Being Human: Review zu dem wahnsinnig guten „WHAT WE DO IN THE SHADOWS“

Bloody dishes! Eine Mockumentary schon wieder, ist ja nicht so als würden im Jahr 670.000 (ich hab sie gezählt) verschiedene amerikanische Fake-Dokus zu uns ins Kino gelangen. Okay, gut einige davon mögen wohl eher dem Genre des „Found Footage“ angehören, aber die Grenzen sind da ohnehin fließend. Und das Rezept stets das selbe: [sexy people] besuchen [creepy location] in [random european country] oder Familie trifft auf paranormale Aktivitäten. Derweil hat das Format der Fake-Doku so viel mehr zu bieten – versteht mich nicht falsch, ich mag Found Footage, ja, [rec] numero uno gehört zu einer meiner Lieblings-Adrenalin-Trips, aber das Horrorgenre wirkt insofern oft etwas ausgelaugt. Dass sich Mockumentaries auch viel besser dazu eignen komische Geschichten lakonisch einzufangen, hat die lustigste Serie Amerikas schon vor einigen Jahren bewiesen (ja, es handelt sich um ARRESTED DEVELOPMENT und nein, ihr müsst nicht auf jeden Link klicken, aber tut es trotzdem den AD ist super).

Aber wir sind hier ja nicht im Büro oder Pawnee, nein, sondern in der Dead People Society, Wellington, Neuseeland. Der Witz dieses Filmes besteht nämlich vorwiegend aus der Tatsache (es gibt sie doch!) das Vampire auch nur Menschen sind, sorry, waren. Und die Untoten unterscheiden sich im Verhalten von den Pre-Toten gar nicht mal so sehr.Gut, nun sind Vampirfilme nicht gerade eine Rarität an der Kinoleinwand und Vampirfilmparodien sind zwar nicht übermäßig erfolgreich, aber umso zahlreicher. Hey, wusstet ihr, dass Vampire kein Spiegelbild haben? Daraus lässt sich sicher ein Witz fabrizieren! dachte sich Leslie Nielsen vor ungefähr siebentausend Jahren.

petyr

Worauf ich hinaus will: man weiß, was einen erwartet, es ist vollkommen klar, welcher Blödsinn jetzt abgespielt wird und die Pointe riecht aufdringlicher als abgestandenes Tru Blood. Aber. Dennoch. Trotzdem: WHAT WE DO IN THE SHADOWS ist ein grandios witziger Film, ein Rambo unter den Komödien bei dem wirklich jeder Schuss sitzt und einem das Gesicht vor lachen wegfetzt (mir gehen die Vergleiche aus, nach tagelangen Horrorfilmkinoschauen habe ich nur noch bluttriefende Gewaltfantasien).

Von der ersten Sekunde an ist WHAT WE DO IN THE SHADOWS (ich verliere hier nur einen kurzen, abfälligen Kommentar über den furchtbaren deutschen Titel; was war los? Warum mit der Tradition brechen? War „Tödliche Wohngemeinschaft“ schon vergeben?) ein fabelhaftes und fideles Vergnügen, dass seines gleichen sucht. Das Neuseeland das neue Britannien ist, wenn es um schwarze Horrorkomödien geht, sollte eigentlich nach Peter Jacksons Puppen, Blut, Beuschel & Michael J. Fox Ablegern klar sein. Die Ungläubigen konnten dann vor ein paar Jahren das Schaf-Massaker begutachten und wer noch immer Zweifel hat, der hat wohl HOUSEBOUND und – erraten  – WHAT WE DO IN THE SHADOWS auf dem /slash 2014 verpasst. Wie es der Film schafft gleichzeitig so geschickt, amüsant und locker zu sein bleibt mir ein Rätsel, hauptsächlich, weil ich, immer wenn ich jetzt an Viago und seine Mitbewohner denke, laut zu lachen anfangen und mich von meiner Freundin in ein Krankenhaus bringen lassen muss, da ich ansonsten in ein Lachkoma falle. Alleine das Poster ist schon zuviel.

