Open Wide: Review zu KNOCK KNOCK von Eli Roth

STORY:

Keanu Reeves hat das Wochenende für sich allein, während Frau und Kinder sich einen Strandkurzurlaub gönnen. Spätnachts klopfen zwei klatschnasse Stewardessen an seiner Haustür (hence the title) und bitten um Obhut. Da Keanu nun mal nicht so ist, lässt er sie natürlich rein, bemerkt jedoch bald, dass die jungen Frauen weit mehr im Sinn haben, als sich nur abzutrocknen.

Puh, es war echt schwer im letzten Absatz keine blöden Witze einzubauen.

super
KRITIK:

Ein Raunen geht durch den Saal, als nach einer schier endlosen Fülle an Logos und Production Companie-Titles endlich ein Anhaltspunkt die Leinwand füllt: Keanu Reeves. Wer sich am laufenden hält, weiß bereits, was ihn oder sie erwartet, ein großer Teil wird beim Namen des Regisseurs die Sorgenfalten auspacken und ins Gesicht kleben und der Rest des Publikums (sofern er nicht schon zuvor den Saal verlassen hat), weiß es spätestens nach dem Film. Der diesjährige Überraschungsfilm des /slash Filmfestival ist, für all jene, die vergessen haben, welches Review sie gerade lesen, Eli Roths neustes Werk KNOCK KNOCK und – in Anbetracht der bisherigen Qualität der Surprise-Movies – eine herbe Enttäuschung.

Ich würde ja gerne mit einer kreativen Beleidigung für Eli Roth Film eröffnen, aber zu sagen, es handle sich um einen „Eli Roth Film“ sollte reichen. Dennoch, es gibt durchaus Leute, die mit seinen Filmen was anfangen können und auch wenn ich seine Filme alles andere als ansprechend finde, kann ich die morbide Faszination hinter seiner HOSTEL Reihe eh auch nachvollziehen. Jeder hat so seine guilty pleasures, aber …aber! KNOCK KNOCK wird wohl auch seinen Fans nicht goutieren, denn – neben seiner typisch Roth’schen Dummheit – ist er abseits davon untypisch lahm und überraschend zahm. Sorry, Torture-Porn-Fans, anscheinend müsst ihr doch auf den regulären Kinostarts des highly anticipated GREEN INFERNO warten. Da sollen wenigstens die Eingeweide fliegen.

Nach fleischfressenden Bakterien, fleischfressenden Folterern und fleischfressenden, äh, Kannibalen reihen sich nun fleischfressende Nymphen in Eli Roths Œuvre. Sprichwörtlich diesmal, nichts desto trotz kommen die üblichen Schablonen zum Einsatz: Fassadenmenschen, deren sogenannte „Heile Welt“ nur eine Haaresbreite von Chaos und Entmenschlichung entfernt sind, hormongetriebene Protagonisten, die sich all zu schnell von ihren Gelüsten treiben lassen und dabei sowohl zivile als auch logische Konventionen so mir nichts dir nichts links liegen lassen. Diesmal am Pranger: ach-so-gute-und-treue-Ehemänner. Ohne jetztübermäßig viel zu Spoilern: natürlich ergibt sich Keanu seinem geheimen Verlangen, doch, wer hätte es geahnt, hier fängt der Albtraum erst an…

Die meisten Eli Roth Filme verliefen bis jetzt ziemlich gleich. Dumme und unsympathische Inbegriffe des „dummen und unsympathischen Amerikaners“ winden sich durch eine Dreiviertelstunde leerer Dialoghüllen bis die Hölle um sie losbricht, so auch hier: Keanu Reeves präsentiert im Sekundentakt Klischees seines überdurchschnittlich wundervollem Familienleben mit ein paar, ähem, „subtilen“ Seitenhieben auf ein nicht ganz erfülltes Sexleben. Als die zwei sexy Señoritas an seine Haustür klopfen, begibt sich der Film in das Territorium des erotischen Thrillers und unweigerlich drängen sich feuchtfröhliche Vergleiche mit seinem unübersehbaren Vorbild WILD THINGS auf. Doch während WILD THINGS wirklich etwas zu bieten hat – und nein, ich meine nicht Matt Dillons knackigen Hintern, wobei, doch … nicht nur – besteht die „Erotik“ in KNOCK KNOCK hauptsächlich aus einem endlos langatmigen Reise-nach-Jerusalem-Spiel, dass Hauptfigur Avan mit den zwei Sukkuben (ja, wirklich, ich hab nachgeschaut) spielt.

