„Eat a cock, kid!“ Review zu „COOTIES“ von Jonathan Milott & Cary Murnion

Eine Schule im amerikanischen Irgendwo. Clint (Elijah Wood) hat heute seinen ersten Arbeitstag als Aushilfslehrer und natürlich geht so gut wie alles schief, was nur schief gehen kann: Die Schüler sind respektlos und verschandeln sein Auto, er wird von einem Umweltvernichter-Auto eingeparkt, seine Kollegen respektieren ihn nicht, sein High-School-Schwarm geht mit dem unsensiblen Supertrottel (siehe Umweltvernichter), die Kinder werden von einer merkwürdigen Seuche befallen und beginnen in Windeseile das Lehrpersonal zu zerfleischen und obendrein findet Clints Mutter seinen Roman alles andere als ansprechend… just another fucking day for a teacher.
cooties!
KRITIK:

Yeah, Kinderzombies! Wer wollte nicht schon mal einen Film sehen, wo Volkschulbiestern der Schädel eingeschlagen wird, weil sie mal wieder dem Schuldirektor die Zähne in den Leib geschlagen haben? Wenn dem so ist, dass ist genau der richtige Film für euch! Stark von Erfolgsfilmen à la ZOMBIELAND motiviert, versucht sich SAW &INSIDIOUS Schreiberling Leigh Whannell (in Zusammenarbeit mit Ian Brennan) an einem Funsplatter, der sich eine höllische Freude daraus macht, Zehnjährigen (auf gut wienerisch) „die Goschn“ einzuhauen. Wer damit kein Problem hat (hey, es sind ohnehin nur Zombies), wird hier bestens bedient.
Obwohl COOTIES mächtig Spaß macht kann nicht geleugnet werden, dass der Film wenig Neues zu bieten hat: Die Story ist die übliche Variation der Zombiekomödie, ohne dabei dem übergroßen großen Vorbild Edgar Wrights das Wasser zu reichen, die Effekte sind zwar blutig aber doch zu CGI-lastig (für meinen Geschmack, praktische Effekte, egal wie „billig“ sie ausehen mögen, werden immer gewinnen!) und die Story das 08/15-Untotenapokalypse-Szenario ohne große Überraschungen. Dass die Bestien diesmal Kleinkinder sind ist an sich ja schon witzig, aber auch sie dienen mehr zur Etablierung des Schauplatzes, als eventuelles Konfliktpotential („Kinder töten?! Geht das?“).
Mag der Plot nicht das Gelbe vom verfaultem Hühnerei sein, das Script ist es. Die Dialoge sind flott und voller Selbstironie, schnell fällt einem auf, dass der Film sich bei weitem nicht so ernst nimmt, wie einige Kritiker (aber vielleicht haben amerikanische Rezensenten einfach ein größeres Problem mit Gewalt an Schulen). Der Schlagabtausch zwischen den Figuren (die sich fast allesamt nicht leiden können) ist witzig und rasant, die One-Liner gut getimed und das Blutbad lässt auch nicht lange auf sich warten. Und ja, auch wenn COOTIES viele Lacher durch seine Hau-Drauf-Szenen kassiert, der wahre Spaß liegt in und zwischen den Zeilen und vor allem an der Darbietung seiner spielfreudigen und überaus gut gelaunten Schauspieler.
COOTIES lebt wahrlich von seinem Ensemble und ohne dieses würde auch der feinste Schenkelklopfer untergehen. Letzen Endes sind es die Darsteller, die dem Szenario das nötige Leben einhauchen und überhaupt: mit Elijah Wood, Rainn Wilson, Alison Pill und last but not least Leigh Whannell ist selbst die ausgelutschteste Trope noch einen Blick Wert. So funktioniert auch das etwas selbstverliebte Drehbuch mit seinem Simpson’esken Humor und Filmreferenzen. Ich persönlich steh‘ ja auf sowas, aber es soll ja diese Leute geben, die so-called metajokes nicht lustig finden (tsk tsk tsk). Aber auch ohne Insiderwitze – die Schauspieler sind hervorragend besetzt und ungemein sympatisch, dass wird auch der größte Hobbit-Hasser zugeben müssen.