Poster

Hauptverantwortlich für mein frühzeitiges Dahinscheiden durch Erstickung sind selbstverständlich die wundervollen Schauspielern, denen nichts zu blöd ist, keine Tanz zu grotesk, keine überspitzelte Selbstdarstellung zu peinlich und kein beschämter Blick in die Kamera zu gestellt. Taika Waititi, Jemaine Clement (beide auch als Schreiber und Regisseure hinter der Kamera tätig) & Jonathan Brugh stellen das grandiose Trio infernale dar um die sich eine Schar an bunten und skurilen Figuren sammelt, die jeweils liebevoll und frech gezeichnet werden (angefangen vom 8000 Jahren alten Petyr, der selten einen Schritt vor den Sarg tut, bis hin zu der Werwolfgang, die sich auf ein faires und freundliches Miteinander geeinigt haben: „Werewolves not Swearwolves!“).

Was noch? Ist es das Drehbuch, dass mit seiner Materie nicht nur vertraut sondern diese auch liebevoll darbietet? Alle Tricks des Komödienfaches werden ausgepackt, vom Slapstick bis hin zu banalen Wortwitzen oder dem betretenen Schweigen und den peinlichen Blick zum Kameramann, nachdem ein Charakter was saublödes gesagt hat? Auch. Allen voran ist es wahrscheinlich die Tatsache, dass WHAT WE DO IN THE SHADOWS in einer tiefen Kiste an Möglichkeiten herumwühlt und im Sekundentakt in alle Richtungen feuert. Der Film lässt dabei nichts aus und zieht aus einem schier endlosen Repertoire ohne sich dabei all zu oft wiederholen (und wenn er es tut, dann in einer geschickten Anspielung auf vorige Szenen). Sollte es so etwas wie einen Laugh-per-minute-Zähler geben, dann ist dieser Film hier ganz oben mit dabei.

Obendrein schafft er es dann auch noch echtes Mitgefühl bei dem Zuschauer zu wechseln, natürlich auf eine groteske Art und Weise, aber ich zumindest kann mich nicht daran erinnern, irgendwann einmal Mitleid in einer Folterszene empfunden zu haben. Okay, jetzt höre ich mich an wie Patrick Bateman, ich meine natürlich: Mitleid mit dem Folterer! Ich hatte noch nie Mitleid mit dem Folterer, außer, nun ja, hier – mit Vladislav, der trauriger Mine sein Opfer aufschneidet. Armer Vladislav. 😦

Clements & Waitits (EAGLE VS SHARK) Film braucht sich nicht hinter britischen Komödien à la Wright und schon gar nicht hinter großkotzigen Rogen-Komödien zu verstecken, die lassen die beiden Herrschaften locker hinter sich. Wie gesagt, wie sie das machen, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber ich werde es so schnell und so bald und so oft wie möglich versuchen raus zu finden. Mehr soll auch nicht mehr über diesen Film gesagt werden, außer, dass jedes Gesetz gebrochen werden sollte um diesen Film zu sehen. Diese Kritik sollte eigentlich auch nicht mehr als folgende Worte enthalten: Der Film ist unglaublich lustig und wer hier nicht lacht der hat nie wirklich gelebt.

party in the shadows

(Der Autor möchte noch einmal erwähnen, dass jeder sein Recht auf seine (falschen) Vorlieben für (dummen) Humor hat und dass hier bitte, bitte niemand anfängt Gesetze zu brechen, wie Filme runter zu laden oder Leute wegen Kinokarten zu ermorden. Wenn das auf ihn zurück zuführen ist, muss er dass seiner Freundin erklären und die verbietet ihm darauf hin sicher die Zombie-Videospiele).


WHAT WE DO IN THE SHADOWS, 2014, R: Clement & Waititi

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