Der Dialog ist grotesk und aufgesetzt, konstruiert und komisch (in jederlei Hinsicht) und dient völlig zum Hinauszögern des ohnehin schon Erwarteten; dass die sexhungrigen Frauen den bis zu diesen Abend doch treuen Gatten letzten Endes doch noch verführen und ihn konsequent bestrafen, kann kaum als Wendung bezeichnet werden. Selbst das Plakat mit seiner käsigen Tagline schreit bereits in diese Richtung: One night, can cost you everything. Mehr kann hier auch nicht verraten werden, weil es nicht wirklich mehr zu verraten gibt.

Hier verliert sich der Film dann vollkommen, da er nicht wirklich weiß, was er eigentlich will. Einerseits speit er pop-psychologische in alle Richtungen, die das Vorgehen seiner Figuren unterzeichnen soll, spielt mit der Heuchelei seiner Figuren und sinniert über die Sexualisierung seiner Figuren – gleichzeitig entzeiht er sich jeder Art von Selbstreflexion, indem er sich in einer ätzenden Lacke zynischem Humor suhlt und konstant sich an dem labt, was er so vorbidlich anprangert. Außerdem: jede Gelegenheit, die der Film hätte eine verstörende Konsequenz oder die zu erwartende Härte an den Tag zu legen, streicht vorbei und mündet meist in einem bissigen Kommentar, der hintergründig wirken will, aber –

Ja, aber was? KNOCK KNOCK fühlt sich an, wie ein Witz der überlang aufgebaut wird und dessen Pointe komplett flach fällt (hey! so wie meine Rezensionen! Something something meta-jokes). Der Film ist weder spannend, noch ausufernd (ein Element, dass ich Roth, so sehr ich ihn auch missbillige, nicht absprechen kann), noch hat er interessante Figuren oder eine wirklich originelle Message (und gegen die filmt er grandios dagegen, aber das ist die typische Demagogie seiner Filme, also, meh). Er beinhaltet lediglich typische Elemente aus anderen erotischen und nicht-erotischen Thrillern, die ihre Thematik stets selbstbewusster und gewissenhafter behandeln als Roth es in seinem Film tut. Dabei borgt er schamlos von WILD THINGS (s.o.) oder HARD CANDY, klatscht hier und da ein paar Brüste ins Bild, dann ein bisschen Blut hier und ein halbgares Ende und fertig. Das war’s. Es ist echt nix besonderes, eher das generische Gegenteil.

Die sogenannte „Erotik“ ist alles andere als ansprechend und wechselt vom „unschuldigen Schulmädchenkostüm“ in das der „verruchten Femme Fatale“ öfters als Keanu Reeves seinen Sessel. Leider – „leider“ – ist der Unterton plump, wenig ansprechend und die verbalen Anbiederungen könnten aus einem Porno stammen. Zudem ist er noch sexistisch, Micahel-Bay-sexistisch und zwar inalle Richtungen, aber das muss in Anbetracht der Umstände wohl nicht mehr erläutert werden. Ach ja, und dann ist da noch die sogenannte „Moral“ des Filmes, die man sogar ignorieren will, wäre sie nicht großen Lettern auf die Leinwand geschrieben: Eli Roth holt dir einen runter, während er dich angrinst und sagt, wie verlogen du nicht bist. Als sogenannter „Filmkritiker“, der sich hier über den Film auslässt, mache ich mich insofern genauso schuldig und benutze quasi die selben Ausreden, wie der gequälte Keanu Reeves:„YOU came out to me! What was I supposed to do? Ok, Eli Roth, you got me there.