Allen voran Elijah Wood. Wer liebt ihn eigentlich nicht, den großäugigen Weirdo mit dem unsicheren Gang und den irren Blick. Je mehr ich von Elijah Wood sehe, umso sympathischer wird er mir. Ehrlich, wagt einen Blick in das fantastische Remake von MANIAC. So creepy und fucked up und dennoch empathisch habe ich schon lange keinen Serienkiller mehr gesehen. Oder seine smarte und bemitleidenswerte Darstellung des suizidalen Ryan Newman in der Serie WILFRED, einem abstrußen Monster aus Kifferkomödie und Psychodrama. Auch hier spielt sich Wood quasi selbst: den verunsicherten, sehr sympathischen Looser, der trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch Probleme hat, mit Frauen zu reden, ohne dabei ins stottern zu kommen. Natürlich verlangt die typische Charakterentwicklung solcher Filme die übliche Verwandlung des Spielballs in den Hero-of-the-Week, aber selbst dieses Charakterklischee wirkt glaubhaft und ist in genug Hintergrund eingebettet, dass man es Elijah Wood jeder Sekunde abkauft.
Unterstützt wird Wood von der charismatischen Alison Pill, die eine sanfte Dekonstruktion des zu nervigen manic pixie dream girl mimt, in dem sie mit skurillen Lacher und ungläubigen Kulleraugen durch den blutigen Albtraum stolpert. Rainn Wilson channelt sich quasi selbst und spielt das was er am Besten kann; einenunsympathischen Ignoranten, der mit brachialen Ton jeden einschüchtert und in bester schruteness die stärkste Leinwandpräsenz zeigt. Und das der versteckte Star (und Co-Writer) des Films: Leigh Whannell, der bereist in SAW und INSIDIOUS seine komödiantisches Talent zeigen konnte. Nur ist es diesmal nicht fehl am Platz, sondern überaus willkommen und saukomisch. Whannell ist (in meinen Augen zumindest) überaus charismatisch, besitzt ein feines Gefühl für Timing und hat die besten One-Liner parat. Als sozial verkrüppelter Sexualkundelehrer findet Whannell immer die falschen Worte zur falschen Zeit und ist der Inbegriff des Comic-Relief in einem Film, der ohnehin schon sehr witzig ist.
Alles in allem ist COOTIES durchaus gelungen und funktioniert gut als einenhalbstündiger Partyfilm und/oder Einstige für einen soliden Funsplatter-Filmabend. Wie gesagt, das Gemetzel bewegt sich in einem wenig beeindruckenden Spektrum und ist in keinem Moment mit neuseeländischen Splatter-Meisterwerken vergleichbar. Der Plot kann von der vorhersehbaren Drama-Kurve dann doch nicht ab und die Figuren, so liebevoll und witzig sie auch gezeichnet sein mögen, müssen alle die Stadien der Mainstream-Dramaturgie durchlaufen: unerwiderte Liebe, heldenhaftes Opfer, allseitsbekannte Missverständnisse, bla bla bla… aber wenigstens hält sich der Film nicht all zu lange damit auf. Der Zombie-Survival-Plot lässt am Ende niemanden überrascht zurück, das Finale wirkt beinahe wie eine Verpflichtung die das Genre als Opfer verlangt und nennenswerte Tiefe zeigt der Film auch selten. Und trotzdem – COOTIES ist vor allem wegen seines Ensembles sehenswert, der Film selbst mit einer wundervoll schwarzhumorigen und tongue-in-cheek Stimmung durchwegs unterhaltsam und auch wenn er nie wirklich spannend wird, bleibt er jederzeit witzig. Das reicht allemal.

coooooooootieees!
FAZIT:Fans von ZOMBIELAND und SHAUN OF THE DEAD können hier getrost reinschauen und auch wenn der Film auf der Plot- & Splatterseite keine neuen Einfälle bieten kann (außer, natürlich: Kinderzombies!), ist es die wundervolle und spielfreudige Truppe (angeführt von unserem Lieblingshobbit Elijah Wood) die mit viel Witz und Charisma dem Film sein CGI-blutiges Leben einhaucht. Mit gutem Timing, lässigen One-Linern, schrägen Figuren (Lehrer haben alle einen an der Waffel) und morbidem Humor kann man sich auf einen unterhaltsamen Filmabend freuen und COOTIES für das nehmen, was er ist: bloody fun. In diesem Sinne: „Oh look! Carnage!“

PS: Bei Gelegenheit, werft ein Ohr auf den Soundtrack von KRENG, der ist nämlich auch ziemlich fein.

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2 Gedanken zu „„Eat a cock, kid!“ Review zu „COOTIES“ von Jonathan Milott & Cary Murnion

  1. Muriel sagt:

    Ich mag deine Reviews.

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