ausstellungsstücken des Österreichischen Kinos nicht kann (wie, äh, moi), hat ICH SEH ICH SEH mehr zu bieten: der Film kombiniert den üblichen Kammerspielzirkus mit klassischen Horrorelementen und das funktioniert ganz gut.

[austrian cinema is kind of sick]

Großen Erfolg feierte der Film bereits in Toronto und Venedig bei den jeweiligen Festivals – und soweit ich das mitbekommen habe, ist er dort auch sehr gut angekommen. Nun hatte der Film seine Horrorfilmfeuerprobe – war die österreichische Vorpremiere quasi eines der Schmankerl beim /slash Filmfestival 2014 (Überraschungsfilme sind schon was feines).

Das sympathische Filmemacherduo meldete sich nach der Vorstellung, die mit großen Applaus beendet wurde selbstredend zu Wort und machte vor allem eines richtig: keine Überinterpretation ihres Stoffes. Auf die Frage, warum sie sich bei der Besetzung (bzw. beim Schreiben des Drehbuchs) für Zwillingsbrüder entschieden haben, fiel die Antwort wunderbar plump aus: es sieht einfach leinwand aus (Paraphrase, natürlich drückt man sich nicht ganz so gschert aus wie ich).

Nun, zum Film selbst. Dieser hat die Probe durchaus bestanden und wartete auch mit einigen kollektiven Schreckensseufzern auf, die er in durchaus graphischen Darstellungen und stimmungsvollen Bildern heraufbeschwört. Wenn man jedoch mit den üblichen Erwartungen an den Film rangeht, die nun mal bestehen sobald ein sogenannter „Horrorfilm“ die Leinwand betritt, sollte man gewappnet genug sein.

ICH SEH ICH SEH zieht seine primäre Stärke vor allem aus dem psychologischen Metier: das Misstrauen gegenüber seiner eigenen Mutter/seinen eigenen Kindern, die kalte Fassade eines verlassenen Großfamilienheim, unheilvolle Fotografien, Zwillinge (der Klassiker!) und – mein persönlicher Albtraum – das Land. Nichts ist gruseliger als Bauern, die einen skeptisch beobachten oder die heiße Erde, deren Porosität sich mit symbolische Mutmaßungen aufdrängt. Und dann noch die Leere: meilenweite Leere, rurale Sterilität die sich durch neblige Wälder und weiter Wiesen zieht. Nein, das Land ist nicht mein Freund und die Kälte die es –  trotz der gelungen in Szene gesetzten Sommertage (inklusive Grillenzirpen und diesen fetten Strohballen!) – versprüht, gräbt sich langsam unter die Haut.

Langsam und effektiv sind wohl die Adjektive die diesen Film am besten beschreiben. ICH SEH ICH SEH lebt voll und ganz von seinen Bildern, die mit gewohnter Distanz einen unheimlichen Einblick in das gestörte Verhältnis einer zerütteten Familie geben will. Häusliche Gewalt und innere Unruhe, Unsicherheit über eines der sichersten Dinge der Welt (Mutterliebe und ihre Erwiderung) untermauern die stille Fotografie des Kameramann Martin Gschlacht. Ein subtiler Grusel, aber ein haftender. Wenn er dann zu tritt, spürt man ihn in einer schwach erforschten Magengegend.

Zugegeben – „neu“ ist der Film von Fiala & Franz keineswegs. Die Ideen kamen den beiden laut Interview vom nächtelange Filme-Schauen, eine Art Filme zu konsumieren, die ich nur unterstützen und empfehlen kann. Die alten Bekannten des Horrorkinos des letzten Jahrhunderts sind gut vertreten; gruselige Masken und gruselige Kinder (habe ich bereits erwähnt, dass Kinder und insbesondere Zwillinge auf dem Grusel-O-Meter Platz 1 und 2 belegen? Was? Allgemeinwissen? Ach so.), verlassene Häuser, tote Tiere, Kakerlaken(!), wenig Score und wenn dann nur in tiefen Bässen, etc. etc. Den zu Tode geschriebenen Twist riecht man auch schon meilenweit gegen den niederösterreichischen Wind, aber wenigstens wird er einem nicht mit einem überspitzen und selbstverliebten (um nicht zu sagen shyamalan’schen) TATA! präsentiert. Nichts ist blöder als eine Geschenk, dass man schon fünf mal überreicht bekommen hat („Wir wissen doch, wie dir das gefällt!“) stehen hat, überreicht auf einer Überraschungsparty, deren Planung man quasi bezahlen musste.

Aber vielleicht ist das auch alles nur ein Trick. Man gebe dem Zuseher das Gefühl von Sicherheit und Altbekanntem, nur um ihn dann nochmal eine rein zu hauen: Haneke-Style. ICH SEH ICH SEH ist gegen Ende hin ein richtig, richtig schiaches (um es auf good-ol‘-österreichisch zu formulieren) Kammerspiel, dass einem ziemlich sicher in Erinnerung bleibt. So gesehen sind die paar Schönheitsfehler gar nicht mal so schlimm; das aufgesetzte Endbild und die typischen sozialkritischen Elemente (Beten vor dem Jesuskreuz, traditionsbewusste Kinderlieder, „Familie ist doch eigentlich was Schönes!“ – es ist ja beinahe so, als ob der Seidl den Film produziert hätte!!) sind ohnehin nicht der Grund dafür, dass sich der Film bewährt und tief in den Erinnerungen seiner Zuschauer vergräbt.

Letztlich sollte noch die Darbietung der drei Schauspieler genannt werden, deren Spiel trotz beschränkter Ausdrucksmöglichkeiten für den finalen Feinschliff sorgen. Susanne Wuest (die Mutter) spielt fabelhaft bösartig, während die Gebrüder Schwarz (die Zwillinge) ihre Ausstrahlung für sich sprechen lassen. Die Nebenfiguren sind zum Glück rar gesät – Minus gibt es allerdings für eine der blödesten Hope-Spots, Police are Useless, etc. – Trope (zu viele Variationen!) der letzten paar Jahre: immer wieder tauchen unbeteiligte Figuren auf und bemerken beinahe die lauernde Gefahr, nur um dann wieder von dannen zu ziehen: ein vorhersehbares und langweiliges Element. Die Sanitäter in ICH SEH ICH SEH sind nicht nur unnötig, sondern billig und ziehen ihren ähem, „Witz“ aus der alleinigen Typisch-Land-Attitüde. Und ich bin ungefähr soviel Regionalpatriot wie ich Vegetarier bin, dass ich das lustig finden kann.

ICH SEH ICH SEH; Regie: Severin Fiala & Veronika Franz, Österreich 2014

Learning by playing: savingfile #02 – EARTHBOUND

Ich kann rollenbasierende Rollenspiele nicht ausstehen, außer ich bin der Dungeonmaster und die Abenteurer müssen Scheußlichkeiten meiner pervertierten Fantasie besiegen bzw. jene Scheußlichkeiten, die sich die Leute ausgedacht haben, die das Spielleiterbuch geschrieben haben, weil ehrlich! Ich habe echt nicht die Zeit dafür mir Geschichten auszudenken! Man ist nicht für immer arbeitslos außerdem musste ich die letzten paar Wochen EARTHBOUND spielen, weil a) die Welt sonst untergeht (du-duuuh, deswegen musste ich auch) und b) ich einer Theorie nachgehen wollte, die ich vor einiger Zeit auf meiner Lieblingssite für unnecessary trivia gelesen habe. Und dass, obwohl ich rundenbasierende Rollenspiele hasse. Außer die von Nintendo, Pokémon and stuff, man (fucking fanboy shit, demnächst kauf‘ ich mir auch noch den DLC von Mario Kart 8 und die blöden Statuen von Samus and the Gang)! Ich kann nur hoffen, dass sie auch ungeborene Alien Babys in der amiibo-Serie produzieren. Den, hell yeah, EARTHBOUND WAS EIGENTLICH ALS MOTHER 2 IN JAPAN RAUSKAM war uuuur gut!


 Earthbound

1. Kriminalität: Nintendo zwingt mich sie zu bestehlen, wenn ich den Vorgänger EARTHBOUND spielen will: Teil 1 MOTHER oder EARTHBOUND ZERO erschien nie in Europa, d.h. entweder lerne ich Japanisch oder ich spiele den ersten Teil auf einem NES-Emulator. Und ich war so ein guter Junge.

2. Rhythmusgefühl: Wenn ich mich nicht irre, kann man zu diesem Song sehr gut Rumba tanzen. Oder Cha-Cha, aber Cha-Cha kann man zu jedem Scheiß tanzen (mit Ausnahme von Babymetal, hey, hab‘ ich euch schon von Babymetal erzählt?):

3. Brillanz: Diese liegt oft im Verborgenen, doch manchmal schwimmt sie auf einem riesigen Haufen Scheiße daher, wie in diesem Fall YouTube Kommentare (ich weiß, easy target); ein User hat folgerichtig bemerkt, dass die Hotel-Musik (s.o.) doch hoffentlich die Please-Hold-The-Line-Musik der Nintendo-Hotline sein müsste, sofern Nintendo auch nur einen Funken Selbstreflexion besitzt (nein und NEIN!).

4. Sex-Appeal: Wenn er mir mal abhanden kommt, spiele ich einfach dieses Lied. Welches Lied? DAS VERFICKTE HOTEL LIED, MOTHER 2 aka EARTHBOUNDFUCKER! Ich hoffe ihr habt auch alle auf das Video geklickt und euch den smooth-as-fuck Song endlich angehört, ich poste den Scheiß hier nicht zum Spaß (sondern hauptsächlich weil mir die Drogen ausgegangen sind).

5. Apropos Drogen: Auf etwaigen wäre EARTHBOUND sicher noch ein größerer Spaß geworden. Immerhin waren laut JonTron die Entwickler auf LSD, wahrscheinlich.

6. Traumabewältigung: Um das Geld, dass ich in eine Stunde Therapie investieren hätte können, habe ich mir dann doch lieber EARTHBOUND (10€) runtergeladen. Und die verbleibenden 290 investiere ich in Ninteno-Points (get it? Therapie ist TEUER! Puh.) Ness und seine Freunde haben mir zumindest geholfen, öfters ans Telefon zu gehen, wenn meine Eltern anrufen (die Quote beläuft sich auf 70/30).

7. Albträume (mal wieder): Andererseits werde ich das Geld vielleicht doch für Tiefenpsychologie nutzen, immerhin will ich dieses Jahr noch auf den Mond des Todes und letztes Mal wurde ich fiebrig und musste mich übergeben (ernsthaft), hatte furchtbare Albträume (vielleicht) und halluzinogene Nächte (eventuell) als ich MAJORAS MASK gespielt hatte. Komisch geträumt habe ich die letzten Nächte auch, aber eine Verbindung zwischen Nintendo Games und meinen nächtlichen zerebralen Aktivitäten zu ziehen ist wohl etwas gewagt.

8. Zeitraumkontinuum: Oder vielleicht auch nicht, immerhin reist Ness MoFo mit seinem Baseballschläger durch die Zeit und bringt den Zerstörer der Welt dann um, wenn er am schwächsten ist: im Mutterleib (vielleicht). Nach der allgemeinen akzeptierten Theorie (außer von radikalen Nintendo-Fanboys/Pro-Life Aktivisten), befindet man sich am Ende in einer Gebärmutter und macht dem verdächtig nach Fötus aussehendem Endgegner dem gar aus. Das ist nicht nur fucked uuuup, dude, sondern auch irgendwie cool. Mann, kein Wunder, dass diese ganzen Jugendlichen Laute erschießen, nachdem ganzen existenziellen Mist mit dem Nintendo sie bewirft.

Pictured: Unborn Alien Baby.

Pictured: Unborn Alien Baby. Not pictured: Ness and his coat hook.

9. Creepypasta: Man ist schneller in gruseliger Videogame-FanFic/Urban-Legend drin, als man es zugeben möchte. Derzeit zähle ich drei offene Tabs über scary stories, die ich mir noch durchlesen will (Polybius, das Arcade-Game, dass dich wahnsinnig macht!) bevor ich Nintendo die Schuld an meinen Zombie-Träumen gebe. Aber das passiert wohl, wenn man beginnt Abtreibungs-Theorien in Kindervideospielen zu recherchieren. Man möchte übrigens nicht wissen, woher der Designer des Endgegeners seine Inspiration zog.

10. Kafkaesk: Ein Wort, dass ich schon lange kenne aber noch nie richtig benutzt habe. Aber dieses Mal passt es. Wenn ich EARTHBOUND mit einem Wort beschreiben sollte, wäre es eben dieses, wenn ich das Wort aufschreiben sollte, ohne es vorher zu googeln wie man es buchstabiert, wäre es seltsam; alles in dieser Welt ist seltsam, ein verquertes Spiegelbild unserer Welt, die Aufgaben sind – für ein Spiel – befremdend (borge dir „Overcoming Shyness“ in der Bücherei aus, damit das grüne Maulwurfsvolk lernt, mit dir zu kommunizieren – wenn ich so darüber nachdenke, ist das völlig typisch für Videospiele) und die Umwelt ist einem stets feindlich gesinnt. Und damit meine ich nicht die Abstrakte Kunst oder Wildgewordenen Taxis, die einen von Zeit zu Zeit attackieren, nicht nur…

11. Teenage-Angst: Das Thema Earthbounds, habe ich zumindest irgendwo gelesen. Aber Teenage-Angst ist wie Cha-Cha, passt zu allem. EARTHBOUND ist weniger die Angst vor dem Erwachsen-werden, sondern mehr die davor es auch wirklich zu sein. Warum auch nicht, Erwachsene sind arme Looser, traurige Trottel und stupide Mitläufer. Sie beschimpfen dich entweder, oder regen sich über ihren Job auf (und darüber, dass sie lieber zu Hause wären um EARTHBOUND zu spielen). Der Rest? Depressive Säufer, perfide Prostituierte, schlagende Polizisten. Die einzig netten Leute sind die Hunde.

12. Feindbilder: Die besten, die ich je hatte. Von Annoying Old Man zu New Age Retro Hippie, sie sind alle aggro und ich verpass ihnen einen mit meinem Yo-Yo (kein Peniswitz, wie… wie auch?).

 abstract art

13. Gewalt als Pädagogik: Mit meinem Baseballschläger (definitiv ein Penis-Witz!) und der Pfanne und dem Todeslaser (down to earth, I am) mach‘ ich sie alle alle. Furcht spiegeln sich in ihren Augen, die Monster dieser Welt fliehen beim Anblick meiner Statur (halbstark, aber mit Baseball-Cap!) und langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich eine prä-adoleszente Version von Alex und seiner Gang bin. Moloko Plus gefällig?

13. Selbstzweifel: Irgendwann musste ich in meinem Unterbewussten gegen meinem schlimmsten Albtraum kämpfen. Das ist keine Metapher. Als mir erklärt wurde, dass jeder eine dunkle Seite besitzt und diese eventuell gewinnt, verwandelte sich die quitschfidelegrasgrünfreundliche Umgebung in einen dunklen Sumpf des Unbehagenthere’s an evil and violent side of you. Fuck. Für einen kurzen Moment musste ich davon ausgehen, dass am Ende nicht Giygas sondern ich das absolute Böse bin. Brr. (Außerdem, things I learned while googling stuff: Ness scheint in einer anderen *hustjapanischenhust* Version in diesem Level keine Hosen zu tragen.)

Creepypasta und jetzt auch noch Fanart. Na toll. © marcotto.tumblr.com/

Creepypasta und jetzt auch noch Fanart. Na toll. Das will ich übrigens als Shirt u/o Poster. © marcotto.tumblr.com

 14. Adult-Life: Es kann nicht oft genug erwähnt werden, aber die Erwachsenen in diesem Spiel sind total hinüber. Entweder muss ich sie aus Knebelverträgen frei kaufen oder sie wollen mich davon überzeugen, dass es vollkommen okay ist, mit Ihnen in ihren Keller zu gehen (obwohl wir nicht verwandt sind, als ob das noch einen Unterschied machen würde). Die ganze Welt leidet unter einer enormen Midlife-Crisis, am besten dargestellt anhand der Vaterfigur, die mich ab und zu anruft um mich daran zu erinnern, wie viel Geld ich am Konto habe. Wie im echten Leben. (Außerdem regt er sich über meine Mutter auf, und behauptet sie arbeite zu viel, aber was anderes als vor der Couch stehen und mir Gulash ins Maul stopfen tut die Dame auch nicht).

 

Fazit gelernter Dinger: Erwachsen werde ich in diesem Leben nicht mehr. Und wer sein Lieblingsessen am Anfang „Penis“ nennt, wird sehr viel Spaß haben.

Alliterations-Bonus: Alien Abtreibungen als Altsein-Allegorie akzeptieren (meh.)

 


EARTHBOUND aka MOTHER 2
(SNES / WiiU Virtual Console)

Getaggt mit , , , , ,