Während andere Werke aus dem Stoff ein ansprechendes Katz-&-Maus Spiel machen könnte, gibt sich KNOCK KNOCK nicht einmal die Mühe, mit den Erwartungen und der Empathie der Zuschauer zu spielen oder Sympathien zu verschieben, sondern bleibt in dem strengen Rahmen eines generischen Home-Invasion Thrillers, der sich nicht sonderlich mühe gibt, seinen Opfern und/oder Tätern Tiefe zu verleihen. Letzten Endes war es mir herzlich egal, wer warum eine auf den Deckel bekommt. Und selbst da wurde ich enttäuscht; gut gemacht Eli Roth, endlich will ich, dass dein widerliches Schlachten beginnt, endlich bin ich mal auf deiner Seite und was passiert? Eine fürchterlich editierte Soft-Sexszene und eine Gabel in der Schulter und dazwischen ein bisschen Fernsehfilmgewalt. Ich weiß nicht, aber abgründig sieht für mich anders aus. KNOCK KNOCK ist erstaunlich zahm für – ja, eigentlich für alles. Für die Thematik, für die „Offenheit“ seiner angeblichen Sexualität, für die angedrohte Gewaltphantasie und letztendlich für Eli Roth selbst. Das sich selbst als Anti-Mainstream-feiernde so-called enfant terrible ist hier konventioneller und fader denn je und ja, das macht diesen Film beinahe noch schlechter als seine anderen, mit bewusster Provokation gewürzten Gewaltorgien. Beinahe.

Denn bei aller Blödheit und all den Klischees – und davon gibt es mehr als genug und sie alle aufzuzählen würde den ohnehin schon großen Rahmen sprengen: nehmt einfach alle Klischees, die euch an amerikanischen Slashern stören und streut sie in den Plot von KNOCK KNOCK – Eli Roths Film ist irgendwie auch…komisch. Gutkomisch. Es wäre gemein, dem Film die bekannte „unfreiwillige Komik“ zu unterstellen, denn all der Blödsinn ist durchaus witzig gemeint. Eindeutig witzig. Und ab und zu hat KNOCK KNOCK ehrliche Lacher von mir geerntet. Es hilft natürlich, dass alles rund herum in einem strunzdummen Setting eingebettet ist, aber selbst die bewusste Komik funktioniert – meistens. Einerseits hat man Keanu Reeves selten – um nicht zu sagen, nie? – so gut gelaunt gesehen und sein Over-the-Top-Acting ist schon sehr sympathisch. Ob er nun das spielerische „Familienmonster“ oder den geschlagenen Hysteriker mimt, Reeves hatte eindeutig Spaß an seinem Spiel (immerhin hat er den Film auch produziert, warum auch immer). Nur als hin-und-her-gerissener Spielball seiner sexhungrigen Gäste funktioniert er nicht wirklich, was aber auch an der schwach inszenierten Szenerie liegt. Der Film mündet in einem bescheuertem, vie Facebook geteiltem sozialem Kommentar, der die Kirsche des Klamauks darstellt. In dieser letzten bösen Pointe schimmert Eli Roths allseitsbekannter Menschenhass und Zynismus durch. Hier trifft der Nagel auf den Kopf oder/und so weiter, und ich musste laut auflachen. Aber (ein sehr großes aber )- ein schöner Rahmen macht die „Kunst“ trotz allem nicht kunstvoller. Und die paar Witze diesen Film sicher nicht sehenswert.

FAZIT:

Ein typischer Roth, zumindest im Tonfall: tief sitzende Misanthropie und Einwegmoral, die der Film in seiner zynischen Art ständig und unbewusst dekonstruiert. Was fehlt: überschäumende Gewaltausbrüche. Was bleibt? Ein fader und ziemlich dummer Home-Invasion Thriller mit plumper Sportsender-Erotik und keinen nenneswerten Überraschungen. Und auch wenn Keanu Reeves und eine heftige Prise schwarzer Humor über die Langeweile helfen, zahlt sich dieser konventionelle und klischeebeladener Genrefilm wirklich nicht aus. Zu guter Letzt noch die beste Zeile aus dem Film: „Knock Knock. Who’s there? Cheating Evan. Cheating Evan Who? Cheating Evantually gets you killed!“ Bitte. Jetzt braucht ihr den auch nicht mehr sehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: